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Hurghada Blues
eine Realsatire von Andreas Geschke
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Aus der Höhe betrachtet wirkt der am tiefen Blau
liegende Ort wie die halbfertige Legokonstruktion eines ungeduldigen Kindes;
manchmal auch, je nach Blickwinkel, wie ein unfertiges Modell, dem ein augenscheinlich
ungeduldiger Schöpfer die Vollendung verweigert hat.
Etwas näher gekommen, erkennt man dann einzelne Strukturen, die sich
dicht an dicht an der Küste entlangziehen: Bauruinen und 5-Sterne-Hotels,
die neben- und miteinander wie in einer aufgezwungenen Symbiose leben; der
Inbegriff des touristisch gestalteten Ferienparadieses ohne den geringsten
Anspruch an irgendeine, wenn auch nur rudimentär vorhandene, bauliche
Ästhetik.
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Wenn man, endlich angekommen, nur lange genug in den lärmenden und künstlichen
Organismus eingedrungen ist findet man, gefiltert und anfangs kaum sichtbar,
den wahren Grund, der Tausende von Tauchern und Touristen nach Hurghada kommen
lässt und der dazu jedes Jahr eine Vielzahl von Personen dazu verleitet,
sich hier eine Existenz aufzubauen oder das, was sie selber dafür halten
- Träume.
Für diejenigen, die dafür in bar oder mittels Kredit bezahlt haben,
manifestieren sich die Träume in bunten Korallenwelten, in organisierten
Abenteuern und Erlebnissen sowie in der Tatsache, dass sie für sich persönlich
den Ort entdecken, der Inbegriff des Tauchmekkas ist, dann zur eigenen Karikatur
wurde und sich nun in den Bereichen, die zwischen allen Extremen liegen,
einen neuen Platz auf der Landkarte der diversen Tauchdestinationen zu sichern
versucht.
Gemeinsam mit 20 anderen Träumenden erfahren sie täglich ihre
persönliche Erfüllung der großen Seefahrt, pünktlich
und wohl organisiert zwischen 08.30 Uhr und 16 Uhr, entdecken Unterwasserwelten,
die vor ihnen schon Horden an Pressluftjüngern erkundet haben und bekommen
manchmal hier und da - inshallah - dank eines bemühten Guides
und Kapitäns ein Riff zu sehen, welches ihnen einen Eindruck davon vermittelt,
was sie hätten vorfinden können, wenn sie sich nur 20 Jahre früher
zu einem solchen Trip und gegen die von den Nachbarn bewunderte Wohnzimmerwand
aus Nussbaum entschlossen hätten.
"Idylle" beim Einschiffen...
Träume anderer Art dagegen haben diejenigen, die sich für monatlich
€350,- als Guide oder €700,- als Tauchlehrer an einer der offiziell 110 Tauchbasen(!)
verdingen: Zumeist sind es geplatzte Träume vom Leben in einer scheinbaren
Freiheit, eine Flucht heraus aus Plattenbauten und hin zu einem sorgenfreien
Leben, einer geträumt-gelebten Symphonie aus Sonne, Meer und Sex,
die sich, von der Realität schnell eingeholt, dann darauf reduziert,
im Wochentakt wechselnden Gesichtern die immer gleichen Handzeichen zu erklären.
Zweimal täglich werden Gruppen, die zu einem Gutteil aus reinen Tauchlegasthenikern
bestehen und mittels "Diving is fun"-Konzepten angeworben worden sind,
ins Wasser gebracht; motiviert von der ständigen Sorge, sich eine Beschwerde
der zahlenden Kundschaft einzufangen und den so stark benötigten Job
an einen der nachfolgenden Bewerber zu verlieren.
Kritik an Gästen oder deren Fähigkeiten? Unmöglich. Zumindest
an denen, die gerade vor Ort sind und die innerhalb von Stunden zu echten
Freunden gemacht werden: "Scheiss’ auf den kritischen Tauchlehrer, Du bist
klasse, ich bin klasse, Dein bester Kumpel und Entertainer - yippie!"
Dank Hartz IV, Sonnenhunger, Alimenteforderungen und sonstigen Beschwerden
stehen jeden Tag neu angereiste und auf wunderbare Weise extrem erfahrene
Bewerber bereit, die den Job auch für €50,- weniger übernehmen würden.
Wer hinterfragt da noch, dass “neu, jung und erfahren” eine unmögliche
Kombination ist, die man in der Praxis, wenn überhaupt, nur auf dem
Straßenstrich finden kann?
Alleine an den Riffen...
Sonne und Meer gehören zur Grundausstattung des täglichen Daseins,
manchmal kommt auch der feuchte Traum vom schwitzend vollzogenen Sex hinzu
- taktisch geschickt platziert wie ein gut geschlagener Matchball, genau
in dem Moment, wenn das Bild des Tauchgottes gerade aufgebaut wurde und der
Lebensversager hinter der Maske noch nicht die Zeit hatte, durchzuschimmern.
