Divers Inside – Part 1: Stress und seine Bewältigung
Von Ralf Dänzer © 2000
1. Einleitung
Stress – jeder kennt dieses Wort, und die meisten haben ihn und sind
ständig „im Stress“. Sicherlich ist es eines der meist- – und obendrein
meist falsch – benutzten Worte. Denn haben wir tatsächlich so viel
Stress? Was ist Stress überhaupt? Wie äußert er sich, und
wie geht man am besten mit ihm um?
All diese Fragen sind schon für die normale Lebenssituation interessant.
Noch wichtiger wird das Ganze beim Tauchen. Hier ist Stress häufig
Auslöser für unangemessenes Verhalten, welches dann in panikartigen
Notaufstiegen gipfeln kann. Aber es muss nicht gleich der GAU angenommen
werden. Auch bei „normalen“ Tauchgängen kann es zu Situationen kommen,
in denen sich der Pulsschlag erhöht, und zwar nicht nur wegen der
Sichtung eines Haies an einem Maledivenriff.
2. Was ist Stress?
Den Begriff „Stress“ einheitlich zu definieren ist schwer. Es gibt sehr
viele Definitionen, die sich alle geringfügig voneinander unterscheiden.
Für die Betrachtung innerhalb dieses Artikels soll folgende Definition
gelten: "Stress ist ein Muster spezifischer und unspezifischer Reaktionen
eines Organismus auf Reizereignisse, die sein psychisches Gleichgewicht
stören und seine Fähigkeit zur Bewältigung strapazieren
oder überschreiten".
Dieser Stressbegriff ist in unserer Gesellschaft negativ besetzt. In
psychologischen Fachbüchern wird jedoch auch ein positiver Stress
erwähnt. So kann es z. B. für eine Person durchaus förderlich
sein, "unter Stress zu stehen" (besser: "unter Beanspruchung"). Empfehlenswert
ist dies beispielsweise bei Prüfungssituationen, in denen eine gewisse
"Aufregung" sich positiv auf die Konzentration auswirkt. Stress ist somit
nicht unbedingt negativ– vorausgesetzt, man weiss damit umzugehen.
3. Wie entsteht Stress?
Grundsätzlich wird Stress durch einen so genannten "Stressor" ausgelöst,
d. h. einen Reiz, der eine Reaktion des Organismus hervorruft. Beispiele
für Stressoren wären:
Stressoren können deshalb sowohl psychischer als auch physischer Natur
sein. Ein Stressor ruft eine komplexe Reaktion des Organismus auf den Reiz
hervor. Diese Reaktion wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. So
beispielsweise von der körperlichen Fitness, dem aktuellen emotionalen
Befinden, den erlernten Verhaltensweisen etc. Man sieht also, dass sehr
viele individuelle Faktoren hineinspielen. Deshalb kann jede Stressreaktion
unterschiedlich sein und sich verschieden äußern. Einzelheiten
der Reaktion sind auch davon abhängig, wie der Organismus mit dem
Stressor umgeht. So wird der Stressor vom Organismus "bewertet", d. h.
es läuft eine Art "Berechnungsprogramm" ab, wie der Körper mit
dieser Situation umgehen soll. In diesem Zusammenhang kommt dem Hormon
Adrenalin eine wichtige Bedeutung zu, da es eine schnelle Energiezufuhr
und Aktivierung des Organismus bewirkt.
Die Bewertung bezieht sich sowohl auf den Stressors selbst als auch
auf die "Ressourcen", die dem Organismus zur Bewältigung zur Verfügung
stehen. Zur Bewertung des Stressors beispielsweise werden die Art (physisch
oder psychisch), die Einwirkdauer und die Intensität des Stressors
herangezogen. Für die Bewertung der internen Möglichkeiten zählen
die individuellen Fertigkeiten und das soziale Umfeld. Als Ergebnis dieser
Bewertung wird dann eine entsprechende Reaktion veranlasst. Nicht immer
aber ist eine Bewertung der tatsächlichen Situation angemessen, d.
h. der Organismus begeht "Fehler", und dies kann beim Tauchen schnell tödlich
enden.
Nun gut, jetzt wissen wir, was Stress ist und wie er entsteht, aber
wie bemerken wir den Stress? Dies würde uns doch sicher helfen, frühzeitig
bestimmte Anzeichen wahrzunehmen und so Stress-Situationen zu vermeiden
oder schneller zu bewältigen.
