Mares h.u.b. Testbericht

 Geschrieben von Herbert

Von Herbert Gfrörer © Keine Gewährleistung

Fotos: Martin Rubner ©

Was ist ein h.u.b.?

Eines Tages bekamen wir in der Taucher.Net Redaktion das Angebot, das neue Produkt von Mares zu testen - ein h.u.b. Zu diesem Zeitpunkt war uns noch nicht ganz klar, was hinter diesen drei Buchstaben steht. Ausgeschrieben heißt das neue Ausrüstungsteil "Human Underwater Breathing" System - aha, etwas zur Atmung für Menschen unter Wasser. Nun gut, das Interesse war geweckt - und wir warteten auf den Zeitpunkt der Übergabe.

Nach einigen Wochen endlich war es soweit: Das h.u.b. traf ein - und das Erstaunen war groß. Nach dem Auspacken lag ein Jacket vor uns. Auf den ersten Blick fehlte nur der Faltenschlauch, und das Gewicht erschien relativ groß für ein Auftriebsmittel. Der zweite, intensivere Blick, brachte dann die Erleuchtung. In diesem Jacket ist so einiges an Technik und Ausrüstung versteckt: eine erste Stufe, in den rechten Jackettaschen zwei Lungenautomaten, in der linken Jackettasche Finimeter, Konsole oder Computer - je nach Kundenwunsch - und natürlich das neuartige pneumatische Inflatorsystem . Kurz gesagt, ein kombiniertes Atmungs- und Auftriebsmittel mit interner, also versteckter Schlauchführung.

Testbericht

Da das h.u.b. nur mit einer ersten Stufe ausgestattet ist, wurde der Test in wärmere Gefilde verlegt. Da ohnehin ein Besuch auf der Mittelmeerinsel Malta ins Haus stand, konnten die Testtauchgänge unproblematisch im sonnigen Süden stattfinden.

Bei herrlichem Wetter und 22 Grad warmem Wasser versprach der Test auch zu einem entspannenden Erlebnis zu werden. Mit den Tauchpartnern waren bereits die geplanten Tauchgänge für die Woche festgelegt - von Wracks in 20-30 m bis hin zu den faszinierenden Steilhängen mit Tiefen weit jenseits der "Standardmarke" von 40 m.

Vor den Tauchgängen fiel bereits das "Aufrödeln" mit dem h.u.b. positiv auf: Auf die Flasche gesteckt, Gurte angezogen, erste Stufe angeschraubt - fertig. Das Ganze innerhalb von 20 Sekunden! Die auf die Form der Flaschenrundung gefertigte Rückenplatte sichert den korrekten Sitz des Jackets und vereinfacht das Anbringen der Einheit. Die erste Stufe wird etwas aus dem oberen Teil des Jackets gezogen und angeschraubt.

 

Auf dem linken Bild die erste Stufe mit der Schlauchführung ins Innere des Jackets. Das rechte Bild zeigt die komplett installierte Einheit.

Beim ersten Tauchgang dauerte es dann ein paar Minuten, eine korrekte Schlauchführung für den aus der rechten Tasche kommenden Lungenautomatenzu finden. Hier gäbe es auch noch Verbesserungspotential beim h.u.b., da der Automatenschlauch von unten aus der Tasche herausführt und dadurch doch etwas schräg im Mund sitzt. Helfen würde hier ein Winkelstück - oder ein etwas flexiblerer Schlauch.

Etwas ungewohnt war auch das Fehlen des Faltenschlauches mit herkömmlichem Inflator. Hier bietet das h.u.b. ein neuartiges pneumatisches Füll-und Entleersystem, das mit der Inflatoreinheit - am linken unteren Jacketbereich angebracht - bedient wird.

  

Inflatoreinheit und pneumatisches Entlüftungsventil

Der fehlende Faltenschlauch, war nach einigen Griffen ins "Leere" schnell vergessen, und die Bedienung der neuen Einheit wurde schon beim ersten Tauchgang zur Routine. Der Inflator spricht sowohl beim Aufblasen als auch beim Entlüften des Jackets hervorragend an. Egal in welcher Schwimmlage man sich befindet - eines der drei Entlüftungsventile reagiert immer. Dieses Verhalten verspricht entspannte Tauchgänge. Gefördert wird dies zusätzlich durch die "Dragon-Fly" Bauweise - eine Mischung aus Wing und ADV-Jacket. Eine strömungsgünstige waagrechte Schwimmweise stellt sich automatisch ein, und an der Oberfläche wird man nicht mit dem Kopf ins Wasser gedrückt, was gerade bei reiner Wing-Bauweise auftreten kann.

