Verschlafen räkelt sich Yossi Perez auf seinem Feldbett- noch halb
schlafend schielt er auf seinen Wecker. Es ist sieben Uhr Morgens, Zeit
sich zu Erheben und seinen Kadaver in Gang zu bringen!
An diesem 6. Februar 1970 ist von draußen her schon eine rege
Geschäftigkeit zu vernehmen: Das Röhren der Triebwerke und die
Schritte der hin- und her hastenden Menschen verspricht auch Yossi an diesem
Tag viel Arbeit. Schnell schlüpft er in die bequeme Pilotenkombi aus
feuerfestem Material und trollt sich von dannen.
Auch einige hundert Kilometer weiter südlich im noch verschlafenen
ägyptischen Fischerdörfchen Gardhaga (Heute: Hurghada) beginnt
sich das Leben zu regen.
An Bord eines im Hafen liegenden Schiffes steigt Mustafa der Duft frischgebrauten
Kaffees in die Nase. Mit knurrendem Magen setzt er sich aufrecht in seiner
Koje und fährt sich noch schläfrig durch das schwarze Haar. Mit
einem halbgeschlossenen Auge schaut er durch das Bullauge. Schönes
Wetter. So ein Mist! Das bedeutet, er wird wirder den ganzen Tag Rost schrapen
und Farbe pönen müssen! Na denn... aber erst mal lecker Frühstück!
Mittlerweile sitzt Yossi im Briefing Room seiner Staffel und bekommt
den Einsatzraum und die Angriffsziele mitgeteilt. Zu den Dingen die der
Einsatzleiter bespricht gehört das übliche, schon seit Jahren
bekannte: 1967 hatte Israel im Sechs-Tage-Krieg den Sinai erobert und den
Suez-Kanal als wichtige Einnahmequelle für Devisen für Ägypten
gesperrt. Daraufhin begann seitens Ägyptens nach Beendigung des Krieges
ein politischer Feldzug gegen Israel der zum Ziel neben der Rückeroberung
des Sinais auch die völlige Vernichtung des Staates Israel hatte.
In diesem Zusammenhang standen denn auch die seit 1969 immer wieder stattfindenden
bewaffneten Scharmützel zwischen den beiden Parteien. Legitimes
Ziel der Israelischen Luftwaffe waren-so empfand man auf Israelischer Seite-
Industrienansiedelungen und Luftabwehreinrichtungen wzB. Radarstellungen
und Flugabwehrwaffen.
Das heutige Briefing nannte dann auch das Primärziel des heutigen
Einsatzes: Die Radarstellungen im Raume von Gardhaga sollten vernichtet
werden!
Während nun Mustafa fröhlich pfeifend begann sein farbiges
Tagwerk zu verrichten, stiegen Yossi und seine Kameraden in die Kampfflugzeuge
der Staffel. Das waren bei der 113. Staffel Jagdbomber vom Typ Dassault M.D.450
Ouragan. Außerdem nahmen am Einsatz noch Flugzeuge einer anderen
Staffel teil. Hierbei handelte es sich um Luftüberlegenheitsjäger
vom Typ Dassault Mirage III CJ ('Shachak') als Begleitschutz.
Bei den Flugzeugen von Yossis Staffel handelte es sich um aus der französischen
Luftwaffe ausgemusterte Flugzeuge. In Israel war man froh, nach der britischen
Gloster Meteor an einigermaßen fortschrittliche Düsenflugzeuge
zu kommen, war Frankreich doch auch das Land, daß als einziges bereit
war, derartige Flugzeuge zu liefern. Der Erstflug dieses Musters fand schon
am 28. Februar 1949 statt. Somit war der Flugzeugtyp 1970 nicht mehr taufrisch,
konnte aber noch mit den ägyptischen Flugzeugen die diese ihrerseits
von den Tschechen bzogen hatten, mithalten.
Bei den Flugzeugen von der 117. Staffel handelte es sich um die erfolgreichsten
Flugzeugtyp in der israelischen Luftwaffe. Die einsitzigen Mirage-Abfangjäger
kamen von der gleichen Fabrik wie die Ouragan-Jagdbomber und waren die
Exportversion mit den zwei zusätzlichen 30mm-Bordkanonen anstelle
der Boostersätze. 71 waren 1961 bestellt worden, um mit den MIG-21 der
Ägypter fertig zu werden.
Yossi und seine Kameraden rollten nun nach den üblichen
Checks auf Weisung des Towers an den Start. Starterlaubnis!
