Auf sowjetischer Seite wurde die Position 55° 48`N / 18° 30`E
als Untergangsstelle und eine Wassertiefe von rund 100m notiert.
Knapp 59 Jahre rätselte man im Westen, was wohl aus der Graf
Zeppelin geworden war. Es ist zwar anzunehmen, daß die polnischen
Behörden bestens über die Schifffahrtshindernisse in ihrem Küstenbereich
Bescheid wußten, ihr Wissen drang jedoch nicht nach Außen. Und so
erfuhren geneigte Leser erst wieder etwas über den Verbleib der Graf
Zeppelin, als das Forschungsschiff MS Santa Barbara der polnischen
Erdölexplorationsfirma Petrobaltic am 12. Juli 2006 bei ROV-Arbeiten
in der Nähe der Erdölförderplattform B3 auf ein riesiges
Wrack stießen und dies am 25. Juli 2006 in einer Pressemitteilung
bekanntgab. Laut Petrobaltic liegt der Fundort in der Danziger Bucht rund
55 Kilometer nördlich des polnischen Hafenorts Wladyslawowo, früher
Großendorf. Das Google-Earth Forum gibt die Koordinaten mit 55°16'59.83"N
/ 18°25'33.09"O an. Diese Information nützt einem jedoch nicht
viel, da die polnischen Behörden am 8. August 2006 ein Tauchverbot
an dem Wrack angeordnet und ein Sperrgebiet für Taucher 500m rund
um das Wrack errichtet haben.
Das Wrack selbst liegt nach Angaben der Polnischen Marine in 87m Tiefe
auf dem Meeresboden. Zwar ragt das in einem Stück aufrecht auf dem
Meeresgrund stehende Wrack auch so einige Meter über den Meeresboden
und läßt den geneigten Taucher auch schon in 75m Tiefe bewundern,
jedoch ist dies Wrack damit deutlich nur etwas für Tek-Taucher mit
Mischgastaucherfahrung und einer Ausnahmegenehmigung durch die polnischen
Behörden.
Die Mannschaft der ORP Arctowski, letzteres ist das Spezialschiff
der polnischen Marine für das Hydrographische
Institut der Polnischen Marine, überprüfte in Zusammenarbeit
mit der Marineakademie Gdynia die Angaben von Petrobaltic und begab sich
in das Gebiet in dem die Mannschaft der MS Santa Barbara fündig
geworden waren.
Bild: Polnische Marine
Im "verdächtigen" Seegebiet zeigte das Sonar dann auch ein großes
Unterwasserhindernis an.
Bild: Polnische Marine
Mit modernster Technologie wurde nun versucht das Wrack weiter auszudifferenzieren.
Also wurde ein Sidecan-Sonarfisch fertiggemacht zur Gewinnung eines besseren
Eindrucks vom Meeresboden.
Bild: Polnische Marine
Gespannt wartete man auf die Ergebnisse.
Bild: Polnische Marine
Diese wurden auch prompt geliefert.
Bild: Polnische Marine
Dies war noch nicht befriedigend, man konnte allenfalls ahnen,daß
die Löcher in der Abbildung zB. die Flugzeugaufzüge im Flugdeck
der Graf Zeppelin darstellen wüden.
Bild: Polnische Marine
Eine Mulitband-Sonaraufnahme sollte gegebenenfalls weitere Aufklärung
bringen.
Bild: Polnische Marine
Da dies nicht weiterhalf wurde zunächst ein kurzes Studium der
Baupläne der Graf Zeppelin eingelegt.
Bild: Polnische Marine
Nun wurde ein ROV klargemacht. ROV ist dabei die englische Abkürzung
für "Ferngesteuertes Fahrzeug".
Bild: Polnische Marine
Das ROV wurde über Bord gegeben und tauchte ab. Gespannt wurden
an Bord der ORP Arctowski die ersten Bilder erwartet. Und tatsächlich
- Commander Adam Olejnik gelang es,
erste Bilder vom Wrack zu schießen und stellte sie uns freundlicherweise
für diesen Artikel zur Verfügung. Im Schwerpunkt handelt es sich
dabei um Aufnahmen aus dem Heckbereich und um solche der steuerbords-achteren
Mittschiffssektion.
Das ROV lieferte die ersten Bilder aus 75m Tiefe von der Steuerbordseite
des Wracks. Genauer gesagt filmte es den Niedergang achteraus des Flugzeugkrans
hin zur offenen Plattform, auf der nach plangemäßer Bewaffnung
des Schiffes eine 3,7cm-Zwillingsflak installiert worden wäre.

Photos 2006 Adam
Olejnik
Die wesentlichen erkennbaren Teile sind hier die Bullaugen im Schiffsrumpf,
ein Geländer und die noch gut erhaltenen Holzgrätings. Von hier
aus bewegte sich das ROV weiter zum Heck des Schiffs und traf nach einigen
wenigen Metern auf die schon erwähnte Plattform für die 3,7cm-Zwillingsflak
-ohne dieselbe natürlich.

Weiter gings den mit Holzgrätings ausgelegten Gang nach achtern.
Photo 2006 Adam
Olejnik
Auf dem Weg diesen Gang entlag kommt man an den hier zahlreichen Bullaugen
in der Schiffswand vorbei.

