Heute liegt das Wrack von UB 116 in einer Tiefe von etwa 27 bis 31 Metern
bei Pan Hope nahe Flotta im Hoxa Sound. Der Meeresgrund besteht hier aus
einer Mischung aus Sand und Schlamm, der relativ leicht aufgewirbelt wird
und so die Orientierung erschweren kann.
Wie man eben lesen konnte, ist das Wrack durch mehrere Explosionen
bei seiner Versenkung und späteren Sprengungen bei in Scapa Flow überaus
üblichen Stahl-"Rohstoffgewinnungen" sehr stark zerstört worden - und ist kaum mehr als ehemaliges U-Boot erkennbar.
Erste Eindrücke bei der Ankunft
am Wrack
Stahlplatten, Bleche, Stahlstangen und vielerlei anderes schwer Identifizierbares
sind teils auf dem Meeresgrund verteilt, teils in meterhohen "Haufen" anzufinden.

Bei späteren Recherchen haben wir erfahren, das sich der "conning tower", also der Turm des U-Bootes mit seinem Druckkörperteil noch am Wrack befinden soll.
Luk in den U-Bootturm?
Interessantes Feature am Turm: Ein werftseitig
verschlossenes Montageluk:

Teile des Wracks werden vom Sand in diesem heftig durchströmten
Sound immer wieder bedeckt, neues wird immer wieder freigespült.
Souveniers? Bitte die Finger davon lassen! SM UB 116
ist ein Kriegsgrab!
Erkennbar sind jedenfalls die Bleiplatten der Batterien des U-Boots,
die teils mit driftendem Sand bedeckt sind. Auf dem toxischen Blei siedeln
sich kaum Organismen an. Daher sind sie auch immer noch so gut zu erkennen!
Batterien von UB 116
Neben größtenteils für den Laien nicht mehr weiter identifizierbaren,
verbogenen Blechplatten und Flanschen sind einige der Druckluftflaschen,
die zum Ausblasen der Tauchtanks benötigt wurden, erkennbar.
Vorderes Ende einer Drucklufttflasche
des U-Bootes
Die auf Geheiß des Ingenieurs an Bord aus diesen Druckluftflaschen
ausströmende Preßluft ist wohl nicht selten durch diese Metallrohre gedrückt worden:
 
Allgegenwärtig am Wrack sind die unzähligen Kabel.
Kabelgewirr
Interessant ist noch die im Sand liegende Seiltrommel
der Winsch zum Aufrichten der Funkmasten.

Auch wenn die Sichtweiten im Scapa Flow mal nicht so berühmt sein
sollten, hat man hier im Hoxa Sound eigentlich immer die Garantie für Sicht. Und die Natur bietet auch ein interessantes
Kontrastprogramm.

Die Betauchung dieses Wracktauchplatzes ist nur
im Zeitraum zwischen den heftigen Gezeiten und den mit ihnen einhergehenden
Strömungen möglich!
Der Tauchgang selbst am Wrack von UB 116 ist
für Scapa Flow Verhältnisse recht anspruchslos. Gute Sichtweiten
von etwa 10 bis 20 Metern, relativ geringe Tiefe und keine sinnvollen Penetrationsmöglichkeiten
ermöglichen einen "relaxed dive".
So findet man ein paar Meter vom eigentlichen
Wrack entfernt auch einen Teil der Kurbelwelle von einer der Dieselmaschinen
des U-Bootes.
Kurbelwelle
Die von diesen Dieseln verursachten Abgase wurden
über die Abgasventile durch den Druckkörper geführt. Die
Druckkörpersektion mit den Durchführungen der Abgasleitungen
ist heute noch zu erkennen.

Hat man sich am Wrack sattgesehen und möchte
man wieder auftauchen, dann sucht man das Führungsseil. Dieses ist
meist an einem der größeren Trümmerhaufen befestigt. Von
hier aus erstreckt sich das Trümmerfeld in jede Himmelsrichtung.

Mangels ausgeprägter Orientierungspunkte kann die Navigation hier
nicht ganz einfach sein. Der Kompass ist für weitere Erkundungen empfehlenswert, wenn man wieder an der Führungsleine hoch will. Verweilt man
vor dem Austauchen noch am Wrack, kann man sich noch ein wenig mit der Flora
vor Ort befassen.
UB 116 ist an manchen Stellen nämlich hübsch
mit Seescheiden, Seenelken, Hydrozoen und anderen "niederen Lebewesen"
bewachsen.

Es finden sich aber auch Federseesterne, Sonnenseesterne - und auch einige
Leng haben das Wrack zu ihrem Zuhause gemacht. Hat man alles am Wrack begutachtet
und mahnt das Finimeter zum Aufstieg, ist es Zeit zum austauchen. Oben
erwartet einen nicht selten etwas Schwell, was in dieser Gegend aber auch
zum Tauchen gehört.
Aufgetaucht!
ACHTUNG:
Am Wrack befindet sich wahrscheinlich noch immer
scharfe Munition des Decksgeschützes!
Literaturempfehlung:
Dive
Scapa Flow, Rod Macdonald
The
Naval Wrecks of Scapa Flow, Peter L. Smith
The
Bull & The Barriers: The Wrecks of Scapa Flow, Lawson Wood
Interessante Links:
Reisebericht Scapa
Flow 2005
Oli´s Scapa
Flow Führer
Scapa
Flow Museal
Text © 2006 by Harald Mathä und Oliver Meise
Zeitgenössische Bilder: Stiftung
Traditionsarchiv Unterseeboote & Archiv Taucher.Net
Restliche Bilder und Unterwasseraufnahmen © 2005 by Harald Mathä
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