Arktisches Tauchen im Weissen Meer
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Russland - das Land der unbegrenzten
Möglichkeiten? Jedenfalls für Taucher trifft dieses Motto uneingeschränkt
zu. Wir werden in dieser Ausgabe einen kleinen Abriss über das Tauchen
im Weißen Meer vorstellen.
In den Folgeausgaben unseres Online Magazins werden wir einige Ziele und
Projekte rund um das arktische Tauchen näher beschreiben - auch Swiosdny Gorodok
(Sternenstädtchen) - Tauchen wie die russischen Kosmonauten - steht auf unserer Liste für die kommenden Ausgaben.
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Allgemeine Vorstellung
Das Weiße Meer ist eines der schönsten nördlichen Meere
Russlands, die Natur hier in weiten Teilen vom Menschen unberührt, die
Fauna trotz der Bedingungen sehr vielfältig. Dieses innerrussische Meer
ist ein Teil des Nördlichen Eismeeres. Im nördlichen Teil des Weißen
Meers überwintern grönländische Robben - hier bringen sie auch
ihre Jungen zur Welt. Auf den unbewohnten Weißmeerinseln lagern viele
Vogelkolonien, in denen verschiedene Meeresvögel im Laufe des Sommers
brüten und ihre Jungen aufziehen. Außerdem leben im Weißen
Meer Weißwale. Die menschenleeren Ufer dieses Meeres und seine zahllosen
unbewohnten Inseln sind ungewöhnlich malerisch. Felsige, zerklüftete
Klippen wechseln sich ab mit sanft abfallendem Uferland, bewachsen mit Misch-
und Taigawäldern.
Die Unterwasserwelt des Weißen Meeres ist reich an Meeresbewohnern.
Auf Tauchgängen kann man weiche Korallen, Aktinien, Schwämme, Seesterne,
Krabben, Einsiedlerkrebse und Seeigel entdecken. Im Winter lassen einen verschiedene
Fische ganz nahe an sich heran: Lachse, Meerbarsche, Schollen und Seeteufel.
Das Weiße Meer
In praktisch allen Teilen des Weißen Meeres gibt es aufgrund der
sich ständig abwechselnden kontinentalen und maritimen Wettereinflüsse
keine langfristig stabilen Wetterlagen. Der Winter am Weißen Meer ist
lang und hart. Im Februar beträgt die mittlere Lufttemperatur über
dem ganzen Meer um 15° C unter Null, allerdings kann sich diese Temperatur
bei mildem Atlantikeinfluss auf bis -6° C erhöhen, oder aber unter
Einfluss eines arktischen Tiefs auf -26° C sinken. Die Wassertemperatur
beträgt winters -0.5° C in Buchten und an der Oberfläche; mit
zunehmender Tiefe sinkt sie auf bis zu -3° C ab. Der Salzgehalt des Weißen
Meeres ist etwas tiefer als der Durchschnitt: 27.5 - 28‰. Die Flut kommt und
geht regelmäßig im Zwölfstundenrhythmus, mit einer Geschwindigkeit
von 0.1 – 4 m/s. In den Buchten und Fjorden des Weißen Meeres bildet
sich dank ihrer Geschütztheit vor starken Winden lokal ein wärmeres
Mikroklima aus, da es hier praktisch nie zu Stürmen oder hohem Wellengang
kommt.
Im Sommer erwärmt sich das Weiße Meer bis zu 15 -20°C; es
ist also möglich, ohne Taucheranzug zu baden. Zugegeben, ab 5 m Tiefe
steigt die Wassertemperatur nie über 10°C, aber ein gewöhnlicher
Trockenanzug ermöglicht es im Normalfall dem Taucher bereits, sich unter
diesen Bedingungen vollständig wohl zu fühlen. Die Wunder und Schönheiten
der Unterwasserwelt kompensieren sicherlich das etwas ungemütliche Gefühl
des kalten Wassers im Gesicht. Über schlammige Abhänge, algenbesetzte
Steine und Felsen gleiten schwerelos rote, violette, gelbe, regenbogenfarbene
Seesterne dahin, fünf- neun- und zwölfstrahlig, Weißmeerkorallen,
entzückend weißrosa schimmernde Anemonen - welch erstaunliche Bewohner
des Meeresgrundes sie doch sind. Noch viel schöner aber sind die hellrosa-
oder orangefarbenen Aktinienblüten.