4. Wie äußert sich Stress? Wie erkennt man Stress?
Stress kann man sehr gut an Körperreaktionen erkennen, die automatisch
erfolgen. Hierzu zählen folgende physische Reaktionen:
-
Schnellere Atmung
-
Beschleunigter Herzschlag
-
Steigender Blutdruck
-
Schwitzen
-
Starke Emotionen, die im Gesichtsausdruck erkennbar sind (weit aufgerissene
Augen etc.)
Neben diesen Körperreaktionen treten psychische Reaktionen auf. Diese
wirken sich sowohl auf das Verhalten, die Emotionen und die Verarbeitung
als auch auf die Bewertung von Situationen und Handlungen aus.
Im Folgenden soll eine genauere Betrachtung der drei Bereiche Verhalten,
Emotion (Gefühlsreaktion) und Kognition (Bewertung) gegeben werden,
um hier bestimmte Reaktionen für Taucher erkennbar zu machen :
4.1. Verhalten
Tritt leichter Stress auf, so wirkt dieser positiv, da die "Sinne geschärft"
werden und der Körper in Alarmbereitschaft versetzt wird. Hier ist
eher mit einer verbesserten Reaktion zu rechnen als im entspannten Zustand.
Verstärkt sich der Stress über ein bestimmtes Maß hinaus,
so werden Verhaltensweisen, die eine gewisse Koordination erfordern. eingestellt.
Des Weiteren treten in diesem Stadium stereotype Handlungen auf. Beim Tauchen
könnte sich dies z. B. im ständig wiederholten Ablesen des Finimeters
innerhalb weniger Minuten äußern. Außerdem kann es zu
einer Einschränkung der Sensibilität der betroffenen Person gegenüber
der Umwelt kommen. Ein klassisches Alltags-Beispiel dafür stellen
die aggressiven Bemerkungen dar, die fallen, wenn man bei einer Arbeit,
die volle Konzentration erfordert, ständig von Kollegen unterbrochen
wird: "Mensch, jetzt lass mich doch mal in Ruhe! Siehst Du nicht, dass…"
Steigert sich der Stress weiter, so tritt etwas auf den ersten Blick
Ungewöhnliches auf: Das Reaktionsverhalten wird unterdrückt oder
gehemmt. Dies kann bis zur völligen Bewegungsunfähigkeit führen.
Beim Tauchen ist eine solche Reaktion als "passive Panik" bekannt: Der
Taucher blickt starr vor sich hin, ohne eine Reaktion zu zeigen, die in
diesem Moment angebracht wäre.
4.2. Emotion
Betrachtet man die psychische Reaktion in diesem Bereich, so führt
der Stress hierbei zu Angst, bemerkbar z. B. an den bereits beschriebenen
körperlichen Symptomen, an Wut bzw. Aggression (allerdings unter Wasser
eher schwer erkennbar) sowie Depression und Mutlosigkeit. Eine Erkennung
von außen, d. h. durch den Tauchpartner, ist in Tauchsituationen
daher beträchtlich erschwert bis unmöglich. Dafür sind Stressreaktionen
oft schon vor dem Tauchgang zu bemerken. Deshalb sollte darauf besonders
geachtet werden.
Stress beim Tauchpartner kann sich beispielsweise darin äußern,
dass er seine Ausrüstung sehr ungeschickt oder ungewohnt langsam zusammenbaut.
Wird in dieser Situation gefragt, was denn los sei, reagiert mancher Betroffene
unverhältnismäßig "aggressiv" („Was willst Du denn, ich
weiß schon, was ich tue…“), um den anderen Tauchern gegenüber
nicht als "schwach" da zu stehen. Andere hingegen reagieren mit steigender
Zurückhaltung und werden immer stiller. Wenn also ein Tauchpartner
vor dem Tauchgang aggressiv oder ungewöhnlich still ist, sollte man
einfach mal fragen, warum. Eventuell hat er Angst vor dem Tauchgang, und
dies sollte man vorher klären, um Probleme gar nicht erst auftreten
zu lassen. Wichtig dabei ist: Jeder sollte ehrlich zu sich selbst sein
– falsch verstandener Stolz ist hier fehl am Platz. Mut zeigt hier eher,
wer seine Schwächen, Ängste oder Befürchtungen offen zugibt.
4.3. Kognition
Der dritte Bereich der Kognition (Bewertung) ist ebenfalls nur schwer
von außen erkennbar. Hierzu zählen z. B. unflexible Denkweisen.
