Druckkammertherapie in Deutschland
Von Jessica Brühl ©
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Geschichte der HBO (Hyperbare Sauerstofftherapie)
Der Einsatz von Überdruck in der Medizin ist nicht neu. Bereits
1834 fand die erste Druckkammerbehandlung mit 2 bar statt. Ab 1904 wurde
Sauerstoff in diese Therapieform integriert, und seitdem wurde die Überdrucktherapie
laufend verbessert. Mitte der fünfziger Jahre wurden in den Niederlanden
erste Operationen am offenen Herzen unter hyperbaren Bedingungen durchgeführt.
Diese Technik geriet mit der Entwicklung der Herz-Lungen-Maschine jedoch
wieder in Vergessenheit.
In den siebziger Jahren entstand international Interesse an der HBO,
und zahlreiche wissenschaftliche Studien wurden ins Leben gerufen.
Obwohl im europäischen Ausland die HBO (hyperbare Oxygenation =
Hyperbare Sauerstofftherapie) als Behandlungsmethode anerkannt und erforscht
wird, fristete sie in Deutschland bis vor wenigen Jahren ein weitgehend
kümmerliches Dasein. Auch heute sind längst nicht alle Ärzte
mit der Thematik vertraut. Dies liegt hauptsächlich daran, dass die
HBO nicht in der fachärztlichen Weiterbildung vorgesehen ist.
In Deutschland gibt es heute nur eine einzige Institution, die sich
mit der Erforschung der Grundlagen der Überdruckmedizin befasst, seitdem
das Deutsche Institut für Luft- und Raumfahrt in Köln die Studien
eingestellt hat: Das Schifffahrtsmedizinische Institut der Bundesmarine
in Kronshagen bei Kiel.
Studien im Ausland, speziell in den Niederlanden und den USA, haben
klar bewiesen, dass die HBO eine alternative Behandlungsmethode ist, die
- zum rechten Zeitpunkt eingesetzt - nicht nur äußerst
effektiv ist, sondern auch Kosten spart. Leider haben sowohl das Bundesgesundheitsministerium
als auch die Krankenkassen diese Studien für nicht relevant erklärt
und die HBO vorläufig aus den Kassenleistungen gestrichen, und zwar
auch dann, wenn sie absolut lebensnotwendig ist, so wie im Falle einer
Dekompressionskrankheit. Einzige Ausnahme: Stationäre Behandlungen
werden bezahlt. Vgl. dazu auch den in Redaktionsausgabe 4 erschienen Beitrag
zum Thema Tauchversicherung.
HBO - was ist das?
Die hyperbare Oxygenation ist eine medizinische Therapieform, bei der
ein Patient unter Überdruckbedingung, d. h. bei Umgebungsdruck größer
als 1 Bar, reinen Sauerstoff atmet. Das Prinzip basiert auf physikalischen
und physiologischen Grundlagen, vor allem auf dem Gesetz von Henry, welches
besagt, dass sich in Flüssigkeiten unter höherem Druck mehr Gas
lösen kann.
Bei der Atmung von Atemluft von 1 bar (= normobar) beträgt der
Partialdruck des Sauerstoffs 0,21 bar. Studien haben gezeigt, dass ein
Therapieerfolg erst dann eintritt, wenn der O2-Partialdruck im Blut 1 bar
überschreitet. Bei einer Druckkammerbehandlung unter Pressluft wird
dieser Wert erst bei 5 bar erreicht. Aufgrund der zu erwartenden Nebenwirkungen
(CO2-Vergiftung, Stickstoffaufsättigung, je nach Art der Verletzung
starke Herz-Kreislauf-Belastung) wurde dieses Verfahren rasch durch die
Behandlung mit reinem Sauerstoff abgelöst.
Das eigentliche Ziel der HBO ist es, die Sauerstoff-Verfügbarkeit
im Blut zu erhöhen, hierbei insbesondere die physikalische Lösung
von O2, und zugleich die durch den erhöhten O2-Partialdruck möglichen
Nebenwirkungen zu minimieren.
