Das Problem
Seit über 250 Millionen Jahre existieren die Meeresschildkröten.
Sie durchstreifen die Ozeane, als friedliche Tiere, seit der Zeit der Dinosaurier.
In Form und Verhalten habe sie sich fast nicht verändert und überstanden
Hitzeperioden und Eiszeiten problemlos.

In der ganzen Evolution gibt es keine weitere, höher entwickelte Tierart, welche derart anpassungsfähig war. Von den einst unzähligen
Arten existieren nur noch sieben. Alle sind am Aussterben und stehen im Anhang 1 des Washingtoner
Artenschutzabkommens. Das bedeutet, dass sie sich in der offiziell höchstmöglichen Bedrohungsstufe befinden.
Trotz dieser Tatsache werden die Meeresschildkröten auf der ganzen Welt, vor allem aber in Indonesien verfolgt und gejagt. Die Hauptursache beruht nicht etwa auf dem Nahrungsbedarf der einheimischen Bevölkerung, sondern vorwiegend in der kommerziellen Nutzung dieser Tiere.
Jedermann würde Verständnis aufbringen, wenn es der Tatsache entspräche, dass in diesem Land, mit seinen tief verwurzelten religiösen und kulturellen Traditionen, Meeresschildkröten ab und zu gegessen werden müssten.
Die Wahrheit ist, dass nur eine Minderheit der Bevölkerung Schildkrötenfleisch verzehrt und bei den rituellen Festen der Hindus wurde es schon weitgehend durch Schweinefleisch ersetzt (J. Davenport, OSUC).
Werden die Millionengeschäfte, welche mit Schildkröten gemacht werden, genauer unter die Lupe genommen, merkt man schnell, dass mehr als die Hälfte des Umsatzes mit nichtessbaren Teilen der Tiere erzielt wird. Vor allem auf den asiatischen Märkten!
Mit Schildkröten lässt sich sehr viel Geld auf
einfache Art und Weise verdienen. Das beginnt schon beim Fischer, der pro Stück zwar nur ca. 10 Dollar erhält, aber somit ohne großen Aufwand mit 50 Tieren pro Jahr ein höheres Einkommen erzielt, als beispielsweise ein ausgebildeter Schullehrer. Das große Geschäft aber machen die Mittelsmänner. Sie sind meist auch die Besitzer
der Fangboote und die Köpfe der Schildkrötenmafia auf Bali. Ihnen bleiben pro Tier wiederum 70 bis 80 Dollar! Bei den ca. 25.000 Tieren pro Jahr... ein gutes Geschäft! Es ist deshalb verständlich, dass jeder Anlauf von internationalen Umwelt- und Tierschutzorganisationen mit allen Mitteln unterbunden wird.
Nur ein absoluter Verzicht auf Schildkrötenprodukte und ein lautstarker Protest gegen die Massaker in Bali kann zum Überleben der Meeresschildkröten beitragen.
Der Panzer der Karettschildkröte (eretmochelys imbricata)
liefert zum Beispiel wertvolles Schildpatt, um daraus exklusive Brillengestelle, Schmuckstücke und Souvenirs herzustellen. Die Suppenschildkröte
(chelonia mydas) wird, wie es der schreckliche deutsche Name schon sagt, ihres Fleisches wegen getötet.
Photo © 2003 Heinz von Holzen
Als "Consommé Lady Curzon" und "Turtle Steaks" werden die Produkte auch in europäischen "Feinschmeckerlokalen" angeboten. In asiatischen Ländern werden für Schildkröteneier Höchstpreise gezahlt, da sie als Aphrodisiakum gelten!

Aber auch anderen Arten stellt der Mensch nach, oder dezimiert sie durch von ihm verursachte Umweltprobleme. Da sind die Schleppnetze, welche die Tiere ertränken und die Seuchen und Krankheiten, welche durch die
Verschmutzung der Gewässer mit Chemikalien auftreten.

Unzählige Schildkröten ersticken an der Plastikflut im Meer. Die Fetzen werden von Lebewesen mit Quallen verwechselt und gefressen. Durch die Expansion der Touristenanlagen werden die Meeresschildkröten
von ihren abgestammten Brutplätzen vertrieben und können sich nicht mehr fortpflanzen.
Die Schattenseiten der Trauminsel - Schildkrötenmassaker auf Bali
Die Vorderfüße sind durchstochen und gefesselt.
Photo © 2003 Peter
So liegen an die 30 ausgewachsene Meeresschildkröten auf dem Rücken und warten auf den Tod.

