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Onlinemagazin - 69. Ausgabe - Sao Tome - Rocas im Urwald




 Geschrieben von Herbert

Im Urwald auf den Spuren der Rocas

Am letzten Tag auf Sao Tomé steht eine eine ganztätige Tour in den Urwald und zu zwei ehemaligen Rocas (Plantagen) gemeinsam mit Kim und Mirko auf dem Programm. Da man diese Tour besser mit einem ortskundigen Fahrer und Begleiter unternehmen sollte, der auch über die Geschichte und Hintergründe zu berichten weiß und die zahlreichen Fragen, die im Laufe des Tages auftauchen, beantworten kann, haben unsere Gastgeber Américo Gabral engagiert. Américo war früher stellvertretender Manager des Hotel Equador Pestana und arbeitet nun in Sao Tomé Stadt in der Firma Equador – Viagens e Turismo, Lda. als Assistant Manager. Zuerst geht es zu den Büros dieser Firma, wo Chef, Manuel Morais, einige Minuten für Antworten auf wirtschaftliche Gepflogenheiten der Firmen auf Sao Tomé zur Verfügung steht.

Ossobo Eco Social - Sao Tome
Weiter geht es zu Ossobo, einem Laden in welchen man als Tourist die Souvenier’s für sich selbst und die Lieben daheim kaufen sollte. Denn hier, im "ossobo EcoSocial", wird dafür garantiert, dass die verkauften Kunstwerke, Holzarbeiten, Holzschmuck, Kaffee, Kakao etc. auch tatsächlich von Sao Tomésen auf Sao Tomé hergestellt bzw. gefertigt werden.

Und das Wichtigste: Sie erhalten auch einen extrem fairen Lohn dafür – im Schnitt zwischen 70 und 80% des erzielten Verkaufspreises.
Nachdem auch wir einige Dinge gekauft haben, verlassen wir nun Sao Tomé Stadt um in Richtung des Urwalds ins Inselinnere zu fahren. Sind die Straßen anfangs noch gut befahrbar, wird bald ein richtiges Fahrabenteuer daraus. Doch Américo und sein Auto kennen den Weg!

Die Natur, die den Besucher erwartet, ist wunderschön. Ein Eintauchen in den Großen Wald. Ein verschlungenes Gewirr von Zweigen, Büschen und Wurzeln. Undurchdringlich, ein grüner Kosmos, der in der feuchten Wärme gedeiht und wuchert.
Der erste Stopp wird beim Wasserfall St. Nicolau eingelegt, wo sich ein Bach zwanzig Meter tief in ein Becken stürzt. Das Wasser ist angenehm kalt und das Becken lädt zum Baden und Abkühlen ein. Weiter führt die kurvige Straße, vorbei an Bäumen voller Kakaobohnen, zu der ehemaligen Plantage Bombain die inmitten der Berge liegt. Von hier hat man einen guten Ausblick auf den Pico de Sao Tomé, sofern das Wetter mitspielt.
Wasserfall Sao Nicolau - Sao 

Tome

Die Plantage wird inzwischen wieder bewirtschaftet und ein einfaches Hotel ist im ehemaligen Herrenhaus eröffnet worden. Für Naturliebhaber bietet es sich an eine Nacht in Bombain zu buchen um genügend Zeit für Erkundungen im Umkreis zu haben.

Bombain - Sao Tome  Produkte von Bombain
Bombain und die Produktpalette der Plantage

Der Besitzer des Hotels erzählt bei einer kühlen Erfrischung von seinem Projekt Bombain, einer Kombination aus kleinem Hotel und Agrarwirtschaft. Nach und nach werden die ehemaligen Reichtümer der Insel wie Kakao, Kaffe, Vanille und diverser tropischer Früchte auf Bombain wieder kultiviert und verkauft.
Im Anschluss geht es auf Erkundungstour in die weitläufige Anlage. Wir treffen auf eine Familie von Kaffeepflückern und haben wie so oft in diesen Tagen eine Menge Spaß beim gegenseitigen Fotografieren und „Bilder gucken“.

