Für Taucher, die sich nicht nur in den heißen Sommermonaten in
die Fluten stürzen, sondern auch bei Eis und Schnee den Weg zum nächstgelegenen
Tauchgewässer suchen, drängt sich häufig der Gedanke auf:
“Jetzt wäre ein warmes Plätzchen ganz angenehmen”. Zelte am See
mit entsprechenden Sitz- und Aufwärmgelegenheiten zählen hierbei
schon zu den Luxusaustattungen. Die meisten Unterwasserjünger nutzen
das Auto als “Schwitzkammer”, um zumindest bei der Rückfahrt wieder
etwas Wärme zu tanken.
Doch der Besuch einer anderen Wärmequelle - sprich einer Sauna - wäre
doch eine ideale und zudem viel angenehmere Erholung nach dem Tauchen. Raus
aus dem kalten Wasser und rein in eine auf 80 oder 90 Grad Celsius aufgeheizte
Holzkammer. Das wäre es doch...
So einfach die Idee, so unterschiedlich die Praxis – und die damit verbunden
Tauchtheorie. Die Empfehlungen der Tauchverbände tendieren nämlich
nicht zu einer sofortigen Schwitzkur nach dem Tauchgang. Warum, das wollen
wir im folgenden Artikel etwas näher beleuchten.
Sauna und Tauchen – eine gute Kobination?
Sauna - der Gegensatz macht es aus
Unter der “Wellness-Flagge” erlebt das Saunieren in Deutschland gerade wieder
eine Renaissance. Die Ursprünge der Sauna liegen in Finnland und
so wird die Sauna oft als das bekannteste “Exportgut” Finnlands beschrieben.
Im Grunde ist der Vorgang in der Sauna und sind die damit verbundenen Auswirkungen
auf den Körper sehr einfach zu erklären. Der Hitzereiz in der Sauna
führt dazu, dass der Körper versucht, die ansteigende Körpertemperatur
auszugleichen. Er produziert hierzu Flüssigkeit, die entsprechend einer
Klimaanlage, die Haut kühlen soll: Wir schwitzen. Während des Saunagangs
erweitern sich die Blutgefäße im Körper, um das Blut schneller
transportieren und damit die Wärme besser ableiten zu können. Parallel
dazu steigert sich die Herzfrequenz.
Nach jedem Saunagang führt der Weg an die frische, meist “kalte”, Luft
und dann unter die Kaltwasserdusche. Während des “erfrischenden” Abkühlens
ziehen sich die Blutgefäße zusammen, um den Wärmeverlust
nicht zu groß werden zu lassen.
Dieser Hitze-Kälte-Reiz führt zu einer Stärkung des Herz-Kreislauf-Systems,
was unter anderem das Immunsystem stärkt (Vorbeugung gegen Erkältungskrankheiten).
Zudem ist es eine Art “Training” für die Blutgefäße, da sich
diese abwechselnd ausdehnen und zusammenziehen.
Was macht das Saunieren direkt nach dem Tauchen gefährlich?
Hierzu nun ein kleiner Exkurs hinsichtlich der physischen Vorgänge
im Inneren des Tauchers.
Während des Tauchgangs nimmt der Taucher über die Atemluft, welche
sich in den Flaschen befindet, unter anderem das Inertgas Sticktoff auf.
Dieses reichert sich im Blut und den Geweben an, mit den bekannten Anforderungen
an Einhaltung der Nullzeit oder entsprechender Dekompressionsstops. Beim
Auftauchen wird der Stickstoff vom Gewebe über das Blut zu den Lungen
transportiert und dort abgeatmet. Bei diesem Transport können kleine
und kleinste Gasbläschen entstehen. Diese können im Blut des Tauchers
auf Wanderschaft gehen und entweder in der Lunge “hängen bleiben”, dort
abgeatmet werden, oder Ihren Weg fortsetzen, bis sie sich an einer Engstelle
festsetzen - und sogar auch weiter anwachsen können. Ab einer gewissen
Größe wird dies für den Taucher äußerst schmerzhaft
(Stichwort “Bends”). Diese Schmerzen, zumeist in Gelenken oder im Schulterbereich,
sind Anzeichen einer Dekompressionskrankheit. Gelangen die Bläschen
zum Beispiel ins Gehirn und setzen sich dort in den feinsten Blutgefäßen
fest, so kann dies sogar zu Lähmungen oder zum Tod führen.