Indikationen
Für folgende Erkrankungen kann die HBO-Therapie angewandt werden
(Auszug der wichtigsten):
-
Tauchunfall mit allen Begleiterscheinungen wie arterielle Gasembolie, Dekompressionskrankheit,
Pneumothorax (Lungenriss)
-
Kohlenmonoxid- und Rauchvergiftungen
-
Gasbrand
-
nekrotisierende (Gewebe zerstörende) Prozesse, wie Weichteilinfektionen,
Abszesse
-
Tinnitus
-
diabetische Wunden
-
Knalltrauma des Innenohres
-
Verbrennungen dritten Grades
-
Organtransplantationen
-
Schädel-Hirn-Trauma mit Hirnschwellung (Ödem)
-
Quetschverletzungen und andere akute traumatische Ischämien
-
Strahlentherapie von Geschwülsten
Tatsache ist, dass Tauchunfälle nur einen kleinen Teil der HBO-Behandlungen
ausmachen. Der weitaus größere Anteil liegt im chirurgischen,
internistischen, neurologischen und otologischen Bereich.
Einige Beispiele der Wirkmechanismen:
Die Heilung/Abschwellung von Organen/Gewebsbereichen, die durch Ischämien
(Blutleere eines Organs/einer Gewebezone durch Embolien, Quetschungen,
Verbrennungen etc.) geschädigt sind. Bei frischen Verbrennungen wird
durch die HBO die Ödembildung gehemmt bzw. ein bereits bestehendes
Ödem zurückgebildet. Hyperbarer Sauerstoff oxygeniert Gewebe,
das mit O2 unterversorgt ist, und führt so zu einer beschleunigten
Wundheilung, was mit geringerer Narbenbildung verbunden ist; außerdem
wird die Infektionsabwehr gestärkt.
Bei der Quetschung von Rückenmark kann die abschwellende Wirkung
der HBO Querschnittlähmungen verhindern.
·Sauerstoffangereichertes Blut verbessert die Regenerationsfähigkeit
von Organtransplantaten. Da bei einem transplantierten Organ die feinsten
Blutgefäße unterbrochen wurden, kann es in einzelnen Bereichen
zu einer O2-Unterversorgung kommen, die bis hin zur Abstoßung des
Organs führt.
·Bei der Rauchvergiftung wird die Ausscheidung von Kohlenmonoxid
und -dioxid, bei einer Dekompressionskrankheit von Stickstoff aus Geweben
und Blut beschleunigt. Außerdem wird die Ödembildung vermieden
oder verringert.
An bakteriell infizierten Körperteilen werden die antibakteriellen
Leistungen der Leukozyten gefördert, bei Gasbrand wird die Toxinproduktion
gemindert oder gar gestoppt, sofern es sich um anaerobe (Luftlosigkeit
bevorzugende) Bakterien handelt. Diese Therapie kann u. U. also sogar extremitäterhaltend
sein, weil sich eine Amputation erübrigt.
Gasbrand verursachende Bakterien breiten sich schnell im Körper
aus und wirken auch toxisch auf Herz, Leber und Nieren, was zu einem akuten
Organversagen führen kann.
·Bei Tinnitus, Hörsturz oder einem Innenohr-Knalltrauma
werden einige wichtige Bereiche des Innenohrs nicht ausreichend durchblutet.
Auch hier schafft die HBO Abhilfe.
Bedeutung beim Tauchen
Dekompressionskrankheit (DCS)
Tauchen hat sich in den letzten Jahren zu einer regelrechten Breitensportart
entwickelt. Dies hatte vermehrt Tauchunfälle zur Folge. Die häufigste
Konsequenz nach einem Tauchunfall ist die DCS, eine Erkrankung, bei der
das im Blut physikalisch gelöste Stickstoff bei zu raschem Druckverlust
ausperlt und Blasen bildet. Diese Blasen können dann zu einer arteriellen
Gasembolie oder zu regionalen Nervenschäden führen. Je nach Schwere
des Unfalls kann "nur" die Haut oder die großen Gelenke betroffen
sein; im schlimmsten Fall führt eine DCS zu einer Querschnittlähmung
oder gar zum Tod!
