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Cidade de Sao Tomé
Marlin Beach
Die letzten Tage unseres Aufenthalts werden wir nun auf der Hauptinsel Sao
Tomé verbringen, im Marlin Beach Hotel. Der Check-In hält eine
Überraschung bereit. Die Dame an der Rezeption ist der erste wirklich
unfreundliche Mensch der Insel. Selten eine solche Arroganz und Überheblichkeit,
gepaart mit einer Laune wie „sieben Tage Regenwetter“, gesehen – hörte
man die Gäste grummeln. Gekrönt wurde das ganze durch einen Kofferträger,
der sich demonstrativ die kleinsten Taschen aller Gäste packte und die
Koffer einfach nicht beachtete…
Oh la la, denken wir uns, wo sind wir hier nur hin geraten? Um das Ganze
abzukürzen, der Rest der Mannschaft des Marlin Beach überzeugte
mit Herzlichkeit und der hier eigentlich fast überall vorherrschenden
Höflichkeit und guter Laune.
Zudem verdient der Küchenchef ein besonderes Plus. Das Essen im hoteleigenen
Restaurant war wirklich Extraklasse. Abgesehen von dem Anfangsintermezzo
also sehr empfehlenswert.
Marlin Beach - von der Strassenseite und der Innenbereich
Das Hotel mit ca. 50 Zimmern liegt direkt an der Praia Lagarto, zwischen
Flughafen und Zentrum Sao Tomé Stadt. Durch das Hauptgebäude
mit Rezeption, Restaurant und Bar führt der Weg in den großen
Innenbereich mit Pool und Liegewiese. Rund um diesen Erholungsbereich sind
die einstöckigen Appartmentgebäude – jeweils mit Terrasse oder
Balkon - angeordnet.
Der Strand der Praia Lagarto ist riesig, hat aber unbestritten den Nachteil
direkt an der Hauptdurchgangsstraße zu liegen. Auch findet sich die
ein oder andere Glasscherbe und sonstiger Zivilisationsmüll im Sand.
Das Meerwasser ist sauber, zum Baden auf jeden Fall geeignet – zum Sonnen
oder Ruhen empfiehlt sich der Rückzug auf das Hotelareal.
Stadtrundgang
Die Hauptstadt der Insel Sao Tomé, gegründet 1486 als portugiesische
Niederlassung, ist wohl eine typische Stadt für diesen Teil Afrikas.
Rund um die ehemaligen kolonialen Steinhäuser des Zentrums und einem
„Ring“ an Wohnhäusern mit Garten wuchern Siedlungen aus Holzhütten,
durchzogen mit einem schwer zu begreifenden Netz aus Schotter- und Sandwegen,
rund um den Stadtkern. Wirkt der Kern noch wie eine südeuropäische
Stadt, sind die umliegenden Ortsteile und angewachsenen Dörfer "Afrika
pur". Die Grenzen der Hauptstadt sind nicht mehr zu definieren und das erweiterte
Stadtgebiet ist mittlerweile die Heimat für über 56.000 Einwohner.
Taxistand Sao Tome
Das erste Ziel ist der Marktplatz von Sao Tomé Stadt und gleichzeitig
die Sammelstelle für die erstaunliche Zahl an Taxis, die hier auf Aufträge
warten. Das Areal der Fahrer ist die gesamte Insel; für Touristen eine
gute Möglichkeit der individuellen Erkundung - man achte nur darauf
vorab den Preis zu verhandeln.
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Zurück zum Markt. Dieser besteht aus einer Markthalle
und einem offenen Straßenmarkt. Ein Straßenmarkt in Afrika ist
etwas völlig anderes als wir es gewohnt sind. Es ist natürlich
ein Ort des Handels, aber viel mehr noch ein Ort der Begegnung. Eine Möglichkeit
für die Menschen zusammen zu kommen, zu plauschen und Neuigkeiten auszutauschen.
Der Markt ist gesellschaftliches Ereignis, Modenschau und natürlich
der Ort für Kommunikation.
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Auch die dargebotenen Waren entsprechen nicht dem
westlichen Bild eines wohlgeordneten Verkaufsplatzes. Im Gegenteil, wild
durcheinander gewürfelt sitzen die Marktfrauen an Ihren Ständen,
am Boden, mitten auf der Straße – wo gerade Platz ist – und bieten
von Plastikeimern in schreienden Farben, Schnürsenkeln, Postkarten
aus vergangenen Jahrzehnten, zerlesenen Romanheften bis hin zur selbst fabrizierten
Holzkohle alles an, was möglicherweise verkaufbar scheint.
„Verkaufsstände“ mit einer Handvoll Früchten lassen Zweifel daran
aufkommen, dass der Handel selbst die Ursache für das „Hier sein“
ist, denn was kann die Marktfrau auf dieser fruchtbaren Insel dafür
erlösen? Und doch sind die Frauen den ganzen Tag hier und bieten Ihre
Waren feil…
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Der große Markt, eine riesige Menschenmenge, dichtes Gedränge
und Stimmenvielfalt in einer Lautstärke, die heimische Marktschreier
erblassen ließen. Ein Erlebnis!
