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Onlinemagazin - 70. Ausgabe - Aquazepp anno 1948 - Wrack heute




 Geschrieben von Oli

Auf sowjetischer Seite wurde die Position 55° 48`N / 18° 30`E als Untergangsstelle und eine Wassertiefe von rund 100m notiert.
Knapp 59 Jahre rätselte man im Westen, was wohl aus der Graf Zeppelin geworden war. Es ist zwar anzunehmen, daß die polnischen Behörden bestens über die Schifffahrtshindernisse in ihrem Küstenbereich Bescheid wußten, ihr Wissen drang jedoch nicht nach Außen. Und so erfuhren geneigte Leser erst wieder etwas über den Verbleib der Graf Zeppelin, als das Forschungsschiff MS Santa Barbara der polnischen Erdölexplorationsfirma Petrobaltic am 12. Juli 2006 bei ROV-Arbeiten in der Nähe der Erdölförderplattform B3 auf ein riesiges Wrack stießen und dies am 25. Juli 2006 in einer Pressemitteilung bekanntgab. Laut Petrobaltic liegt der Fundort in der Danziger Bucht rund 55 Kilometer nördlich des polnischen Hafenorts Wladyslawowo, früher Großendorf. Das Google-Earth Forum gibt die Koordinaten mit 55°16'59.83"N / 18°25'33.09"O an. Diese Information nützt einem jedoch nicht viel, da die polnischen Behörden am 8. August 2006 ein Tauchverbot an dem Wrack angeordnet und ein Sperrgebiet für Taucher 500m rund um das Wrack errichtet haben.
Das Wrack selbst liegt nach Angaben der Polnischen Marine in 87m Tiefe auf dem Meeresboden. Zwar ragt das in einem Stück aufrecht auf dem Meeresgrund stehende Wrack auch so einige Meter über den Meeresboden und läßt den geneigten Taucher auch schon in 75m Tiefe bewundern, jedoch ist dies Wrack damit deutlich nur etwas für Tek-Taucher mit Mischgastaucherfahrung und einer Ausnahmegenehmigung durch die polnischen Behörden.
Die Mannschaft der ORP Arctowski, letzteres ist das Spezialschiff der polnischen Marine für das Hydrographische Institut der Polnischen Marine, überprüfte in Zusammenarbeit mit der Marineakademie Gdynia die Angaben von Petrobaltic und begab sich in das Gebiet in dem die Mannschaft der MS Santa Barbara fündig geworden waren.

Bild: Polnische Marine

Im "verdächtigen" Seegebiet zeigte das Sonar dann auch ein großes Unterwasserhindernis an.

Bild: Polnische Marine

Mit modernster Technologie wurde nun versucht das Wrack weiter auszudifferenzieren. Also wurde ein Sidecan-Sonarfisch fertiggemacht zur Gewinnung eines besseren Eindrucks vom Meeresboden.

Bild: Polnische Marine

Gespannt wartete man auf die Ergebnisse.

Bild: Polnische Marine

Diese wurden auch prompt geliefert.

Bild: Polnische Marine

Dies war noch nicht befriedigend, man konnte allenfalls ahnen,daß die Löcher in der Abbildung zB. die Flugzeugaufzüge im Flugdeck der Graf Zeppelin darstellen wüden.

Bild: Polnische Marine

Eine Mulitband-Sonaraufnahme sollte gegebenenfalls weitere Aufklärung bringen.

Bild: Polnische Marine

Da dies nicht weiterhalf wurde zunächst ein kurzes Studium der Baupläne der Graf Zeppelin eingelegt.

Bild: Polnische Marine
 
Nun wurde ein ROV klargemacht. ROV ist dabei die englische Abkürzung für "Ferngesteuertes Fahrzeug".

Bild: Polnische Marine

Das ROV wurde über Bord gegeben und tauchte ab. Gespannt wurden an Bord der ORP Arctowski die ersten Bilder erwartet. Und tatsächlich - Commander Adam Olejnik gelang es, erste Bilder vom Wrack zu schießen und stellte sie uns freundlicherweise für diesen Artikel zur Verfügung. Im Schwerpunkt handelt es sich dabei um Aufnahmen aus dem Heckbereich und um solche der steuerbords-achteren Mittschiffssektion.

Das ROV lieferte die ersten Bilder aus 75m Tiefe von der Steuerbordseite des Wracks. Genauer gesagt filmte es den Niedergang achteraus des Flugzeugkrans hin zur offenen Plattform, auf der nach plangemäßer Bewaffnung des Schiffes eine 3,7cm-Zwillingsflak installiert worden wäre.

Photos 2006 Adam Olejnik

Die wesentlichen erkennbaren Teile sind hier die Bullaugen im Schiffsrumpf, ein Geländer und die noch gut erhaltenen Holzgrätings. Von hier aus bewegte sich das ROV weiter zum Heck des Schiffs und traf nach einigen wenigen Metern auf die schon erwähnte Plattform für die 3,7cm-Zwillingsflak -ohne dieselbe natürlich.

Weiter gings den mit Holzgrätings ausgelegten Gang nach achtern.