Die einzige Behandlungsmöglichkeit ist die Rekompression in einer
Druckkammer. Zur Beschleunigung der Ausscheidung von im Körper angereichertem
Stickstoff findet dies unter Sauerstoffatmung statt. Gleichzeitig wird
die Blutversorgung geschädigter Organe optimiert.
In Kombination mit Flüssigkeitszufuhr (Infusion) wird die Ausscheidung
weiter begünstigt, da sich die Organperfusion erhöht.
Das Schema einer Überdruckbehandlung richtet sich nach Art und
Schwere des Unfalls. Dazu werden vom Schifffahrtsmedizinischen Institut
Kronshagen modifizierte US-Navy-Tabellen verwendet. Unter Umständen
muss die Therapie bis zum Erreichen vollständiger Beschwerdefreiheit
mehrfach wiederholt werden.
Arterielle Gasembolie (AGE)
Unter der HBO werden Mikroblasen einer arteriellen Gasembolie, die die
Blutzirkulation (besonders im Mikrobereich) einschränken, verkleinert
und so die Versorgung des Gewebes wieder hergestellt. Je nach Lage des
verschlossenen Gefäßes kann dies lebensrettend sein, da die
AGE die gleichen Schäden verursacht wie ein Herzinfarkt, Schlaganfall
oder eine Lungenembolie. Der einzige Unterschied besteht darin, dass es
sich bei der AGE um Gasblasen handelt, die das Gefäß verschließen,
und nicht um Blutgerinnsel wie bei den vorgenannten.
Barotrauma der Lunge
Im Gegensatz zur DCS tritt das Lungenbarotrauma unabhängig von
Tauchzeit und -tiefe auf. Wenn zum Beispiel beim Auftauchen die Luft angehalten
wird oder es zu einem Stimmritzenkrampf kommt, kann ein Lungenriss die
Folge sein. Durch den Druckabfall der Umgebung dehnt sich die Lunge im
Brustkorb aus, die Lungenbläschen werden überdehnt, schließlich
tritt Luft durch feinste Risse, die sich u. U. schnell vergrößern
können, in die Lungenkapillaren und/oder das Mediastinum ein (Mediastinalemphysem).
Reißt die Lunge an der äußeren Thoraxwand, dringt Luft
in den Pleuraspalt ein. Das zum Atmen notwendige Vakuum, welches die Lungenflügel
gebläht hält, wird aufgehoben, die Lunge kollabiert (Pneumothorax).
Eine Thoraxdrainage führt wieder zur Entfaltung der Lunge, die Druckkammerbehandlung
zur Rückbildung des Emphysems und Ödems.
Vorbereitung einer HBO
Wichtig ist, dass bei allen Patienten einige grundlegende Faktoren geprüft
werden, ehe eine HBO beginnt:
-
Körperliche Untersuchung, mit besonderer Berücksichtigung der
Nasennebenhöhlen und Ohren (funktioniert der Druckausgleich, ist das
Trommelfell in Ordnung?)
-
EKG/ggf. Belastungs-EKG
-
Lungenfunktionstest
-
Neurologische Anamnese bei Epilepsiepatienten/ggf. EEG
-
Laborparameter bei Risikopatienten (z. B. Glucosewert bei Diabetes)
Absolute Kontraindikationen sind:
-
fiebrige Erkrankungen
-
Erkrankung des Nasen-Rachen-Raumes (Schnupfen, kein Druckausgleich möglich,
Innenohrschäden (z. B. am runden Fenster), frische Trommelfell-OP)
-
Schwangerschaft
-
unbehandelte Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
-
erhöhter Augeninnendruck (Glaucom, grüner Star)
-
laufende Chemotherapie
-
schweres Asthma
-
schwere Herzinsuffizienz
-
Bradykardie (zu langsamer Herzschlag)
-
unbehandelter Pneumothorax
-
schweres Lungenemphysem
-
intrapulmonale Herde (z. B. Lungenmetastasen)
-
Herzschrittmacher
-
Epilepsie
-
schwere Klaustrophobie (Platzangst)
Durchführung einer HBO
Grundsätzlich muss man Ein- und Mehrpersonenkammern unterscheiden.
