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Der Europäische Biber (Castor fiber)
Braten, Pelz und Medizin
Der einzigartige und sympathische Nager, den die meisten Menschen mehr als ein Jahrhundert lang nur aus Tiergärten, Büchern und Dokumentarfilmen kannten, ist nach Europa zurückgekehrt. Wenn wir durch den Auwald gehen, sehen wir seine Spuren. Er hat aber auch mehr kulturhistorische Zeugnisse hinterlassen als gemeinhin angenommen wird.
Die meisten Menschen empfinden den Biber als niedliches und possierliches Tier. Besonders angetan sind sie von ihm, wenn er mit seinen Vorderfüßen, die auffallend an Menschenhände erinnern, Äste hält und geschickt dreht und dabei auf den platten Schwanz abgestützt Männchen macht. Weniger von ihm angetan sind jene Grund- und Waldbesitzer, auf deren Land er in hohen Dichten auftritt und zu eifrig gräbt, Bäume fällt und baut. Nur durch entsprechende Aufklärung und Managementmaßnahmen können die Betroffenen für den Schutz des Bibers und weitere Wiederansiedlungen gewonnen werden.
Vorderfüße Biber (© Gerhard Schwab) - Click zum Vergrössern
Schädling oder Meister der Ökologie?
Der Biber zählt mit über 30 kg Gewicht fast schon zu den Großtieren unserer Natur, und obwohl er wesentlich kleiner ist, wiegt er mehr als ein Reh. Und große Wildtiere haben es in Mitteleuropa nicht gerade leicht – außer sie sind ein beliebtes Jagdwild. Der niedliche Nager mit dem platten Schwanz ist ohne jeden Zweifel ökologisch äußerst nützlich. Gegner des Bibers sind fast immer Besitzer gewässernahen Landes, auf deren Grund der Biber seinen Aktivitäten nachgeht.
In der Regel sind es gar nicht die von “Meister Bockert“ gefällten Bäume, die den größten Argwohn verursachen, sondern die in der Vergangenheit vom Menschen mühsam entwässerten und nun erneut überschwemmten Landstriche. Auch die durch Biber unterminierten Deiche und Dämme sowie gelegentlich angenagte Holzkonstruktionen am
Wasser. Deshalb gleich an Abschüsse zu denken, wäre in den meisten Regionen wirklich verfrüht: Sollten in einem Gebiet tatsächlich “untragbare Schäden“ festzustellen sein, können Biber eingefangen und anderswo wieder ausgesetzt werden. Und wie das Land Niederösterreich seit 2002/2003 in einem Pilotprojekt zeigt, können mit Hilfe eines
professionellen Bibermanagements viele Probleme aus der Welt geschafft werden.
Biberdamm (© Gerhard Schwab) - Click zum Vergrössern
Die Botschaft des Bibers lautet: Gebt den Gewässern (und uns, den Bibern) ein wenig mehr Raum, geht es doch nur um einige wenige Meter! 95 Prozent der Schäden finden sich auf den ersten fünf Metern entlang der Gewässerufer. Bewirtschaftet das Land nicht bis knapp an die Uferlinie!
Damit werden sich die Konflikte automatisch auf ein Minimum reduzieren. Außerdem würde man damit dem gesamten Ökosystem etwas Gutes tun, neue Feuchtlebensräume schaffen, die Artenvielfalt wesentlich steigern und einen besseren Schutz vor Überschwemmungen erreichen.
Als dynamischer Faktor trägt der Biber hier mehr als andere Spezies zur Arten- und Lebensraumvielfalt bei, womit er ganz klar einen Beitrag zur Erfüllung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinien leistet. Deren Ziel ist es, strukturreiche, veränderliche und biologisch vielfältige
Gewässerlandschaften zu schaffen. Heute wissen wir, dass die einst als Inbegriff des Fortschritts, als großartige Errungenschaft, als etwas besonders Positives gepriesenen Meliorationen, durch die Forst- und Agrarland gewonnen wurde, und die man stolz Bodenverbesserung nannte, für
die Ökologie nicht der Weisheit letzter Schluss waren. Im Gegenteil, sie bedeuteten den Niedergang des ökologischen Gefüges entlang der Gewässer.
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07.07.2008 01:30 Taucher Online : 63 Heute 568, ges. 27353054 Besucher
 
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