Neben den schon seit längerem auf dem deutschen
Markt etablierten Marken versuchen auch immer mehr Newcomer, sich ihren Anteil
am Markt der modular aufgebauten Wings zu sichern.
Einer dieser Hersteller ist RedTech aus Kroatien, der mit vielen neuen Ideen
aufwartet und sich allein schon optisch von den Mitbewerbern unterscheidet
- wir haben uns RedTech mal etwas genauer angeschaut:
Firmengeschichte
Angefangen hat die Geschichte von RedTech vor über fünf Jahren, als sich
die drei kroatischen Tec-Taucher Jurica Bezak (RedTech-Eigentümer), A.
Plancic und N. Lukas Gedanken darüber machten, wie sie ihr bestehendes
Equipment besser auf ihre individuellen Bedürfnisse anpassen können
- heraus kam das QSS-Harness (Quick Slide System), ein System, welches eine
sichere und schnelle Einhandbedienung zulässt, das Gewicht gleichmäßig
verteilt, sich auf jede Figur einfach einstellen lässt und das sich
der Eigentümer auch patentrechtlich hat schützen lassen.
Mittlerweile bietet RedTech dazu 4 verschiedene Wingsysteme an, zwei davon
wählbar mit 22 oder 40 Kilogramm Auftriebsvolumen, ein Selbstentwickeltes
Backplate-System sowie das ein oder andere Goody, welches der technische
Taucher oder der ambitionierte Sporttaucher gerne sein eigen nennt. Einen
Überblick über das komplette Angebot gibt es unter www.redtech.hr, das für
den deutschen Markt besonders interessante R.I.D-Wing haben wir einer genaueren
Prüfung unterzogen.
R.I.D. 2.0 - der optische Eindruck
Für unseren Praxistest haben wir das an den momentan
gefragten DIR-Style angelehnte R.I.D. 2.0 mit 22 Kilogramm Auftrieb gewählt.
Schon beim erstens Blick fällt die ungewöhnliche Form des Backplate
auf:
Anders als die üblichen, aus einem Stück beschaffenen Varianten
besteht dieses aus einem durchgehenden Längsteil, welches mit 2 “Querträgern”
versehen ist. Der untere davon lässt sich auf 2 Positionen fixieren,
einmal für Benutzer unter 180cm, einmal für größer Gewachsene.
Das Wing selber wird dann mittels vier Schrauben an den Querträgern
befestigt und besticht direkt durch seine durchgestylte Optik: Der Namensschriftzug
ist an beiden Seiten des Wing zweifarbig eingestickt und taucht auch an anderen
Stellen wieder auf (Schnalle, Inflatorfixierung etc.). In Verbindung mit
der gelungenen Farbgebung und der glänzenden Backplate sieht das Teil
laut Umfrage im Bekanntenkreis schon edel aus....
Die Außenhülle ist aus 1000 dtex ballistik Nylon gefertigt, innen
beschichtet und ein ebenso großer wie stabiler Reißverschluss
ermöglicht die Kontrolle der aus Nylon Cordura gefertigten Blase. Der
runde Inflatorschlauch ist mittig auf dem Wing angeordnet und besitzt keinen
Schnellablass, der Inflator selber lässt sich extrem feinfühlig
und gut dosieren.
Eine Besonderheit ist der auf der Rückseite angebrachte einzige Schnellablass,
der zur Flaschenseite hinzeigt und nicht zum Taucher selber (DIR-ler bitte
weglesen: Er hat sogar einen Bommel!). Vorab schon: Die Funktion war tadellos,
nachdem man sich an die ungewohnte Seite gewöhnt hat, die Luft entweicht
subjektiv noch besser....
Bebänderung nach DIR
Als Harness kommt hier nicht das patentierte QSS zum Einsatz, sondern eine
DIR-Bebänderung in Form eines durchgehenden Gurtbandes, an dem 5 verstellbare
D-Ringe angebracht sind. Ferner zählen zum Lieferumfang noch 2 Schulterpolster
sowie eine ausklappbare Tasche, die z.B. zum Transport einer Ersatzmaske
oder von Wet Notes dient.
Der Praxistest
Schon beim heben des Wings merkt man den ersten Unterschied zu anderen, da
fehlt doch etwas? Genau, ca. 1,5 bis 2kg Gewicht im Vergleich zu einer herkömmlichen
Backplate! Angenehm auf Reisen, muss das fehlende Gewicht beim tauchen jedoch
durch eine erhöhte Bleimenge ausgeglichen werden.
