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Du bist hier: Onlinemagazin 65. Ausgabe Wrack UB 116 in Scapa Flow Legendenbildung





 Geschrieben von Oli und Harry

An der Untergangsstelle von SM UB 116 begnügten sich währenddessen die Taucher der Royal Navy nicht damit festzustellen, was dort auf dem Meeresboden lag oder was für eine Identität dieser Gegenstand hatte. Die Taucher gehörten nämlich einer Spezialeinheit an. Diese war am Anfang des Krieges unter der Leitung des berühmten Tieftauchers Commander Guybon Chesney Castell Damant CBE gebildet worden. Cheftaucher war Warrant Shipwight Ernest Charles Miller MBE, DSC - von allen nur "Dusty" Miller genannt. Diese fliegende Truppe wurde überall dort eingesetzt, wo man eben ein feindliches U-Boot glaubte vernichtet zu haben und wo es noch nicht zu tief für Taucher war.

Die Taucher stiegen in diese U-Boote ein und erbeuteten in schöner Regelmäßigkeit von etwa 50 Booten die deutschen Kriegstagebücher, Minenkarten und Funkcodes. So auch im Falle von SM UB 116. Diesmal tauchten auch die Taucher der Marinebasis von Scapa Flow unter dem Kommando von Lieutenant A. Catto mit.

Zu seinem Tauchgang an diesem Boot befragt, sagte Miller anlässlich eines Interwievs im Jahre 1926:
Trotz schlechtem Wetter konnten zwei Trawler bei acht Suchläufen das Wrack des unbekannten U-Bootes orten. Ich fand alle Luken geschlossen vor, konnte aber trotz der Beschädigungen durch die Minen und Wasserbomben durch das vordere Luk in das Boot eindringen. Innen war es stockdunkel. Ich mußte mich an zwei Torpedos vorbeizwängen, die schon fertig zum Nachladen hinter den Bodenluken der Torpedorohre hingen. Auf meinem Weg durch das Boot stieß ich immer wieder gegen Leichen. Meine Lampe reichte dabei immer nur knapp einen Meter weit. Irgendwas störte mich an den Leichen mehr als sonst. Es dauerte etwas, bevor ich darauf kam: Alle Leichen die ich sah, trugen Offiziersuniformen. Scheinbar bestand die ganze Mannschaft aus Offizieren. In der Nähe der Zentrale fand ich einen Stapel schöner Lederkoffer. Ich war überrascht, nach dem Öffnen mehrer dieser Koffer überall den gleichen Inhalt vorzufinden: Ein paar schöne Zivilanzüge, Hemden, Kragen, Kravatten, Schuhe, Toilettengegenstände und diverse Geldbündel.

Mehr sagte Dusty Miller nicht. Die Phantasie des Reporters kam nun anscheinend ins Galoppieren und in der Folge verbreiteten sich Gerüchte, dass die Mannschaft vorgehabt hatte an Land zu gehen um dort ein wichtiges Unternehmen durchzuführen. Eines, das den Krieg zu einem abrupten Ende bringen sollte. Vielleicht hatte diese Mannschaft sogar vorgehabt, den König zu ermorden !
Doch das stimmte alles nicht. An Bord befand sich die reguläre Mannschaft - wenn man einmal davon absieht, dass sich ein Freund Emsmann`s an Bord eingeschifft hatte - Leutnant zur See der Reserve Friedrich Schütz, vormals auch Wachoffizier auf Emsmann`s SM UB 40.

Im einzelnen fielen auf SM UB 116:
Oberleutnant z.S. Hans Joachim Emsmann,
Leutnant z.S. Egon von Hertzberg,
Leutnant z.S. der Reserve Friedrich Schütz,
Marineingenieur Leutnant z.S. Erich Förster,
Bootsmannsmaat Hermann Auer,
Matrose Robert Bäuerle,
Maschinenmaat Franz Bock,
Matrose Gustav Dümmler,
Heizer Jacob Füsser,
Maschinist der Reserve Paul Gallwitz,
Oberheizer A. Gradlowsky,
Matrose Kurt Gräber,
Maschinenmaat P. Hamuseck,
Matrose Wilhelm Harms,
Oberbootsmannsmaat Franz Hofmann,
FT-Gast Johann Klein,
Maschinenmaat der Reserve Josef Köfert,
Heizer Richard Kolbe,
Maschinenmaat Hermann Laubner,
Heizer K. Lehmann,
Maschinemaat Hugo Lissner,
Maschinenmaat Richard Otto,
Oberheizer A. Paprotny,
Matrose Gustav Pech,
Obermatrose Johann Pudelko,
Heizer Ludwig Rapp,
Matrose Karl Rochow,
Heizer Emil Roerig,
Heizer Karl Schäffler,
Matrose Rudolf Schlaile,
Obermaschinenmaat Wilhelm Schlicht,
Steuermann Paul Schräder,
Matrose Fritz Schwabe,
FT-Maat K. Strentzsch,
Heizer Walter Utt,
Heizer R. Wortmann,
Maschinenmaat Bruno Zacher

