Aktive Sicherheit
Seemanschaft
Man geht oft davon aus, dass die typische ägyptische Besatzung über eine traditionelle Seemannschaft aus der Fischerei verfügt und über Erfahrungen früherer Safaris. Nicht bekannt ist, dass viele Besatzungsmitglieder aus dem Niltal stammen und grundsätzlich nicht so viel Ahnung von der Seefahrt mitbringen. Dabei zeigt eine einfache Überschlagsrechnung, daß ca 100 Safari- und 1000 Tagesboote
so viele Kapitäne und Besatzungsmitglieder benötigen, dass die wenigsten von ihnen aus den Familien der traditionellen Fischer am Roten Meer stammen können.
Natürlich kennen sich die Crews mit Wind und Wetter aus und haben ihre Schiffe im Griff. Allerdings werden diese immer größer und navigatorisch anspruchsvoller. Es steigen die Anzahl und Ansprüche der Gäste, wie ein fester Fahrplan oder Reisen bei Nacht. Ein anderer Faktor der für Unsicherheit sorgt, ist dass die Besatzungen auf den Schiffen relativ häufig wechseln. Bei der Auswahl der Crew ist der Kostenfaktor oft wichtiger als die Erfahrung.
Viele Sicherheitslücken werden bislang noch mit Hilfe von Improvisieren überbrückt. Beispielsweise fahren die Safariboote teilweise offensichtlich oder gezwungenermaßen fast schon im Konvoi die Riffe ab. Dies ist aus Sicherheitsaspekten eine gute Sache, gibt es doch viele Geschichten in denen ein Safariboot die Personen von einem anderen Boot oder "verlorene" Taucher gerettet hat.
Die internationalen Standards für Ausbildung und Patente der Besatzung (STCW 95) werden offensichtlich auf keinem der Safariboote erfüllt. Die Mannschaft ist in Besitz ägyptischer Patente, bzw. wird nach ägyptischen Regeln geheuert. Dies läßt aber einige wichtige Fragen unbeantwortet: Wer ersetzt den Kapitän wenn er müde oder krank wird bzw. ganz ausfällt?
Eine Lizenz zum Bedienen der Funkgeräte, z.B. ume einen DSC- Notruf (Digital Selective Call) abzusetzen, ist nicht vorhanden, obwohl diese Geräte an Bord sind. Diese GMDSS Lizenz ist sogar für kleine Segelyachten mittlerweile vorgeschrieben, aber in Ägypten offensichtlich größtenteils noch unbekannt.

Moderne Navigationsinstrumente
Kurz gesagt ist die zunehmende, weil werbewirksame Technik auf den Schiffen weiter als der Ausbildungsstand ihrer Besatzungen. Die Crew setzt jedoch zunehmend auf diese Technik, wodurch es zu Unfällen kommen kann. So steuerte ein Safariboot einen GPS - Wegpunkt an, um das Riff zu finden und lief auf genau dieses Riff auf. Die Wegpunktkoordinaten waren die gleichen wie das Riff! (...)Oder ein Kapitän eines Schiffes fragt einen mitreisenden Taucher, der ein deutsches Kapitänspatent hat, was die Knöpfe, wie Gain, Sea, Tune oder EBL, auf dem Radar zu bedeuten haben! (...)
Die Rolle der Dive Guides
Die Diveguides an Bord sind zwar gut ausgebildet was das Tauchen angeht, jedoch kann man von ihnen nur bedingt Kenntnisse über Schiffssicherheit und Seemannschaft erwarten. Dies kann auch nicht deren Aufgabe sein, aber auch sie müssen wissen, auf was es im Notfall ankommt und wie sie sich verhalten müssen. Sie sollten mit ihrem Kenntnisstand über dem der Gäste liegen. Für diese muss die Sicherheitseinführung viel ausführlicher erfolgen, als es derzeit üblich ist. Sie muss alle Sicherheitssysteme und deren Handhabung im Notfall beinhalten.Es darf nicht sein, dass Passagiere nicht nur nicht wissen, wie das Alarmsignal klingt, sondern dass es überhaupt einen Generalalarm gibt. Es muss Teil der Einweisung sein, wie das Rettungsfloß funktioniert, bzw. wie es klargemacht wird.
Passagiere sind keine Seeleute und kennen zum Teil nur Ausflugsboote. Die Gefahren an Bord sind den Passagieren unbekannt. Daher müssen sie genau mit allen wichtigen Verfahren bekannt gemacht werden. Dies ist dabei eigentlich Aufgabe des Kapitäns, denn ein Dive Guide kann nicht unbedingt wissen, was ein Wasserdruckauslöser ist, wie genau die EPIRB - Boje funktioniert und wie für den Fall eines Feuers an Bord verfahren wird. Normalerweise ist es daher die Aufgabe der nautischen Besatzung vor dem Auslaufen eine Sicherheitseinweisung abzuhalten.
Medizinische Kenntnisse sind zwar in Form einer Erste Hilfe Ausbildung seitens der Diveguides vorhanden, es fehlt aber die spezielle Ausbildung zur Aufrechterhaltung des Lebens auf See. Nach internationalen Standards muss auf Passagierschiffen ein Arzt an Bord sein. Auf Frachtern haben die Offiziere eine spezielle Ausbildung und Ausrüstung, die über den Erste Hilfe Kurs hinausgehen. Auf See gibt es eigentlich keine "Erste Hilfe", denn die Hilfe an Bord ist die einzige Hilfe - ein Krankenwagen kommt nicht! Die Erste Hilfe - Ausbildung der Dive Guides ist sicherlich sehr wertvoll, aber sie ist auf ein Eintreffen eines Arztes ausgelegt und hat somit Grenzen.
Auf Schiffen wird zusammen mit einem Funkarzt gemäß der Ausbildung behandelt, bzw. das Leben erhalten. Dazu braucht man Funkkenntnisse (GMDSS), spezielle medizinische Handbücher und Ausrüstung. Die ägyptische Besatzung und die Diveguides sind hierbei sicherlich überfordert. Außerdem ist fraglich, wie schnell um Hilfe gerufen werden kann, denn Satellitenfunkanlagen sind selten zu sehen.
Brand an Bord
Der gesamten Besatzung müssen Maßnahmen und Verhaltensregeln zur Brandbekämpfung bekannt sein, dies muss auch regelmäßig von ihr geübt werden. In der Regel sollte die Crew das Feuer bekämpfen und nicht ein Gast. Deswegen muss eine Einweisung diesbezüglich stattfinden. Aber auch den Passagieren muss vor Antritt der Reise das Verhalten im Notfall erläutert werden. Das beginnt mit der Betätigung der Notglocke ("General Alarm") zur Sicherheitseinweisung, damit jeder weiß, wie dieses Notsignal klingt. Dazu muss genau erklärt werden, wo sich die Passagiere dann einzufinden haben (an den Rettungsinseln!) und wie sie sich genau verhalten sollen. Der Gast sollte natürlich auch dazu angehalten werden, einen Entstehungsbrand möglichst selbst zu löschen.