Überhaupt war Blei das Thema, was zumindest mir am meisten Gedanken
machte: Durch die Bauform der Rückenplatte ist es nicht möglich,
das sonst so gern verwendete P-Weight (Blei in der Falz des Backplate) anzubringen.
Gemeinsam mit dem Verlust an Gewicht beim Backplate selbst summiert sich
das auf 5 Kilogramm, die nun anders angebracht werden müssen. Bleigürtel,
Hosenträgerbleigurt? Nicht wirklich optimal. Am Harnessgurt befestigte
Bleitaschen? Auch nur suboptimal: Einmal zieht es am Gurt, zum zweiten passt
der Trimm nicht mehr so, drittens stören die Taschen dort eh. RedTech
selber bietet Bleitaschen an, die an dem Teil des Harness zwischen Schulter
und Hüfte befestigt werden - leider standen diese uns aber für
den Test nicht zur Verfügung, ferner verhindern sie die Anbringung der
Back-up-Lampe an der gewohnten Stelle....
Bleitaschen des RID Systems
Wer die Möglichkeit hat, Blei selber in Form zu bringen: Ein Bleistück
in Form einer längeren Tafel Schokolade lässt sich hinten am Backplate
verschrauben. Falls sonst noch jemand einen guten Tip hat: Bitte beim Autor
melden :-)
Tadellos dagegen der Sitz der Backplate am Rücken, da wackelt nichts,
das passt wunderbar, da drückt nichts - hier ist das RedTech-System
jeder normalen Backplate überlegen! Wer es nicht glaubt: Ausprobieren!
Ein weiterer Pluspunkt für die RedTech-Variante: Monoflaschen passen
ohne Single-Tank-Adapter und sitzen somit auch deutlich dichter am Taucher
- das hochschlagen der Wingflügel indes kann die Bauform der Backplate
auch nicht verhindern. Hier merkt man, dass das R.I.D. in erster Linie für
den Einsatz von Doppelpaketen gebaut ist, aber zumindest ohne großen
Aufwand auch mal mit einer Monoflasche getaucht werden kann.
Besonders interessant sind die durch die offene Bauform möglichen Varianten
der Schlauchführung: Von oben kommend, können der Ersatzregler-
sowie der Finimeterschlauch (evtl. auch der Inflatorschlauch des Trocki)
zwischen Taucher und den Querstreben der Backplate herlaufen: Weit abstehende
Schläuche sollten damit endgültig der Vergangenheit angehören...
Inflatorbedienung, Wasserlage, Verarbeitung: Auch hier gibt sich das R.I.D.
2.0 keine Blöße, alles auf dem bekannt hohen Niveau der gängigen
Mitkonkurrenten. Einziger kleiner Nachteil ist die Anordnung des Inflators,
der mit dem Mundstück Richtung Schulter zeigt - auch wenn er sich leicht
drehen lässt, wäre eine Ausrichtung Richtung Mund sinnvoller.
Nach dem Tauchgang kann sich der R.I.D.-Besitzer schon mal auf Anfragen anderer
Taucher einstellen: Ein weiteres Zeichen dafür, dass die Optik ankommt
und das Konzept Interesse weckt!
Wer sich mit dem Konzept des Backplates nicht so anfreunden kann oder wer
nur ein neues Wing für sein bestehendes Backplate sucht, wird bei RedTech
trotzdem fündig: Alle Wings sind auch in “Standartausführung” zu
bekommen!
Die ersten Vertriebspartner der kompletten RedTech-Palette in Deutschland
sind www.divecenter-online.de
sowie www.aqua-tek-point.de,
die beide auch Testmöglichkeiten anbieten (Infos hierüber auf
der jeweiligen Homepage) - weitere Vertriebspartner werden noch gesucht.
Fazit
+ gelungene Optik
+ interessantes Konzept der Backplate
+ neue Möglichkeiten der Schlauchführung
+ gute Verarbeitung
+ reichhaltige Ausstattung
+ kein Monoflaschenadapter erforderlich
+ reisefreundlich dank geringem Eigengewicht
+ perfekter Sitz der Backplate am Rücken
+ anpassbar an die Körpergröße
- höherer Bleibedarf wegen fehlendem Eigengewicht der Backplate
- Stellung des Inflators
- keine Möglichkeit, handelsübliches V-Weight anzubringen
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