Von Jessica Brühl ©
Alle Unterwasserfotos von © Jessica
Brühl
Überwasserfotos von © Jessica
Brühl und © Peggy Hoyer
Anmerkung der Verfasserin von 12/2003: Im Jahr 2002 hat das Management der Insel gewechselt und sie wurde auch komplett umgebaut. Details dazu findet man unter http://www.mirihi.com/
Der folgende Bericht bezieht sich auf das Datum der Reise, also August 2000!
Die etwas andere Malediven-Insel. Obwohl
sie mit ihren vier Sternen großen Luxus anbietet, ist sie trotzdem familiär
und vergleichsweise unkonventionell geblieben, selbst das Tauchen gestaltet
sich problemlos. Ein Reisebericht.
Das Hotel
Der Transfer nach Mirihi im südlichen
Ari-Atoll (die Betonung liegt übrigens auf dem letzten "i") erfolgt vom
Flughafen Male per Maldivian Airtaxi (Wasserflugzeug) und dauert etwa 30
Minuten. Da es jedoch üblich ist, diverse Zwischenstopps an auf dem
Weg liegenden Resorts einzulegen, kann sich der Flug etwas verlängern.
Der Flug mit dem Wasserflugzeug
ist es etwas sehr Besonderes. Von der begrenzten Höhe aus hat man
einen wunderschönen Blick auf die Inseln des Ari-Atolls. Zum Fotografieren
und Filmen geradezu ideal!
Allerdings ist es in der Maschine ziemlich
laut. Wer lärmempfindlich ist, sollte Ohropax bereit halten! Die von
der Fluggesellschaft geforderte maximale Gepäckmenge von 25 kg (inkl.
Handgepäck) wurde zwar kontrolliert, das Übergepäck wurde uns
aber nicht berechnet (eigentlich 2 $ pro kg), obwohl man uns gesagt hatte,
dies würde sehr streng gehandhabt!
Die Sicherheitseinweisung ist ziemlich
dürftig. Ein "Flugbegleiter" erzählt einem in gebrochenem Englisch,
dass das Rauchen während des Fluges verboten sei, man bitte angeschnallt
bleiben solle, wo die Schwimmwesten liegen und dass der Vogel sechs Notausgänge
habe. Weitere Details entnehme man bitte den ausgelegten Faltkarten.

Am Ziel angekommen, wird man etwa 200
m von der Insel entfernt auf einem Schwimmponton von der Größe
5m x 5m "ausgesetzt". Schon während das Flugzeug wieder ablegt und
zum Start ansetzt, sieht man bereits das Inseldhoni herannahen, das einen
zur Insel bringt.
Dort erfolgt der Check-in bei einem
fruchtigen Cocktail und einem feuchten Tuch zur Erfrischung. Dabei lernt man
gleich den Manager kennen: Sascha ist Österreicher und ein sehr freundlicher
und hilfsbereiter Mensch, zu dem man mit jedem Problem kommen kann.

Die gut 20 Bungalows der kleinen (150
m x 400 m) Insel sind fast alle ausschließlich Wasserbungalows, die
wenigen übrigen stehen direkt am Strand. Jeder beherbergt zwei Zimmer,
jeweils mit Süßwasserdusche (warm/kalt) und einem Balkon direkt
über der Brandungszone, außerdem einer Minibar. Roomservice ist
zweimal täglich. Handtücher werden bei Bedarf gewechselt, man
erhält ein Badetuch und ein kleines Handtuch sowie ein großes
Strandlaken, das abends gewechselt wird. Für die Steckdosen wird kein
Adapter benötigt. Jedoch ist ihre Anzahl knapp bemessen, wenn man zwei
Tauchlampen, Videokamera etc. dabei hat, deren Akkus geladen werden wollen.
Die Mitnahme eines Multisteckers ist empfehlenswert.
Je nach Lage des Bungalows hat man bei
auflaufender Flut ziemlichen Brandungslärm, der gelegentlich beim Schlaf
stört, dafür aber auch die beste Position für Fischbeobachtungen!
Dort befinden sich nämlich "riffähnliche Strukturen" direkt unter
der Wasseroberfläche, und fast täglich kann man dort Stachelrochen,
weiße Muränen und Makrelen auf der Jagd und viel anderes Getier
sehen, mit viel Glück sogar einen Adlerrochen. Unser Hailight war ein
winziger (30 cm) Schwarzspitzenriffhai, der dort immer wieder seine Runden
drehte.