Man kann sich vorstellen, dass beispielsweise beim Trockentauchen der Taucher
den Arm nicht angewinkelt anhebt, um Luft abzulassen, sondern einfach nur
den Arm hebt. Dies führt dazu, dass die Luft bis zu den Händen
steigt und sich an der Manschette sammelt, statt auszutreten. Wenn der
Betroffene dies immer wieder macht, zeigt das, dass er in seinem Handeln
nicht mehr flexibel ist und nicht "überdenkt", wie er das Problem
lösen kann. Auch hier werden bei steigendem Stress Aufmerksamkeit
und Flexibilität immer weiter eingeengt, alternative Lösungsansätze
nicht mehr betrachtet. In den Lehrbüchern der Taucherei steht für
solche Situationen meist der Ratschlag: "Stop, breath, think!" Dies führt
einerseits zur Reduzierung von Stress durch Konzentration auf ruhige Atmung
(womit die körperlichen Effekte abgebaut werden) und andererseits
zu einer Veränderung der Bewertungsvorgänge durch "Überdenken"
der Situation.
Insbesondere die psychischen Reaktionen dürften beim Tauchen die
entscheidende Rolle spielen. Vor allem die Bewertung einer Situation sollte
hier den wichtigsten Aspekt darstellen, da das falsche Bewerten einer Handlung
unter Wasser sehr dramatische Folgen haben kann.
Somit sind zwei Bereiche erkennbar, die man bei der Feststellung von
Stress einbeziehen muss. Einerseits die körperlichen Reaktionen, die
man als Taucher bei sich und seinem Partner noch am einfachsten erkennen
kann und die man unbedingt als Frühwarnsignale beachten sollteAndererseits
die psychischen Reaktionen, die fast nur für den Taucher selbst erkennbar
sind (abgesehen von Mimikveränderungen, die evtl. auch der Buddy erkennen
könnte). Hier ist also jeder Taucher vor allem selbst gefordert, "in
sich hineinzuhören" und sich ständig zu fragen, ob er eine mögliche
Stress-Situation aktuell noch richtig bewältigen könnte.
4.4. Stadien der Stressreaktion
Andere Autoren sprechen von drei Stadien, die bei einer Stressreaktion
ablaufen:
-
Alarm: Die Reaktion des Körpers auf das Stress auslösende Ereignis
(z. B. Veränderung von Puls und Blutdruck bei ungewohnter Kälte
während des Tauchgangs).
-
Widerstand: Der Körper wehrt sich gegen dieses Ereignis (z. B. Kältezittern).
-
Erschöpfung: Körper gibt sich eigentlich auf bzw. reduziert Anstrengung
auf geringstes Maß (z. B. nur noch Durchblutung der Kernorgane).
Bezieht man die bisherigen Ausführungen auf Panik beim Tauchen, so
könnte man sich folgenden Ablauf, der im Übrigen der Realität
entstammt, vorstellen:
Erster Tauchgang in kaltem Gewässer mit ungewohnter Leihausrüstung:
Nach anfänglich gutem Verlauf ist man auf 20 Meter angekommen. Der
Taucher fühlt sich aufgrund der noch unbekannten Situation etwas unwohl,
taucht aber weiter (hier könnte er schon eine Alarmreaktion des Körpers
erkennen: Angst vor Dunkelheit). Auf 30 Meter angekommen, versucht sich
der Taucher auszutarieren, aber er bläst das Jacket wegen der ungewohnten
3-Finger-Handschuhe zu stark auf. Die Tauchlage ändert sich schlagartig
von waagrecht zu senkrecht (wieder Alarmreaktion: "Ich steige zu schnell!"),
woraufhin er versucht, Luft abzulassen (Widerstandsreaktion). Doch leider
beginnt auch noch der Bleigurt zu rutschen, und dieses Ereignis ist der
letzte Auslöser der Stresskette, die in eine Panikreaktion mündet:
Die Situation gerät außer Kontrolle, der Taucher steigt viel
zu schnell nach oben. Er weiß später nicht mehr, ob er den Schnellablass
überhaupt noch betätigt hat oder einfach nur noch nach oben durchgeschossen
ist (Stadium der Erschöpfung. Im Nachhinein kann er sich nicht mehr
an seine Reaktionen während der letzten Phase erinnern. Zum Glück
hat der Taucher diesen Tauchgang heil überstanden.
Dieses Beispiel zeigt sehr gut, wie die theoretischen Konstrukte der
Psychologie zumindest zum Teil in der Praxis beobachtet werden können.
Man sieht hier eine Übereinstimmung mit den bereits beschriebenen
Stadien der Stressreaktion.