Erstere kommen selbstverständlich nur für Patienten in Frage,
die nicht lebensbedrohlich erkrankt sind, da eine Notfallversorgung nicht
gewährleistet ist.
Mehrpersonenkammern können bis zu zwölf Personen aufnehmen,
die den Sauerstoff über eine Maske verabreicht bekommen. Über
eine Schleuse können jederzeit weitere Personen die Kammer betreten,
verlassen oder Notfallinstrumente eingeschleust werden.
Während der Behandlung werden die Patienten an diverse Überwachungseinheiten
angeschlossen, die u. a. Herzschlag, Blutdruck und Sauerstoffsättigung
sowie -druck im Blut messen. Per Sprechanlage und Kameraüberwachung
sind der Kontakt zum Patienten und seine Sicherheit jederzeit gewährleistet.
Bei jeder Fahrt werden mind. ein Arzt (in der Regel sind es jedoch
zwei - einer draußen und einer drinnen) und zwei Druckkammerbediener
(sind zwei Ärzte anwesend, reicht auch nur eine Person). Die Ärzte
sollten eine Anästhesie-Ausbildung besitzen und müssen eine Zusatzausbildung
nach den Richtlinien der Gesellschaft für Überdruck- und Tauchmedizin
(GTÜM) absolviert haben! Das nichtärztliche Personal verfügt
über theoretische und praktische Kenntnisse zur Durchführung
einer HBO, der Behandlung von Notfällen und der Assistenz bei intensivmedizinischen
Maßnahmen während der Fahrt.
Je nach Erkrankung werden verschiedene Druck-Zeit-Profile angewandt.
Alle 20-30 Minuten wird die Sauerstoffzufuhr durch Luftatmungspausen, sogenannte
Air-Breaks, unterbrochen, um eine Sauerstoffvergiftung des zentralen Nervensystems
zu vermeiden, die zu Krampfanfällen führen könnte. Während
der regulären Behandlung hat der Patient die Möglichkeit sich
zu beschäftigen, indem er liest, Musik hört etc. Die Dauer und
Anzahl der einzelnen Sitzungen sowie der Erfolg dieser Behandlung (gerade
bei Tauchunfällen), variieren je nach Art und Schwere der Verletzung.
Bei nicht akuten Fällen erfolgen meist drei bis vier Zyklen mit O2
à 20-30 Minuten.
Dekompressionsprofile
In verschiedenen Publikationen wurde die Meinung vertreten, dass zur
schnellstmöglichen Rückbildung von Stickstoffblasen mit
hohemn Druck gearbeitet werden sollte. Jedoch ist die zusätzliche
Aufsättigung bei Luftatmung und die daraufhin deutlich verlängerte
Aufenthaltsdauer in der Kammer zur langsamen Rekompression nach heutiger
Erkenntnis eher von Nachteil.
Lediglich auf kürzestem Weg in eine Druckkammer verbrachte Opfer
schwerer Tauchunfälle (max. 1 Std.) können mit Nitrox oder Helioxgemischen
mit einer Anfangstiefe von 50 Metern behandelt werden. Die heute standardisiert
verwendeten Tabellen 5 und 6, deren Grundlagen wie vieles in der Dekompressionsmedizin
bei der US-Navy entwickelt wurden, sind weltweit in Anwendung. Natürlich
gibt es weitere Variationen, die aber je nach Schwere des Unfalls variieren.