Diese tolle Aussicht am nordöstlichen
Inselende hat jedoch ihren Preis: Die Warmwasserversorgung (von den Hauptgebäuden
am westlichen Inselende) funktioniert nur begrenzt: Zur allgemeinen Duschzeit
(kurz vor dem Frühstück und dem Abendessen) herrscht manchmal
wenig bis kein Wasserdruck. Gelegentlich muss man das Wasser fünf
Minuten laufen lassen, bis es warm wird, dafür hat es dann aber gleich
45 °C. Doch wer sehnt sich auf den Malediven schon ernsthaft nach einer
heißen Dusche?
Das Essen ist, wie es sich für
eine ****-Insel gehört, hervorragend! Die Köche geben sich alle
Mühe. Dadurch, dass alle Mahlzeiten in Buffetform angeboten werden,
kommt jeder auf seine Kosten. Die Abendbuffets stehen jeweils unter einem
anderen Motto. So gibt es französische, ceylonesische, maledivische,
österreichische, chinesische, fernöstliche Buffets und noch viele
weitere. Bei einem zweiwöchigen Aufenthalt wiederholen sich nur das
italienische und das Fischbuffet. Das Servicepersonal kommt fast ausschließlich
aus Sri Lanka und Bangladesh. Echte Malediver sind rar. Da die Insel zu
99 % deutschsprachig belegt ist (hauptsächlich Österreicher und
Deutsche; ein paar Schweizer, Japaner etc. runden das Bild ab) sprechen
fast alle Kellner gutes bis sehr gutes Deutsch. Der Rest läuft wie
üblich in Englisch.Die
Getränkepreise sind dem Malediven-Standard angepasst. So kostet die
1,5l-Flasche Wasser 4 $, ein Softdrink 2,20 $, ein Milchshake 3 $, ein Bier
3 $. Jeden Abend ist von 18-19 Uhr Happy Hour an der
Cocktailbar, alle Cocktails werden um 30 % im Preis reduziert. Probieren sollte
man auf jeden Fall den "Mirihi Special".
Am Strand sind reichlich Liegestühle
verteilt. Leider werden die Schattenplätze oft schon vor dem Frühstück
von Unverbesserlichen "reserviert".

Der Strand (im Südosten) ist in
der Regel absolut windstill, während (zumindest im Herbst) auf den
Balkonen im Nordwesten ein stetiger Windweht, was einem die Mücken
vom Hals hält. Fazit: Als Schattenplatz ist der Balkon fast noch besser
geeignet als der absolut windstille Strand.
Der Strand ist übrigens aus feinstem
Korallensand, man kann unbesorgt barfuß darauf laufen!

Sonnenaufgang Den Sonnenaufgang kann man,
im Gegensatzzum Sonnenuntergang, vom Balkon aus nicht beobachten. Dafür
sollte man auf die nordöstliche Landzunge gehen.
Die beinah täglich wechselnden
Aktivitätsangebote (wie Schnorchelausfahrt, Nachtfischen, Inselhopping
etc.) sind im Foyer ausgehängt.
Abends finden gelegentlich Events wie
Disco oder ein mexikanischer Abend statt. Das Besondere daran: Auch dasgesamte
Personal lässt sich solche Events nicht entgehen, und so kann
es passieren, dass der Kellner einen zum Tanzen auffordert. Eine sehr lustige
Angelegenheit!Außerdem
gibt es ein Volleyballfeld, eine Tischtennisplatte, ein Carrombrett, eine
Dartscheibe und die obligatorische Bibliothek.

Die Insel beherbergt zwei Kater: Tiger
und Odin. Besonders ersterer ist sehr verschmust und würde auch gern
nachts mit im Bett schlafen, wenn man ihn nur lässt.
Bezahlt wird übrigens alles (egal
ob Tauchen, Getränke oder Shopeinkäufe) am Ende des Aufenthaltes.
DasTauchen
Die Basis "Aquabase" gehört zum Hotel
und wird von Mary und Steve (Staff- und Master-Instructor) aus Österreich geleitet.

