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Du bist hier: Onlinemagazin 65. Ausgabe Wrack UB 116 in Scapa Flow Tauchen am Wrack





 Geschrieben von Oli und Harry

Heute liegt das Wrack von UB 116 in einer Tiefe von etwa 27 bis 31 Metern bei Pan Hope nahe Flotta im Hoxa Sound. Der Meeresgrund besteht hier aus einer Mischung aus Sand und Schlamm, der relativ leicht aufgewirbelt wird und so die Orientierung erschweren kann.
Wie man eben lesen konnte, ist das Wrack durch mehrere Explosionen bei seiner Versenkung und späteren Sprengungen bei in Scapa Flow überaus üblichen Stahl-"Rohstoffgewinnungen" sehr stark zerstört worden - und ist kaum mehr als ehemaliges U-Boot erkennbar.


Erste Eindrücke bei der Ankunft am Wrack

Stahlplatten, Bleche, Stahlstangen und vielerlei anderes schwer Identifizierbares sind teils auf dem Meeresgrund verteilt, teils in meterhohen "Haufen" anzufinden.

Bei späteren Recherchen haben wir erfahren, das sich der "conning tower", also der Turm des U-Bootes mit seinem Druckkörperteil noch am Wrack befinden soll.


Luk in den U-Bootturm?

Interessantes Feature am Turm: Ein werftseitig verschlossenes Montageluk:

Teile des Wracks werden vom Sand in diesem heftig durchströmten Sound immer wieder bedeckt, neues wird immer wieder freigespült.


Souveniers? Bitte die Finger davon lassen! SM UB 116 ist ein Kriegsgrab!

Erkennbar sind jedenfalls die Bleiplatten der Batterien des U-Boots, die teils mit driftendem Sand bedeckt sind. Auf dem toxischen Blei siedeln sich kaum Organismen an. Daher sind sie auch immer noch so gut zu erkennen!


Batterien von UB 116

Neben größtenteils für den Laien nicht mehr weiter identifizierbaren, verbogenen Blechplatten und Flanschen sind einige der Druckluftflaschen, die zum Ausblasen der Tauchtanks benötigt wurden, erkennbar.


Vorderes Ende einer Drucklufttflasche des U-Bootes

Die auf Geheiß des Ingenieurs an Bord aus diesen Druckluftflaschen ausströmende Preßluft ist wohl nicht selten durch diese Metallrohre gedrückt worden:

Allgegenwärtig am Wrack sind die unzähligen Kabel.


Kabelgewirr

Interessant ist noch die im Sand liegende Seiltrommel der Winsch zum Aufrichten der Funkmasten.

Auch wenn die Sichtweiten im Scapa Flow mal nicht so berühmt sein sollten, hat man hier im Hoxa Sound eigentlich immer die Garantie für Sicht. Und die Natur bietet auch ein interessantes Kontrastprogramm.

Die Betauchung dieses Wracktauchplatzes ist nur im Zeitraum zwischen den heftigen Gezeiten und den mit ihnen einhergehenden Strömungen möglich!
Der Tauchgang selbst am Wrack von UB 116 ist für Scapa Flow Verhältnisse recht anspruchslos. Gute Sichtweiten von etwa 10 bis 20 Metern, relativ geringe Tiefe und keine sinnvollen Penetrationsmöglichkeiten ermöglichen einen "relaxed dive".
So findet man ein paar Meter vom eigentlichen Wrack entfernt auch einen Teil der Kurbelwelle von einer der Dieselmaschinen des U-Bootes.


Kurbelwelle

Die von diesen Dieseln verursachten Abgase wurden über die Abgasventile durch den Druckkörper geführt. Die Druckkörpersektion mit den Durchführungen der Abgasleitungen ist heute noch zu erkennen.

Hat man sich am Wrack sattgesehen und möchte man wieder auftauchen, dann sucht man das Führungsseil. Dieses ist meist an einem der größeren Trümmerhaufen befestigt. Von hier aus erstreckt sich das Trümmerfeld in jede Himmelsrichtung.

Mangels ausgeprägter Orientierungspunkte kann die Navigation hier nicht ganz einfach sein. Der Kompass ist für weitere Erkundungen empfehlenswert, wenn man wieder an der Führungsleine hoch will. Verweilt man vor dem Austauchen noch am Wrack, kann man sich noch ein wenig mit der Flora vor Ort befassen.
UB 116 ist an manchen Stellen nämlich hübsch mit Seescheiden, Seenelken, Hydrozoen und anderen "niederen Lebewesen" bewachsen.

Es finden sich aber auch Federseesterne, Sonnenseesterne - und auch einige Leng haben das Wrack zu ihrem Zuhause gemacht. Hat man alles am Wrack begutachtet und mahnt das Finimeter zum Aufstieg, ist es Zeit zum austauchen. Oben erwartet einen nicht selten etwas Schwell, was in dieser Gegend aber auch zum Tauchen gehört.


Aufgetaucht!

ACHTUNG:
Am Wrack befindet sich wahrscheinlich noch immer scharfe Munition des Decksgeschützes!



Literaturempfehlung:
Dive Scapa Flow, Rod Macdonald
The Naval Wrecks of Scapa Flow, Peter L. Smith
The Bull & The Barriers: The Wrecks of Scapa Flow, Lawson Wood

Interessante Links:
Reisebericht Scapa Flow 2005
Oli´s Scapa Flow Führer
Scapa Flow Museal


Text © 2006 by Harald Mathä und Oliver Meise
Zeitgenössische Bilder: Stiftung Traditionsarchiv Unterseeboote & Archiv Taucher.Net Restliche Bilder und Unterwasseraufnahmen © 2005 by Harald Mathä


TIPP:Kuba - Karabikfeeling - Tauchen. Infos zum Thema findest Du in unserem Kuba-Guide.


06.10.2008 20:55 Taucher Online : 211
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