outdoor channel

Du bist hier: Onlinemagazin 66. Ausgabe SS Tabarka, Scapa Flow




SS Tabarka, Scapa Flow

 Geschrieben von Harald Mathä

Das Wrack der SS Tabarka

Von Harald Mathä und Oliver Meise

Die Sounds, das sind die Sunde bzw. Lücken zwischen den Inseln von Orkney bei Scapa Flow, sind für ihre extremen Gezeitenströmungen bekannt. Dort befinden sich aber auch einige schöne und interessante Wracks, die in den Weltkriegen gegen eindringende, feindliche U-Boote versenkt wurden. Das für mich Schönste, das auch aus biologischer Sicht sehr interessant ist, möchte ich hier vorstellen.

Scapa Flow: Im Burra Sound zwischen den Inseln Graemsay und Hoy liegen auf engstem Raum die Wracks der SS Ronda, SS Budrie, SS Umstone Grange, SS Rotherfield, SS Tabarka, Inverlane, SS Doyle und SS Gobernador Bories, die hier in den beiden Weltkriegen versenkt wurden, um feindlichen U-Booten das Eindringen in den Haupthafen der britischen Nordatlantikkriegsflotte, Scapa Flow zu erschweren.

Welches das hier schönste Wrack ist, darüber gehen die Meinungen auseinander: Manche schwärmen für die Gobernador Bories- mein Favorit ist aber die „Tabarka“.

Antriebsgestänge der SS Tabarka - Taucher.Net
"Must see": Die berühmten Antriebsgestänge der Tabarka

Die Geschichte des Wracks

Die SS Tabarka war ein Dampfschiff mit 2.624 BRT Verdrängung, das 1909 auf der Werft von van Rijkee & Co, NV Werf in Rotterdam gebaut worden war.
Ursprüngliche Länge: 100 Meter (Das heutige Wrack erscheint kürzer zu sein- wurde vor der ersten oder zweiten Versenkung ein Teil aus dem Wrack herausgeschnitten und wiederverwertet?)
Breite: 13,5 Meter.

Sie wurde von einer einzelnen Schiffsschraube angetrieben und wurde nach dem Stapellauf unter dem Namen SS Pollux in Rouen/Frankreich registriert. Zuletzt für die Reederei G. Heyn & Sons Ltd. in Belfast mit dem Unterscheidungssignal GMNG fahrend, wurde das Schiff 1940 in Falmouth von der Royal Navy beschlagnahmt und danach nach Scapa Flow gebracht.
Das Schiff wurde hier mit zehn anderen Schiffen im Kirk Sound im Osten von Scapa Flow versenkt.

Aber Halt!
Die SS Tabarka liegt doch im Burra Sound im Westen von Scapa Flow -wird jetzt mancher aufmerksame Leser oder Scapa Flow Taucher einwenden!
Stimmt! 1941 wurde das Schiff zunächst im Kirk Sound versenkt und später wieder gehoben- doch dazu später!

Apropos Kirk Sound:
Elf Blockschiffe waren hier endgültig versenkt worden und lagen knapp nebeneinander auf Grund im 8 bis 15 Meter tiefen Sound. Die Lücke zwischen Lamb Holm und Orkney Mainland erschien so recht gut gegen das Eindringen feindlicher U-Boote gesichert.

Kirk Sound und Churchill Barrier No.1 - Taucher.Net
Blick auf den Kirk Sound und die Churchill Barrier No.1

Dennoch gelang genau dies in der Nacht von 13. auf 14. Oktober 1939 Kapitänleutnant Günther Prien.

Mit seiner U 47 schaffte er es in einer unmöglich geglaubten Fahrt zwischen den versenkten Schiffen des Kirk Sound in den Scapa Flow zu gelangen.

Der Rest ist jedenfalls Geschichte:
In der Folge versenkte er das, in der Scapa Bay vor Anker liegende Schlachtschiff HMS Royal Oak. Ein Erfolg für die einen, eine unfassbare Tragödie, die 833 Menschen das Leben kostete, für die anderen. Ferner beschädigte er ein weiteres großes Kriegsschiff, wahrscheinlich die HMS Iron Duke oder HMS Repulse, was weniger bekannt ist und auch in Kriegszeiten stets geleugnet wurde. Nach der Rückkehr in die Heimat wurde Prien und seiner Besatzung medienwirksam ein triumphaler Empfang bereitet. Deutschland hatte in diesem erst kurz andauernden Krieg seine ersten Helden, was in der Presse natürlich groß dargestellt wurde. Aus der Hand Hitlers erhielt Prien in Berlin die damals höchste deutsche Auszeichnung: das Ritterkreuz.