Zur Crew gehören des Weiteren
der Staff-Instructor Gerhard aus Deutschland und der maledivische Divemaster
Hassan, der sich kaum einen Tauchgang entgehen lässt und sich selbst
schon als "Inselinventar" bezeichnet. Er taucht seit zehn Jahren und hat weit
über 5.000 TG auf dem Buckel. Dem zufolge kennt er jedes Riffwie seine
Westentasche und so gut wie jeden Fisch beim Vornamen. Beim Tauchentut
man gut daran, sich an ihn anzuhängen, denn er weiß natürlich
am besten, wo die schönsten Stellen am Riff sind.
Hassan, der Diveguide, und Peggy
Zum
Check-in an der Basis werden das Logbuch eingesehen und die tauchärztliche
Untersuchung verlangt. Wer keine Tauchversicherung hat, muss diese für
10 $ bei DAN abschließen. Sie gilt dann für drei Wochen auf
den gesamten Malediven.
Die Basis liegt idyllisch unter Palmen.
Jeder Taucher bekommt eine Box
mit einer Nummer für seine Ausrüstung und eine Boje zugeteilt.
Zum Trocknen von Anzug und Jacket gibt es zwei Bügel, die dieselbe
Nummer tragen wie die Box. Während meines Aufenthaltes auf der Insel
gab es leider einen Equipmentdiebstahl; deswegen werden die Boxen in Zukunft
über Nacht eingeschlossen. Wer also früh morgens schnorcheln will,
sollte seine ABC-Ausrüstung rechtzeitig vor dem Abendessen aus
seiner Box nehmen! Ab acht Uhr sind die Boxen wieder zugänglich.
Es folgt die allgemeine Einweisung
in die Gepflogenheiten der Basen und Art der Taucherei, sowie Sicherheitshinweise.Es
existieren drei Wenoll-Koffer. Einer in der Basis und je einer auf den
beiden Tauchbooten.Die maximale
Tauchzeit beträgt 90 Minuten, nachts 50 Minuten, die maximal erlaubte
Tiefe 30 m, nachts15 m. Computer sind - wie überall auf
den Malediven - Pflicht! Ein Check-dive wird nur bei Tauchern
unter 30 TG durchgeführt oder wenn der letzte TG länger zurückliegt.Die
Basis unterrichtet nach PADI-Standards und bietet so ziemlich alle Spezialkurse
an, ist jedoch auf Foto/Video und UW-Naturalist spezialisiert. Eine Mischgas-Füllstation
ist nichtvorhanden.
Preise (Stand 10/2000):
|
Tauchpreise
|
| 1 Tauchgang |
35 $
|
| 6 Tauchgänge |
180 $
|
| 12 Tauchgänge |
330 $
|
| 24 Tauchgänge |
600 $
|
| 6 Tage Non-Limit |
300 $
|
| 13 Tage Non-Limit |
600 $
|
| 20 Tage Non-Limit |
900 $
|
| Bootsausfahrt |
12 $
|
| 2xBoot/Halbtagesfahrt |
20 $
|
| Ganztagesausfahrt |
25 $
|
|
Leihausrüstung
|
| Jacket |
7 $
|
| Lungenautomat |
7 $
|
| Computer |
8 $
|
| Maske |
7 $
|
| Flossen |
3 $
|
| Schnorchel |
3 $
|
| Lampe |
8 $
|
| Kompass |
3 $
|
| Anzug |
8 $
|
|
Tauchkurse
|
| OWD |
425 $
|
| AOWD |
150 $ + Tauchgänge
|
| Rescue |
425 $
|
| Divemaster |
600 $
|
| MFA |
90 $
|
| Specialties |
90 $ + Tauchgänge
|
| Schnuppertauchen |
40 $
|
| Brevetierungskosten |
75 $
|
| Student-Kit
ist aufgrund des hohen Dollar-Kurses zur Zeit im Preis enthalten! |
Am Ende des Urlaubs wird beim Check-out
der günstigste Preis ermittelt, und man bekommt 1001 verschiedene Stempel
für sein Logbuch! Ein Trinkgeld für Kompressor- und Bootscrewist
gern gesehen.
Es gibt nur 12l-Aluflaschen (lang),
je nach Wunsch mit DIN oder INT-Ventil.
Hausrifftauchen
Der Steg zum Hausriff liegt direktan
der Basis. Wer tauchen möchte, trägt sich auf einer spezieller Liste
mit Uhrzeit ein, und die Flaschen werden pünktlich bereit gestellt. Wichtig
ist, dass man sich nach TG-Ende auf dieser Liste wieder zurückmeldet.
Da die Insel am Innenriff liegt, hatte
auch das Hausriff sehr unter der Korallenbleiche zu leiden. Es ist nahezu
vollkommen zerstört, jedoch sind Weichkorallen und Anemonen wieder groß
im kommen. Und überall sieht man bereits wieder kleine Ansiedlungen
neuer Hartkorallen. Das Riff fängt langsam an, sich zu regenerieren,
doch es wird noch Jahrzehnte brauchen, um sich vollends zuerholen.

In westlicher Richtung kann ein im September
2000 versenktes Wrack eines Frachters, der "Mirihi Madige" betaucht werden.
Es liegt auf ebenem Kiel auf max. 21 m! In das Dach wurden große Löcher
geschnitten, so dass auch unerfahrene Taucher problemlos bis zur Brücke
vordringen können. Die Frachträume sind ebenfalls alle geöffnet,
doch die Luken verhältnismäßig eng. Nichts für klaustrophobisch
veranlagte Taucher.
Das Wrack ist ein Paradies für
Schiffshalter. Dort gibt es bei weitem mehr davon als Großfische. Deshalb
werden Taucher des öfteren als Transportmittel "missbraucht". Die Tiere
sind wenig scheu, liegen meist am Sandgrund oder kleben an der Bordwand
und warten geradezu auf herankommende Taucher. Zuweilen könnensie
ziemlich lästig werden.
Am Bug des Wracks stehen häufig
große Fledermausfische, die sich auch gern fotografieren lassen.

