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Onlinemagazin - 69. Ausgabe - Sao Tome - Sao Tome Stadt




 Geschrieben von Herbert

Cidade de Sao Tomé

Marlin Beach

Die letzten Tage unseres Aufenthalts werden wir nun auf der Hauptinsel Sao Tomé verbringen, im Marlin Beach Hotel. Der Check-In hält eine Überraschung bereit. Die Dame an der Rezeption ist der erste wirklich unfreundliche Mensch der Insel. Selten eine solche Arroganz und Überheblichkeit, gepaart mit einer Laune wie „sieben Tage Regenwetter“, gesehen – hörte man die Gäste grummeln. Gekrönt wurde das ganze durch einen Kofferträger, der sich demonstrativ die kleinsten Taschen aller Gäste packte und die Koffer einfach nicht beachtete…
Oh la la, denken wir uns, wo sind wir hier nur hin geraten? Um das Ganze abzukürzen, der Rest der Mannschaft des Marlin Beach überzeugte mit Herzlichkeit und der hier eigentlich fast überall vorherrschenden Höflichkeit und guter Laune.
Zudem verdient der Küchenchef ein besonderes Plus. Das Essen im hoteleigenen Restaurant war wirklich Extraklasse. Abgesehen von dem Anfangsintermezzo also sehr empfehlenswert.

Marlin Beach, Sao Tome  Marlin Beach, Sao Tome
Marlin Beach - von der Strassenseite und der Innenbereich

Das Hotel mit ca. 50 Zimmern liegt direkt an der Praia Lagarto, zwischen Flughafen und Zentrum Sao Tomé Stadt. Durch das Hauptgebäude mit Rezeption, Restaurant und Bar führt der Weg in den großen Innenbereich mit Pool und Liegewiese. Rund um diesen Erholungsbereich sind die einstöckigen Appartmentgebäude – jeweils mit Terrasse oder Balkon - angeordnet.

Praia Lagarto - Sao Tome

Der Strand der Praia Lagarto ist riesig, hat aber unbestritten den Nachteil direkt an der Hauptdurchgangsstraße zu liegen. Auch findet sich die ein oder andere Glasscherbe und sonstiger Zivilisationsmüll im Sand. Das Meerwasser ist sauber, zum Baden auf jeden Fall geeignet – zum Sonnen oder Ruhen empfiehlt sich der Rückzug auf das Hotelareal.

Stadtrundgang

Die Hauptstadt der Insel Sao Tomé, gegründet 1486 als portugiesische Niederlassung, ist wohl eine typische Stadt für diesen Teil Afrikas. Rund um die ehemaligen kolonialen Steinhäuser des Zentrums und einem „Ring“ an Wohnhäusern mit Garten wuchern Siedlungen aus Holzhütten, durchzogen mit einem schwer zu begreifenden Netz aus Schotter- und Sandwegen, rund um den Stadtkern. Wirkt der Kern noch wie eine südeuropäische Stadt, sind die umliegenden Ortsteile und angewachsenen Dörfer "Afrika pur". Die Grenzen der Hauptstadt sind nicht mehr zu definieren und das erweiterte Stadtgebiet ist mittlerweile die Heimat für über 56.000 Einwohner.

Taxistand Cidade de Sao Tome
Taxistand Sao Tome

Das erste Ziel ist der Marktplatz von Sao Tomé Stadt und gleichzeitig die Sammelstelle für die erstaunliche Zahl an Taxis, die hier auf Aufträge warten. Das Areal der Fahrer ist die gesamte Insel; für Touristen eine gute Möglichkeit der individuellen Erkundung - man achte nur darauf vorab den Preis zu verhandeln.

Markt Sao Tome
Zurück zum Markt. Dieser besteht aus einer Markthalle und einem offenen Straßenmarkt. Ein Straßenmarkt in Afrika ist etwas völlig anderes als wir es gewohnt sind. Es ist natürlich ein Ort des Handels, aber viel mehr noch ein Ort der Begegnung. Eine Möglichkeit für die Menschen zusammen zu kommen, zu plauschen und Neuigkeiten auszutauschen. Der Markt ist gesellschaftliches Ereignis, Modenschau und natürlich der Ort für Kommunikation.

Auch die dargebotenen Waren entsprechen nicht dem westlichen Bild eines wohlgeordneten Verkaufsplatzes. Im Gegenteil, wild durcheinander gewürfelt sitzen die Marktfrauen an Ihren Ständen, am Boden, mitten auf der Straße – wo gerade Platz ist – und bieten von Plastikeimern in schreienden Farben, Schnürsenkeln, Postkarten aus vergangenen Jahrzehnten, zerlesenen Romanheften bis hin zur selbst fabrizierten Holzkohle alles an, was möglicherweise verkaufbar scheint.


„Verkaufsstände“ mit einer Handvoll Früchten lassen Zweifel daran aufkommen, dass der Handel selbst die Ursache für das „Hier sein“ ist, denn was kann die Marktfrau auf dieser fruchtbaren Insel dafür erlösen? Und doch sind die Frauen den ganzen Tag hier und bieten Ihre Waren feil…
Holzkohleverkauf Sao Tome

Markt Sao Tome
Der große Markt, eine riesige Menschenmenge, dichtes Gedränge und Stimmenvielfalt in einer Lautstärke, die heimische Marktschreier erblassen ließen. Ein Erlebnis!