Bei den britischen Militärs, Politikern und natürlich auch bei der Bevölkerung saß der Schock sehr, sehr tief. In Windeseile wurden weitere Schiffe, so auch die SS Tabarka, im darauf folgenden Jahr in den Sounds versenkt und die Sicherungsmaßnahmen noch weiter verbessert.
In der Folge sollte es keinem feindlichen U-Boot jemals mehr gelingen, nach Scapa Flow einzudringen.

In der Hauptsache war dies so, weil einige tausend in Nordafrika "erbeutete" italienische Kriegsgefangene dazu eingesetzt wurden, die so genannten "Churchill Barriers" zu bauen. Dies war nichts anderes, als die Herstellung einer Landverbindung von Insel zu Insel zwischen den Sounds. Die Sunde wurden durch Dämme aus tausenden von Betonblöcken durchschnitten, so dass eine Seeverbindung von außerhalb Scapa Flows nach innen durch die Sunde nicht mehr existierte. (siehe Bild oben!) So wurden die an diesen Stellen bisher liegenden Blockschiffe überflüssig. Also wurden sie gehoben und in Lücken an anderer Stelle wieder versenkt.

Im Wrack der SS Tabarka - Taucher.Net
Im Wrack

Nach vier Jahren am Meeresgrund wurde die SS Tabarka also am 27. Juli 1944 wieder gehoben. In der Folge wurde das notdürftig geflickte Wrack quer durch den Scapa Flow geschleppt, wo sie dann an der Stelle im Burra Sound wieder versenkt wurde, an der sie heute noch liegt.

Die Betauchung der SS Tabarka

GPS: 58°92`67“ N/ 03°31`30“ W

Die Betauchung der Wracks in den Sunden ist durch die extremen Strömungen nur in der sehr, sehr kurzen Pause zwischen den Gezeiten möglich. Ein guter Skipper kennt diese und setzt die Taucher dabei während langsamer Fahrt knapp vor- oder direkt über - dem Wrack ab. Flottes Abtauchen auf Grund ist hier sehr wichtig!

Das Wrack liegt heute kieloben auf dem etwa 16 Meter tiefen Meeresgrund im Burra Sound und ragt unvermittelt einige Meter hoch aus den Kelpwäldern wie eine Mauer empor.
Am Wrack befinden sich mindestens drei Löcher, durch die man als Taucher relativ "bequem" ein- und aussteigen kann.

Öffnungen im Wrack der SS Tabarka - Taucher.Net
Kleinere Öffnungen nach draussen

Eines der Löcher im Schiff befindet sich im Bugbereich, eines etwa in der Schiffsmitte und mindestens eines am Heck.
Sie wurden durch die Sprengungen zur Versenkung sowie durch Korrosion geschaffen und durch die Gewalten der hier zwischen den Inseln durchpreschenden Gezeiten kontinuierlich erweitert.
Einmal im Wrack gibt es aber trotzdem keinen rasch zu erreichenden Fluchtweg nach draußen!
Dies ist ein Tauchgang, der durch die geringe Tiefe eigentlich recht unbedenklich ist. Ein Eindringen in das Wrack sollte aber erfahrenen Tauchern mit entsprechender Wrack-Erfahrung vorbehalten bleiben!

Durch das Loch in der Backbordseite des Bugs, das ist die östliche Seite des Wracks, gelangt man in einen großen Laderaum. Taucht man an dieser Stelle nach links weiter zum Bug, so kann man hier heute noch die Felsbrocken erkennen, mit denen das Schiff beladen wurde, um rascher auf der geplanten Position zu sinken und nicht unerwünscht abzutreiben.

Ballast der letzten Versenkung - SS Tabarka - Taucher.Net
Ballast der letzten Versenkung

Nach rechts hingegen gelangt man nach einer Engstelle in den Kesselraum mit den beiden riesigen Kesseln. Die Kessel wurden irgendwann aus ihren Verankerungen gerissen und fielen nach unten auf den Boden. Boden? Nein, es ist die die Decke! Das Schiff liegt ja umgedreht auf dem Meeresgrund. Der scheinbare Boden ist die damalige Decke bzw. das Deck! Verkehrte Welt!

