Inmitten der Dunkelheit eines Nachttauchgangs leuchtet der Schein der Taucherlampe
einen kleinen Flussbarsch an, der langsam über das Seegras schwimmt.
Auf einmal schießt ein Schatten heran, silberne Schuppen glitzern im
Licht, dann ist alles vorbei – ein Hecht hatte die günstige Gelegenheit
genützt und sich den Flussbarsch zum Abendessen geschnappt. Wieder einmal
hat er zugeschlagen der gefürchtete Räuber der europäischen
Seen und Flüsse, der „Hai der Binnengewässer“ (1)
Hecht
Hechte sind faszinierende Fische und bieten Süßwasserphotographen
viele tolle Photogelegenheiten. Sie stehen gerne fast bewegungslos im Unterwasserbewuchs
und besonders größere Exemplare lassen sich auch nicht von Tauchern
aus der Ruhe bringen. Außerdem ist der Hecht ein standorttreuer Fisch,
wenn man einmal das Revier eines großen Exemplars gefunden hat, findet
man ihn bei weiteren Tauchgängen meist wieder. Andererseits sind sie
gut getarnt und gerade kleinere Exemplare entgehen dem ungeübten Auge
leicht.
Typische Merkmale
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Der Hecht ist ein Raubfisch aus der Familie der Esociden
und ist in Mitteleuropa, Nordamerika und Nordasien weit verbreitet. Er hat
ein sehr markantes Aussehen, einen langen, gestreckten Körper, der
in einen ebenfalls langen Kopf mit weitem vorgezogenem Maul mündet.
Dieses Maul erinnert etwas an einen Entenschnabel und ist mit vielen kleinen
rückwärts gewandten, sehr spitzen Zähnen besetzt. Da er das
Maul sehr weit aufreißen kann, ist es dem Hecht möglich, auch
größere Beute zu jagen und im Ganzen zu schlucken. Sehr auffällig
sind beim Hecht auch die Rücken- und Afterflossen, die am Körper
sehr weit nach hinten verlagert sind. Die Färbung und Markierungen
sind von Tier zu Tier unterschiedlich. Die Färbung reicht von hell-
bis Olivgrün, der Bauch ist weißgefärbt.
Der bei uns heimische Hecht kann sehr groß werden. Obwohl die durchschnittliche
Länge bei einem halben Meter liegt, können ausgewachsene männliche
Exemplare über 1 Meter lang werden, weibliche sogar über 1,5 Meter.
Solche Riesen können dann bis 35 Kilogramm wiegen. Große Hechte,
die keine natürlichen Fressfeinde mehr haben, können auch sehr
alt werden, durchschnittlich bis 15 Jahre, es gab aber auch schon Exemplare
die 30 Jahre alt waren.
Fortpflanzung und Aufwuchs
Wichtig bei der Fortpflanzung ist die richtige Wassertemperatur,
sie darf nicht über 8°C – 10°C liegen. Die durchschnittliche
Laichzeit ist daher von Februar bis Ende April, Anfang Mai. Während
dieser Zeit legen die Weibchen mehrere Wochen in Etappen zwischen 100.000
und 500.000 Eier, im flachen, pflanzenbewachsenen Uferbereich. Dabei haften
der Laich an den Wasserpflanzen. Bis die Larven nach 2-4 Wochen schlüpfen,
ernähren sie sich vom Dottersack. Anschließend bleiben sie an
den Pflanzen.
Die Jungfische ernähren sich überwiegend von Schwebstoffen und
Kleinstkrebsen, später, ab einer Größe von ca. 5 cm, dann
auch von kleineren Fischen. In diesem Stadium sind die Hechte aber selber
of Beute größerer Fische, unter anderem auch von Artgenossen.
Sollten die Junghechte diese Phase überleben, wachsen sie schnell und
werden innerhalb von 2 Jahren selber geschlechtsreif.
Junghecht
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Das große Fressen
Hechte sind gewiefte Jäger. Sie können im Bewuchs versteckt fast
regungslos stehen, um dann durch ihre Muskelkraft und die große Schwanzflosse
sehr schnell zu beschleunigen und die Beute zu fassen. Sie sind bei ihrer
Jagd nicht auf gute Sicht angewiesen, obwohl sie hervorragend sehen, sondern
haben auch einen außerordentlichen Geruchssinn, der ihnen bei der Jagd
im trüben und/oder dunklen Gewässer hilft. Ihre Beute sind Fische
aller Art, wobei die Größe des Opfers selten 20 Prozent der eigenen
Körpergröße übersteigt. Hechte jagen dabei nicht nur
Fische, es stehen auch kleine Frösche, Vögel (z.B. Entenküken)
und manchmal sogar kleine Säugetiere, wie Mäuse und Ratten
auf ihrem Speiseplan. In Brehms Tierleben
steht über seine schier unmäßige
Fresslust geschrieben: Der Hecht kämpft mit dem Fischotter, schnappt
nach dem Fuße oder der Hand der im Wasser stehenden oder sich waschenden
Magd, vergreift sich in blinder Gier sogar an größeren Säugetieren.