Markt Sao Tome

Die Markthalle, etwas geordneter, mit festen Verkaufsständen scheint den Profis unter den örtlichen Händlerinnen (der afrikanische Markt ist die Domäne der Frauen) vorbehalten zu sein. Fisch, Fleisch, große Fruchtstände, Stoffe herrschen vor. Schwere Duftwolken in verschiedensten Aromen von Vanille, Kaffee, Kakao mischen sich mit dem unvermeidbaren Geruch von Fisch in schwülheißer Atmosphäre. Das Gedränge in der Halle ist nicht weniger als draußen – nur etwas geordneter scheint es hier abzulaufen - bei den Meisterinnen des Handels.

Markthalle Sao Tome  Markthalle Sao Tome
In der Markthalle

Zurück auf der Straße wird nun Geld bei den Straßenhändlern getauscht. Ob Euros oder Dollar – kein Problem – und der Kurs ist dramatisch besser als in den Banken selbst. Wie man hört, ist der Geldtausch auf der Strasse weder verboten noch wirklich erlaubt, nach hiesiger Logik also völlig in Ordnung.

Die nächsten Stunden lassen wir uns durch Sao Tome Stadt treiben und inhalieren die verschiedensten Eindrücke. Eine für die kleine Insel riesige Kathedrale und der bestens in Schuss gehaltene Präsidentenpalast konkurrieren mit verfallenen Kolonialgebäuden. Auch einzelne Plattenbauten, Abbild eines kurzen kommunistischen Intermezzos nach 1975, zieren das vielfältige Straßenbild.

Kathedrale Sao Tome 

Stadt  Präsidentenpalast Sao 

Tome
Kathedrale und Präsidentenpalast

Ein riesiges Kinogebäude lässt uns staunen! Doch bei näherer Betrachtung zeigt sich, es ist geschlossen. Zwangspause, weil im Laufe der Zeit die Bestuhlung und später auch die Leinwand „alternativer“ Verwendung zugeführt wurden. Filme werden wohl hier so bald nicht mehr gezeigt.

Mitten in einer Parkanlage steht ein Propellerflugzeug und legt Zeugnis ab über die grausame Geschichte eines Nachbarlandes: Nigeria. Sao Tomé war einer der Hauptstützpunkte der Biafra Versorgungsflüge in den späten 60er Jahren. Von hier aus koordinierten diverse Länder und Hilfsorganisationen den Nahrungstransport in das nur 2 Flugstunden entfernte Nigeria.

Zeitzeuge der Biafra 

Hilfsflüge
Überbleibsel der Biafra Luftbrücke

Entlang der Küstenstraße passieren wir noch das ehemalige Fort, heute das Nationale Museum Sao Tomés mit mächtigen Steinmonumenten zur Ehre der Portugiesischen Entdecker auf dem Vorplatz. Leider nicht geöffnet, eine Voranmeldung wäre nötig gewesen. Der Weg zurück führt uns noch an einen ehemaligen Beachclub – wohl noch aus kolonialen Zeiten dem Verfall nach zu urteilen – vorbei und wir sind wieder erstaunt wie viele Werte auf dieser Insel einfach dem Zahn der Zeit preisgegeben wurden. Entlang der großen Hotelanlage Miramar und der portugiesischen Botschaft, die für alle EU Bürger vor Ort die diplomatische Vertretung stellt, beenden wir unsere Entdeckertour durch die Cidade de Sao Tomé.

Nationalmuseum Sao 

Tome  Wächter des Nationalmuseums 

Sao Tome
Nationalmuseum mit den Entdeckern der Insel

Den Tag lassen wir dann im Café & Companhia ausklingen. Internetcafé, Bar und Treffpunkt der auf Sao Tome arbeitenden Ausländer. Vor Jahren gegründet durch die resolute Amerikanerin "MJ" (Maria Joao), direkt im Zentrum von Sao Tome Stadt. Liebevoll eingerichtet, mit dem Fokus Kaffee über die letzten Jahrhunderte, ist diese Bar ein perfekter Platz für einen kleinen Snack, Cocktails oder gut gekühltem Bier.
Hier sitzen wir zusammen mit Kenneth, einem südafrikanischen Piloten, der seit einigen Tagen den Transport von Sao Tomé nach Principe und zurück aufrechterhält.

Die Südafrikaner haben nach dem Absturz der einzigen Maschine der Air Sao Tomé schnell reagiert und Flugzeug samt Piloten auf unbestimmte Zeit an die Inselrepublik verliehen um den nationalen Verkehr nicht zusammenbrechen zu lassen.

Die Flugerlebnisse, die uns Kenneth an diesem Abend erzählt – immerhin 25 Jahre innerafrikanischer Erfahrung – sind ein Mix aus Abenteuer, Glück und einer Menge Anekdoten.

Noch lange wird uns sein „Never ever listen to the Tower in Africa – that’s how we survived all the years“ im Ohr klingen…
Cafe & Companhia Sao 

Tome

Cafe & Companhia Sao 

Tome





TIPP:Wracktauchers Paradies. Die Solomonen. Taucht ein in Ollis Solomonen-Wrackführer.


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