Harpunetties im Pool

 Geschrieben von Achim

Harpuneties im Pool

von Achim R. Schlöffel

Ich habe den Eindruck in einem Backofen zu sitzen. In der Sonne auf den Kieseln hat es sicher 40 Grad, aber Rückzug würde bedeuten, auf das Schauspiel verzichten, das sich bietet. Zwei italienische Machos rüsten auf - ähm, Verzeihung, machen sich für einen Tauchgang fertig. Man denkt unwillkürlich an John Wayne, der sich rüstet, um gegen finstere Banditen in den Sonnenuntergang zu reiten, sieht man den beiden länger zu. Das Amüsante daran ist, dass ich die Bucht von Lacona auf der wunderschönen Mittelmeerinsel Elba seit Wochen betaucht habe und dabei keinen Fisch gesehen habe, der länger war als zehn Zentimeter. Mit dem Waffenarsenal das die Beiden dabei haben, könnte man es mit einem Schwertwal aufnehmen.

Was tun die beiden also?! Geht´s wirklich nur um´s männliche Ego, um Phallussymbole, Spielzeuge großer Jungs zur Steigerung der Männlichkeit? Der Verdacht drängt sich auf, aber ich will nicht voreilig sein, vielleicht werde ich ja eines besseren belehrt und die beiden spüren auf, was sich mir als Touri verbarg und kommen mit fetter Beute zurück vom Jagdausflug ins kühle Blau. Eine Stunde später weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Zum Lachen sieht es aus, als die beiden Großwildjäger mit den noch größeren Harpunen, die gar Druckluftbetrieben aus den Fluten steigen und sich, mit stolz geschwellter Brust mit Ihrer Jagdbeute ablichten lassen, von jener holden Weiblichkeit, die vermutlich ursächlich war für den ganzen Balztanz. Die Beute indes ist kaum größer als ein Finger und das Loch der Harpunenspitze in der armen Kreatur größer als sie selbst. Also doch Pizza zum Dinner bei John Wayne...

Zurück in der tristen deutschen Wirklichkeit, lässt mich der Gedanke nicht los, was die tapferen Mannen bewegt hat, sich mit dem erbarmungswürdigen Fischlein zu messen. Ist es die, oft zitierte, morbide Erotik, die angeblich alle Waffen verströmen, sobald sie sich in Männerhände schmiegen? Ich weiß es nicht und wage eine kleine Zeitreise - in den Keller.
Harpunenarsenal: Relikte einer dunklen Vergangenheit

Click zum Vergrößern
Dort ruhen, verborgen im Dunkel, diverse Relikte einer dunklen Vergangenheit, meiner Jugend, die ich nun wieder ans Tageslicht befördere. Als ehemaliger Bootsbesitzer und passionierter Hobbykoch habe ich, der geneigte Leser möge es verzeihen, so manchen Fisch auf die Schuppen gelegt und verzehrt, lange ist´s her. Ich rufe Norbert an, nicht nur ein guter Freund und Tauchpartner, nein, auch völlig antimilitant, sondern auch bar jeder Begeisterung für Waffen jeglicher Art. Doch da ist es, kaum legt er Hand an die Mordinstrumente, glitzern seine Augen und ich erkenne ihn kaum wieder.. also doch Erotik...?

Wir beschließen ein bisschen weiter zu gehen. Fische zu jagen steht nicht mehr zur Debatte, außer mit der Kamera, ebenso wenig können wir die Harpunen in einen See mitnehmen und "nur mal so" ein bisschen testen. Was liegt näher als das Schwimmbad das ich ohnehin gemietet habe und das mir somit uneingeschränkt zur Verfügung steht. Gesagt getan. Jeanette, die nette Bademeistern kriegt den Mund gar nicht mehr zu, als wir am darauffolgenden Dienstag auspacken. Weiß sie doch, dass wir manchmal ein wenig sonderbar sind und schon mit den merkwürdigsten Apparaturen im Pool verschwunden sind, kann sie es kaum fassen, als wir in voller Bewaffnung im Bad einlaufen. Nachdem ich sie beruhigt habe dass niemand Schaden nehmen wird und auch das Bad keine Löcher bekommen wird, beginnen wir mit dem Aufbau.

