E-Learning im Tauchsport?

 Geschrieben von Andreas

Tauchen lernen online

– die Zukunft des Tauchunterrichts?

von Andreas Nowotny


Ehe man sich in die nassen Fluten stürzen und in die Unterwasserwelt abtauchen kann, benötigt man einiges an Wissen, um den Sport sicher ausüben zu können. Also melden wir uns bei einer Tauchschule an, sitzen brav im Theorieunterricht, lesen später im Lehrbuch die besprochenen Themen nach und lösen ein paar Übungsaufgaben.

E-Learning im Tauchsport
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Der Unterricht selbst ist meist Frontalunterricht, gehalten von einem Ausbilder mit mal mehr, mal weniger didaktischen Fähigkeiten. Je nach Kenntnisstand und Interesse des Lehrers kann der Unterricht dabei ganz unterschiedliche Schwerpunkte haben. Das Ganze aufgelockert durch die eine oder andere Folie oder ein Video. Der Tauchschüler konsumiert erst einmal...

Die Möglichkeiten des E-Learning

Aber muss das so sein? Bietet die neue Informationstechnologie nicht Möglichkeiten, die über das, was so an Tauchschulen üblich ist, hinaus gehen? Das Schlüsselwort heißt hier E-Learning: Eine Lernmethode, die digitale Medien zur Darstellung von Inhalten, aber auch für die Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden benutzt. Dies ist weit mehr als nur eine Möglichkeit den Unterricht aufzupeppen oder Lehrbücher zu ersetzen. Die Vorteile des E-Learning für den Schüler liegen klar auf der Hand:


Der Lernende kann selber bestimmen wann und wo er lernt

Der Lernende kann auf das Tempo des Kurses Einfluss nehmen

Inhalte können visuell aufbereitet und durch Animationen veranschaulicht werden

Audio- und Videoelemente können einfach integriert werden

E-Learning ermöglicht Interaktion zwischen Lehrmittel und Lernenden

Es ist möglich, individuell den Kenntnisstand des Lernenden zu prüfen

Der Schwierigkeitsgrad der Lektionen kann an den Kenntnisstand des Lernenden angepasst werden.

Die Qualität der Lehre ist unabhängig von der Tagesform eines Lehrers

E-Learning bietet in vielen Themenbereichen eine herausragende Möglichkeit, komplexe Inhalte für die Schüler verständlich aufzubereiten, die Auseinandersetzung des Lernenden mit der Materie zu fördern und auch die Hemmschwelle zu senken, sich mit dem Stoff überhaupt zu befassen.

Gerade der Theorieteil des Tauchunterrichts bietet sich für Computer-basiertes Lernen an. Auf der einen Seite stehen hier sehr vielschichtige Inhalte, z.B. aus den Bereichen Medizin und Physik, die einem Zielpublikum mit sehr unterschiedlichem Vorwissen vermittelt werden müssen. Dem gegenüber stehen Instruktoren, die meist keinen pädagogisch didaktischen Hintergrund haben und deren fachliche Qualitäten sehr unterschiedlich sind. Digitale Medien können daher nicht nur die thematischen Anforderungen des Lernstoffes anschaulich darstellen, sondern es kann auch gewährleistet werden, dass die inhaltliche Aufbereitung des Stoffes didaktischen und fachlichen Ansprüchen genügt.

Aber auch ein anderer Punkt ist wichtig: Tauchen ist ein Hobby und das Erlernen von Theorie und Praxis findet daher in der Freizeit statt. Gerade Tauchschulen die einen individuelleren Ansatz fahren und sich in der Zeitwahl der Theoriestunden möglichst nach den Wünschen der Kunden richten, wissen ein Lied davon zu singen, wie schwierig es ist einen Termin zu finden, der für alle Schüler gleich gut passt. Wer einen Tauchkurs im Urlaub durchführt, muss die Unterrichtseinheiten parallel zur praktischen Ausbildung absolvieren und im Anschluss an Theorie- und Praxisunterricht dann den Stoff wiederholen und Übungsaufgaben hinter sich bringen.

Tauchkurs24 – E-Learning im Tauchsport

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An dieser Stelle setzt Tauchkurs24 an, ein Projekt unter Leitung von Prof. Dr. Matthias Fank, welches das Prinzip E-Learning auf den Tauchsport anwendet. Genauer gesagt handelt es sich um ein so genanntes Web Based Training (WBT), da hier die Vermittlung des Stoffes über das Internet geschieht. Tauchkurs24 richtet sich dabei an zwei Zielgruppen, den Tauchschüler und die Tauchschulen.

