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Onlinemagazin - 65. Ausgabe - Wrack UB 116 in Scapa Flow - Das Boot




 Geschrieben von Oli und Harry

Anfang 1916 zeichnete sich in der Kaiserlichen Marine der Bedarf an U-Booten größerer militärischer Leistungsfähigkeit ab. Denn Deutschland führte nicht mehr nur rings um Großbritannien und Irland herum Seekrieg gegen Großbritannien, sondern musste in absehbarer Zeit auch immer mehr Kräfte in die Gewässer der Ostsee und vor allem des Mittelmeeres entsenden. Dazu waren vor allem U-Boote längerer Reichweite notwendig. Also legte die Unterseebootsinspektion im März 1916 beim Reichsmarineamt einen Amtsentwurf für das Projekt 44 auf. Im wesentlichen sollten dafür die Pläne der Minenlege-U-Boote vom Typ UC II nur so umgearbeitet werden, dass der neue U-Bootstyp ein reiner Torpedoträger ohne Minenlegekapazität würde. Doch aus der geplanten Größe der neuen U-Boote von 450 t wurde am Ende ein Deplacement von 500 t. Außerdem wurden noch stärkere Motoren und eine größere Batterie für den neuen Typ vorgesehen.
Dieser erhielt schließlich die Kurzbezeichnung UB III.

Der Typ UB III war später das Vorbild für die Entwicklung des U-Boottyp VII A und dann des Typs VII C - dem meistgebauten U-Bootstyp der U-Waffe im 2. Weltkrieg.
Eines dieser Zweihüllen-Tauchboote vom Typ UB III wurde dann im Rahmen des am 8. Februar 1917 erteilten Kriegsauftrages Q bei der Werft Blohm & Voss in Hamburg bestellt. Diese Werft hatte schon einige Erfahrung im Bau dieses Typs sammeln können und bereits mit den Kriegsaufträgen J und O die UB III-Serien UB 48 bis UB 53 sowie UB 75 bis UB 79 gebaut.

So wie auch bei den Schwesterbooten der neuen Serie UB 103 bis UB 117 sahen die Baupläne des am 8. Februar 1917 bestellten Bootes eine Länge von 55,30 m und eine Breite von 5,80 m vor. Stückpreis für ein solches Unterwasserfahrzeug: stolze 3.714.000 Reichsmark !
Das getaucht 649 t verdrängende U-Boot wurde dann mit der Baunummer 322 auf Kiel gelegt und nach einer mehrmonatigen Bauzeit nur soweit fertiggestellt, daß es schwimmfähig war. Grund: die Helgen, auf denen die U-Boote gebaut wurden, mussten dringend für weitere Neubauten frei werden. Dummerweise waren die Lieferfristen für die Dieselmaschinen recht lang. Allein deswegen die Boote auf den Helgen zu lassen, kostete wertvolle Werftzeit. Also ließ man den Rohbau von Bau Nr. 322 erst mal am 4. November 1917 vom Stapel und legte ihn bis zum Eintreffen der Dieselmaschinen zusammen mit den anderen UB III-Rohbauten am Ufer der Norderelbe in ein Päckchen. Als die Diesel endlich eintrafen, wurden die Rohbauten, hierunter auch der mit der Baunummer 322, gruppenweise in eines der Schwimmdocks der Blohm & Voss-Werft eingedockt. In der Mitte waren die U-Bootsrümpfe nur provisorisch zusammengeschraubt worden. Im Dock wurden die U-Bootshälften nun getrennt und um 10 m auseinandergezogen. Durch diese Öffnung wurden jetzt die Diesel und andere sperrige Einrichtungen eingebaut. Anschließend wurden die Bootshälften wieder zusammengeschoben und miteinander verbunden. War auch das Außenschiff fertiggestellt, erfolgte die Ausdockung.