5. Wie kann man Stress bewältigen?
Die beste Art der Stressbewältigung ist die Vermeidung. Man sollte
Stress gar nicht erst entstehen lassen, ihm vorbeugen. Wie oben erwähnt
sind Stressoren, bestimmte Reize, Auslöser für die Entstehung
von Stress. Kann man also diese Reize ausschalten, so entsteht auch kein
Stress. Dies bedeutet für den taucherischen Alltag, sich einerseits
mit der Tauchumgebung zu beschäftigen, also den Tauchgang zu planen
und ihn im Vorwege im Kopf "durchzuspielen". Nichts anderes machen Skiabfahrtsläufer,
die die Strecke "in Gedanken" vor dem Rennen einmal "abfahren". Wenn man
beispielsweise einen Tauchgang abends unternimmt, so sollte man eine ausreichend
dimensionierte Lampe dabei haben, um den Reiz "Angst durch Dunkelheit"
zu vermeiden. Des Weiteren sollte man auch mental wie physikalisch durchspielen,
wie ein Lichtausfall sich auswirken könnte. Das physikalische Durchspielen
bedeutet auch Üben der Fertigkeiten bzw. der Situation. Also ein wichtiger
Punkt: üben, üben und nochmals üben.
Auch in Bezug auf die Ausrüstung sollte man überlegen, ob
sie ausreichend für die Bedürfnisse ist. Stichwort „Kaltwassertauglichkeit
des Atemreglers“ und Trainieren, wie man die Ventile zudreht. Zusätzlich
sollte man auch üben, die Ausrüstung "im Blindflug" zu bedienen,
also ohne hinzusehen. Hier bekommt der Satz: „Tauche nur innerhalb deiner
Grenzen“ eine ganz klare Bedeutung! Dies beinhaltet auch, den Mut zu haben,
einen Tauchgang gar nicht erst zu beginnen oder einfach abzubrechen, wenn
die aktuellen Gegebenheiten nicht dem eigenen Trainingszustand, den
Erfahrungen und dem Können entsprechen – also unter diesen Umgebungsbedingungen
noch nicht getaucht wurde (z. B. Sicht).
Dies bringt uns zum Thema: "Wie bewältige ich Stress, wenn er aufgetreten
ist?" Also nehmen wir an, wir stellen fest, dass wir in eine kritische
Situation unter Wasser geraten und schnell Luft aus dem Jacket lassen müssen.
Jetzt krampfhaft nach dem Schnellablass suchen oder nach dem Inflator "fummeln"
zu müssen wäre fatal. Auch das bereits angesprochene Zudrehen
der Ventile ist hier ein typisches Beispiel. Wenn ich Abläufe oft
genug geübt habe, kann ich mit der auftretenden Stress-Situation umgehen:
Ich weiß, wo ich was wann und wie zu bedienen habe. Der Ausdruck
„Abläufe wie im Schlaf beherrschen“ trifft die Notwendigkeit des Trainierens
von Fertigkeiten auf den Punkt. Ein auf diese Art trainierter Bewegungsablauf
kann vom Körper auch unter Stress oder sogar in Panik ausgeführt
werden.
6. Ableitungen für das Tauchen
Wenden wir uns den konkreten Möglichkeiten zu, die jeder Taucher
hat, um Stress-Situationen zu vermeiden oder besser zu bewältigen.
Wir unternehmen eine Art virtuellen Tauchgang in Stichworten.
6.1. Vor dem Tauchgang
Hier gilt das Prinzip der Prävention, und hier kann ich Stress
am besten vermeiden. Wenn ich in dieser Phase bereits bestimmte Dinge und
Aspekte beachte, werde ich später nicht oder mit geringerer Wahrscheinlichkeit
in eine Stress-Situation kommen. Die Möglichkeiten:
-
Aufbau und Erhalt einer körperlichen Fitness durch Training (vermeidet
z. B. Überanstrengung unter Wasser und daraus folgend Angstzustände
durch Essoufflement).
-
Kontinuierliche Überprüfung des Zustands der Ausrüstung
(wenn ich vor einem Tauchgang bemerke, dass z. B. ein Schlauch brüchig
ist, kann ich einem Platzen unter Wasser und der damit aufkommenden Stress-Situation
vorbeugen).
-
Abstimmen der Ausrüstung auf das Tauchvorhaben (z. B. zwei komplette
Kaltwasserautomaten an getrennt absperrbaren Ventilen im Süßwasser).
-
Ständige Überprüfung der Ausrüstungskonfiguration (z.
B. Optimierung der Schlauchführung, Beseitigung möglicher Problemauslöser).
-
Training der taucherischen Fertigkeiten (z. B. Einüben von Skills,
Übungen für den Ernstfall im Schwimmbad). Die Übung sollte
so weit gehen, dass ich blind meine Ausrüstung bedienen kann und in
Notfällen automatisch richtig reagiere.
