Den meisten von unseren Lesern dürften diese Bilder noch gut in Erinnerung
sein. Ein Manta –
genauer gesagt (Manta birostris) – liegt verendet auf dem Grund in
etwa 30 m Tiefe am Tauchplatz „Miyaru Faru“ im Rasdhoo Atoll auf den
Malediven.
gefinnter Manta, fotografiert von Dr. Kilkinger, Biologische Station
Kuramathi
(click zum Vergrössern)
Die Bilder wurden am 17.12.2005 aufgenommen und bereits kurze Zeit später
von einem bekannten Wissenschaftler vor Ort verifiziert (Siehe weiteres hier!).
Was genau dem Tier passiert ist, lies sich nicht klären. Offensichtlich
ist, dass die beiden Seitenflossen abgetrennt wurden und an den Schnittkanten
bereits Frasspuren zu erkennen waren.
Obwohl es zu diesem Zeitpunkt noch keine weiteren verifizierten Fälle
gab, wurde auf der im Januar "boot 2006" eine Petition mit Unterschriftenaktion
durch Taucher.Net gestartet, um diesen Vorfall publik zu machen. Ziel war und
ist es, den Verantwortlichen der Malediven klarzumachen, dass sie durch das
Tolerieren solcher Vorkommnisse eine ihrer wichtigsten Einnahmequellen –
nämlich den Tourismus, vor allem auch der Taucher – gefährden.
Die Unterschriftenaktion auf der "boot 2006" war ein voller Erfolg: An vielen Ständen
konnte man sich unsere Petition durchlesen und auch gleich in die entsprechenden
Listen eintragen. So sind dank vieler Helfer über 1000 Unterschriften
in nur 5 Messetagen zusammengekommen. Dies zeigt deutlich, dass es den Tauchern
nicht egal ist, wie mit der Unterwasserwelt umgegangen wird.
Gleichzeitig wurde auch eine Onlinepetition gestartet um es denjenigen, die es nicht
zur Messe geschafft haben, eine Möglichkeit zur Teilnahme zu geben.
Inzwischen sind auch hier über 2000 weitere Unterzeichner gelistet und
so wurde überlegt, wie die Unterschriften und auch das, was daraus entstanden
ist, am besten an die Verantwortlichen weitergegeben werden kann. Die ITB
in Berlin war dafür perfekt und so machte ich mich auf, um am Stand der
Malediven den Verantwortlichen unser Anliegen vorzutragen.
Die Unterschriftenlisten der Boot mit dem Petitionstext und dem Link zu unserer
Onlinepetition wurden an Ismail Shahyr (Marketing Executive des Maldives
Tourism Promotion Board) übergeben.
Er ermöglichte es mir außerdem, unser Anliegen direkt mit dem Minister
of Tourism & Civil Aviation - Mahamood Shougee in einem Gespräch
zu erörtern und Informationen aus erster Hand zu erhalten.
Der Minister (re.) mit Heiko Pries, Taucher.Net
Bis zu diesem Zeitpunkt war es dem Minister nicht bekannt, dass ein solcher
Vorfall auf den Malediven stattgefunden hatte. Interessiert ließ er sich alle
Umstände der Bilder erklären und stellte immer wieder Rückfragen.
Im Anschluss daran nahm er sich die Zeit, mir ein wenig die Einstellung der
Malediver zur Natur und die momentanen Anstrengungen zu deren Erhaltung zu
erklären. Vor allem berichtete er über die Ausweitung eines Gesetzes
gegen das Fischen von Haien in der 7-Meilen Zone. Bisher galt diese Bestimmung nur
im Bereich der touristisch erschlossenen Gebiete, wird nun aber auch auf den
Rest der Atolle ausgedehnt. Er wies aber auch auf die Weitläufigkeit
des Gebietes hin und den damit verbundenen Schwierigkeiten, alles zu überwachen,
was jedem durchaus plausibel sein wird!
Kein Problem sei es in seinen Augen, das Gesetz auch auf Mantas auszuweiten,
die für die Malediver ohnehin keinen wirtschaftlichen Nutzen als Speisefisch
haben. Sollten sich diese Vorfälle also häufen, scheint die Regierung
durchaus in der Lage und auch Willens, weitere Maßnahmen und Sanktionen
einzuleiten.
Zu dem gefinnten Manta hatte er eine ganz eigene Idee: „Ein Kleiner-Jungen-Streich“
der Kinder aus dem nahegelegenen Fischerdorf. Ob man sich dieser möglichen
Erklärung anschließt oder nicht, soll jeder Leser für sich selbst entscheiden...
Ein weiterer Gast auf dem Stand, der sich die Petition ansah, meinte so etwas
würde auch gemacht, weil sich die Flossen sehr gut als Haiköder
eigneten. MOMENT – eben wurde mir doch ein Gesetz erklärt, welches doch
das Haifischen verbietet...
Hier kommen wieder die Feinheiten durch. Das Gesetz verbietet das Haifischen
nur in der Zone um die Atolle – nicht aber außerhalb der Zonen auf
dem Meer zwischen den Atollen.
Intensive Diskussionen zu dem Finning Vorfall auf der ITB
Ob sich hieraus nun eine generelle Einstellung für oder gegen den Naturschutz
ableiten lässt, wage ich nicht zu beurteilen. Es scheint mir aber, dass
auf den Malediven der Schutz der Natur nicht an letzter Stelle steht und
durchaus als wirtschaftlicher Faktor im Rahmen des Tourismus Beachtung findet.
Allerdings bin ich bei Weitem nicht umfassend genug informiert über die Anstrengungen
der Malediven im Bereich Naturschutz – dies sollte jeder beim Lesen dieses
Textes bitte berücksichtigen!
Zum Glück sind uns bis zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Fälle
bekannt. Trotzdem ist es offensichtlich, dass auch wir Taucher - als Besucher
vor Ort - einen Beitrag leisten können, um die Natur zu erhalten. Wenn
also weitere Fälle von Mantafinning oder vergleichbar abzulehnenden
Vorkommnissen auftreten, müssen diese auch publik gemacht werden, um frühzeitig
auch die Verantwortlichen vor Ort mit ins Boot zu holen. Im Falle
der Haie ist mit Shark Project ja bereits ein kompetenter Ansprechpartner
vorhanden.
Bleibt zu hoffen, dass wir solche Bilder von Mantas nicht wieder sehen müssen
und uns lieber an lebendigen Exemplaren dieser wunderbaren Tiere erfreuen
können.
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