Das Pfeifen und Röhren von dem Hispano Suiza Rolls-Royce Nene
Mk 104B -Düsentriebwerk in Yossis Einsitzer schwoll zu einem ohrenbetäubenden
Getöse an, in das Geheule der SNECMA Atar 9B der Miragejäger
einfiel. Pfeilgerade schossen beide Staffeln in den blauen Morgenhimmel.
Beide Staffeln schlugen nun Kurs ein auf ihr Ziel. Kurz danach wurden
die Bordwaffen auf ihre Funktion geprüft. Yossi schaute auf seinen
Bombenschaltkasten: Überall grüne Lichter. Die mitgeführten
1000kg Bomben in unterschiedlicher Stückelung bzw. die 16 105mm-Raketen
waren demnach einsatzbereit. Durch eine kurze Betätigung der Auslöser
für die vier 20mm-Bordkanonen wurden auch diese auf ihre Funktion
hin überprüft. Nach Beendigng des Waffenchecks sah sich Yossi
nach seinen Kameraden um: Auch aus den Rohren der 2,2 Mach schnellen Begleitjäger
stoben Feuerstöße. Also funktionierten auch hier die zwei DEFA
30 mm-Kanonen unter den Lufteinläufen. Auch die vielfältigen
Aussenlasten an sieben Pylonen (Matra-Eisen- und Streubomben, AS.37 Martel,
R.550 Magic, R.530, AIM-9P, AIM-4) schienen den Test bestanden zu haben.
Nach kurzer Flugzeit näherte man sich schon dem Hafenort. Doch
plötzlich ertönte aus dem Äther eine Warnung eines Begleitjägers:
Er hat eine größere Schiffeinheit in seinem Cyrano II/IV-Radar
ausgemacht. Möglicherweise muß man also mit einem Kriegsschiff
rechnen, daß auch über Flugabwehrwaffen verfügt!
In Ghardaga pinselt Mustafa lustlos vor sich hin. Wie überall auf
der Welt kann sich ein Matrose sicherlich etwas schöneres vorstellen, was
er statt pinseln lieber machen würde. In seine Arbeit versunken und
in Gedanken bei ebenjener Lieblingsbeschäftigung runzelt Mustafa plötzlich
die Stirn.
Moment amal.. wossen das fürn Geräusch... hört sich ja
an... ja richtig. Düsenjäger. Na dann sind unsere MIGs mal wieder
am Patrouille fliegen, hm. Mustafa blickt auf und legt die Hand zum Schutz
vor den Sonnenstrahlen schützend an die Stirn. Ja! Dort kommen sie. Immer
näher. Das Geräusch wird lauter und lauter..
Bei der Annäherung an den Hafen von der Seeseite fassen die israelischen
Flugzeuge das 60m lange und 9m breite Kriegsschiff auf und realisieren, was
sie da vor sich haben: Es ist ein ägyptischer 590tons-Minenräumer
der alten sowjetischen T-43 - Klasse. Die ersten Schiffe dieses Typs liefen
noch im 2. Weltkrieg von russischen Werften. Dieses Schiff hier -die Minija-
lief erst 1955 vom Stapel und wurde aufgrund eines Militärabkommens
während des kalten Krieges von Präsident Nasser am 24. September
1955 zusammen mit drei weiteren Schiffen gleichen Typs in Moskau für
120 Mio. US-Dollar gekauft. Der gezielte Einkauf von Minenräumern war
für Ägypten lebenswichtig: So konnte sichergestellt werden, daß
Ägyptens Haupteinnahmequelle an Devisen -der Suezkanal- minenfrei
blieb. Daß dieses 14 Knoten schnelle Schiff mit seiner Bewaffnung
von einer 37mm-Zwillingsflak und vier weiteren überschweren 14,5mm Wladimirow PKP - Zwillingsflak-MG`s
(neben seiner Bewaffnung mit zwei Wasserbombenwerfern, knapp zwanzig Seeminen
und der Räumausrüstung) Flugzeugen gefährlich werden kann, liegt
auf der Hand. Dementsprechend entscheiden sich die Angreifer, vor der Radarstation
die Gefahr die von diesem Schiff mit seiner Flakbewaffnung ausgeht, zu beseitigen.
Erst ist Mustafa sich noch nicht sicher... die Konturen der anfliegenden
Maschinen kann er nicht einordnen. Doch plötzlich sieht er die blauen
Davidsterne an den 13,07m x 10,74m x 4,14m großen Flugzeugrümpfen
der Ouragan und der 8,22m x 15,56m x 4,50 m großen Mirages.