Für die Tauchschüler (Informationslevel: Anfänger) bietet die Website von Tauchkurs24 derzeit die Möglichkeit, sich kostenlos zu registrieren und die Themen der Tauchtheorie zu lesen, sowie mit Hilfe eines Tests, der Fragen aus allen Bereichen zufällig kombiniert, ihr Wissen zu prüfen. Später ist geplant, in einem kostenpflichtigen Portal auch Videos, z.B. von der Freiwasserausbildung, einzubinden. Damit sollen sich die Schüler sowohl im Vorfeld auf die Übungen vorbereiten, als auch später Handlungsabläufe noch einmal vor Augen führen und somit ihre eigenen Fähigkeiten optimieren können.

Mit Hilfe von Tauchkurs24 sollen sich die Tauchschüler nicht nur mit der Materie auseinander setzen können, sondern sie können die einzelnen Lektionen so oft wiederholen, bis sie sich fit genug für die Prüfung fühlen. Das ermöglicht ihnen auch die Theorie schon zu Hause zu lernen, so dass sie im Urlaub nur die eigentliche Prüfung ablegen müssen und sich ansonsten voll der Tauchpraxis widmen können.

Auch für Tauchschulen ist das Konzept interessant, denn für den Theorieunterricht werden Dozenten, ein Raum und natürlich relativ viel Zeit benötigt. Erfolgt nun der Großteil der Theorievermittlung im Selbststudium am Computer, kann sich die Tauchschule darauf beschränken, das gelernte zu überprüfen, ggf. zu vertiefen, bzw. korrigieren und sich ansonsten auf den Praxisunterricht zu konzentrieren. Für Tauchschüler und –schulen ist das „Ziel [...] ganz klar die Reduktion bzw. Ersatz der Theoriestunden“, so Prof. Dr. Fank.

Gleichzeitig soll so sichergestellt sein, dass die Tauchschüler alle das gleiche Niveau haben, unabhängig von den didaktischen Fähigkeiten der beschäftigten Ausbilder. Für Tauchschulen ist ein weiterer Vorteil des Online-Theorieunterrichts, dass die Unterrichtseinheiten immer auf dem neuesten Stand sind, denn die Inhalte können zentral schnell angepasst werden.

Tauchkurs24 in der Praxis

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Derzeit befindet sich Tauchkurs24 noch in einer Evaluationsphase, in der die Registrierung kostenlos ist, wird aber schon in der Praxis mit ein paar ausgewählten Tauchschulen verwendet. Prof. Dr. Fank: „Auf Tauchkurs24 kann man sich das komplette theoretische Wissen für den ersten Tauchschein erwerben. Die Prüfung kann dann bei einer kooperierenden Tauchschule geschrieben werden.

Peter Jacobs, Geschäftsführer bigbluesea World of Diving S.L., meint dazu: „Interessierte Tauchschüler haben die Möglichkeit, bei uns ihren Tauchschein zu machen und die Theorie zu Hause zu erledigen. Der Schüler hat den Vorteil, dass er vorbereitet zu uns kommt, die Prüfung schreibt und direkt mit dem Tauchen loslegen kann. Das spart ihm Zeit und Geld. Der Schüler beginnt bei uns mit der theoretischen Prüfung. Sollte diese positiv (max. 5 Fehler) abgeschlossen werden, werden wir die Wasserübungen und die Tauchgänge mit ihm absolvieren.“ Als zusätzliche Unterstützung für die Tauchanfänger wird ein Skript angeboten, das eine umfangreiche Zusammenfassung der Tauchtheorie bietet. Die Kursteilnehmer können sich dieses PDF zur Begleitung des Onlinekurses herunter laden.

Es ist noch zu früh für Erfahrungswerte der teilnehmenden Tauchschulen P & P Diving Center in Playa Blanca, Lanzarote Dive Service in Puerto del Carmen (beide Lanzarote) und Scuba Marin in Köln, da dieses Pilotprojekt noch nicht lange genug läuft (und die neue Tauchsaison noch nicht begonnen hat). Peter Jacobs ist aber zuversichtlich, was die Akzeptanz sowohl der Schüler, als auch der Tauchschulen betrifft, denn „das Angebot stellt eine völlig neue Möglichkeit dar, den Schüler noch besser vorzubereiten.“ Die Zukunft von E-Learning im Tauchsport sieht er einerseits ähnlich optimistisch, denn wenn „[...] das Programm ein Erfolg wird, von dem auszugehen ist, können alle Levels im theoretischen Sektor durch E-Learning absolviert werden.“ Auf der anderen Seite hegt er Zweifel, ob das Thema E-Learning auch von den großen Tauchsportorganisationen aufgegriffen wird: „Ob die amerikanischen Verbände mit ziehen werden, bleibt zu bezweifeln, da Ihnen durch E-Learning Umsätze weg brechen werden.