Der Aufbau

Zahlreiche leere Plastikwasserflaschen haben wir mit Leine und Bleigewicht versehen und versenken sie jetzt im Jagdrevier aus blauen Kacheln. So gern hätten wir sie mit Farbe gefüllt.. aber lassen wir das.. Ein paar Hulla-Hupp-Reifen, die ich von meinen Töchtern entliehen habe, vervollständigen das Ensemble. Wir reihen die Artillerie am Beckenrand auf und springen ins Wasser. In Schnorchelausrüstung versteht sich - Sportlichkeit steht an erster Stelle und die Flaschen sollen eine faire Chance haben, wie einst die Fische. Als ich die Gummibänder eine Großfischharpune spanne, mit der man problemlos einen mittleren Hai jagen könnte , während ich im hüfttiefen Pool stehe und mich ein Spaziergänger durch die großen Glasscheiben beobachten, keinem nochmals Zweifel auf, ob mit meinem Geisteszustand noch alles in Ordnung ist. Ich schüttle die Bedenken ab, was ist daran schon nicht normal? Und tauche ab, die Stille umfängt mich, während ich auf den Grund sinke. Mein Pulsschlag verringert sich, während eine Mischung aus Adrenalin und Testosteron meinen Jagdinstinkt weckt, mein Körper spannt sich, bereit zu jagen, zu töten.

Im Visier
Click zum Vergrößern

Die Flasche hat keinen Chance. Mit leisen Flossenschlägen pirsche ich mich voran. Nicht viel Deckung im Gelände.. Dann sehe ich den Durchgang im Riff - es spielt keine Rolle, dass der Durchgang noch gestern um die Hüften meiner Tochter gekreist ist, jetzt ist er real, ein Hindernis, dass es zu überwinden gilt um die Mission zu erfüllen. Mein Puls ist jetzt ganz ruhig. Ich kann das Blut spüren, das durch meine Adern pulsiert, ich fühle mich lebendig wie nie zuvor. Ich gleite durch den Ring, durch den zweiten, ich berühre keinen von ihnen. Ganz vorsichtig lasse ich etwas Luft durch die Nase entweichen um die Beute nicht zu erschrecken. Dort, links von mir, noch halb verdeckt vom Eingang der Höhle in der ich mich befinde, wiegt sie sich in der Strömung der Massagedüsen. Sie ist noch zu weit entfernt, als dass ich sie genau identifizieren könnte, es könnte einen Aldi-, aber auch eine Lidlflasche sein. Egal: Beute. Kein Untermaß.

Beim Anpirschen

Ich löse mich aus dem Schatten des Höhleneingangs, die Harpune schiebt sich langsam vor mich. Mein Daumen entsichert die Waffe wie von selbst. Ich lasse noch etwas mehr Luft aus meinen Lungen entweichen und sinke ein Stück weiter auf dem Boden, pirsche mich von unten an mein Opfer heran.

Der Jäger zielt auf die Beute

Click zum Vergrößern
Der Schaft der OmerSub 100 zielt auf meine hilflose Beute, die immer noch nichtsahnend in der Dünung schwebt. Meine Lungen brennen, ich habe nur noch wenige Augenblicke Zeit bevor ich an die Oberfläche muss um zu atmen. Unendlich langsam schiebe ich mich noch näher an die Flasche heran. Die Schussposition ist gut, ich kann sie fast nicht verfehlen - Schuss. Ein Schnalzen gellt durchs Wasser, der Pfeil schnellt nach vorn, durchschlägt die Beute an der perfekten Stelle, sie krümmt sich kurz, die Luft entweicht ihrem geplatzten Körper und sie sinkt tot auf den Boden des Meeres. Ich durchbreche die Oberfläche, die Finger zum Victory geformt, die Spannung der Jagd fällt von mir ab und macht einem beinahe orgasmischen Gefühl Platz.

Die Schussposition ist gut ... ... durchschlägt die Beute an der perfekten Stelle
Die Position ist gut ... Schuss ... der Pfeil schnellt nach vorn ... durchschlägt die Beute perfekt
Click zum Vergrößern

Jeannette schüttelt den Kopf, tippt sich an die Stirn und meint: ich geh dann jetzt - vergesst nicht abzusperren.