Ein Kesser der SS Tabarka - Taucher.Net
Ein Kessel der SS Tabarka

Taucht man über den Kesseln weiter, gelangt man in den Maschinenraum, wo die mächtige Dreifach-Expansionsdampfmaschine und ihre Antriebsgestänge auch heute noch beeindrucken. Weiter gelangt man zum Heck- hier werden die Löcher und Durchbrüche im Schiff immer zahlreicher. Hier bestehen dann auch wieder Ausstiegsmöglichkeiten. An der "Decke" verläuft die Antriebswelle. Durch die vielen kleinen und größeren Löcher im Rumpf dringt hier besonders viel Tageslicht ein und verschafft so eine beeindruckende, ja mystische Stimmung.

Durch eine der größeren Lücken in diesem verrosteten Bereich kann man recht gut wieder aus dem Wrack gelangen, oder man taucht wieder dorthin zurück, wo man penetriert hat.
Dass die sehr kurze Gezeitenpause während dem Aufenthalt im Wrack längst abgelaufen ist, wird man allerspätestens beim Ausstieg die stetig wachsenden Strömung wieder deutlich spüren, da man speziell im stärker durchlöcherten Heckbereich dann schon ganz schön gegensteuern muss, um den gewollten Kurs einzuhalten!

Schwamm an der SS Tabarka - Taucher.Net
Lederkorallen

Bei Flut hat man die Möglichkeit, sich zum Wrack der MS Inverlane, dieses befindet sich nur etwa 200 Meter westnordwestlich, und eventuell sogar weiter zur SS Gobenerador Bories spülen zu lassen. Drei Wracks also in nur einem Tauchgang!
Gute Ortskenntnis, ein Guide oder ganz einfach Glück sind dafür aber nötig! Ich habe es auch nur einmal bis zur MS Inverlane geschafft, dann wurde es mir zu blöd...
Bei Ebbe lässt man sich einfach in Richtung - oder in den - Atlantik treiben, wo man dann vom Tauchboot wieder aufgesammelt wird.

ACHTUNG! Bei derartigen, heftigen Strömungstauchgängen nicht die SMB bzw. die Boje schießen, sondern ggf. erst an der Oberfläche aufblasen!
Durch die vorkommenden Vertikalströmungen könnte die Boje sonst unter den Taucher gedrückt werden und so gefährliche Situationen verursachen!

Ein Tauchgang an der SS Tabarka ist übrigens nie eine Garantie, auch wirklich auf das Wrack zu treffen. Setzt einen der Skipper nicht ganz exakt ab und taucht man nicht unverzüglich auf Grund ab oder verbläst einen die noch oder schon wieder vorhandene Gezeitenströmung, so ist es leicht möglich, dass man das Wrack nicht findet oder verpasst.
Die Sichtweiten sind hier übrigens sehr gut und liegen so zwischen 10 und 20 Metern.

Gezeitenströmung im Kelp - SS Tabarka - Taucher.Net
Einsetzende Gezeitenströmung - Kelp

Am Wrack selbst besteht auf der Strömungsseite übrigens die Gefahr, durch eine der vielen Lücken unkontrolliert in dieses hinein gedrückt zu werden! Das ist kein Tauchermärchen, sondern wäre mir bei meinem ersten Tauchgang dort 2001 fast passiert. Die Strömung war damals so stark, dass es mir beim raschen Abtauchen in der leider eben noch NICHT abgeklungenen Strömung direkt über dem Wrack sogar eine Flosse ausgezogen hat...

Blick auf Moness/Hoy - SS Tabarka - Taucher.Net
Warten auf das Abklingen der Gezeiten: Blick auf Moness/Hoy

Biologie am Wrack

Aus biologischer Sicht ist das Wrack übrigens besonders interessant.
Begeistern draußen die beeindruckenden Kelpwälder mit ihren Bewohnern, so ist das Wrack innen über und über mit knallgelben sowie -orangen Schwämmen bewachsen. Gleichermaßen begeistern die hier vorkommenden wunderschönen Seenelken der Art Metridium senile und die Totmannshand der Art Alcyonium digitatum. Auch so mancher bunter(!) Lippfisch lässt sich am Wrack, das längst zu einem künstlichen Riff geworden ist, beobachten.

