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 Geschrieben von Ralf Dänzer

Sauna und Tauchen - eine ideale Kombination?

von Ralf Dänzer

Für Taucher, die sich nicht nur in den heißen Sommermonaten in die Fluten stürzen, sondern auch bei Eis und Schnee den Weg zum nächstgelegenen Tauchgewässer suchen, drängt sich häufig der Gedanke auf: “Jetzt wäre ein warmes Plätzchen ganz angenehmen”. Zelte am See mit entsprechenden Sitz- und Aufwärmgelegenheiten zählen hierbei schon zu den Luxusaustattungen. Die meisten Unterwasserjünger nutzen das Auto als “Schwitzkammer”, um zumindest bei der Rückfahrt wieder etwas Wärme zu tanken.
Doch der Besuch einer anderen Wärmequelle - sprich einer Sauna - wäre doch eine ideale und zudem viel angenehmere Erholung nach dem Tauchen. Raus aus dem kalten Wasser und rein in eine auf 80 oder 90 Grad Celsius aufgeheizte Holzkammer. Das wäre es doch...

So einfach die Idee, so unterschiedlich die Praxis – und die damit verbunden Tauchtheorie. Die Empfehlungen der Tauchverbände tendieren nämlich nicht zu einer sofortigen Schwitzkur nach dem Tauchgang. Warum, das wollen wir im folgenden Artikel etwas näher beleuchten.

Sauna + Tauchen - Taucher.Net
Sauna und Tauchen – eine gute Kobination?

Sauna - der Gegensatz macht es aus

Unter der “Wellness-Flagge” erlebt das Saunieren in Deutschland gerade wieder eine Renaissance. Die Ursprünge der Sauna liegen in Finnland und so wird die Sauna oft als das bekannteste “Exportgut” Finnlands beschrieben.

Im Grunde ist der Vorgang in der Sauna und sind die damit verbundenen Auswirkungen auf den Körper sehr einfach zu erklären. Der Hitzereiz in der Sauna führt dazu, dass der Körper versucht, die ansteigende Körpertemperatur auszugleichen. Er produziert hierzu Flüssigkeit, die entsprechend einer Klimaanlage, die Haut kühlen soll: Wir schwitzen. Während des Saunagangs erweitern sich die Blutgefäße im Körper, um das Blut schneller transportieren und damit die Wärme besser ableiten zu können. Parallel dazu steigert sich die Herzfrequenz.

Nach jedem Saunagang führt der Weg an die frische, meist “kalte”, Luft und dann unter die Kaltwasserdusche. Während des “erfrischenden” Abkühlens ziehen sich die Blutgefäße zusammen, um den Wärmeverlust nicht zu groß werden zu lassen.

Dieser Hitze-Kälte-Reiz führt zu einer Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems, was unter anderem das Immunsystem stärkt (Vorbeugung gegen Erkältungskrankheiten). Zudem ist es eine Art “Training” für die Blutgefäße, da sich diese abwechselnd ausdehnen und zusammenziehen.

Was macht das Saunieren direkt nach dem Tauchen gefährlich?

Hierzu nun ein kleiner Exkurs hinsichtlich der physischen Vorgänge im Inneren des Tauchers.

Während des Tauchgangs nimmt der Taucher über die Atemluft, welche sich in den Flaschen befindet, unter anderem das Inertgas Sticktoff auf. Dieses reichert sich im Blut und den Geweben an, mit den bekannten Anforderungen an Einhaltung der Nullzeit oder entsprechender Dekompressionsstops. Beim Auftauchen wird der Stickstoff vom Gewebe über das Blut zu den Lungen transportiert und dort abgeatmet. Bei diesem Transport können kleine und kleinste Gasbläschen entstehen. Diese können im Blut des Tauchers auf Wanderschaft gehen und entweder in der Lunge “hängen bleiben”, dort abgeatmet werden, oder Ihren Weg fortsetzen, bis sie sich an einer Engstelle festsetzen - und sogar auch weiter anwachsen können. Ab einer gewissen Größe wird dies für den Taucher äußerst schmerzhaft (Stichwort “Bends”). Diese Schmerzen, zumeist in Gelenken oder im Schulterbereich, sind Anzeichen einer Dekompressionskrankheit. Gelangen die Bläschen zum Beispiel ins Gehirn und setzen sich dort in den feinsten Blutgefäßen fest, so kann dies sogar zu Lähmungen oder zum Tod führen.