Bei den nun folgenden Tauchgängen in Tiefen bis zu 70 m - zur Beruhigung der Leserschaft, natürlich mit Sicherungstaucher - zeigten das h.u.b sowie seine integrierten Lungenautomaten ihre Stärke. Der Atemkomfort des MR 16 Orbiter und des Nikos-Oktopus waren in jeder Tiefe komfortabel und angenehm.

Tarieren ohne Inflatoreinheit - also das Aufblasen des Jackets mit der Lunge - ist beim h.u.b. natürlich auch möglich. In der linken Jackettasche befindet sich ein Silikonschlauch, mit dem die manuelle Tarierung zwar ungewohnt, aber durchaus passabel durchzuführen ist. Diesen Vorgang sollte man allerdings mehrmals üben, um in Gefahrenmomenten auch instinktiv den richtigen Griff in die linke Seitentasche zu beherrschen.

Der Oktopus ist auf der rechten Seite in einer extra Tasche mit Klett-Schnellverschluss untergebracht. Trotz der versteckten Lage können der Automat und der aufgerollte Schlauch mit einem Griff in Position gebracht und dem Tauchpartner in Luftnot gereicht werden.

Signalgriff der "Oktopustasche"

Fazit

Mein Resümee der durchgeführten Tauchgänge ist durchaus positiv. Der Tragekomfort sowohl über - als auch unter Wasser ist ausgezeichnet - alle Schläuche sind strömungsgünstig verpackt, es hängen keine Geräte "korallenschädigend" vom Taucher herab. Die von Mares verwendeten Automaten sind hochwertige Geräte der Spitzenklasse mit entsprechendem Atemkomfort. Die neuartige Inflatoreinheit besticht durch das exakte Ansprechen und die Möglichkeit, überschüssige Luft in jeder Wasserlage sofort abzulassen.

Es bleiben aber durchaus einige Fragenoffen:

Kaltwassertauglichkeit ist nicht gegeben, obwohl die Automaten selbst diesem Kriterium entsprechen. Eine zweite erste Stufe lässt sich in die Konstruktion des h.u.b. nicht
integrieren.

Das manuelle Befüllen des Jackets durch den Silikonschlauch im Notfall könnte problematisch sein, und was passiert bei einem mechanischem Defekt der Inflatoreinheit
mit unkontrolliertem Aufblasen des Jackets?

Last but not least, der empfohlene Verkaufspreis von 2.499 DM, der zwar angesichts des hochwertigen Jackets und der verwendeten Automaten legitim erscheint, aber
interessierte Kunden erst einmal abschrecken könnte.

Als Fazit bleibt zu sagen, dass Mares mit dem h.u.b. ein innovatives hochwertiges Produkt auf den Markt gebracht hat, das in einigen Detailfragen noch
verbesserungswürdig ist.

Technische Daten
 

  • Hersteller: Mares
  • Modellname: human underwater breathing system h.u.b.
  • Prinzip: Komplett-System, das die Einzelteile Atemregler, Tarierhilfe, Instrumente und Tragevorrichtung kombiniert.
  • Größen: S, M, L, XL
  • Jacket: Blase kombiniert die Vorteile eines herkömmlichen Jackets mit Vorteilen so genannter Wing-Jackets (dragon-fly-Prinzip)
  • Material: 1000 Denier Dupont Nylon
  • Farben: schwarz-grau
  • Auftrieb: Gr. L – 22 Liter
  • Atemregler: modifizierter MR 16 Orbiter mit Nikos-Oktopus, kaltwassertauglich gem. EN 250
  • Instrumente: optional Mission-Baureihe
  • 2 Bleitaschen zur optimalen Ausrichtung der Schwimmlage
  • Integrierter Tragegriff in der Rückenplatte. Ergonomische, längenverstellbare Schultergurte. Längenverstellbarer Bauchgurt. 4 Edelstahl-D-Ringe. Sicherheits-Reflektoren.

Infos

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