Totmannshand an der SS Tabarka - Taucher.Net
Unschlagbar gelb: Die Totmannshand

Mit etwas Glück lugt auch irgendwo am Wrack ein Leng, ein dorschartiger Fisch, aus seiner künstlichen Höhle heraus.
Auch allerhand Seeigel, Seesterne, Krabben, und, und, und... sind hier zu finden.
Eine Freude für jeden Fotografen oder biologisch begeisterten Taucher!

Fazit

Ein "kleineres", aber wunderschönes Wrack für den zweiten Tauchgang!
Respekt und Vorsicht sind hier aber ebenso wichtig wie bei den großen, tiefen Wracks im Scapa Flow selbst!

Interessante Links

Scapa Flow 2005
Oli´s Scapa Führer
Scapa Flow Museal
Wrack UB 116


© 2006 by Harald Mathä mit Unterstützung von Oliver Meise


Infos

Was ist so schön am Sinai? Nur Tauchen? Oder auch mehr? Unser Sinai-Führer gibt Auskunft. Hier gibt es jede Menge Infos zu Tauchplätzen und Tauchbasen, viele Verweise in unsere Datenbanken und jede Menge Links zum Thema


03.09.2010 02:45 Taucher Online : 75
Heute 1049, ges. 45755173 Besucher
Login:  Autologin: 
Passwort:  
Gast : Registrieren - zur Login-Seite


Deine Bookmarks:
Taucher-News - Kalender - Sichtweiten - Postkarten

Unsere Produkt-Datenbank!
Über 2800 Tauchartikel mit detaillierten Daten!
Vergleichen lohnt sich!


Zu unserer Kooperationsseite...



Unser Tauchkalender:

Tauchen im TV - aktuell

Planet - Kronjuwelen der Karibik
Heute - 08:00 Uhr
Doku: Die Islas de la Bahia und Cayos Cochinos

Sailing Channel - The Aquanauts
Heute - 09:45 Uhr
Dokumentation: Blue Hole Danger Dive

National Geographic Wild - Die Quallen-Invasion
Heute - 09:55 Uhr
Dokumentation: Jellyfish Invasion

Taucher.Net News:


Probleme bei .de Domains bet..
(12.05.2010) Aktuell bestehen Probleme mit dem Root-Servern der DENIC. Das Problem ist bekannt, ca. 80% der .de Domains sind derzeit nicht erreichbar. Taucher.Net selbst ist hiervon nicht betroffen, jedoch (mehr)

Tauchnachwuchs - Nachwuchsta..
(08.02.2010) mikigrobi und AlexandraL schickten uns diese Bilder von ihrem Tauchernachwuchs Tim Silas. Geboren ist der wohl jüngste Taucher Deutschlands am 26.9.2009. Auch wenn der Junior mit der Flaschengröße (mehr)

Neue Umfrage: Deko-Kammerber..
(05.02.2010) Wie sieht es bei euch Tauchern aus: Wärt ihr bereit, eine auch deutliche Erhöhung der Tauchversicherungsprämien hinzunehmen, wenn dadurch ein Rundumbereitschaftsdienst der Druckkammern in Deutschland (mehr)

Taucher.Net TV

Unsere aktuelle TOP-Episode:

Das Jura Wrack im Bodensee


Am 12. Februar 1865 kollidierte das hölzerne Passagierschiff ?Jura? mit dem schweizerischen Schiff ?Stadt Zürich? und sank binnen weniger Minuten bei Bottighofen am Bodensee. Alle Passagiere wurde von [mehr]

Akt. Veranstalterberichte:

Omneia - Tauchen und Reisen,..
(02.09.2010) Vom 29.07-12.08.2010 machte ich eine 2-wöchige Safari auf der Seawolf Soul. Gebucht wurde natürlich bei Omneia, da ich Moni Hofbauer schon einmal auf der Seven7Seas erleben durfte. Alles aber auch (mehr)

Omneia - Tauchen und Reisen,..
(18.08.2010) Mein Kumpel Jonny und ich waren vom 29.07.-05.08. auf der Seawolf Soul. Eine schöne Safari Daedalus/RockyIsland/Zabarga d. Natürlich organisiert und begleitet von Moni. Es war eine super Tour deren (mehr)

Aqua Active Agency- Seeburg
(17.08.2010) Auch wir haben die Inseltour von Cebu nach Malapascua, dann nach Negros und danach nach Bohol gemacht. Die Fähre fuhr die gesamte Zeit nicht und keiner im Hafen konnte irgendeine Auskunft geben. Aqua (mehr)




© 1997-2010 Taucher.Net GmbH - powered by TNetHosting