Der Hai der Binnengewässer

 Geschrieben von Andreas Nowotny

Ein toller Hecht

von Andreas Nowotny

Inmitten der Dunkelheit eines Nachttauchgangs leuchtet der Schein der Taucherlampe einen kleinen Flussbarsch an, der langsam über das Seegras schwimmt. Auf einmal schießt ein Schatten heran, silberne Schuppen glitzern im Licht, dann ist alles vorbei – ein Hecht hatte die günstige Gelegenheit genützt und sich den Flussbarsch zum Abendessen geschnappt. Wieder einmal hat er zugeschlagen der gefürchtete Räuber der europäischen Seen und Flüsse, der Hai der Binnengewässer(1)

Hecht - Taucher.Net
Hecht

Hechte sind faszinierende Fische und bieten Süßwasserphotographen viele tolle Photogelegenheiten. Sie stehen gerne fast bewegungslos im Unterwasserbewuchs und besonders größere Exemplare lassen sich auch nicht von Tauchern aus der Ruhe bringen. Außerdem ist der Hecht ein standorttreuer Fisch, wenn man einmal das Revier eines großen Exemplars gefunden hat, findet man ihn bei weiteren Tauchgängen meist wieder. Andererseits sind sie gut getarnt und gerade kleinere Exemplare entgehen dem ungeübten Auge leicht.

Typische Merkmale

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Der Hecht ist ein Raubfisch aus der Familie der Esociden und ist in Mitteleuropa, Nordamerika und Nordasien weit verbreitet. Er hat ein sehr markantes Aussehen, einen langen, gestreckten Körper, der in einen ebenfalls langen Kopf mit weitem vorgezogenem Maul mündet. Dieses Maul erinnert etwas an einen Entenschnabel und ist mit vielen kleinen rückwärts gewandten, sehr spitzen Zähnen besetzt. Da er das Maul sehr weit aufreißen kann, ist es dem Hecht möglich, auch größere Beute zu jagen und im Ganzen zu schlucken. Sehr auffällig sind beim Hecht auch die Rücken- und Afterflossen, die am Körper sehr weit nach hinten verlagert sind. Die Färbung und Markierungen sind von Tier zu Tier unterschiedlich. Die Färbung reicht von hell- bis Olivgrün, der Bauch ist weißgefärbt.

Der bei uns heimische Hecht kann sehr groß werden. Obwohl die durchschnittliche Länge bei einem halben Meter liegt, können ausgewachsene männliche Exemplare über 1 Meter lang werden, weibliche sogar über 1,5 Meter. Solche Riesen können dann bis 35 Kilogramm wiegen. Große Hechte, die keine natürlichen Fressfeinde mehr haben, können auch sehr alt werden, durchschnittlich bis 15 Jahre, es gab aber auch schon Exemplare die 30 Jahre alt waren.

Fortpflanzung und Aufwuchs

Wichtig bei der Fortpflanzung ist die richtige Wassertemperatur, sie darf nicht über 8°C – 10°C liegen. Die durchschnittliche Laichzeit ist daher von Februar bis Ende April, Anfang Mai. Während dieser Zeit legen die Weibchen mehrere Wochen in Etappen zwischen 100.000 und 500.000 Eier, im flachen, pflanzenbewachsenen Uferbereich. Dabei haften der Laich an den Wasserpflanzen. Bis die Larven nach 2-4 Wochen schlüpfen, ernähren sie sich vom Dottersack. Anschließend bleiben sie an den Pflanzen.


Die Jungfische ernähren sich überwiegend von Schwebstoffen und Kleinstkrebsen, später, ab einer Größe von ca. 5 cm, dann auch von kleineren Fischen. In diesem Stadium sind die Hechte aber selber of Beute größerer Fische, unter anderem auch von Artgenossen. Sollten die Junghechte diese Phase überleben, wachsen sie schnell und werden innerhalb von 2 Jahren selber geschlechtsreif.
Junghecht - Hecht - Taucher.Net
Junghecht
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Das große Fressen

