Zwischen zwei Weltkriegen
Nach Ende des ersten Weltkriegs kehrte das Schiff in seine Heimat zurück
und operierte in den kommenden Monaten in der Adria zwischen Italien, Albanien
und Montenegro.
Ein herausragendes Ereignis in der Historie des Schiffes ist die Meuterei
seiner Mannschaft am 6. Dezember 1920.
Diese zwang die Offiziere das Schiff nach Fiume (heute Rijeka) zu fahren um sich dem italienischen
Natonalisten und Dichter Gabriele D`Annunzio anzuschließen, der sich
zum Kommandanten von Fiume ernannt hatte.
Links: D`Annunzio 1919 in Fiume
Hierzu muß man wissen,daß das Königreich Italien beim
Eintritt in den 1. Weltkrieg sich gegenüber den Alliierten als Beute
bei Kriegsende zahlreiche Gebiete an seiner Grenze -hierunter auch Fiume-
ausbedungen hatte.
Hafen, Stadt und Hinterland von Fiume
Als es schließlich so weit war, wollte bei den Verhandlungen zum
Friedensvertrag von Versailles der US-Präsident Woodrow Wilson davon
nichts mehr wissen. Es kam damit auch in Fiume zu einer doppelten Regierung
des Landes: einer kroatischen und einer italienischen. Da die italienischen
Nationalisten aber auf den Zusicherungen bei Kriegseintritt bestanden und
auch 80% der Bevölkerung in Fiume italienisch war, wurde Fiume von
den militärisch stärkeren Italienern kurzerhand besetzt. Es folgte
eine kurze multinationale Besatzung durch französische, britische und
US-Truppen. Das Fiume-Problem schwelte jedoch weiter. Am 12. September 1919
ergriff dann Gabriele D`Annunzio zusammen mit einer zusammengewürfelten
Truppe die Macht und rief einen neuen Staat aus, der als italienische Regentschaft
verstanden werden sollte.
Italienische Legionäre am 2. Oktober 1919 in Fiume
Selbstverständlich ohne offizielle Unterstützung Italiens, wenn
sich auch die Glücksritter der Welt nun Fiume ebenso zum Ziel nahmen
um Annunzios Truppen zu verstärken wie auch zahlreiche Angehörige
der italienischen Streitkräfte mitsamt ihrem Kriegsmaterial. Hierunter
auch die Besatzungen einiger MAS-Torpedoboote, des Torpedoboots RN
71P sowie der Zerstörer RN Francesco Nullo, RN Agostino Bertani,
RN Alighieri, RN Espero und ... RN Pilade Bronzetti.
Italienische Torpedoboote im Hafen von Fiume
D`Annunzio hielt den Meuterern eine flammende Rede und dankte ihnen dafür,
daß "....sie die Ehre der italienischen Marine gerettet hätten."
Aber die Tage D`Annunzios als Kommandant von Fiume waren gezählt. Als
im Juni 1920 Neuwahlen in Italien stattfanden und Liberale an die Macht kamen,
schwand die inoffizielle Unterstützung Italiens für D`Annunzio und
die italienische Regierung einigte sich im Vertrag von Rapallo mit den Jugoslawen
über die Zukunft von Fiume. D`Annunzio sollte nun gehen. Aber er widersetzte
sich seinen bisherigen nationalistischen Gönnern daheim und erklärte
Italien den Krieg. Es folgte eine kurze, aber blutige militärische Auseinandersetzung,
die mit einer Niederlage D`Annunzios und der Machtübernahme durch italienische
Truppen im Januar 1921 endete. Die Truppen übernahmen bei dieser Gelegenheit
auch wieder die RN Pilade Bronzetti sowie die anderen italienischen
Schiffen und gliederten sie wieder in die Regia Marina ein.
Zweiter Name: RN Giuseppe Dezza
Findet eine Meuterei auf einem Kriegsschiff statt, so ist das eine Schmach
für die ganze Marine. Um nicht immer wieder daran erinnert zu werden,
wurden die nach Fiume desertierten Schiffe umgetauft. Die RN Pilade Bronzetti
wurde dabei schon kurz nach ihrer Wiedereingliederung in die italienische
Kriegsmarine -am 16. Januar 1921- in RN Giuseppe Dezza umbenannt und
führte fortan am Bug die taktische Kennung DZ.
Neuer Namenspatron war ein weiterer italienischer Kriegsheld (sic!). Dieser hatte
sich bei den Feldzügen des berühmten italienischen Generals Garibaldi,
und auch noch lange Jahre danach, als verdienter Patriot erwiesen und es
selbst bis zum Generalleutnant gebracht.
Das Schiff wurde nun der Schule für Marinemechaniker in Venedig unterstellt
und tat dort rund zweieinhalb Jahre ohne weitere besondere Vorkommnisse Dienst.
Im Oktober 1923 kam die RN Giuseppe Dezza zur Grundüberholung.
Hierbei wurde auch die Tonnage des Schiffes auf 616ts Typverdrängung
verändert. Eine gewisse Rolle spielte dabei sicherlich auch die neue
Bewaffnung an Bord.
Für das Jahr 1943/44 gibt der Weyer für die RN Giuseppe Dezza
eine Bewaffnung von 5x 10,2cm L/45, einem MG und 4x 45cm Torpedorohren an.
Nach dem Weyer wurde 1923 also die Bewaffnung wie angegeben verändert.
Fraccaroli gibt dagegen eine Bewaffnung der RN Giuseppe Dezza von
5x 10,2cm L/35, 2x 4cm L/39 und 4x 45cm Torpedorohren an.
Wegen der neuen Bewaffnung wurde nach Weyer auch die Zahl der Mannschaft
an Bord von 85 auf 94 Mann erhöht.
Dermaßen für neue Aufgaben gerüstet wurde das Schiff 1925
in Neapel stationiert und tat dort Dienst.
Dies änderte sich erst im April 1926, als es der Torpedo-Division unterstellt
wurde. Zu seinen Aufgaben gehörte zB. die Beförderung des Gouverneurs
von Tripolitanien von Tripolis nach Neapel.
1927 wurde die RN Giuseppe Dezza in Taranto stationiert und zum Flaggschiff
ihrer Division ernannt.
Am 1. Oktober 1929 wurde die RN Giuseppe Dezza dann zur, Torpediniera
-zum Torpedoboot- "degradiert", da Feuerkraft und Technik nicht mehr mit
den modernen Zerstörern dieser Zeit mithalten konnten.
Lange Zeit ist dann nichts besonderes mehr zu berichten...
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