UW-Fotografie Digital

 Geschrieben von Harry

Digitale Unterwasser-Fotografie

Digitale UW-Fotografie

Der Ratgeber für Ein- und Umsteiger
Reimund Hübner,

Reihe Tauchpraxis
1. Auflage 2005,
durchgehend bebildert und illustriert
ISBN 3-275-01531-1,
Verlag Müller Rüschlikon,
VP 26.- €

Eine Buchrezension von Harald Mathä

Seit die kleinen, kompakten und lichtstarken Digitalkameras auch mit Unterwassergehäuse erhältlich sind, hat sich die Anzahl der unter Wasser knipsenden- aber auch fotografierenden Taucher explosionsartig vermehrt. Aber: Wie mache ich bessere Unterwasserbilder? Worauf muss ich achten? Wie funktioniert das eigentlich? Was kann ich aus meinem Bild nachträglich noch herausholen? Auf diese und viele andere Fragen findet man in diesem Buch die Antworten.

Digitale Fotografie - Sensorgröße und Blickwinkel - Taucher.Net
Zusammenhang Sensorgröße und Blickwinkel (Kleinformat vs. Chip)

Die Aufmachung des Buches ist attraktiv und übersichtlich gegliedert. Die Buchbindung macht den aus dieser Buchreihe gewohnten, soliden Eindruck. Graphiken und Tabellen helfen, kompliziertere Zusammenhänge leichter zu verstehen. Die im Buch abgebildeten Fotos sind erstklassig! Unter den Bildern wär' schon so mancher Kandidat für das "Foto des Monats" hier auf Taucher.Net dabei!
Der Neptunschleier aus dem "Mare Nostrum" auf Seite 31 erfreute mich als alten Moosthierchenexperten;-) natürlich ganz besonders!

Dass in der (zugegeben) knappen historischen Einleitung auf den Tauch- und UW-Fotopionier Hans Hass vergessen wurde, der ab den 30er Jahren des 20. Jhd. der breiten Bevölkerung durch seine Unterwasserfotos und Filme die Welt unter Wasser erstmals zeigte und dafür begeisterte, reißt für mich ein gewisses, historisches "Loch" in dieses Kapitel!

Seepferdchen - Taucher.Net
Gelbes Seepferdchen

Wie dann eigentlich digitale Fotografie funktioniert und was es mit dem Bildchip auf sich hat, erfährt man nach der Einleitung zu Beginn des Buches.

Nach einer Übersicht über die (hach, wie vergängliche!) Modellpalette der digitalen Hersteller folgt das anspruchsvollere Kapitel über Kamera und Objektiv. Dieses richtet sich aber mehr an bereits erfahrenere Fotografen mit Spiegelreflexkameras. Ab hier beginnt das Hobby UW-Fotografie wie einst aber auch heute noch so richtig schön "ins Geld" zu gehen! Dabei erfährt man einen interessanten Einblick über Einsteiger Kompaktkameras, Highend Kompaktkameras bis hin zur Meisterklasse, den digitalen SLR Kameras.

Anemone - Taucher.Net
Seeanemone

Das Kapitel Speichermedien sollte wohl jeden ansprechen! Da sich die Fotoindustrie -und nicht nur diese!- noch Lichtjahre von einem einheitlichen Standard entfernt befindet, werden wir wohl noch lange mit Memory Stick, CompactFlash Card, SD Card und wasweissdennichnochwas herum jonglieren müssen!
Hier finden sich übrigens überaus wertvolle Tipps zum richtigen Umgang mit seinem Speichermedium!
(Wer weiß schon, dass Speichermedien ähnlich "zickig" wie Akkus sein können?!)

Den Sinn von PIDs (Portable Image Downloader) hab ich für den "normalen" Unterwasserfotografen auch nach intensivem Studium des entsprechenden Kapitels in diesem Buch immer noch nicht begriffen! Sind die modernen Speichermedien doch schon ein bis mehrere GB groß und reichen für mehrere tausend Bilder. Mit zwei oder mehreren solcher GB Speicher sollte man doch schon recht weit kommen, oder?
(zudem sinken die Preise pro GB umgekehrt proportional, wie die Speichergrößen jährlich zunehmen.)

Lichtweg - Digitale Fotografie - Taucher.Net
Auch beim Arbeiten mit dem Blitz: Lichtweg beachten!

Auf Das richtige Licht kommt es unter Wasser natürlich ganz besonders an. Das erfährt jeder frischgebackene UW-Fotograf bald... Sehr bald sogar..! Nach Frust mit dem winzigen internem Kamerablitz und halbherzigen Beleuchtungsversuchen mit der UW-Lampe wird wohl irgendwann der Kauf eines UW-Blitzgerätes anstehen. Aber: auch richtiges Blitzen will gelernt sein!

Die optischen und physikalischen Grundlagen der UW-Fotografie sollten für den tauchenden Fotografen immer fast ebenso fest im Hinterkopf sein, wie die physikalischen Grundlagen der Tauchmedizin! Erstes verhilft zu besseren Bildern, zweites diese lange machen zu können!
Hier finden sich auch sehr interessante Tabellen. Erstmals fand ich hier etwas, nachdem ich bisher vergeblich suchte. Eine tabellarische Aufstellung, in welcher Tiefe wie viel Prozent welcher "Farbe" im Vergleich zur Oberfläche noch vorhanden sind (Seite 111)

Extinktion der Farben - Digitale UW Fotografie - Taucher.Net
Die Extinktion der Farben in der Tiefe

- und wer sich für das Wiensche Verschiebungsgesetz, die Refraktion oder das Prinzip von Huygens interessiert, der kann auch dieses Fachwissen im Buch erwerben und künftig Tauchkollegen damit beeindrucken;-)
(und solche "Kästchen" mit Spezialwissen finden sich fast auf allen paar Seiten! Für ausreichend "Nahrung fürs Hirn" ist also mehr als gesorgt!)