Wrack der M/Y Heaven One. Gesunken nach einem Brand 2003
Dies ist jedoch oft nicht möglich und dann ist es falsch, das Feuer selbst in den Griff kriegen zu wollen. Effektiver ist es, die Kabinentür zu schließen um keine zusätzliche Luft an den Brandherd gelangen zu lassen. Gleichzeitig soll man laut "FEUER!" oder "FIRE!" schreien, damit sich jeder retten kann, die Crew auf das Feuer aufmerksam wird und es effektiv und mit allen Mitteln richtig bekämpfen kann. Dabei gilt, dass auf einem Schiff nur ein Entstehungsbrand gelöscht werden kann. Weil die richtigen Feuerbekämpfungsmittel fehlen, ist das Schiff in der Regel verloren, sobald sich ein Feuer ausgebreitet hat. So gibt es auf den Safaribooten, im Gegensatz zu SOLAS - Schiffen, keine Atemschutzgeräte. Aber das größte Problem bei allen Bränden sind nicht die Flammen sondern der Rauch. Ohne Atemschutzgeräte verhindert der Rauch nicht nur die effektive Feuerbekämpfung sondern auch die Selbstrettung, was zum Tod durch Rauchgasvergiftung, z.B. auch im Schlaf führen kann. Ursache für die giftigen Rauchgase sind in erster Linie die heute überall verwendeten und verbauten Kunststoffe, wie PVC und Epoxide. Dieser Rauch ist so stark, dass man das Feuer ohne schwerem Atemschutz nicht mal mehr finden, geschweige denn bekämpfen kann! Ein Brand an Bord kann daher entweder nur sehr schnell gelöscht werden oder gar nicht.

Löschangriff unter schwerem Atemschutz
Bei einem Brand an Bord geht es daher um jede Minute und es ist extrem wichtig,
- früh und rasch zu warnen
- sehr schnell zu löschen
- sowie notfalls zügig und sicher zu evakuieren
Das geht nur, wenn alle Personen an Bord, Gäste wie auch Besatzung und Dive Guides die entsprechenden Informationen besitzten und Übung haben! Ein Hinweis, dass überall Feuerlöscher sind und uns so etwas hoffentlich nicht passiert, reicht als Sicherheitshinweis absolut nicht aus!!
Zusammenfassung: Aktive Sicherheit
Wie erfahren die Crew bis hin zum Kapitän ist, lässt sich durch den Gast nicht so leicht in Erfahrung bringen. Insgesamt kann man davon ausgehen, dass internationale Standards normalerweise nicht erfüllt werden. Insbesodere die moderne Technik und ihre Bedienung kann sich für die Besatzung als problematisch erweisen, statt hilfreich zu sein. Dive Guides werden zwar of als Teil der Besatzung gesehen, sind aber streng genommen kein Bestandteil der nautischen Crew. Entsprechend gering sind daher oft ihre nautischen Kenntnisse.
Aus diesem Grund ist es für jeden Passagier wichtig, sich mit den Sicherheitsvorkehrungen und Verhaltensweisen im Notfall vertraut zu machen. Sie sollten sich auch erkundigen, wann z.B. das letzte Mal ein Feuer-Drill gemacht wurde und eventuell auf das Abhalten einer Übung bestehen.
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