Während Ernüchterung durch meinen Körper schießt und ich mir der Lächerlichkeit meiner Situation inmitten des Pools mit der getöteten Plastikflasche langsam bewusst werden, höre ich Norbert hinter mir. "Gscht - weg!" Ich drehe mich um. Nur die Hälfte seiner schwarzen Maske ist noch zu sehen, ein seltsames Blitzen in den Augen, er hat die Beute erfasst. Ich sehe zu, dass ich aus dem Wasser komme, bevor es zu einer Verwechslung kommt, wer will schon mit einem im Wasser sein, der mit einer Harpune auf kleine Flaschen schießt...!

Jäger in der Stille des Beckens
Click zum Vergrößern

In zahlreichen Ländern wie z.B. den USA und Großbritannien hat das Harpunenschiessen im Pool eine wachsende Anhängerschar und es gibt organisierte Wettkämpfe nach festen Regeln mit Punkten und Wertungen.




© 2006 Achim R. Schlöffel


Infos

Du suchts noch einen Reisepartner für den nächsten Urlaub? Kein Problem - schau mal auf diese Seite, hier findest Du genug Reiselustige, die mit dir den nächsten Tauchurlaub verbringen wollen. Wer will denn schon im Urlaub Solotauchen?


19.06.2013 06:14 Taucher Online : 85
Heute 1526, ges. 70482226 Besucher
Login:  Autologin: 
Passwort:  
Gast : Registrieren - zur Login-Seite


Deine Bookmarks:
Taucher-News - Kalender - Sichtweiten - Postkarten

Unsere Produkt-Datenbank!
Über 2850 Tauchartikel mit detaillierten Daten!
Vergleichen lohnt sich!



Destination des Tages

Griechenland

Zwischen Korfu und Kreta gibt es zahlreiche Inseln und endlos lange Küstenlinien vor denen das Tauchen stets mit einer Überraschung enden kann. Unzählige historische Wracks und Fundstätten wurden von Sporttauchern entdeckt und sind geschützte Zeugen der [mehr]

Foto von nicole weber

Weitere Infos zum Tauchen in
Griechenland

Akt. Restaurantberichte:

Sa Finca, Peguera, Mallorca
(08.06.2013) Mallorquinisches Lokal am westlichen Teil der Hauptstraße (abends Fußgängerzone) von Peguera, nicht weit vom Strand Platja Palmira und Platja Tora entfernt. Paguera (=Peguera) ist unter deutschen (mehr)

Es Canto Nou, Andratx, Mallo..
(07.06.2013) Ein neues Lokal in Andratx- das ist die Stadt hinter Port Andratx den Berg hoch. Das Lokal liegt in einer Parallelstraße rechts vom Hauptplatz. Es ist geschmackvoll eingerichtet und verfügt über (mehr)

Meson can Torrat, Calvia, Ma..
(07.06.2013) Calvia liegt zwischen Andrax und Palma etwas in die Berge hoch. Im kleine Städtchen findet man eines der besten und originellsten mallorquinischen Restaurants der Region. Der Chef und seine Vorfahren (mehr)

Forum Tauchunfälle

Auszug aus diesem Forum:


Tauchunfall Plansee (HS)
vom 13.05.2013 : Am Samstag, 11.5.2013, kam es am Plansee (Breitenwang) zu einem wohl glimpflich verlaufenden Tauchunfall: Ein Vorarlberger ... [mehr]

TU Meersburg 29.03.2013
vom 30.03.2013 : Am Karfreitag, den 29.03.2013 kam es am Bodensee bei Meersburg am Tauchplatz Plätze zu einem Tauchunfall. Dem Bericht eines ... [mehr]

TU Vierwaltstätter- / Urnersee
vom 30.03.2013 : Am Karfreitag, 29.03.2013, sind am Urnersee (Vierwaldstättersee) zwei Taucher verunfallt Während die 46jährige Frau des ... [mehr]

Unsere Linkdatenbank:

Drei zufällige Tauchlinks:

Dive New Zealand
A unique website on diving in New Zealand and the rest of the world

Das Leben als Tauchlehrer auf der..
Seit Oktober 2011 leben und arbeiten wir als Tauchlehrer auf der Malediveninsel Komandoo. Auf unserer Webseite veröffentlichen wir Reiseberichte mit viele Fotos und Informationen über unsere Reisen und das Leben als Tauchlehrer auf den Malediven.

Easy Chango - Divecenter and Cari..
Tauchbasis Easy Chango Divecenter and Caribian Air Station inTulum Q. Roo in Mexiko




MountainBIKE RoadBIKE UrbanBIKING outdoor klettern CAVALLO AnglerNetz taucher.net planetSNOW