Nicht gleich aus dem Wasser in die Sauna
Verschiedene Studien haben gezeigt, dass rund eine halbe Stunde nach
Ende des Tauchgangs die Gasblasenbildung im Körper des Tauchers am größten
ist. Aus diesem Grunde wird auch empfohlen, während des Aufstiegs und
nach Beendigung des Tauchgangs große körperliche Anstrengung zu
vermeiden, um zu verhindern, dass durch diese Anstrengungen (in Verbindung
mit steigender Herzfrequenz und erweiterten Blutgefäßen) Gasbläschen
in die kleinsten Gefäße vordringen und dort eventuell zu Schäden
führen können. Innerhalb der Gemeinde der technischen Taucher ist
es beispielsweise üblich, nach dem Tauchgang die schwere Ausrüstung
möglichst im Wasser oder nahe am Wasser abzulegen und dann ohne das
schwere Equipment aus dem Wasser aus zusteigen und sich erst einmal auszuruhen.
Da wir ja bereits von sich erweiternden Blutgefäßen bei körperlicher
Anstrengung gesprochen haben, kommen wir auch auf das verbindende –
besser gesagt, das trennende Element - zwischen der warmen Sauna und der
Gefahr beim Tauchen.
Der Taucher steigt bei kaltem Wetter nach einem schönen Tauchgang von
60 Minuten Dauer aus dem Wasser. Während des Tauchgangs hat sich Stickstoff
in seinen Geweben und in seinem Blut gelöst, welches nun weiter abgeatmet
wird. Die Blutgefäße dürften verengt sein, um die Körpertemperatur
gegenüber der kalten Umgebung konstant zu halten.
Der Taucher entledigt sich nun seiner Ausrüstung und springt – idealtypisch
- in die Sauna um sich aufzuwärmen und von den Strapazen des Tauchgangs
zu erholen. Hierbei erweitern sich in seinem Körper die Blutgefäße
wieder, um die von außen zugeführte Hitze abzubauen. Die Herzfrequenz
steigt an, um das Blut schneller transportieren und Wärme abführen
zu können. Parallel dazu steigt auch die Anzahl der Gasbläschen
im Blut weiter an. Hierdurch entstehen winzige Gasblasen, die nun im Körper
des Tauchers ihre Reise antreten und über die Lunge abgeatmet werden.
Einige schaffen es sogar in sehr kleine Blutgefäße, die nun aufgrund
der Wärme stark geweitet sind. Nun ist der erste Saunagang für
den Taucher nach rund 15 Minuten auch schon wieder zu Ende und er stürzt
sich wagemutig unter die erfrischende Kaltwasserdusche. Dies führt dazu,
dass sich die Blutgefäße wieder verengen. Und genau hier steckt
das Dilemma. Die kleinen Gasblasen, die es aufgrund der erweiterten Blutgefäße
bis in die kleinen und kleinsten Adern geschafft haben, stecken nun fest.
Ergänzend dazu reichert sich weiterer Stickstoff in ihnen an und kann
zu einem Wachstum führen. Das Blutgefäß, in dem die Gasblase
sitzt, wird richtiggehend “abgedichtet” und die entsprechende Gehirnpartie
wird nicht mehr mit dem nötigen Blut und damit Sauerstoff versorgt.
Lähmungen und Gehirnschädigungen sind damit wahrscheinlich.
Sauna und Tauchen
Mit Bedacht eine schöne Kombination
Fazit
Natürlich handelt es sich bei der aufgeführten Beschreibung um
einen idealtypischen Ablauf – zugegeben, ideal, um zu erkranken. Wer hat
schon direkt nach dem Tauchgang eine Sauna vor Ort? Wie wir aber gesehen
haben, entwickeln sich die meisten Gasblasen rund 30 Minuten nach dem Tauchgang.
Zieht man dies hinzu, sind viele Taucher bereits auf dem Heimweg und dann
auch relativ schnell in der Sauna. Doch auch nach diesen 30 Minuten findet
eine weitere Entsättigung statt. Durch den Hitze- und Kältereiz
der Sauna können also entsprechende Schäden auch noch nach Stunden
beim Taucher entstehen. Aus diesem Grunde sollte man wenn möglich einen
Saunagang mit entsprechendem Abstand zum Ende des Tauchgangs einplanen. Vorgaben
hierfür gibt es an sich nicht. Als Richtschnur könnten die Vorgaben
in Bezug auf das Antreten eines Fluges dienen, so dass ein Intervall von
24 Stunden eine entsprechendes Sicherheitspolster bieten dürfte.
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