Photos 2006 Adam
Olejnik
Schließlich gelangte das ROV zu der 2cm-Vierlingsflakplattform
über der steuerbord-achteren 15cm-Geschützkasematte.
Hier nahm die Kamera im ROV und die Vorderkante der Plattform selbst
auf.

Photos 2006 Adam
Olejnik
Auf der Plattform stand hier auch kein Flakgeschütz. Man konnte
aber die decksseitige Verstärkung für den Drehkranz der Vierlingsflak
deutlich ausmachen.
Photo 2006 Adam
Olejnik
An der Rückwand der Plattform konnte auch ein charakteristischer
Erker an der Bordwand samt dazugehörigem Bullauge gefunden werden.
Photo 2006 Adam
Olejnik
Die bisher an der Bordwand zurückgelegte Strecke ist in folgendem
Foto von dem Modell der Graf Zeppelin im Professor Tamm`s Wissenschaftlichen
Institut für Schiffahrts- und Marinegeschichte in Hamburg am besten
zu verdeutlichen: Vom Flugzeugkran links nach rechts in Richtung Heck
Einige Dutzend Meter weiter achtern an der Steuerbordseites des
Hecks konnte das ROV dann einen für die Graf Zeppelin charakteristischen
Doppel-Poller aufnehmen.
Photo 2006 Adam
Olejnik
Eins der zeitgenössischen Bilder auf denen man diesen am besten
erkennt, stammt vomStapellauf.
Bild: Wissenschaftliches
Institut für Schiffahrts- und Marinegeschichte Alle Rechte vorbehalten © 2006 Professor Peter Tamm
Sein Aussehen kann man in der seitlichen Draufsicht unter Wasser noch
einmal besser erkennen.

Photos 2006 Adam
Olejnik
Von hier aus wurde das ROV zur Heckspitze gefahren. Dort befand sich
neben dem Flaggenstock aus Metall auch wieder ein für die Graf
Zeppelin charakteristischer Doppel-Poller.
Bild: Wissenschaftliches
Institut für Schiffahrts- und Marinegeschichte Alle Rechte vorbehalten © 2006 Professor Peter Tamm
Unter Wasser leider etwas mit einem Fischernetz behängt.

Photos 2006 Adam
Olejnik
Nun fuhr das ROV auf die Backbordseite des Hecks hinüber und konnte
dort die Klüse für den Heckanker filmen -leider ohne den Anker
und Ankerkette.

Photos 2006 Adam
Olejnik
Möglicherweise handelt es sich hier um den losgerissenen Anker,
der 1947 das schnelle Ende des Flugzeugträgers heraufbeschwor.
Zu guter letzt drehte das ROV noch eine Runde über das achtere
Flugdeck. Hierbei wurde ein eckiges Luk im Flugdeck gefunden.
Photo 2006 Adam
Olejnik
Dabei handelt es sich um eine kleine Aufzugplattform, die bei Bedarf
hinter dem Waschraum der Unterfeldwebel vorbei nach unten auf das offene
Achterdeck gefahren werden konnte.
Hier endete die ROV-Fahrt. Weitere Unterwasserbilder werden zweifellos
in Bälde in Printmagazinen sowie im Fernsehen zu sehen sein, worauf
wir alle gespannt sein dürfen.
Möchte man sich die Kamerafahrt dieses ROV in einem gestrafften
sechsminütigen Film anschauen, so klicke man hier.
Für die freundliche Erlaubnis auf das in seinem hervorragenden
Wissenschaftlichen Institut für Schiffahrts-
und Marinegeschichte lagernde historische Material zugreifen und durch
die Vornahme von Ablichtungen für diesen Artikel verwenden zu können,
danke ich Herrn Professor Peter Tamm sehr herzlich! Gleiches gilt für
die freundliche Erlaubnis in seinem Institut das Modell der Graf Zeppelin
fotografieren zu dürfen!
Ich danke außerdem dem Autor des Standardwerks zur Graf Zeppelin,
Herrn Ulrich H.-J-. Israel, und dem dieses Buch publizierenden Verlag,
der Koehlers Verlagsgesellschaft
mbH Herford in der Person von Frau Scheu, weiteres historisches Bildmaterial
aus diesem Werk verwenden zu dürfen.
Last but not least möchte ich Commander Adam
Olejnik von der Marineakademie Gdynia für die Erlaubnis danken,
sein Bild- und Videomaterial hier verwenden zu dürfen ohne das ein
Tauchartikel kaum zustandegekommen wäre !
Gleiches gilt für die freundliche Genehmigung der Polnischen
Marine durch den Pressesprecher des Hydrographischen
Büros der Polnischen Marine, Herrn Juliusz Tuszyñski, die
Bilder von Bord der ORP Arctowski sowie die verschiedenen Unterwasser-Wrackgrafiken
verwenden zu dürfen.
Schließlich möchte ich mich -wieder einmal- bei Herrn Horst Bredow vom Deutschen U-Boot-Museum für seine wertvolle Mithilfe beim Entstehen dieses Artikels bedanken!
|
|
|
|