Zu diesem Zeitpunkt war schon fast alles eingebaut wie z. B. die beiden jeweils 550 PS starken Sechszylinder-Viertaktdiesel der Firma MAN-Vulcan. Diese wirkten über zwei Wellen auf die beiden dreiflügligen Schrauben mit einem Durchmesser von jeweils 1,40 m, was eine Höchstgeschwindigkeit von 13,3 Knoten ermöglichte. Bei einer Sparfahrt von nur sechs Knoten war mit dem maximalen Bordvorrat von 69 t Treibstoff eine Reichweite von 7.420 km möglich! Ebenfalls befand sich schon der Elektroantrieb für die Unterwasserfahrt an Bord. Dieser bestand aus zwei E-Motoren der Firma AEG, die zusammen 788 ePS stark waren und eine maximale Geschwindigkeit von 7,5 kn ermöglichten. Bei einer Sparfahrt von nur 4 kn konnte man aus den 124 Afag-Massezellenakkus an Bord immerhin eine Reichweite von 55 Seemeilen herausholen. Auch die Bewaffnung war schon auf der Werft vorbereitet worden. Im Bug hatte man außerdem vier 50 cm-Überwassertorpedorohre und im Heck ein 50 cm-Unterwassertorpedorohr eingebaut um aus diesen die mitgeführte Chargierung von zehn Torpedos verschießen zu können. Im übrigen baute man vor dem Turm eine Geschützbettung für die hier vorgesehene 8,8cm L/30-Uboot-Kanone ein und sorgte auch für einen Lagerplatz, der die Mitnahme von maximal 296 Granaten für die Kanone gestattete. Nach dem Ausdocken wurde das U-Boot an die Ausrüstungspier verholt. Dort baute man nun die speziellen Ausrüstungsteile wie z. B. das Geschütz sowie das Turm- und das Zentralesehrohr und andere Dinge ein. Am 24. Mai 1918 wurde es dann von seinem neuen Kommandanten Oberleutnant zur See Erich Stephan in Dienst gestellt.

Zunächst unterzogen die drei Offiziere und 31 weiteren Seeleute an Bord das bei der Indienststellung SM UB 116 getaufte U-Boot harten Erprobungen und Übungen. Dabei stellt sich heraus, dass das für eine maximale Tauchtiefe von 50 m und das weitere Küstenvorfeld konzipierte U-Boot nicht so seefähig war, wie die Ms-Boote, jedoch gut manövierte und auch ausgezeichnet drehte. Damit erfüllte das U-Boot die ihm zugedachten Anforderungen und hielt auch die werftseitig versprochenen Schnelltauchzeiten von nur 30 Sekunden ein. Am 10. August 1918 war Oberleutnant Stephan mit dem Ausbildungsstand an Bord zufrieden und meldete sein Boot frontreif. Am selben Tag noch verließ er Kiel und verlegte befehlsgemäß nach Zeebrügge in Belgien, wo SM UB 116 am 15. August auch eintraf und damit zur 1. U-Flottille Flandern von Kapitänleutnant Rohrbeck trat. Nach einer ersten Orientierung im Fronthafen und einer weiteren Verproviantierung mit Lebensmitteln, Munition und Treibstoff verließ das Boot am 28. August Zeebrügge zu seiner ersten Feindfahrt. Zielgebiet sollte die englische Ostküste sein. Doch dieser Unternehmung war kein Glück beschieden, so dass man am 10. September ohne Versenkungserfolge wieder in Zeebrügge einlief.

Die nächste Unternehmung begann am 29. September, als SM UB 116 auslief, um Sicherung für eine Aktion der Hochseeflotte zu fahren. Der ungünstige Kriegsverlauf an der Landfront machte es mit dem Vorrücken der Alliierten an der belgischen Küste dann notwendig, dass die Flandern-Stützpunkte der Hochseeflotte geräumt werden mussten. An Bord von SM UB 116 erhielt man davon per Funk Kenntnis, so dass das Boot am 4. Oktober statt in Zeebrügge in Wilhelmshaven einlief. Noch am gleichen Tag wurde das Boot der dort beheimateten III. U-Flottille von Kapitänleutnant Forstmann unterstellt und Oberleutnant zur See Hans Joachim Richard Emsmann übernahm das Boot als neuer Kommandant.


Oberleutnant z.S. H.J.R. Emsmann
Photo: Stiftung Traditionsarchiv Unterseeboote


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