Unter den Einzigartigkeiten des Weißen Meeres gibt es auch richtige
Riesen, wie zum Beispiel die Gorgonenkopfqualle. Das Meer ist voll von Blaumuscheln,
weichen Weißmeerschwämmen, Krabben, Einsiedlerkrebsen und Seeigeln.
Eine Begegnung mit der Natur des Weißen Meeres schenkt Ihnen lebendige,
beglückende Eindrücke. Sommerliche Tauchgänge im Weißen
Meer beleben Ihre Sinne und wecken Ihre Emotionen. Wer die Gelegenheit hat,
mit eigenen Augen die wunderschöne, artenvielfältige Natur der vom
Menschen unberührten Inseln zu sehen und selbst in die kalten dämmerigen
Tiefen des Weißen Meers einzutauchen, kann sich wohl mit gutem Recht
einen Glückspilz nennen.
Wrack in der Nähe des A.C.D. Centers
Eistauchen
Eistauchen in Seen hat im Allgemeinen eher trainingsartigen Charakter,
außerdem ist die Flora und Fauna in Seen sehr viel ärmer sind,
als in Meeren oder gar Ozeanen. Eistauchen im Meer ist etwas ganz exklusives.
Bis vor kurzem gab es lediglich in Kanada einigermaßen ernstzunehmende
Angebote, wo Tauchgänge ins Meer unter ziemlich harten Bedingungen angeboten
werden.
Eistauchen im Weißen Meer kann man mit gutem Recht als ideales Angebot
für uns Europäer bezeichnen. Die Verwendung von warmen Mobilhäusern,
die mit Schneemobilen übers Eis bewegt werden, macht es möglich,
auf dem Eis ein warmes und bequemes Lager aufzubauen – direkt am Tauchplatz.
Das Resultat ist fantastisch. Sogar fast ein wenig enttäuschend für
die „wahren Abenteurer“: Die Untereis-Tauchtouren haben sich vom „grausamen
Extrem für moralisch Starke“ in komfortables Tauchen für alle
Interessierten verwandelt. In Verbindung mit der guten Auswahl der Tauchplätze
macht es dies möglich, in aller Ruhe die Schönheiten unter Eis
zu genießen, märchenhafte Eisgebilde im kristallklaren Wasser
(die Sichtweite beträgt mehr als 30 Meter) zu entdecken und das winterliche
Leben der Meeresbewohner zu beobachten.
Der Arctic Circle Dive Center (A.C.D. Center)
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Das A.C.D. Center ist unter lokalen Tauchern bekannt für sein
fantastisches Angebot zum Eistauchen. Das Weiße Meer ist Europas einziges
Meer, das im Winter total zufriert. Es ist eines der wohl best geeigneten
Orte für Tauchtouren unter Eis.
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Eistauchen: Gewöhnlich wird zweimal täglich getaucht.
Die einzelnen Tauchgänge dauern 30 bis 60 Minuten. Ab- und Auftauchen
gehen durch speziell ins Eis gehauene Öffnungen von 2x2 m Größe
vonstatten. Die Eistaucher lassen sich zu zweit ins Wasser absinken, natürlich
mit Leinensicherung. Von oben her werden sie dabei von einem weiteren Taucherpaar
gesichert. An der Oberfläche wird das Tau von Helfern mit einem Eisbohrer
befestigt. So sind mindestens sechs Personen in den Tauchprozess involviert:
Zwei Taucher, zwei, die sichern, und zwei Personen, die allgemeine Hilfe
leisten. Über der Eisöffnung wird ein geheiztes Zelt errichtet,
damit die Taucher von einem warmen Raum aus starten können.
