Wege zum Schatz

 Geschrieben von Linus

Wege zum Schatz

Soweit die Geschichte - aber wo sind die Beuteschätze der SEEADLER geblieben?

Laut Ladelisten der gekaperten Schiffe und Zeugenaussagen hatte der "Pirat des Kaisers" einige hundert Kilo Gold erbeutet, die sich zum Zeitpunkt der Ankunft auf Mopelia an Bord befanden und danach nie wieder aufgetauchten.

Karte von MopeliaDas annähernd runde und im Durchmesser knapp 9 km messende Mopelia-Atoll, welches heute einem Geschäftsmann aus Tahiti gehört, zählt geografisch zu den Gesellschaftsinseln (Lage 16°50’S und 153°56’W). Entlang des Riffdaches finden wir die größere Hauptinsel Maupihaa sowie einige kleinere Inseln, unter anderem Bird, vor der die SEEADLER 1917 ankerte. Alle Inseln sind flach, tropisch bewachsen und mit wunderschönen Sandstränden versehen, als einzige Zufahrt zum Atoll dient die „Taihaaru-Vahine-Passage“ (siehe Karte unten) im Norden mit einer maximalen Breite von nur 30 Metern.

Mopelia Pass

Für die Schatzsuche stehen einem zunächst drei halbwegs plausible Erklärungsansätze zum Verbleib des Schatzes zur Auswahl:

  • Das Gold ist mit der SEEADLER untergegangen.
  • Die Besatzung hat es an Land vergraben.
  • Der Schatz wurde unter Wasser versteckt.
Die erste Wahl kann man auch zuerst ausschließen. Die SEEADLER lag nach der Havarie noch einige Tage auf dem Riff, bevor sie niedergebrannt wurde. Die Ladung wurde komplett entfernt. Warum hätte man das Kapergut auch auf dem Segler lassen sollen, gerade dort, wo es von Dritten am schnellsten gefunden werden konnte? Es gibt auch keine überlieferte Zeugenaussage, die diese These glaubhaft stützen würde. 1976 untersuchten französische Archäologen die Reste der SEEADLER. Außer den beiden Bordkanonen wurde hierbei nichts gefunden, was eine Bergung gelohnt hätte.

Seeadler kurz vorm Untergang
Die Überreste der Seeadler

Siedlung auf Mopelia


Der erste Offizier der SEEADLER, Leutnant zur See Kling, sagte später aus:
"Wir haben auf der Hauptinsel, in der Nähe des Überganges vom Sandstrand zum Palmenbewuchs, vier schwere Kisten vergraben, über deren Inhalt mir nichts weiter bekannt ist. Die genaue Stelle entzieht sich meiner Erinnerung". Auch wenn diese Theorie nicht durch weitere Aussagen oder Unterlagen gestützt wird, so kann man sie zumindest nicht ausschließen. Hier befanden sich die von der Mannschaft errichteten Hütten, warum sollte nicht auch hier das Beutegut versteckt sein?

Am interessantesten ist die Vermutung, dass die Wertgegenstände in einer Kiste im Wasser versenkt wurden - eine These, die auch von Graf Luckner selbst verbreitete.
1964, knapp zwei Jahre vor seinem Tod, führte er mehrere Gespräche mit dem Historiker Rolf Lasa, dem er neben Informationen auch eine Lagekarte des Schatzes überreichte (sowohl Schatzkarte wie auch Gegenstände der SEEADLER befinden sich heute in einem Stockholmer Museum).

Schatztaucher


Rolf Lasa wählte für die anschließende Bergung, für die er nur zwei Wochen Zeit hatte (er charterte privat ein Schiff; für einen längeren Aufenthalt reichten die finanziellen Mittel nicht aus), einen denkbar schlechten Zeitpunkt aus.

Zwar entdeckte er laut eigener Aussage, aber auch wie auf der Karte angegeben, eine "verlötete große Seemannskiste" im tiefsten Teil des "Taihaaru Vahine-Kanals", konnte diese aber auf Grund der zunehmenden Stürme nicht mehr bergen. Bevor er dann genug finanzielle Mittel für einen zweiten Versuch gesammelt hatte, verstarb er jedoch und die Karte wanderte ins Museum, wo sie langsam in Vergessenheit geriet...

Wer heute nach Mopelia kommt, um dort nach dem Schatz der SEEADLER zu tauchen wird, sofern er diesen nicht findet, trotzdem belohnt werden:
  • Durch ein Südseeparadies, weitab vom Massentourismus,
  • durch eine intakte Tier- und Korallenwelt,
  • durch unzählige Fischschwärme und Riffhaie
- also Schätze ganz anderer Art.

Und im Hinterkopf wird er eine Geschichte mit sich führen, die aus Erwachsenen immer noch Kinder werden lässt...
Mopelia Strand



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27.05.2012 05:07 Taucher Online : 41
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