Die Meisten von ihnen sind schon total ausgetrocknet und ringen hörbar nach Atem.
Photo © 2003 Heinz von Holzen
Alle diese Tiere wurden bei der Eiablage an fernen Stränden gefangen und haben einen wochen-, wenn nicht monatelangen Transport - übereinandergestapelt
im Frachtraum eines Schiffes - hinter sich!
Die Schlächter gehen mit kaltblütiger Gelassenheit ans Werk. Bei den auf dem Rücken liegenden Schildkröten werden zwischen dem Ober- und Unterpanzer die Messer angesetzt und die Hälften auseinandergeschnitten.
Photo © 2003 Günter Peter AGA
Das gepeinigte Tier wirft den Kopf hin und her und hebt, einer hilflosen Geste gleich, die gefesselten Vorderfüße. Nur ein leises Stöhnen ist zu hören, während es bei lebendigem Leibe ausgeweidet wird. Meeresschildkröten besitzen zwar ein hochentwickeltes Nervensystem, nur schreien können sie nicht!!!
Diese Grausamkeiten sind keine Ausnahmen, sondern gehören auf der "Trauminsel" Bali zur Tagesordnung. In den 20 Schildkrötenschlachthäusern der Insel, werden jährlich um die 25.000 Meeresschildkröten auf die geschilderte Art und Weise getötet, um mit der Vermarktung Millionen zu verdienen. Der weitaus größte Anteil wird nicht etwa mit
dem Fleisch erzielt, sondern mit Schildpatt, Leder und Öl, welches exportiert wird. Bis zu dem vor wenigen Jahren erlassenen Import und Handelsverbot, war Deutschland sowie leider auch die Schweiz einer der Hauptabnehmer solcher
Waren. Jetzt ist es Japan! Trotzdem kommen aber Unmengen von Produkten aus Meeresschildkröten nach Europa. Käufer der aus Schildpatt gefertigten Souvenirs; Armringe, Ohrgehänge, Ketten oder ganzer ausgestopfter Exemplare, sind die vielen hunderttausend Bali-Touristen, welche nicht Wissen (oder ignorieren!), wieviel Tierquälerei und Naturzerstörung
damit verbunden ist.
Indonesien war schon immer und ist noch heute, die größte
Drehscheibe des illegalen Handels mit Meeresschildkröten.
Illegal ist das einzig richtige Wort, weil dieses Land seit dem Jahre 1978 das Washingtoner
Artenschutzabkommen unterschrieben hat. Die Regierung ist deshalb nach
CITES-Vorschriften
verpflichtet, diese Tiere zu schützen und Zuwiderhandlungen zu bestrafen.
Außerdem sind alle Meeresschildkröten in Indonesien nach einem im Jahr 1996 erlassenen Gesetz geschützt. Auf dem Papier zumindest...
Die Hauptursachen für das Austerben der Meeresschildkröten
überhaupt liegen in Indonesien !
- Nur ca. 20 bis 25 % der rund 25.000 jährlich auf Bali getöteten Tiere, werden in den Gewässern von Indonesien gefangen. Den Rest fangen die Fischer von Sulawesi bis Neuguinea. Diese Ausweitung der Fanggründe
dezimiert aber auch die Populationen in Malaysia, in Australien und andernorts.
Da Meeresschildkröten zur Eiablage bis zu 10.000 Kilometer schwimmen,
werden sie, auch wenn sie zum Beispiel in Australien leben, Opfer der indonesischen
Fänger.
- 70 % der 25.000 jährlich in Bali ermordeten Tiere sind nämlich
Weibchen! Die folgenden Ergebnisse einer vor Ort gemachten Studie von J.P. Schulz IUCN/WWF,
zeigen klar: Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis in diesem Teil der
Erde die Meeresschildkröten ausgestorben sind!
- Eine weibliche Suppenschildkröte oder "Green Turtle", (lat. chelonia mydas), kann unter normalen Umständen, durchschnittlich 75 Jahre alt werden.