Die Markthalle, etwas geordneter, mit festen Verkaufsständen scheint
den Profis unter den örtlichen Händlerinnen (der afrikanische
Markt ist die Domäne der Frauen) vorbehalten zu sein. Fisch, Fleisch,
große Fruchtstände, Stoffe herrschen vor. Schwere Duftwolken
in verschiedensten Aromen von Vanille, Kaffee, Kakao mischen sich mit dem
unvermeidbaren Geruch von Fisch in schwülheißer Atmosphäre.
Das Gedränge in der Halle ist nicht weniger als draußen – nur
etwas geordneter scheint es hier abzulaufen - bei den Meisterinnen des Handels.
In der Markthalle
Zurück auf der Straße wird nun Geld bei den Straßenhändlern getauscht.
Ob Euros oder Dollar – kein Problem – und der Kurs ist dramatisch besser
als in den Banken selbst. Wie man hört, ist der Geldtausch auf der Strasse
weder verboten noch wirklich erlaubt, nach hiesiger Logik also völlig
in Ordnung.
Die nächsten Stunden lassen wir uns durch Sao Tome Stadt treiben und
inhalieren die verschiedensten Eindrücke. Eine für die kleine
Insel riesige Kathedrale und der bestens in Schuss gehaltene Präsidentenpalast
konkurrieren mit verfallenen Kolonialgebäuden. Auch einzelne Plattenbauten,
Abbild eines kurzen kommunistischen Intermezzos nach 1975, zieren das vielfältige
Straßenbild.
Kathedrale und Präsidentenpalast
Ein riesiges Kinogebäude lässt uns staunen! Doch bei näherer
Betrachtung zeigt sich, es ist geschlossen. Zwangspause, weil im Laufe der
Zeit die Bestuhlung und später auch die Leinwand „alternativer“ Verwendung
zugeführt wurden. Filme werden wohl hier so bald nicht mehr gezeigt.
Mitten in einer Parkanlage steht ein Propellerflugzeug und legt Zeugnis
ab über die grausame Geschichte eines Nachbarlandes: Nigeria. Sao Tomé
war einer der Hauptstützpunkte der Biafra Versorgungsflüge in
den späten 60er Jahren. Von hier aus koordinierten diverse Länder
und Hilfsorganisationen den Nahrungstransport in das nur 2 Flugstunden entfernte
Nigeria.
Überbleibsel der Biafra Luftbrücke
Entlang der Küstenstraße passieren wir noch das ehemalige Fort,
heute das Nationale Museum Sao Tomés mit mächtigen Steinmonumenten
zur Ehre der Portugiesischen Entdecker auf dem Vorplatz. Leider nicht geöffnet,
eine Voranmeldung wäre nötig gewesen. Der Weg zurück führt
uns noch an einen ehemaligen Beachclub – wohl noch aus kolonialen Zeiten
dem Verfall nach zu urteilen – vorbei und wir sind wieder erstaunt wie viele
Werte auf dieser Insel einfach dem Zahn der Zeit preisgegeben wurden. Entlang
der großen Hotelanlage Miramar und der portugiesischen Botschaft, die
für alle EU Bürger vor Ort die diplomatische Vertretung stellt,
beenden wir unsere Entdeckertour durch die Cidade de Sao Tomé.
Nationalmuseum mit den Entdeckern der Insel
Den Tag lassen wir dann im Café & Companhia ausklingen. Internetcafé,
Bar und Treffpunkt der auf Sao Tome arbeitenden Ausländer. Vor Jahren
gegründet durch die resolute Amerikanerin "MJ" (Maria Joao), direkt im Zentrum von
Sao Tome Stadt. Liebevoll eingerichtet, mit dem Fokus Kaffee über die
letzten Jahrhunderte, ist diese Bar ein perfekter Platz für einen kleinen
Snack, Cocktails oder gut gekühltem Bier.
Hier sitzen wir zusammen mit Kenneth, einem südafrikanischen
Piloten, der seit einigen Tagen den Transport von Sao Tomé nach Principe
und zurück aufrechterhält.
Die Südafrikaner haben nach dem Absturz der einzigen Maschine der Air
Sao Tomé schnell reagiert und Flugzeug samt Piloten auf unbestimmte
Zeit an die Inselrepublik verliehen um den nationalen Verkehr nicht zusammenbrechen
zu lassen.
Die Flugerlebnisse, die uns Kenneth an diesem Abend erzählt – immerhin
25 Jahre innerafrikanischer Erfahrung – sind ein Mix aus Abenteuer, Glück
und einer Menge Anekdoten.
Noch lange wird uns sein „Never ever listen
to the Tower in Africa – that’s how we survived all the years“ im Ohr
klingen…
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09.07.2008 10:55 Taucher Online : 198 Heute 5390, ges. 27409443 Besucher
 
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 Rubrik : Bücher

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