Wenn erlebte Kultur sich in Biersorten verfestigt und die geistigen Herausforderungen
auf tägliches Entertainment beschränkt werden, dann wird das eigene
Leben durch die eigenen Geschichten lebenswert gehalten - Geschichten über
die eigene Einmaligkeit, die selbst bescheinigte Kompetenz, Geschichten, die
irgendwann nicht nur vom geneigten jüngergleichen Publikum, sondern
wohl auch vom erzählenden Messias selbst geglaubt werden.
"gelebte Kultur" im Tauchermekka
Dann gibt es noch Träume, die von der Empfängerin aufgesogen werden
wie Regen von der ägyptischen Wüste. Träume von hingehauchten
Komplimenten braungebrannter Bootsjungen im Alter des eigenen Nachwuchses,
hinschmelzend, während der laue Fahrtwind an Deck sanft mit der eigenen
Cellulitis spielt.
Sie träumen den Traum des "endlich-wieder-begehrt-werdens",
des "Frau sein" - das ist Rock'n Roll für die eigene Seele, das
sind "good Vibrations", das ist die Verwirklichung von "Salz auf
meiner Haut":
Allerfeinstes Kopfkino, welches hier und da körperliche Erfüllung
sucht und findet.
Wenn stört es da noch, dass gute Filme selten kostenlos sind, dass
zwei Menschen zusammen unterschiedlich träumen können, dass die
Begierde oftmals angefacht wird durch die Vorstellung eines Lebens unter besseren
Bedingungen - oder durch die Realität finanzieller Zuwendungen? Rock'n
Roll braucht keine Logik.....
Sie fragen sich, ob das gezeichnete Bild vielleicht zu trübe ist, zu
dunkel, zu sarkastisch und zu desillusioniert? Lassen Sie eine Gegenfrage
zu: Ist das bunte Bild des strahlenden und immer fröhlichen Tauchlehrers
mit gut ausgebildeten Tauchern realistischer? Beides sind gewaltige Extreme,
gewiss, Schwarz und Weiß - und das Leben ist, meistens glücklicherweise,
bunt.
Sicher hat Hurghada selbst mit der Erschaffung der Träume, die genauso
oder ähnlich an tausenden anderen Orten geträumt werden, selber
nichts zu tun. Hurghada ist lediglich ein perfekter Schmelztiegel, ein Hort
der Gegensätze, ein arabisches Disneyland, wo die fantastische Schönheit
der Unterwasserwelt einerseits und Rudeltaucher andererseits aufeinanderprallen.
Die himmlische Ruhe Unterwasser...
Der bezahlte Traum, er erfüllt sich hier meistens - 7 oder 14 Tage
reichen nicht aus, um ihn platzen zu lassen. Wenn der Ort aus dem Flugzeugfenster
langsam wieder zum Legoland wird, dann nehmen sie ihn mit nach Hause: Die
Riffe, das tiefe Blau, das Salz auf ihrer Haut; dazu neue Freundschaften,
alte und endlich erfüllte Wünsche und bunte Welten, erlebt, gesehen
und gefühlt als Mitglied einer dem Guide folgenden Lemmingstruppe.
Stolz tragen sie das T-Shirt der Basis, während die Flugbegleiterin
"Hühnchen oder Pasta" fragt und sicher - ganz sicher - haben sie mehr
erlebt, mehr gesehen, mehr Träume verwirklicht als die Passagiere in
der Reihe dahinter.
Zurück bleiben die, die dort Geld verdienen und trotzdem bezahlen müssen.
Deren Träume gestorben sind, irgendwo bei der 758. Erklärung der
Handzeichen oder beim wiederholt gezeigten Entertainment - wohl versteckt
dabei die eigenen Depressionen. Deren Träume weggeflogen sind, nach 14
pauschal gebuchten Tagen. Die wieder neue Gäste zu Freunden machen müssen,
wieder Anerkennung verteilen und dabei von selbiger abhängig sind.
Ihr Traum lebt sich gestern wie heute, heute wie morgen. Jeden Tag grüsst
das Murmeltier, nur die Namen wechseln - aber was soll's, dafür scheint
ja die Sonne....
© 2006 - Andreas Geschke
© Luftbild Hurghada: Sönke Schweppe
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13.05.2008 12:10 Taucher Online : 197 Heute 7707, ges. 26245720 Besucher
 
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 Schnuppertauchen mit Buddy Inspiration vom 30.07.2002 : Wo kann man einen Schnupper Tg mit einer Inspiration machen ?
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 Dräger Ray vom 04.08.2002 : Hi Leute!
Kennt sich einer zum Thema ausbaubarkeit des Ray aus? Da soll es die Möglichkeit geben, den Oxy2 vom Aladin ... [mehr]
 Rebreather (IDA71) vom 11.08.2002 : Hallöchen,
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