- Leider werden sie erst im Alter zwischen 15 und 25 Jahren geschlechtsreif und können dann in ihrem Leben ca. 4.500 Eier ablegen. Die Sterberate der
Schildkrötchen liegt im ersten Jahr bei 95 %. Ob die überlebenden
225 Tiere ein hohes Alter erreichen, ist aber noch lange nicht garantiert.
Schätzungsweise werden nur 10 % für Nachkommenschaft sorgen können.
- Das Durchschnittsalter der in Bali getöteten Tiere liegt bei 30 bis 35 Jahren. Jedes weibliche Tier hätte also in den verbleibenden Lebensjahren noch ca. 3.000 Eier legen können.
- "25.000 Meeresschildkröten" beträgt die jährliche Fangquote in Indonesien. Bei dem nachgewiesenen weiblichen Anteil von 70 % fehlen der Natur in den nächsten 20 bis 50 Jahren also 52.000.000 Eier, resp. 2.500.000 Tiere und davon 250.000 Weibchen!
- Diese Hochrechnung ist rein theoretisch und basiert auf den bisher bekannten
Fähigkeiten der Meeresschildkröten. Die Wirklichkeit mit allen anderen bereits erwähnten Bedrohungen der Umwelt, lassen diese Zahlen
bestimmt noch um mehr als die Hälfte abnehmen.
- Die Folgen der kommerziellen Schildkrötenjagd in den letzten 40
Jahren resultiert heute in derart dezimierten Beständen, welche den Status "höchst bedrohte Tierart" mehr als nur rechtfertigt.
- Von der "Suppenschildkröte", existieren zum Beispiel nur
noch ca. 400.000 Exemplare in den Meeren unseres Planeten (Mrosovsky 1983).

Die Lücke zwischen dem Tod der erwachsenen Tiere und der Zeitspanne, bis der Nachwuchs sie schließen könnte, wird aber immer größer - ja, zu groß!
Für die gesetzwidrige Ausrottung der Meeresschildkröten
und die unmenschliche Abschlachtung der Tiere in Indonesien gibt es keine Entschuldigung, auch wenn von der Regierung immer wieder fadenscheinige Argumente oder Versprechungen über eine Durchsetzung der Schutzbestimmungen
verbreitet werden. Während an anderen exponierten Plätzen der
Welt, die CITES-Vorschriften langsam
Fuß fassen, hat sich in Indonesien bis heute nichts geändert.
SOS für Meeresschildkröten
Die Schweizer Organisation "SOS
Meeresschildkröten" kämpft seit über 10 Jahren
für diese Tiere.

Der Unterwasserfotograf Kurt Amsler, Gründer der Organisation...

...gab dazu folgendes Statement ab:
...wir wissen, wie langsam die Mühlen auf politischer Ebene mahlen und in den Ländern, wo es am nötigsten wäre, werden die Gesetze dann sowieso nicht eingehalten. Indonesien geht in dieser Beziehung mit dem besten Beispiel voraus!
Damit die Schildkröten überleben werden, kann aber neben dem Gesetzeskrieg noch anderes getan werden. Hier zwei wichtige Punkte, auf welche wir uns auch primär konzentrieren:
- Erstens darf es keine Nachfrage für solche Produkte mehr geben und
- zweitens muss durch Druck auf die Touristenindustrie im betreffenden Land erreicht werden, daß vor Ort mehr unternommen wird, damit der Handel unterbunden wird.
Europaweit haben wir deshalb mit Publikationen in den Medien Millionen von Menschen auf das Schildkrötenleid sensibilisiert. Alle, die diese Reportagen gesehen und gelesen haben, werden ganz sicher nicht zu Käufern
solcher Produkte gehören. Viele sind dadurch sogar zu aktiven Kämpfern für die Schildkröten geworden.
An den exponierten Destinationen informieren unsere vor Ort verteilten Broschüren die Touristen in allen Sprachen, was hinter Souvenirs aus Meeresschildkröten steckt. Diese Aufklärungsaktionen haben teilweise zu lautstarken Protesten in Hotels und Shops geführt, weil solche Produkte angeboten wurden. Auf den Malediven zum Beispiel sind Souvenirs
aus Schildpatt fast gänzlich von den Touristeninseln verschwunden.
Eine große Hilfe bei unserer Arbeit sind die Tauchsportverbände
und Schulen. Tausende von Tauchlehrern verwenden unsere Unterlagen, um bei ihren Aktivitäten auch das Schildkrötenproblem zu erwähnen.
Sporttaucher werden sich also bestimmt richtig verhalten und als Vorbilder wirken.
Mehr Unterstützung in dieser Richtung erwartet "SOS
Meeresschildkröten" in Zukunft von den Reiseunternehmen. Es sind leider noch ganz wenige, die unsere Broschüren den Reisedokumenten beilegen und auf effiziente Weise ihre Kunden aufklären.
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