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 |  Geschrieben von Oli |
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Als die Ostfront immer näher an Stettin heranrückte, wurden
wichtige Teile ausgebaut. Damit die Graf Zeppelin den Sowjets nicht
in die Hände fiel, wurden auf Anordnung des Kommandierenden Admirals
der westlichen Ostsee, Kapitän z.S. Wolfgang Kähler, Wasserbomben
in den Maschinen- und Kesselräumen gezündet. Die Graf Zeppelin
sank mit undicht gewordenen Flutventilen, zwei zerstörten Hauptturbinen,
vier zerstörten Turbogeneratoren, einem zerstörten Hilfskessel,
sowie diversen zerstörten Schotts im Bereich der Maschinen- und Hallendecks
auf den Grund der Mönne. Diese war hier nur rund sieben Meter tief,
so daß die beabsichtigte Versenkung so gut wie garnicht stattfand
-in den Räumen der Antriebsanlagen stand das Wasser nur rund 1,6m
über dem Doppelboden. Auch die durch die Sprengungen beabsichtigte
große Zerstörungswirkung konnte nicht mehr herbeigeführt
werden, weil es schlicht an Sprengmitteln fehlte. Die für die Flugzeuge
vorgesehenen Anlagen wiesen lediglich in Form der durch die Explosionen
aus den Führungen gerissenen und nach oben auf das Deck geschleuderten
Flugzeugaufzugsplattformen einen Schaden auf.
Bei der weiteren Beschädigung der Graf Zeppelin halfen
die Sowjets -ein wenig. Denn bei der Einnahme von Stettin sahen zahlreiche
Artilleristen und Panzer den Träger als lohnendes Ziel an. So erhielt
der Rumpf insgesamt 37 Treffer, zwei davon unter der Wasserlinie. Die 2cm
dicke Panzerung hatte aber das Durchschlagen der Geschosse verhindert,
so daß kein wirklicher Schaden durch den Artilleriebeschuß
eingetreten war.
Im März 1946 hob der Bergungsdienst der Baltischen Flotte das
Wrack, legte es im Hafen von Swinemünde auf.
Bild: Wissenschaftliches
Institut für Schiffahrts- und Marinegeschichte Alle Rechte vorbehalten © 2006 Professor Peter Tamm
Dort wurde es von der Studienkommission des Forschungsinstitutes der
Roten Flotte unter Leitung des Admirals G.I. Levchenko untersucht um die
Konstruktion des Trägers besser kennenzulernen. Die Kommission kam
zu dem Ergebnis, daß der Träger nur 30% seiner Funktionsfähigkeit
eingebüßt hatte und wegen seiner hohen Entwicklungsstufe für
den künftigen sowjetischen Flugzeugträgerbau von herausragender
Bedeutung sein könnte. Man müßte nur die gesprengten zwei
Hauptturbinen ersetzen und könnte den Träger dann nutzen. Diese
Darstellung stimmte zwar so nicht, da auf dem Träger noch allerlei
andere Teile fehlten, aber diese Aussage war rüstungspolitisch motiviert.
Admiral N.G. Kusnetzow, seinerzeit zugleich Volkskommissar der Kriegsmarine,
wollte den Träger unbedingt für die Rote Flotte haben da diese
damals noch über keinen einzigen verfügte. Sein Vorhaben versuchte
Admiral Kusnetzow bei zwei Gelegenheiten mittels eines Vortrags bei Stalin
zu erreichen. Mittlerweile hatte die Rote Flotte ab dem 19. September 1946
die Graf Zeppelin offiziell in die eigene Schiffliste aufgenommen.
Die Zuständigkeit für das weitere Ausforschen wurde am 3. Februar
1947 dem zur Roten Flotte gehörenden Forschungsinstitut "A.N.Krylow"
in Leningrad übertragen. Die Graf Zeppelin wurde nun als Versuchsmutterschiff
ohne Eigenantrieb klassifiziert und erhielt die taktische Kennung PB-101.
Die Entscheidung über das weitere Schicksal der PB-101
fiel weitab von Stettin -in Potsdam. Im Sommer 1945 begannen dort auf der
sogenannten Potsdamer Konferenz die Gespräche zwischen den Siegern
über das besiegte Deutschland. Hierbei kam auch die Verteilung der
Beute zur Sprache. In Bezug auf die ehemals deutschen Einheiten der Kriegsmarine
kam man schließlich überein, die noch nicht in Dienst gestellten
Schiffe bis in längstens sechs Monaten in Dienst zu stellen. Alle
bis dahin nicht reparierten oder fertiggstellten Schiffe mußten dann
endgültig beseitigt werden, sei es durch Verschrotten oder Versenken.
Stalin war zum Leidwesen seiner Admirale ein Anhänger großer
Schlachtschiffe und hatte aus der Seekriegsführung des 2. Weltkrieges
nichts über die herausragende Bedeutung von Flugzeugträgern gelernt.
Ein politischer Wille, nun unter Hochdruck noch die ausstehenden Arbeiten
an PB-101 ausführen zu lassen, war damit nicht vorhanden. PB-101
mußte also beseitigt werden. Ein Job, mit dem man sich in der Sowjetunion
zu diesen Zeiten bestens auskannte :-)
Nichtsdestotrotz wurde noch eine weitere Untersuchungskommission eingesetzt
die sich mit PB-101 auseinanderzusetzen hatte. Diese Kommission
wurde von Admiral J. Rall geleitet und sollte Aufschluß über
die Wirkung von Waffen an Schiffszielen geben. Das Schiffsziel an dem diese
Wirkungen zu testen waren, sollte PB-101 sein.
Behufs diesen Zwecks wurde PB-101 von Swinemünde in die
mittlere Ostsee nordwestlich der Halbinsel Hela geschleppt und dort an
die Kette gelegt. Am 16. August 1947 begannen die Testreihen der Überwasserdetonationen
im Rumpf der PB-101 mit der Zündung von Fliegerbomben mit einem
Gewicht von 100 bis 1.000kg sowie von Granaten des Kalibers 18cm. Es folgte
der Abwurf von 60kg-Bomben durch Bomber des Typs Pe-2. Hieran anschließend
sollten eigentlich die Testreihen für Detonationen unter der Wasserlinie
durchgeführt werden. Doch am 17. August 1947 verschlechterte sich
die Wetterlage. PB-101 hatte außerdem seinen Buganker verloren
und begann auf eine nahe Untiefe zu driften. Damit bestand die Gefahr,
daß der Träger dort als Schifffahrtshindernis festkommen würde.
Der Kommandeur vor Ort entschloß sich deshalb die PB-101 zu
versenken und erteilte dem Kommandanten des Torpedoschnellbootes TKA-505
den entsprechenden Befehl. Dieser löste einen Torpedo und traf mittschiffs
Steuerbords. Dies führte aber nur eine Schlagseite von fünf Grad
herbei. Nun versuchte der Zerstörer Slavnyy sein Glück
und löste ebenfalls einen Torpedo. Dieser traf und bewirkte einen
Trimm im Vorschiff. PB-101 begann nun zunehmend nach Steuerbord
zu krängen. Nach 20 Minuten war die ehemalige Graf Zeppelin
gekentert und gesunken....
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09.07.2008 07:16 Taucher Online : 92 Heute 1579, ges. 27405632 Besucher
 
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