Ausrüstung für die Tauchgänge
o Mobiles E-Generator
o Mobiler Tauchkompressor
o Nitrox-Füllanlage und Nitroxflaschen
o 12l Stahlflaschen mit V-Ventilen Typ DIN
o Seile, Eisbohrer, Karabiner, Sägen
o RIB-Motorboote für Tauchgänge von offenem Wasser aus
o Schneemobile für den Transport zu den Tauchplätzen und zurück.
Der Morgen im Tauchzentrum beginnt um 8.00 Uhr. Sofort nach dem Frühstück
wird ein detailliertes Briefing mit genauen Informationen über die Tauchplätze,
die Wetterbedingungen, die Wassertemperatur, die Sicht usw. abgehalten.
Standard-Tauchgänge (ohne Eis): Die Tauchgänge werden
von Zodiac-Motorbooten aus durchgeführt. Eine große Auswahl an
Tauchplätzen findet sich Basisnah bis hin zu einer Stunde Fahrzeit.
Die Bootsanlegestelle ist in 400 m Entfernung der Wohnhäuser gelegen.
In speziell eingerichteten Holzhäuschen bei der Anlegestelle können
sich die Taucher umziehen und ihre Ausrüstung einpacken. Hier wird
die Ausrüstung auch getrocknet und entsalzt.
Das Hotel Nereis - ein weitere Anlaufpunkt im hohen Norden
Wassertemperatur zu verschiedenen Jahreszeiten und in verschiedenen Tiefen:
Im Sommer erreicht die Wassertemperatur an der Oberfläche 13°C,
die Schicht erwärmten Wassers ist 15-18 m tief, weiter unten ist ein
sprunghaftes Abnehmen der Wassertemperatur bis zu 0±1°C zu beobachten.
Im Winter beträgt die Oberflächentemperatur auf -0.5°C, mit
zunehmender Tiefe sinkt die Wassertemperatur auf -2°C.
Das Relief der verschiedenen Tauchplätze ist unterschiedlich – es
kommen sowohl überhängende, in unsichtbare Tiefen stürzende
Felswände vor, als auch ebene Abschnitte des Meeresgrunds in 15-40 m
unter dem Meeresspiegel. Im Sommer schwankt die Sichtweite an den Tauchplätzen
zwischen 10-15 m. Im Oktober wächst sie auf 20-30 m. In den Wintermonaten
und im März erreicht die Sichtweite 30-40 m.
Ein Highlight - Schnorcheln mit Robben
Das A.C.D.Center bietet auch das Beobachten von Robben an: Ringelrobben,
Grönlandrobben, Meerhasen. Hin und wieder kann man im Laufe solcher
Ausflüge auch Walrosse treffen.
Zum Ende des Winters versammeln sich unzählige Robben in riesigen
Herden an der Weißmeermündung, an der Packeisgrenze. Ende Februar,
Anfang März kommen hier die Robbenbabies zur Welt. Mitte Mai schon kann
man die herangewachsenen Robbenkinder und ebenso die erwachsenen Tiere von
ganz nah betrachten und mit ihnen schnorcheln.
Um mit den Robben zu tauchen, muss man ihre Lagerplätze kennen.
Im Mai, wenn das Eis schmilzt, werden Ausflüge über den Meerbusen
von Kandalaksha angeboten, auf denen Robben aller Alterskategorien liegen.
Um die Tiere nicht zu stark zu stören, wird der Transport vom Tauchzentrum
bis zum Tauchplatz auf Booten durchgeführt. Während des gesamten
Tauchgangs bleiben die Schlauchboote zur Sicherung der Tauchergruppe am Tauchplatz.
Da die Atemgeräusche der Taucher Unterwasser die Robben irritieren,
werden diese Ausflüge nur mit Schnorchel durchgeführt.
auch Landbegegnungen mit Robben sind im hohen Norden möglich...
Im Weissen Meer, nicht weit vom A.C.D.Center entfernt, ist jedes Jahr eine
Robbengruppe zu sehen, die hier Ihren Aufzuchtplatz gewählt hat.
Weitere Infos findet man beim Projekt Arctica
von Achims Tauchoase.
In den Folge-Ausgaben unseres Onlinemagazins werden wir das Arktische Tauchen
und die faszinierende Flora und Fauna weiter vorstellen - also Stay Tuned!
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