Hechte sind gewiefte Jäger. Sie können im Bewuchs versteckt fast regungslos stehen, um dann durch ihre Muskelkraft und die große Schwanzflosse sehr schnell zu beschleunigen und die Beute zu fassen. Sie sind bei ihrer Jagd nicht auf gute Sicht angewiesen, obwohl sie hervorragend sehen, sondern haben auch einen außerordentlichen Geruchssinn, der ihnen bei der Jagd im trüben und/oder dunklen Gewässer hilft. Ihre Beute sind Fische aller Art, wobei die Größe des Opfers selten 20 Prozent der eigenen Körpergröße übersteigt. Hechte jagen dabei nicht nur Fische, es stehen auch kleine Frösche, Vögel (z.B. Entenküken) und manchmal sogar kleine Säugetiere, wie Mäuse und Ratten auf ihrem Speiseplan. In Brehms Tierleben steht über seine schier unmäßige Fresslust geschrieben: Der Hecht kämpft mit dem Fischotter, schnappt nach dem Fuße oder der Hand der im Wasser stehenden oder sich waschenden Magd, vergreift sich in blinder Gier sogar an größeren Säugetieren. (2)

Hecht - Taucher.Net

Dass ihnen auch heute schwimmende Pudel zum Opfer fielen, kann aber wohl eher in das Reich urbaner, bzw. ländlicher Legenden verwiesen werden. Durchaus keine Legende ist aber, dass der Hecht zum Kannibalismus neigt. Es ist sogar davon auszugehen, dass die meisten Junghechte dem Hunger ihrer Artgenossen zum Opfer fallen. Wenn Hechte Hechte jagen, kann die Größe der Beute auch die 20 Prozent der Körpergröße übersteigen, um auf 50 – 70 Prozent anzusteigen. Insgesamt verschlingt ein Hecht pro Jahr ungefähr das 2 ½ fache seines Körpergewichts. Wachsende Junghechte benötigen pro Kilo Zuwachs an Körpergewicht um die 6 Kilogramm Beute.

Der tolle Hecht im Karpfenteich

Sprichwörtlich ist der Hecht im Karpfenteich – ein Aufmischer, ein Unruhestifter, aber auch jemand, der agiler ist als die träge Masse um ihn herum. Insgesamt ist dieser Ausdruck wohl eher negativ besetzt. Dabei stammt er aus der Praxis, ein paar Hechte in Karpfenbecken auszusetzen, um etwas Bewegung in die phlegmatischen Gesellen (3) zu bringen, obgleich schon Brehm bemerkt, dass der wahre Grund wohl eher die Fressgier ist, denn die Hechte fräßen alle Nahrungskonkurrenten der Karpfen. Damit diese nicht den Hechten zum Opfer fallen, mussten außerdem kleinere Hechte mit größeren Karpfen zusammengebracht werden. Schon Ende des 19. Jahrhundert war durch bessere Bewirtschaftung der Zuchtbecken dieser Brauch nicht mehr notwendig und alles was blieb ist dieses geflügelte Wort.

Zu guter Letzt noch ein Satz zum tollen Hecht: Obwohl hier auf der einen Seite Bewunderung ausgedrückt wird, schwingt dennoch ein gewisses Maß an Abneigung mit, bzw. der Ausdruck wird ironisch verwendet. Aber für uns Taucher ist es auf jeden Fall ein wirklich toller Hecht, wenn uns mal ein ausgewachsenes Prachtexemplar vor die Maske schwimmt.

Steckbrief: Hechte

Steckbrief: Hechte

Wissenschaftlicher Name

Esocidae (Europäischer Hecht: Esox lucius )

Systematik

Klasse

Unterklasse

Ordnung

Familie

Knochenfische (Osteichthyes)

Strahlenflosser (Actinopterygii)

Hechtartige (Esociformes)

Hechte

Überblick

Größe (ausgewachsen)

Gewicht (ausgewachsen)

Alter

Laichzeit

Geschlechtsreife

bis zu 1,5 Meter (Europäischer Hecht), durchschnittlich 0,8 Meter)

bis zu 30 Kg (männlicher Hecht durchschnittlich 4,5 kg)


bis zu 30 Jahre

Februar bis Mai

Nach 1,5 - 2 Jahren

Verbreitung

Regional

Gewässer

Mitteleuropa, Nordamerika, Nordasien

Stehende und langsam fließende Gewässer, mit ausreichend Bewuchs und Flachbereichen für die Laichablage

Fressen und gefressen werden

Beutetiere

Fische (auch Artgenossen) kleine Frösche, kleine Vögel, Mäuse und Ratten

Feinde

Hauptsächlich andere Hechte

Fischadler

Fischotter

Angler

Zum Verzehr geeignet

Ja - der Hecht hat ein relativ trockenes Fleisch mit vielen kleinen spitzen Gräten. Trotzdem wird sein Fleisch von vielen Fischliebhabern geschätzt.



1 Brehm, Alfred Brehms Tierleben Dritter Band – Die Fische; Bibliographisches Institut in Leipzig 1930; S. 307
2 ibid. S. 308
3 ibid. S.311

© 2006 - A.Nowotny



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