Photo 2006 Adam Olejnik

Auf dem Weg diesen Gang entlag kommt man an den hier zahlreichen Bullaugen in der Schiffswand vorbei.

Photos 2006 Adam Olejnik

Schließlich gelangte das ROV zu der 2cm-Vierlingsflakplattform über der steuerbord-achteren 15cm-Geschützkasematte.

Hier nahm die Kamera im ROV und die Vorderkante der Plattform selbst auf.

Photos 2006 Adam Olejnik

Auf der Plattform stand hier auch kein Flakgeschütz. Man konnte aber die decksseitige Verstärkung für den Drehkranz der Vierlingsflak deutlich ausmachen.

Photo 2006 Adam Olejnik

An der Rückwand der Plattform konnte auch ein charakteristischer Erker an der Bordwand samt dazugehörigem Bullauge gefunden werden.

Photo 2006 Adam Olejnik
 
Die bisher an der Bordwand zurückgelegte Strecke ist in folgendem Foto von dem Modell der Graf Zeppelin im Professor Tamm`s Wissenschaftlichen Institut für Schiffahrts- und Marinegeschichte in Hamburg am besten zu verdeutlichen: Vom Flugzeugkran links nach rechts in Richtung Heck

 Einige Dutzend Meter weiter achtern an der Steuerbordseites des Hecks konnte das ROV dann einen für die Graf Zeppelin charakteristischen Doppel-Poller aufnehmen.

Photo 2006 Adam Olejnik

Eins der zeitgenössischen Bilder auf denen man diesen am besten erkennt, stammt vomStapellauf.

Bild: Wissenschaftliches Institut für Schiffahrts- und Marinegeschichte
Alle Rechte vorbehalten © 2006 Professor Peter Tamm

Sein Aussehen kann man in der seitlichen Draufsicht unter Wasser noch einmal besser erkennen.

 
Photos 2006 Adam Olejnik

Von hier aus wurde das ROV zur Heckspitze gefahren. Dort befand sich neben dem Flaggenstock aus Metall auch wieder ein für die Graf Zeppelin charakteristischer Doppel-Poller.

Bild: Wissenschaftliches Institut für Schiffahrts- und Marinegeschichte
Alle Rechte vorbehalten © 2006 Professor Peter Tamm

Unter Wasser leider etwas mit einem Fischernetz behängt.

Photos 2006 Adam Olejnik

Nun fuhr das ROV auf die Backbordseite des Hecks hinüber und konnte dort die Klüse für den Heckanker filmen -leider ohne den Anker und Ankerkette.

Photos 2006 Adam Olejnik

Möglicherweise handelt es sich hier um den losgerissenen Anker, der 1947 das schnelle Ende des Flugzeugträgers heraufbeschwor.

Zu guter letzt drehte das ROV noch eine Runde über das achtere Flugdeck. Hierbei wurde ein eckiges Luk im Flugdeck gefunden.

Photo 2006 Adam Olejnik

Dabei handelt es sich um eine kleine Aufzugplattform, die bei Bedarf hinter dem Waschraum der Unterfeldwebel vorbei nach unten auf das offene Achterdeck gefahren werden konnte.
Hier endete die ROV-Fahrt. Weitere Unterwasserbilder werden zweifellos in Bälde in Printmagazinen sowie im Fernsehen zu sehen sein, worauf wir alle gespannt sein dürfen.
Möchte man sich die Kamerafahrt dieses ROV in einem gestrafften sechsminütigen Film anschauen, so klicke man hier.

 

Für die freundliche Erlaubnis auf das in seinem hervorragenden Wissenschaftlichen Institut für Schiffahrts- und Marinegeschichte lagernde historische Material zugreifen und durch die Vornahme von Ablichtungen für diesen Artikel verwenden zu können, danke ich Herrn Professor Peter Tamm sehr herzlich! Gleiches gilt für die freundliche Erlaubnis in seinem Institut das Modell der Graf Zeppelin fotografieren zu dürfen!

Ich danke außerdem dem Autor des Standardwerks zur Graf Zeppelin, Herrn Ulrich H.-J-. Israel, und dem dieses Buch publizierenden Verlag, der Koehlers Verlagsgesellschaft mbH Herford in der Person von Frau Scheu, weiteres historisches Bildmaterial aus diesem Werk verwenden zu dürfen.

Last but not least möchte ich Commander Adam Olejnik von der Marineakademie Gdynia für die Erlaubnis danken, sein Bild- und Videomaterial hier verwenden zu dürfen ohne das ein Tauchartikel kaum zustandegekommen wäre !

Gleiches gilt für die freundliche Genehmigung der Polnischen Marine durch den Pressesprecher des Hydrographischen Büros der Polnischen Marine, Herrn Juliusz Tuszyñski, die Bilder von Bord der ORP Arctowski sowie die verschiedenen Unterwasser-Wrackgrafiken verwenden zu dürfen.

Schließlich möchte ich mich -wieder einmal- bei Herrn Horst Bredow vom Deutschen U-Boot-Museum für seine wertvolle Mithilfe beim Entstehen dieses Artikels bedanken!



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