Kaffeepflücker auf 

Bombain  Kaffeepflücker auf 

Bombain
Kaffepflücker mit Familie

Mittagessen im Speisesaal des Herrenhauses, zusammen mit sieben weiteren Besuchern. Fünf von Ihnen kennen wir schon – es  handelt sich hier um 4 Portugiesen und einen Holländer, welche auch schon im Pestana gewohnt haben. Man sieht daran sehr gut, wie "viele" Touristen hier unterwegs sind. Das Essen ist einfach und gut. Es gibt ein Fleisch- und ein Fischgericht zur Auswahl, davor eine Gemüsesuppe. Einige Kaffees und einer willkommenen Pause später im Schatten brechen wir wieder auf.

Die andere Seite von Bombain
Große Teile der alten Plantage von Bombain verfallen

Zurück durch die herrliche Urwaldlandschaft führt der Weg auf die Größte der ehemaligen Kakaoplantagen von Sao Tomé. Sobald das Gelände von Rio d’Oro erreicht wird, erstreckt sich vor dem Besucher eine breite Straße, die zu einem großen, imposanten Bauwerk führt. Nein, werden wir sogleich aufgeklärt, das ist nicht das ehemalige Herrenhaus. Es war das Krankenhaus für die Arbeiter! Auch eine kleine Eisenbahn gab es hier zum Verladen und Transport der Ware.

Roca Rio d'Oro - Sao Tome
Das ehemalige Krankenhaus von Rio d'Oro

Links und rechts dieser Strasse sind Häuser aus Stein, die auch heute noch bewohnt sind. Überall flattern Wäscheleinen und die Haustiergemeinschaft von Hühnern, Ziegen, Schweinen und Kühen ist auch allgegenwärtig. Wir parken auf dem Platz vor dem großen Krankenhaus und steigen aus. Sofort sind wir wieder von einer großen Menge Kinder umringt, die uns nicht mehr von der Seite weichen. Das ehemalige Krankenhaus steht leer und verfällt; nur einige Ziegen wohnen hier im offenen Untergeschoss.
Dennoch, wenn man hier steht und seinen Blick schweifen lässt, kann man sich gut vorstellen, wie es aussah als die Plantage noch bewirtschaftet wurde.

Lesetipp

"Am Äquator" - von Miguel Sousa Tavares. Ein Roman über eine vergangene Epoche, über das Ende der Sklaverei. Mit fantastischen Schilderungen der Landschaft Sao Tomés. Abenteuer und unglückliche Liebesgeschichte. So könnte eine Zusammenfassung des Erstlingswerkes von Tavares lauten.

Ein Roman der die Vergangenheit Sao Tomés in farbigen Bildern wieder auferstehen lässt und für Gesprächsstoff vor Ort sorgt.


Roca Rio d'Oro - Sao Tome
Rio d'Oro

Zurück im Hotel geht es sofort in den Pool – eindeutig der allerbeste Ausklang für diesen interessanten, anstrengenden und sehr heißen Tag. Leider auch unser letzter hier auf der Westafrikanischen Inselrepublik. Wir haben eine wunderschöne Reise mit einer Vielzahl von neuen Eindrücken hinter uns. Unser Entschluss steht schon jetzt fest: wir werden wiederkommen.

Kinder auf Rio d'oro  Kinder auf Rio d'oro
Unsere Begleitung in Rio d'Oro und rechts - das wichtigste Werkzeug im Urwald,
ein großes Messer oder eine Machete


Der Rückflug am nächsten Morgen startet gegen 6:30 Uhr und führt über die Kapverden (kurzer Tankstop auf Sal – Aussteigen notwendig!) zurück nach Lissabon und weiter nach Deutschland.





TIPP:Wo ist die nächste Dekokammer? Und wie erreiche ich diese? Schau doch einfach mal in unsere Kammern-Datenbank.


06.07.2008 00:21 Taucher Online : 87
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