(2)
Dass ihnen auch heute schwimmende Pudel zum Opfer fielen, kann aber wohl
eher in das Reich urbaner, bzw. ländlicher Legenden verwiesen werden.
Durchaus keine Legende ist aber, dass der Hecht zum Kannibalismus neigt. Es
ist sogar davon auszugehen, dass die meisten Junghechte dem Hunger ihrer Artgenossen
zum Opfer fallen. Wenn Hechte Hechte jagen, kann die Größe der
Beute auch die 20 Prozent der Körpergröße übersteigen,
um auf 50 – 70 Prozent anzusteigen. Insgesamt verschlingt ein Hecht pro Jahr
ungefähr das 2 ½ fache seines Körpergewichts. Wachsende Junghechte
benötigen pro Kilo Zuwachs an Körpergewicht um die 6 Kilogramm
Beute.
Der tolle Hecht im Karpfenteich
Sprichwörtlich ist der Hecht im Karpfenteich – ein Aufmischer, ein
Unruhestifter, aber auch jemand, der agiler ist als die träge Masse
um ihn herum. Insgesamt ist dieser Ausdruck wohl eher negativ besetzt. Dabei
stammt er aus der Praxis, ein paar Hechte in Karpfenbecken auszusetzen, um
etwas Bewegung in die phlegmatischen Gesellen (3) zu bringen, obgleich
schon Brehm bemerkt, dass der wahre Grund wohl eher die Fressgier ist, denn
die Hechte fräßen alle Nahrungskonkurrenten der Karpfen. Damit
diese nicht den Hechten zum Opfer fallen, mussten außerdem kleinere
Hechte mit größeren Karpfen zusammengebracht werden. Schon Ende
des 19. Jahrhundert war durch bessere Bewirtschaftung der Zuchtbecken dieser
Brauch nicht mehr notwendig und alles was blieb ist dieses geflügelte
Wort.
Zu guter Letzt noch ein Satz zum tollen Hecht: Obwohl hier auf der einen
Seite Bewunderung ausgedrückt wird, schwingt dennoch ein gewisses Maß
an Abneigung mit, bzw. der Ausdruck wird ironisch verwendet. Aber für
uns Taucher ist es auf jeden Fall ein wirklich toller Hecht, wenn uns mal
ein ausgewachsenes Prachtexemplar vor die Maske schwimmt.
Steckbrief: Hechte
Steckbrief: Hechte
Wissenschaftlicher Name
Esocidae (Europäischer Hecht: Esox lucius )
Systematik
Klasse
Unterklasse
Ordnung
Familie
Knochenfische (Osteichthyes)
Strahlenflosser (Actinopterygii)
Hechtartige (Esociformes)
Hechte
Überblick
Größe (ausgewachsen)
Gewicht (ausgewachsen)
Alter
Laichzeit
Geschlechtsreife
bis zu 1,5 Meter (Europäischer Hecht), durchschnittlich
0,8 Meter)
bis zu 30 Kg (männlicher Hecht durchschnittlich 4,5 kg)
bis zu 30 Jahre
Februar bis Mai
Nach 1,5 - 2 Jahren
Verbreitung
Regional
Gewässer
Mitteleuropa, Nordamerika, Nordasien
Stehende und langsam fließende Gewässer, mit ausreichend
Bewuchs und Flachbereichen für die Laichablage
Fressen und gefressen werden
Beutetiere
Fische (auch Artgenossen) kleine Frösche, kleine Vögel,
Mäuse und Ratten
Feinde
Hauptsächlich andere Hechte
Fischadler
Fischotter
Angler
Zum Verzehr geeignet
Ja - der Hecht hat ein relativ trockenes Fleisch mit
vielen kleinen spitzen Gräten. Trotzdem wird sein Fleisch von vielen
Fischliebhabern geschätzt.
1 Brehm, Alfred Brehms Tierleben Dritter Band – Die Fische; Bibliographisches
Institut in Leipzig 1930; S. 307
2 ibid. S. 308
3 ibid. S.311
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