-
Genaue Planung des Tauchgangs (z. B. Wettervorhersage abrufen, Tauchplatzbegehung…).
-
Gedankliches Durchspielen von Notsituationen (z. B. "Was würde ich
jetzt machen, wenn…") Der große Vorteil dieses Trainingspunktes liegt
darin, dass er problemlos auf dem heimischen Sofa erledigt werden kann.
:-)
6.2. Während des Tauchgangs:
Sind wir einmal im Wasser und eine Stress-Situation tritt auf, so sind
die Möglichkeiten der Bewältigung gegenüber den Möglichkeiten
vor Beginn des Tauchgangs schon deutlich eingeschränkt. Dies liegt
daran, dass wir uns in einer nicht für den Menschen geschaffenen Umgebung
befinden und unsere Handlungsmöglichkeiten eingeengt sind (eingeschränktes
Sichtfeld durch die Tauchmaske, begrenzte Lampenanzahl für mehr Licht
etc.)
-
Ruhiges und überlegtes Handeln (hört sich leicht anJ) gemäss
dem Motto "Stop – Breath – Think".
-
Vermeidung von Stress-Situationen durch überlegtes Tauchen. Dies bedeutet
z. B. keine Tauchgänge über die eigenen Grenzen hinweg, auch
wenn es reizt.
-
Abbruch des Tauchgangs beim Auftreten erster Stress-Symptome – es wäre
ein Fehler, den Stress „zu bekämpfen“ und mit dem Tauchgang fortzufahren.
Der nächste Stressauslöser könnte die bereits angespannte
Psyche des Tauchers überfordern.
-
Entspannen während des Tauchgangs, was z. B. überhöhtem
Luftverbrauch vorbeugt, die Auswirkung der Stickstoffsättigung („Tiefenrausch“)
vermindert und der erhöhten CO2-Bildung entgegenwirkt, die wiederum
zur subjektiven Atemlosigkeit führt.
-
Regelmäßige Kontrolle von Finimeter, Uhr, Tiefenmesser, Tauchcomputer
etc.
-
Auf den Buddy achten, schließlich könnte auch er ein Problem
haben (z. B. verlangsamte Reaktion, Luftmangel…)
6.3. Nach dem Tauchgang:
Ja, auch nach dem Tauchgang kann man einiges tun, um Stress zu vermeiden.
Meistens zwar nicht mehr direkt, aber indirekt. Oft bringt die Nacharbeitung
Erkenntnisse, die den nächsten Tauchgang sicherer werden lassen. Das
Schlagwort heißt hier Feedback.
-
Nach dem Tauchgang keine "Gewaltmärsche" – in der ersten Zeit gleich
nach Beenden des Tauchgangs einfach ausruhen (vermindert auch die Wahrscheinlichkeit
einer Dekokrankheit).
-
"Mentale Nacharbeitung" des Tauchgangs: Was war gut? Wo lagen Fehler? Wo
muss etwas verbessert werden?
-
Kontrolle der Ausrüstung auf Fehler, Defekte etc. (um Stress beim
nächsten Tauchgang vorzubeugen).
7. Zusammenfassung
Nun haben wir einen Überblick bekommen, was hinter einer Stressreaktion
steckt. Außerdem haben wir gesehen, was Stress auslöst und wie
wir ihn bewältigen können.
Grundsätzlich sollte der Ansatz immer darin liegen, Stress ganz
zu vermeiden – und das ist, wie man sehen kann, gar nicht so schwer. Man
muss nur bestimmte Vorbereitungen treffen. Aber wie es nun mal im Leben
so ist: Irgendwann ist immer das erste Mal. Wenn es also trotzdem mal zu
Stress kommt, möglichst Ruhe bewahren und erst denken, dann handeln.
Wie bereits erwähnt, zählt hier insbesondere das "In-sich-hineinhören-Können"
zu den wichtigsten Aspekten frühzeitiger Problem- und Stressvermeidung.
Quellenangaben:
Giliam, Bret/Crea, John/von Maier, Robert: "Tieftauchen", blue point
Verlag, München 1988; S. 95–102
Krech/Crutchfield u.a.: "Grundlagen der Psychologie", Studienausgabe,
5. Band: "Motivations- und Emotionspsychologie'', Hrsg. Hellmuth Benesch,
Bechtermünz Verlag im Weltbild Verlag, Augsburg 1997, S. 64–67
Zimbardo, Philip G.: "Psychologie", 5. Auflage, Hrsg. Dr.Siegfried Hoppe-Graff/Dipl.-Psych.
Barbara Keller, Psychologisches Institut der Universität Heidelberg,
Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 1992, S. 477–484