Sauna + Tauchen - Taucher.Net
Nicht gleich aus dem Wasser in die Sauna

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass rund eine halbe Stunde nach Ende des Tauchgangs die Gasblasenbildung im Körper des Tauchers am größten ist. Aus diesem Grunde wird auch empfohlen, während des Aufstiegs und nach Beendigung des Tauchgangs große körperliche Anstrengung zu vermeiden, um zu verhindern, dass durch diese Anstrengungen (in Verbindung mit steigender Herzfrequenz und erweiterten Blutgefäßen) Gasbläschen in die kleinsten Gefäße vordringen und dort eventuell zu Schäden führen können. Innerhalb der Gemeinde der technischen Taucher ist es beispielsweise üblich, nach dem Tauchgang die schwere Ausrüstung möglichst im Wasser oder nahe am Wasser abzulegen und dann ohne das schwere Equipment aus dem Wasser aus zusteigen und sich erst einmal auszuruhen.

Da wir ja bereits von sich erweiternden Blutgefäßen bei körperlicher Anstrengung gesprochen haben, kommen wir auch auf das verbindende – besser gesagt, das trennende Element - zwischen der warmen Sauna und der Gefahr beim Tauchen.

Der Taucher steigt bei kaltem Wetter nach einem schönen Tauchgang von 60 Minuten Dauer aus dem Wasser. Während des Tauchgangs hat sich Stickstoff in seinen Geweben und in seinem Blut gelöst, welches nun weiter abgeatmet wird. Die Blutgefäße dürften verengt sein, um die Körpertemperatur gegenüber der kalten Umgebung konstant zu halten.
Der Taucher entledigt sich nun seiner Ausrüstung und springt – idealtypisch - in die Sauna um sich aufzuwärmen und von den Strapazen des Tauchgangs zu erholen. Hierbei erweitern sich in seinem Körper die Blutgefäße wieder, um die von außen zugeführte Hitze abzubauen. Die Herzfrequenz steigt an, um das Blut schneller transportieren und Wärme abführen zu können. Parallel dazu steigt auch die Anzahl der Gasbläschen im Blut weiter an. Hierdurch entstehen winzige Gasblasen, die nun im Körper des Tauchers ihre Reise antreten und über die Lunge abgeatmet werden. Einige schaffen es sogar in sehr kleine Blutgefäße, die nun aufgrund der Wärme stark geweitet sind. Nun ist der erste Saunagang für den Taucher nach rund 15 Minuten auch schon wieder zu Ende und er stürzt sich wagemutig unter die erfrischende Kaltwasserdusche. Dies führt dazu, dass sich die Blutgefäße wieder verengen. Und genau hier steckt das Dilemma. Die kleinen Gasblasen, die es aufgrund der erweiterten Blutgefäße bis in die kleinen und kleinsten Adern geschafft haben, stecken nun fest. Ergänzend dazu reichert sich weiterer Stickstoff in ihnen an und kann zu einem Wachstum führen. Das Blutgefäß, in dem die Gasblase sitzt, wird richtiggehend “abgedichtet” und die entsprechende Gehirnpartie wird nicht mehr mit dem nötigen Blut und damit Sauerstoff versorgt. Lähmungen und Gehirnschädigungen sind damit wahrscheinlich.

Sauna + Tauchen - Taucher.Net
Sauna und Tauchen
Mit Bedacht eine schöne Kombination


Fazit

Natürlich handelt es sich bei der aufgeführten Beschreibung um einen idealtypischen Ablauf – zugegeben, ideal, um zu erkranken. Wer hat schon direkt nach dem Tauchgang eine Sauna vor Ort? Wie wir aber gesehen haben, entwickeln sich die meisten Gasblasen rund 30 Minuten nach dem Tauchgang. Zieht man dies hinzu, sind viele Taucher bereits auf dem Heimweg und dann auch relativ schnell in der Sauna. Doch auch nach diesen 30 Minuten findet eine weitere Entsättigung statt. Durch den Hitze- und Kältereiz der Sauna können also entsprechende Schäden auch noch nach Stunden beim Taucher entstehen. Aus diesem Grunde sollte man wenn möglich einen Saunagang mit entsprechendem Abstand zum Ende des Tauchgangs einplanen. Vorgaben hierfür gibt es an sich nicht. Als Richtschnur könnten die Vorgaben in Bezug auf das Antreten eines Fluges dienen, so dass ein Intervall von 24 Stunden eine entsprechendes Sicherheitspolster bieten dürfte.


© 2006 Text - Ralf Dänzer
© 2006 Bilder - Ralf Dänzer


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