Bei diesen Worten tauchen vor dem geistigen Horizont sofort Bilder spanischer Galeonen
auf, die sich stolz und mit geblähten Segeln ihren Weg durch die karibische
See bahnen. Nicht alle davon werden ihren Heimathafen erreichen; tropische Wirbelstürme,
tückische Riffe sowie leckgeschlagene und vom Schiffswurm befallene Rümpfe
sorgen oftmals für ein vorzeitiges Ende der Fahrt.
Und als ob das nicht bereits gefährlich genug wäre, warten zusätzlich auch noch Piraten darauf,
den restlichen Schiffen der "Silberflotte" ihre Ladung aus Gold- und Silberbarren,
Edelsteinen und "pieces of eight" abzujagen - nur um diese dann anschließend
auf einsamen Inseln zu vergraben, grobe Karten zu zeichnen, Ortsangaben
in Rätsel zu hüllen und mögliche Fundstellen mit einem großen
X zu markieren...
Errol Flynn, Robert Luis Stevensons "Schatzinsel" oder der "Fluch der Karibik"
haben unser Bild dieser Zeit deutlicher geformt als Fakten über reale
Personen wie Sir Henry Morgan, Edward Teach oder William Kidd. Im Grunde wissen
wir noch nicht einmal, wie Galeonen des 17. und 18. Jahrhunderts im Detail
ausgesehen haben - kein einziges der ehemaligen Flaggschiffe ist bis heute
erhalten geblieben!
Ähnlich schwer tun sich auch Schatzsucher und Bergungsfirmen,
die auf der Jagd nach den lange verlorenen Reichtümern sind: Schiffe, die dicht
an der Küste oder an einem Riff untergingen, wurden oftmals bereits schon kurz
nach der Havarie geplündert. Sie zerbrachen stellenweise, die Ladung
wurde durch Strömungen verteilt, das Holz verfaulte, die Wertsachen verkrusteten
und sind mittlerweile zu Bestandteilen der Korallen geworden. Von anderen
"Silberschiffen" kennt man, sofern überhaupt, nur recht grobe Angaben
über die Untergangsstelle; jeder der wenigen erfolgreichen und spektakulären
Bergungen stehen Hunderte erfolgloser gegenüber.
Und genause sieht die Situation bei der Suche nach versteckten Piratenschätzen
aus:
Viele Erzählungen enthalten mehr Legende als Wahrheit.
Die immer wieder genannten "Schatzinseln" wie Cocos Island haben in 200 bis
500 Jahren tropischer Vegetationen ihr Aussehen so verändert, dass selbst
Piraten, würden sie heute nach ihren damals vergrabenen Schätzen
suchen können, diese wahrscheinlich nicht mehr finden.
Die Geschichte der "SMS Seeadler" und ihres Kommandanten
Felix Graf zu Luckner ist anders. Obwohl sie alle Bestandteile enthält,
die Hollywood sich für einen Abenteuerfilm wünschen könnte.
Bietet sie trotz aller, sicherlich auch hier vorhandenen Mythen, einen
wesentlich zeitnaheren Bezug:
Der "Pirat des Kaisers" operierte vor gerade einmal 90 Jahren: "Der Schatz
der Seeadler" - eine Spurensuche!
Anmerkung des Autors: Einige Angaben in dem Bericht entstammen lediglich einer Quelle und sind somit nicht historisch gesichert. Bei unterschiedlichen Angaben zu einer Begebenheit habe ich mich für diejenige entschieden, die für mich am plausibelsten klang.
Unser Dank für die Unterstützung (Informationsquellen und/oder
Bilder) geht an:
Herrn Wolfgang Schippke, an die Felix Graf von Luckner Gesellschaft e.V.,
an Herrn Ralf Küttelwelsch sowie an den WDR.
Felix Graf von Luckner: "Seeteufel", Ullstein Verlag, ISBN: 3-548-25650-3
Norbert von Frankenstein: "Seeteufel“ Felix Graf Luckner. Wahrheit und Legende.
DSV-Verlag, ISBN: 3-88412-282-7
John Walter: "Die Piraten des Kaisers", Motorbuch-Verlag, ISBN 3-613-01729-6
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