Tauchen mit dem großen Unbekannten - wie gut kennst Du Deinen Buddy?
Ist er als Partner für diesen Tauchgang geeignet oder stellt er ein
Risiko dar?
Ob im Urlaub, wenn einem ein Fremder als Buddy zugeteilt wird oder am heimischen
See, wenn man mal mit ein paar neuen Leuten taucht - wie findet man heraus,
ob der Buddy auch was taucht? Ein Buddyteam stellt eine Gefahrengemeinschaft
dar, d. h. es ist ein Team, das sich einem gleichartigen Risiko aussetzt
und in dieser Gefahrenlage gegenseitig Hilfe und Unterstützung gewährt.
Das bedeutet aber, dass die Partner sich nicht nur gegenseitig aufeinander
verlassen können müssen, sondern auch, dass sie gesetzlich zur Hilfeleistung
besonders verpflichtet sind. Jeder Buddy hat also eine Garantenstellung für
die körperliche Unversehrtheit seines Buddys.
Inhalte des Buddygesprächs
Aufgrund dieser Garantenstellung ist ersichtlich, dass man sich seinen Buddy
vor einem gemeinsamen Tauchgang sehr genau anschauen sollte. Eine Möglichkeit
hierzu bietet das Buddygespräch. In diesem Gespräch sollten die
folgenden Punkte berücksichtigt werden:
•
Erfahrung
Welche Brevetierung, Anzahl Tauchgänge, Erfahrung
im Tauchgewässer
•
Gesundheitszustand
generell und aktuell
•
Psychischer Zustand
allgemein und aktuell
Wenn man diese Punkte abhandelt, sollte man schon einmal einen guten Überblick
haben, wie es um den Buddy bestellt ist.
Erfahrung
Klar, Brevetierung und Anzahl der Tauchgänge sagen nicht alles über
einen Taucher aus, aber sie können schon mal in eine gewisse Richtung
weisen. Dabei muss man gar nicht direkt nach dem Logbuch fragen. Geschickter
ist es, die Erfahrung in einem Gespräch auszuloten. Dabei kann und soll
man auch seine eigene Erfahrung einbringen, denn der Buddy will ja auch Bescheid
wissen. Man kann also von sich anfangen und dann überleiten zum Buddy,
z. B.:
• "...in diesem See habe ich meinen XXX. Tauchgang gefeiert..."
• "...ich fliege oft nach Ägypten, bin aber auch begeisterter Kaltwassertaucher..."
• "...dieses Jahr bin ich noch nicht so oft ins Wasser gekommen..."
Herauskommen sollte bei diesem Teil des Gesprächs, wie viele Tauchgänge
der andere ungefähr hat, wo er schon getaucht ist und wann er das letzte
Mal im Wasser war. Wo er getaucht ist spielt eine große Rolle, da ein
reiner Urlaubstaucher mit den Verhältnissen eines deutschen Sees eventuell
überfordert sein kann. Ein reiner Süßwassertaucher könnte dagegen
in einer Strömung extreme Probleme bekommen. Auch das Wann
des letzten Tauchgangs ist nicht unerheblich. Zwar verlernt man das Tauchen
nicht so schnell, aber ob man sich bei seltener tauchenden Partner verlassen
kann, dass im Notfall alles klappt, ist schwer zu sagen.
Gesundheitszustand
Klar, dass einen der Gesundheitszustand des Tauchpartners interessieren sollte.
Einmal betrifft das die generelle Tauchtauglichkeit und Fitness, sowie mögliche
Einschränkungen. Ich bin in der Hinsicht inzwischen dazu übergegangen,
unbekannte Buddys direkt zu befragen.
Ich mache das, indem ich frage, wann er die letzte Tauchtauglichkeitsuntersuchung
hatte. Ich versuche auch herauszufinden, ob er Asthma hat oder an Epilepsie
leidet, bzw. ob er irgendwelche Medikamente nimmt, die seine Tauchtauglichkeit
einschränken. Nicht alles ist immer gleich eine Indikation für
ein Tauchverbot, aber für sich als Buddy ist es einfach wichtig zu wissen,
auf was man sich einlässt.
Wichtig ist auch der aktuelle Gesundheitszustand. Hier muss man meistens
gar keine Fragen stellen, sondern sich den Buddy einfach ansehen. Wirkt er
nüchtern oder weiß man, dass er letzte Nacht auf der Megaparty
war? Wie sehen seine Augen aus? Wirkt er ausgeschlafen? Hustet er oder hat
er Anzeichen einer Erkältung? Mit ein wenig Übung kann man beim
restlichen Buddygespräch die Antworten über den derzeitigen Gesundheitszustand
leicht herausfinden.
Psychischer Zustand
Tauchen ist Eindringen in eine für Menschen eigentlich lebensfeindliche Umgebung. Daher ist der potentielle Stressfaktor beim Tauchen grundsätzlich
höher als bei vielen anderen Freizeitaktivitäten. Ein idealer Buddy
ist seelisch ausgeglichen und auch in Krisen ruhig und besonnen.
Deswegen sollte man sich seinen Buddy auch aus psychologischen Aspekten ansehen.
Was für ein Typ ist er - eher still und ruhig oder hektisch? Handelt
es sich um einen Aufschneider, der mit seinen gefährlichen Tauchgängen
prahlt? Wirkt er nervös und beunruhigt?
Ein anderer Faktor ist aktueller Stress. Hat der Buddy Beziehungsprobleme,
Stress in der Arbeit oder steht sonst wie unter Druck? Wenn dem so ist, sollte
man vielleicht auf den anspruchsvollen Tauchgang verzichten und statt dessen
eher einen schönen Spaßtauchgang machen.
Ergänzungen zum Buddygespräch
Manchmal ist ein neuer Buddy gar kein völlig Unbekannter. Vielleicht
kennt man ihn aus einem anderen Umfeld, dann kann man durchaus auch Rückschlüsse
auf sein Verhalten unter Wasser ziehen. Er könnte auch schon mit Freunden
getaucht sein, über die man einiges erfahren kann.
Aber auch wenn er ein wirklich Unbekannter ist, kann man außerhalb
des Gesprächs einiges herausfinden. Schaut Euch die Ausrüstung
an, ist sie komplett neu? In welchem Zustand ist sie? Wie baut der unbekannte
Buddy seine Ausrüstung zusammen - hektisch oder routiniert?
Insgesamt geht es beim Buddygespräch und den anderen Einschätzungsmöglichkeiten
nicht darum Gründe zu finden, mit jemanden nicht zu tauchen, sondern
darum, unbekannte Partner besser einschätzen zu können, um so einen
sicheren Tauchgang zu erleben. Wenn man weiß, dass sein Buddy nicht
so viel Erfahrung hat, kann man das entsprechend berücksichtigen und
ihm und sich selbst einen tollen Tauchgang verschaffen.
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