Im Ernst: wie bereits erwähnt, deckt dieses Buch den Wissensbereich vom UW-Fotoanfänger bis zum Fortgeschrittenen ab.
Sozusagen von Photographer* bis *** bzw. Open Water Photographer bis Photomaster oder ähnlichem ;-)

Die Grundlagen der Digitalisierung tauchen noch einmal tief in die 0 und 1 bzw. Bits und Bytes der digitalen Medien ein. Wie dann aus den Nullen und Einsen ein Bild wird, erfährt der, den das wirklich interessiert, in diesem Kapitel.

Chip Technologie - Digitale UW Fotografie - Taucher.Net
Chiptechnologie

Aber was macht jetzt ein gutes Bild aus? Wann wirkt ein Bild attraktiv und packend? Wann ist ein Bild mehr als nur einen Blick wert? Die ästhetischen Grundlagen eines guten Bildes haben sich über Jahrhunderte erhalten! "Goldener Schnitt", "Diagonale" und eine "Geschichte ohne Worte" zeichnen immer noch ein gutes Bild aus!
Danach kommen Farbgestaltung, Platzierung von Farben, Leitlinien, Tiefenschärfen, Formatwahl und vieles anderes mehr! Bildgestaltung eben!

Klassiche Aufteilung - Fotografische Gestaltung - Taucher.Net
Die klassische Dreiteilung eines gelungenen Bildes

Eines ist klar! Bevor zur Kamera gegriffen wird, muss der Taucher perfekt tarieren können und mit seiner Ausrüstung am Besten blind umgehen können! Der rücksichtslose, in den Korallen kniende Fotograf sollte heutzutage längst ausgestorben sein! (oder hoffentlich bald sein!!!)
Aber auch im Süßwasser wird der Fotograf, der nach jedem Foto eine riesen Schlammwolke hinterlässt, wohl kaum Freunde finden. So mancher Tipp und nützliche Übungen fürs Schwimmbadtraining hierzu findet sich im Kapitel über umweltgerechtes Tauchen!

Im Kapitel Bildbearbeitung erfährt/lernt man etwas über die elektronische Bildbearbeitung am Beispiel des bekannten Programms Adobe Photoshop Elements (TM). Nach Studium dieses Kapitels kann man schon einiges mehr aus seinen Bildern holen, ohne einen Mehrabendigen Kurs in der Volkshochschule über dieses Programm besucht zu haben. Ich gestehe gerne, auch hier wieder einiges dazugelernt zu haben!

Arbeiten mit Farbkanälen - Taucher.Net
Arbeiten mit Farbkanälen

Die "Wichtigen Schritte bei der Bearbeitung digitaler Bilder" auf Seite 197 möchte hier mal ganz frevlerisch als "Die 10 Gebote für digitale Bildbearbeitung" titulieren!
Elementare Vorgangsweisen, die das Leben wirklich erleichtern (wie gesagt: ich hab einiges dazugelernt!)

Wie weit aber die automatische Tonwertkorrektur im Photoshop Unterwasserbilder verbessert, darüber bin ich anderer Meinung als der Autor.
Der beschriebene "Aha-Effekt" war bei mir meist mehr ein "Oh nein!"

Zum Schluss des Kapitels verliert sich der Autor dann etwas in der Bildmanipulation und schießt dabei meiner Meinung etwas über das (Lehr- und Lern-) Ziel hinaus.

Soldatenfisch - elektronisch verfremdet - Digitale Fotografie
Elektronisch verfremdeter Soldatenfisch

Das abschließende Kapitel Print wird dann wieder all jene begeistern, die ihre nun optimierten Bilder auch zu Papier bringen, oder gar als Poster entwickeln lassen wollen.
Auch ich stand in der Vergangenheit schon im Elektromarkt XYZ vor den furchtbaren Ausarbeitungen meiner am Monitor doch so schönen UW-Aufnahmen. Einiges ist mir jetzt klarer!

Inhaltsverzeichnis

- Einleitung
- Auf den Chip kommt es an
- Die digitale Modellpalette
- Die richtige Kombination - Kamera und Objektiv
- Speichermedien
- Das richtige Licht
- Optische und physikalische Grundlagen
- Grundlagen der Digitalisierung
- Bildgestaltung
- Umweltgerechtes Fotografieren
- Bildbearbeitung
- Der Print

Fazit

Ein Buch über die digitale Unterwasserfotografie, das sowohl für Einsteiger als auch für bereits "alte" bzw. "alte analoge" Fotografen eine überzeugende Fülle an Informationen liefert! Die einerseits breite Informationsvermittlung steht dem teils tiefen Eindringen in die fototechnischen und elektronischen Grundlagen der Kapitel ausgewogen gegenüber. Dies ist ein Garant dafür, dass man ein derartiges Lehrbuch noch oft zur Hand nehmen und nachschlagen wird!
Wie lange natürlich andererseits ein Buch aus dem Jahr 2005 über ein sich ständig weiterentwickelndes Medium wie die digitale Fotografie aktuell bleibt, ist schwer zu sagen. Die wirklich ausführlichst beschriebenen Grundlagen der (digitalen) Fotografie werden es aber bestimmt!

Clownsfisch - Nemo - Taucher.Net
Nemofisch :-)

Nützliche Links

Taucher.Net Buchrezensionen
Taucher.Net UW-Fotodatenbank
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© 2006 by Harald Mathä
© Bilder by Reimund Hübner (mit freundlicher Genehmigung)


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