Tabelle 5 - Anwendung ohne Vorliegen von Symptomen - reiner Dekoverstoß
·Möglichst rascher Abstieg auf 18 m (1,8 bar Überdruck)
mit Luftatmung
·20 Minuten Sauerstoffatmung
·5 Minuten Luftatmung
·20 Minuten Sauerstoffatmung
·30 Minuten Dauer: Aufstieg auf 9 Meter (0,9 bar Überdruck),
Sauerstoffatmung
·20 Minuten Sauerstoffatmung
·5 Minuten Druckluftatmung
·30 Minuten Dauer: Aufstieg auf 0 Meter, Sauerstoffatmung
Aufenthaltsdauer: 2:10 Stunden
Tabelle 6 - Anwendung bei Vorliegen von Symptomen
·Möglichst rascher Abstieg auf 18 m (1,8 bar Überdruck)
mit Luftatmung
·20 Minuten Sauerstoffatmung
·5 Minuten Luftatmung
·20 Minuten Sauerstoffatmung
·5 Minuten Luftatmung
·20 Minuten Sauerstoffatmung
·5 Minuten Luftatmung
·20 Minuten Sauerstoffatmung
·30 Minuten Dauer: Aufstieg auf 9 Meter (0,9 bar Überdruck),
Sauerstoffatmung
·5 Minuten Luftatmung
·20 Minuten Sauerstoffatmung
·5 Minuten Druckluftatmung
·20 Minuten Sauerstoffatmung
·5 Minuten Druckluftatmung
·20 Minuten Sauerstoffatmung
·5 Minuten Druckluftatmung
·20 Minuten Sauerstoffatmung
·5 Minuten Druckluftatmung
·20 Minuten Sauerstoffatmung
·5 Minuten Druckluftatmung
·30 Minuten Dauer: Aufstieg auf 0 Meter, Sauerstoffatmung
Aufenthaltsdauer: 4:25 Stunden
Im Verlauf der Behandlungsphase werden vom begleitenden Tauchmediziner
laufend die Symptome überprüft und gegebenenfalls Verlängerungen
der Phasen vorgenommen.
Zur weitgehenden oder vollständigen Genesung sind eine Reihe von
Kammerfahrten notwendig.
Da bewusstlose Patienten keinen Druckausgleich herstellen können,
wird ihnen das Trommelfell vor der Behandlung beiderseits durchstochen.
Diese Maßnahme ist nötig, um einen Trommelfellriss zu vermeiden.
Die Perforation wächst innerhalb weniger Wochen wieder vollständig
zu!
Ist man Zeuge eines Tauchunfalls, sollte man den Arzt/die Rettungsassistenten
darauf hinweisen, nach Möglichkeit keine Glasinfusionsflasche zu benutzen,
da diese sonst vor der Druckkammerbehandlung ausgetauscht werden müsste
(Implosionsgefahr).
Risiken gibt es wie bei jeder medizinischen Behandlung auch. Hierbei
handelt es sich in erster Linie um Barotraumen der luftgefüllten Hohlräume,
insbesondere der Nasennebenhöhlen.
Ein Lungenbarotrauma ist dagegen so gut wie ausgeschlossen, da die
Druckminderung in kontrollierten Bahnen abläuft und somit ein "willkürliches
Luftanhalten" kaum möglich ist.
Gelegentlich kann es zur Erhöhung des Augeninnendrucks kommen;
auch wird über eine kurzzeitige Myopie mit Fehlsichtigkeit von bis
zu mehreren Dioptrien berichtet. Dies ist jedoch reversibel und bildet
sich nach Therapieende zurück.
Ab einer gewissen Zeit (5 Std. unter 2 bar) kann 100-prozentiger Sauerstoff
toxische Wirkung haben. Bei Hyperventilation auch früher. Deshalb
werden Patienten streng auf Symptome beobachtet, denn frühzeitig erkannt
ist eine O2-Intoxikation reversibel.
Die toxischen Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem sind vielfältig
und äußern sich in einer Reihe unterschiedlicher Symptome, z.
B. Krämpfe, plötzliches Angstgefühl, Gesichtsfeldeinschränkungen
und Verhaltensänderung.
Aufgrund der bereits erwähnten Air-Breaks ist dieses Risiko jedoch
nur minimal.
Wirkung der HBO-Therapie
Abgesehen von den schweren Fällen eines Dekounfalls, bei dem sofort
Ausfälle bzw. Verletzungen sichtbar sind, treten bei etwa 50 % die
Symptome einer DCS bis innerhalb der ersten Stunde nach dem Tauchgangsende
auf, nach sechs Stunden sind bei 90 % der Betroffenen Ausfälle erkennbar.
Die restlichen 10 % bemerken Symptome erst nach einer weiteren Druckentlastung
(Flugreise, Passfahrt).