Noch weiter westlich lebt in den zerstörten
Korallen eine Muräne riesigen Ausmaßes. Allein ihr Kopf hat
die Größe eines menschlichen Schädels!
Nachmittags, nach Rückkehr des
Tauchbootes, werden Fischabfälle in der Nähe des Wracks über
Bord gekippt. Dann kann man dort alles, was kreucht und fleucht, beobachten,
vor allem einen sehr großen Stachelrochen.
Bootstauchen
Je nach Taucheraufkommen fahren ein
oder zwei Boote die Tauchplätze an. Das Hauptboot ist das Fiberglas-Dieseldhoni
"Thypoon". Es hat Platz für 20 Taucher, ein Sonnendeck auf dem Steuerhaus
und sogar eine Toilette.
Vormittags werden damit meistens Tauchplätze
am Außenriff angefahren. Fahrtzeit eine Stunde. Dort sind die Korallen
noch absolut intakt und das Tauchen ein einziger Traum.
Nachmittags werden Gebiete in der Nähe
angesteuert (20 Minuten Fahrtzeit); da diese aber am Innenriff liegen, sind
sie meist nicht so schön.

Abund zu wird eine Halb- oder Ganztagesausfahrt
geplant, bei der die Mahlzeit an Bord eingenommen wird.
Die Bootscrew hilft beim An- und Abrödeln
und ist unschlagbar im Sichten von Tauchern an der Oberfläche. DasSetzen
der Boje während des Sicherheitsstopps ist nicht Usus, und es ist nicht
ein einziges Mal passiert, dass ich sie an der Oberfläche setzten musste,
weil uns niemand gesehen hat.
Fast alle TG werden von Hassan begleitet,
und obwohl er eigentlich ein ganz passables Deutsch spricht, führter
das Briefing in seiner eigenen Sprachmischung durch: "then you go down deeper
and there you will see many Überhänge and if you go inside and
if you have a Lampe you will see many lobsters. Look into the blue sometimes,
you will see many Bluefinmakrelen, Sharks and Tunas. At the Korallenblock
you can see many Füsiliere. And then you go with the Strömung..."
Wenn er zum Strömungscheck ins
Wasser springt, ist sein Kommentar todsicher: "Strömung leicht, Sicht
gut bis sehr gut!"
Schnorcheln
Tatsache ist, dass ich beim Tauchen
außer einer Schildkröte und einem schlafenden Ammenhai keinen einzigen
Großfisch gesehen habe, obwohl da irgendwo ein Hai gewesensein soll.
SchlafenderAmmenhai unter einem Korallenblock
(beim Schnorcheln entdeckt)
Alle Großfischbegegnungen hatte
ich beim Schnorcheln am frühen Morgen, kurz nach Sonnenaufgang! Einstieg
an der nordöstlichen Landzunge und dann das Hausriff entlang treibenlassen.
Dort habe ich Stachelrochen, drei Adlerrochen auf einmal, zwei Schildkröten,
Weiß- und Schwarzspitzenriffhaie, einen Mobula-Manta, Ammenhaie, Lobster,
Rotfeuerfische, einen 40 cm großen Igelfisch,mehrere Muränen
und vieles mehr gesehen. Alle Fischfotos (mit Ausnahmeder Schiffshalter)
wurden ausschließlich während des Schnorchelns aufgenommen!

Fazit:
Der Service, sowohl beim Tauchen als
auch im Hotel, ist allererste Sahne, das Essen bombastisch. Keine Insel zum
Abnehmen. Das beste Kompliment an die Küche: Nicht ein einziges Mal
brauchte einer von uns das Imodium J
Es lohnt sich immer, mit Mary einen Nachttauchgang oder einen UW-Naturalist-Kurs
durchzuführen, da sie ein absoluter Makro-Fan ist und garantiert jedes
noch so kleine Fischlein aufspürt!
Eine Insel zum absoluten Erholen, die
trotz ihrer vier Sterne völlig ungezwungen ist. Barfuß beim Essen
zu erscheinen ist üblich, legeres Outfit angesagt, einzig in Badekleidung
sollte man nicht aufkreuzen. Kein Wunder, dass wir so viele Urlauber getroffen
haben, die zum xten Male hier sind! Auch mich wird es sicher wieder dorthin
ziehen.

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