E-Learning im Tauchsport
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Im Anschluss an diese Praxis-Pilotprojekte und die Evaluierung durch die anderen registrierten Internetbenutzer, werden die Ergebnisse in die Überarbeitung von Tauchkurs24 eingebracht, wobei der derzeitige Stand als generell ausreichend gesehen wird. „Die Inhalte werden sich nur noch geringfügig ändern. Neben den Erfahrungen aus den Teilnehmern wird der Tauchkurs24 noch mit den gängigen Prüfungsanforderungen nach (CMAS, NAUI, PADI, SSI) abgeglichen.“ sagt Prof. Dr. Fank in Bezug auf die Lerninhalte. Außerdem werden „noch einige Animation zu den physikalischen Gesetzen erstellt“ und, wie schon oben erwähnt, Lehrvideos integriert.

Damit ist die Entwicklung des Online-Theoriekurses aber noch nicht abgeschlossen, die Entwicklung daran soll kontinuierlich weiter gehen. „Der freie Teil war dazu gedacht den Tauchschulen und Verbänden einmal zu zeigen, was man so alles machen kann.“, sagt Prof. Dr. Fank, „Tauchkurs24 soll im Laufe der Zeit wachsen und immer besser werden.“ Er findet es wichtig, solchen Projekten auch Raum für Entwicklung zu geben und dementsprechend für den ersten Wurf nicht gleich die höchsten Maßstäbe anzusetzen – deshalb sei man schließlich noch in einer Evaluierungsphase.

Theoriekurse online – eine Methode mit Zukunft?

Ich denke, dass prinzipiell die Theorievermittlung über das Internet sehr zukunftsträchtig ist, da die Vorteile für Schüler und auch Tauchbasen auf der Hand legen. Zumindest bei SSI gibt es auch schon Pilotprojekte in diese Richtung, wobei auch hier die die Möglichkeiten des Mediums Internet nicht ausgenutzt werden und sich die Interaktion hauptsächlich auf Wissenstests beschränkt. Trotzdem zeigt dies, dass das Thema durchaus auch bei den Verbänden, zumindest aber Teilen davon, Interesse hervorruft.

Allerdings wird sich in diesem Bereich noch einiges tun müssen. Lediglich Lehrbücher durch Bildschirmtexte zu ersetzen und mit Animationen zu versehen, wird langfristig keine Chance haben. Es hat sich gezeigt, dass nur die zusätzliche Betreuung der Lernenden durch Tutoren den Erfolg wirklich gewährleistet. Ein Tutor-gestütztes E-Learning Modell bietet echte Interaktivität und tatsächliche individuelle Betreuung. Dies kann u.a. folgende Ausprägungen haben:


Einfaches Monitoring – Tutoren überprüfen die Ergebnisse der Lernkontrollen und geben individuell Feedback

Kurssteuerung – Tutoren ermitteln den zusätzlichen Wissensbedarf und steuern entsprechend den weiteren Kursverlauf, z.B. mit weiteren Inhalten zu schwachen Gebieten

Synchroner (Chat) oder asynchroner (Forum) Wissensaustausch mit dem Tutor.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist aber auch ein synchroner oder asynchroner Austausch der Schüler untereinander. Im Diskurs mit anderen Kursteilnehmern kann der Schüler sehen, dass er mit Verständnisschwierigkeiten und Problemen nicht allein ist, sondern dass es anderen auch so geht. Dabei lernen die Teilnehmer auch aktiv an die Problemlösung heran zu gehen und im Team ihr Wissen zu erweitern. Diese Kommunikationsmöglichkeiten müssen dabei immer von einem Tutor moderiert werden, damit es nicht zum Einbringen von Fehlern durch falsch informierte Schüler kommt.

Das Thema E-Learning ist gerade den Kinderschuhen entwachsen, befindet sich aber noch am Anfang der Gesamtentwicklung. Fortschritte in der Computertechnologie, schneller Anbindungen potentielle Schüler an das Internet und eine generell steigende Akzeptanz dieses Lehrmediums bei Tauchschülern und Tauchgeschäften werden aber mit Sicherheit dazu führen, dass in Zukunft mehr und mehr Lernende dieses Medium nutzen werden. Auch Tauchkurs24 steht noch am Anfang dessen, was im Bereich E-Learning möglich ist. Die derzeitigen Informationen der Website haben, auch abgesehen von diversen Fehlern noch nicht die entsprechende Tiefe, um wirklich umfassend in das Tauchen einzuführen. Sowohl von der fachlichen, als auch didaktischen Aufbereitung sehe ich noch Änderungsbedarf an der Seite. Aber es ist auf jeden Fall der richtige Schritt in die Zukunft und ich bin auf die weitere Entwicklung gespannt und darauf, wie dieses Konzept von Tauchanfängern und Tauchschulen angenommen wird. Ich denke, es wird interessant zu sehen, wie die Erfahrungen in einem Jahr sind und welche Resonanz Tauchkurs24 hervorgerufen hat. Wir werden das Thema natürlich gespannt beobachten und weiter berichten.

Link zum Thema

Tauchkurs24.de


© 2006 - Andreas Nowotny



Infos

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