Doch die Gerüchte mit der Offiziersmannschaft hielten sich hartnäckig. Da half es auch nicht besonders viel, dass 1931 der bekannte britische Marineschriftsteller C.S. Forester - aus seiner Feder stammen die in Hollywood mit Gregory Peck verfilmten Abenteuer des Kapitän Hornblower - ein dramatisches Werk mit dem Titel "U 97" veröffentlichte, in dem die Fahrt von SM UB 116 mit einer reinen Offiziersbesatzung Handlungsgegenstand war. "U 97- A Play in three Acts" wurde von Karl Lerbs überarbeitet und im Herbst 1931 als Schauspiel mit dem Titel "Deutschland, die Fahrt des UB 116" in Bremen und Hamburg mit viel Erfolg uraufgeführt.


Schauspieler der Uraufführung

Eingedenk des besonderen Einsatzes von SM UB 116 in den letzten Tagen des 1. Weltkrieges kam es am 1. Dezember 1938 bei der Neuaufstellung deutscher U-Bootflottillen in Kiel zur Gründung der U-Flottille Emsmann - im Dezember 1939 umbenannt zur 1. U-Flottille, dann ab Juni 1941 5. U-Flottille.

Das Wrack von SM UB 116 kam nicht so recht zur Ruhe. Noch während der Tauchgänge von Dusty Miller am Wrack erwog die Admiralität die Hebung des Bootes und hatte einen Offizier namens Commander Wheeler dazu nach Scapa Flow befohlen. Dieses Vorhaben wurde wegen des Endes des 1. Weltkrieges aber nicht durchgeführt. Lediglich der nicht zum Druckkörper gehörende Teil des Turmaufbaus wurde geborgen und wenige Wochen später in St. Margret´s Hope auf South Ronaldsay zur Schau gestellt.

1919 wurde das Wrack dann doch gehoben. Auf dem Weg zur Werft riss sich das Wrack jedoch los, trieb weiter in den Hoxa-Sund hinein und ging schließlich östlich von Flotta vor der Pan Hope Bay wieder auf Grund. 1969 wurden die Überreste von SM UB 116 verkauft und Abbrucharbeiten am Wrack begannen. Hierbei wurde "mit der groben Kelle" gearbeitet - die U-Bootssektionen wurden nicht in einem Stück gehoben und dann auf einem Leichter zerteilt, sondern das Wrack wurde mit Sprengladungen zerlegt.

Oelterminals auf Flotta
Ölterminals auf Flotta

1975 expandierte der Ölterminal auf Flotta. Aus der Nordsee sollten von den dortigen Ölbohrinseln Unterwasserpipelines zum Ölterminal gelegt werden. Das Wrack von SM UB 116 wurde dabei als hinderlich und sogar als gefährlich angesehen. Die Royal Navy sollte hier Abhilfe schaffen und das Wrack unschädlich machen. Diese begab sich zum Wrack und fing an, SM UB 116 ebenfalls mit kleinen Sprengladungen weiter zu zerkleinern. Bei einer solchen Sprengung detonierte einer der G6-Torpedos an Bord und zerlegte das Wrack von SM UB 116 mit seinem aus einer Mischung von 160kg TNT und Hexanit bestehenden Gefechtskopf seinerseits um noch ein ganzes Stück weiter. Aber das war noch nicht alles!

Um ein Haar hätte Emsmann`s altes Boot noch einen weiteren Versenkungserfolg auf sein Konto buchen können. Das Schiff der Royal Navy hatte nämlich recht nah am Wrack geankert. Die Detonation des Torpedo-Gefechtskopfs hatte nicht nur die Seeleute an Bord ordentlich gebeutelt, Gläser und Porzellan zerdeppert und Kloschüsseln springen lassen. Nein, auch die Verbände des Schiffs wurden durch die Explosion derart geschwächt, dass das Schiff anfing zu lecken wie ein Sieb. Die Royal Navy konnte es nur rettten, indem der Kommandant es auf Strand setzte.



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