Alarm!
Dieser Ruf elektrisiert die ganze Mannschaft von knapp 70 Seeleuten. Manche
versuchen noch hinüberzulaufen zum Heck, um an das feuerbereite Alarmgeschütz
zu kommen-aber vergebens.
Die abgefeuerten Raketen und die Bordkanonen leisten ganze Arbeit. Innerhalb
von Minuten sinkt die Minija ohne Gegenwehr in eine Tiefe von ca.
19-30m. Kurze Zeit später geht auch die Radarstation in Rauch auf.
Tauchgänge am Wrack beginnen nicht weit vom alten Hafen von Hurghada
entfernt. Knapp 600m entfernt davon befindet sich an einer kleinen Boje
ein Seil, an dem entlang man abtauchen kann.
Weil man sich hier im Hafenbereich befindet, ist natürlich die
Sicht mäßig. Sowas zwischen 10-20m.
Gelegentlich macht sich auch eine leichte Strömung Richtung Süden
bemerkbar. Am Wrack angekommen findet man das Schiff mit dem Bug Richtung
Westen und einer Krängung von etwas mehr als 90° auf seiner Backbordseite
vor.
Weitere Besonderheit ist hier das deutliche Fehlen von eigentlich zu
erwartendem Bewuchs und Fischen. Möglicherweise ist dies der Nähe
zum Hafen geschuldet oder den Wrackbestandteilen. Ist das Bojenseil am
Achterschiff festgemacht, sieht man hier achtern das Hauptgeschütz
des Schiffs auf dem niedrigen Achterdeck stehen.
Etwas in Richtung Bug,aber noch auf dem Achterdeck befindet sich noch
ein Zwillingsflak-MG.
Auf dem Achterdeck befinden sich typischerweise auch die Seilwinschen
die zum Fieren des Minenräumgeschirrs notwendig waren. Außerdem
natürlich die Schiffsruder und Schiffsschrauben.
Letztere führen über zwei Schäfte und entsprechende Wellen
direkt in den Maschinenraum zu den zwei 2.200 BPS-Dieselmaschinen. Auf deren
Höhe ist auch eine deutliche Einbuchtung im Schiffsrumpf wahrzunehmen. Denkbar
ist hier ein Nahtreffer einer Bombe, die den Wasserdruck Richtung Schiffswand
lenkte und diesen eindellte. Taucht man in Verlängerung der Schiffsachse
weiter hinter dem Heck, findet man den Hauptteil des durch die Versenkung
abgerissenen Hauptmastes. Wenn man nun vom Heck aus Richtung Bug taucht,
findet man auf dem Schiffsboden eine Verformung, die wie ein halbes Ei aussieht. Dies
ist ein spezielles Minensonar.
Taucht man an der anderen Seite entlang der Decksseite, stößt
man schon bald hinter dem Hauptgeschütz auf dem niedrigeren Achterdeck
auf die Aufbauten, die auf einem höheren Deck liegen. Die zweite, obere
Etage dieser Aufbauten ist aber ziemlich zerteppert und nicht mehr betauchbar. Auch
sieht man überall Einschuß- und Splitterlöcher. Was man
mit der entsprechenden Vorsicht (!!) betauchen kann, ist die hierunter befindliche
Decksebene. Doch die herunterhängenden Kabel und Rohre bergen eine
nicht zu unterschätzende Gefahr!
Im Mittschiffsbereich findet sich dann auch ein Zwillings-Flak-MG und
der Schornstein.
Was überall herumliegt und mit der entsprechenden Vorsicht
und angemessenem Respekt beschaut und nicht angefasst werden sollte ist
die Flakmunition. Mittschiffs liegen auch noch torpedoähnliche Gegenstände. Dies
sind Spurkörper für das zu schleppende Räumgeschirr mit
kurzen Schermessern zum Kappen der Ankertaue von aufgespürten Minen. Weiter
vorn Richtung Bug kann man dann auch an Steuerbord in Höhe des Ankerspills
die Ursache des Untergangs sehen: Riesige Teile des Bugs fehlen und sind
herausgesprengt worden. Teilweise fehlt auf dem Vorschiff das Oberdeck oder
auch ganze Meter vom Schiffsbug.
Außerdem reihen sich hier große Einschußlöcher
nebeneinander.
Die Bilder wurden uns freundlicherweise von Herrn Ulrich
Mößlang über seine Seite www.moesslang.net
zur Verfügung gestellt. Dankeschön!
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