Ausfälle wie Taubheitsgefühl in Armen, Beinen, Fingern, Lähmungserscheinungen
und Bewusstseinstrübung werden durch die örtliche Behinderung
der Sauerstoffversorgung hervorgerufen, wenn Stickstoffblasen die Blutbahnen
blockieren (arterielle Gasembolie). Je nach betroffenem Körperbereich
können die Auswirkungen dramatisch sein. Werden die mit Sauerstoff
unterversorgten Gebiete nicht rechtzeitig regeneriert, besteht die konkrete
Gefahr bleibender Schäden. Dies ist vergleichbar mit einem Schlaganfall/Lungenembolie/Herzinfarkt,
je nachdem, wo der Thrombus sitzt.
Neuere Studien haben bewiesen, dass eine Vielzahl der lokalisierten
Stickstoffblasen keine kugelige Form aufweisen, sondern länglich ausgebildet
sind. Zudem reagiert der Körper auf die Stickstoffblasen wie gegen
jeden anderen Fremdkörper: Er versucht diese unschädlich zu machen.
Der Körper versucht die Blasen zu verkapseln, was jedoch dazu führt,
dass die Blasen eine membranartige Oberfläche bekommen, die zum Verkleben
mit Zellwänden und Blutgefäßen neigt. Deshalb genügt
im Rahmen einer HBO-Therapie nicht nur der Versuch, die Blasen unter Druck
zu verkleinern, um sie mit dem Blutkreislauf auszuwaschen; vielmehr muss
durch die Behandlung der Stickstoff aus den Blasen selbst abgebaut werden,
was zusätzlich zur Reduzierung der Blasengröße beiträgt.
Dabei hat die Sauerstoffatmung die Aufgabe, die unterversorgten Gewebebereiche
durch die verbliebenen intakten Gefäße mit Sauerstoff zu versorgen,
zugleich aber auch den Abbau des eingekapselten Stickstoffs zu begünstigen.
Mit Hilfe der HBO-Therapie werden durchweg gute Erfolge erzielt, doch
sind nicht in allen Fällen vollständige Heilungsprozesse realisierbar.
Das liegt unter anderem an der Schwere des Unfalls und an der Zeitdauer,
die zwischen dem Unfall und dem Beginn der Behandlung liegt. Kritisch,
im Sinne bleibender Schäden, wird es immer dann, wenn zur Erstversorgung
kein Sauerstoff zur Verfügung steht. Doch muss man auch sehen, dass
selbst bei bleibender Beeinträchtigung mit hoher Wahrscheinlichkeit
das Leben gerettet wurde
Kosten
Die HBO ist keine vertragsärztliche Leistung. Außerhalb des
Budgets kann der Kostenträger im Einzelfall über die Kostenübernahme
entscheiden.
Jeder Vertragsarzt kann eine HBO-Therapie empfehlen, einen Kostenplan
einreichen und seinen Patienten an ein Therapiezentrum weiterleiten.
Privat- und Beihilfepatienten wird geraten, ebenfalls einen Kostenerstattungsantrag
zu stellen, da auch Privatkassen nicht immer die Kosten einer HBO übernehmen.
Bei Unfällen im Ausland kann nach einer Stabilisierung des Patienten die
Rückreise angetreten werden. Bei Flugreisen im Idealfall in der normalen
Maschine, um dann am Heimatort in einem nahegelegenen HBO-Zentrum die
Behandlung abzuschließen. Aber Achtung: Wird die HBO im Unfallland nicht
beendet, zahlt die Krankenversicherung nicht, wird sie jedoch im Ausland
beendet, sehr wohl
Die verlinkte Tabelle mit Druckkammern bitte ggf. vorher
telefonisch überprüfen. Im Zuge der Streichung der HBO aus dem
Budget sind die Kassen kaum noch bereit, die Kosten zu übernehmen.
Aus diesem Grund haben bereits etliche Druckkammern geschlossen, und nicht
wenige weitere werden folgen, wenn diese Reform des Gesundheitswesens unverändert
bestehen bleibt.
Falle euch noch Zentren bekannt sind, die in dieser Liste nicht aufgeführt
sind, so schickt uns bitte genaue Informationen. Danke.
Hier klicken um zur Liste zu gelangen.