Aus heiterem Himmel

 Geschrieben von Todd Essik & TN-Redaktion

Todd Essik, der amerikanische Unterwasser KunstFotograph, dürfte für das Publikum von Taucher.Net kein Unbekannter mehr sein. Neben dem Bericht über seinen Bildband "Goddesses, Sirens and Mermaids" im Online Magazin 38 war er auch zweimal Gast auf dem Stand von Taucher.Net auf der BOOT in Düsseldorf. Dort konnten ihn die Leser persönlich kennen lernen und auch eine signierte Ausgabe seines Werks oder ein signiertes Poster erwerben. Wer Todd Essik noch nicht kennt, kann dies im Januar nachholen, denn auch bei der BOOT 2007 ist er wieder Gast am Stand von Taucher.Net.
In diesem Artikel wird Todd Essik von seinen ungeplanten Abenteuern bei seinem letzten Foto-Shooting berichten.

Unter Haien

Todd kam vor einiger Zeit von einem Foto-Shooting aus den Bahamas zurück, wo er seiner Kollektion für sein fortlaufendes Projekt "Goddesses, Sirens and Mermaids" neue Bilder von Frauen und Meeresbewohnern hinzufügte. Diese neuen Fotos sind von Frauen und Haien, was für sich schon einmal aufregend und interessant genug ist. Während der Aufnahmen kam es aber zu ein paar unvorhergesehenen Zwischenfällen, die der gesamten Crew zusätzlichen Respekt vor der schon in sich gefährlichen Arbeit mit Haien einflößte. Ganz gleich was man für Vorkehrungen trifft, wenn man mit Haien arbeitet - sie sind oft unberechenbar und manchmal kann und wird etwas schief gehen. Und dann trifft es einen wie aus heiterem Himmel vom Blitz getroffen - plötzlich und vollkommen unerwartet.

Todd Essik - unter Haien

Todd Essik berichtet selbst über den ersten Vorfall:
Bei unserem ersten Zwischenfall verhedderte sich ein Hai im Kostüm meines Models. Glücklicherweise konnte er sich losreißen und aus dem Netz befreien, ehe er mehr machen konnte, als unser Model kräftig zu erschrecken. Die Fotos von diesem Ereignis erzählen das Geschehen besser als es verbal möglich wäre und es ist gut zu wissen, dass das Model dabei unverletzt blieb und weiterarbeitete. Ich kann meine Models generell nie hoch genug loben. Sie sind erstaunliche und wirklich ganz besonders engagierte Personen und bringen so viel mehr in meine Werke, als ich mir das je hätte vorstellen können.

Vor dem Zwischenfallt Im Netz verheddert
Der erste Zwischenfall: Ein Hai verheddert sich im Kostüm des Models
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Bei ihrem zweiten unvorhergesehenen Vorfall hatte das Team nicht so viel Glück. Ein Model wurde am dritten und letzten Fototag von einem Hai in den Fuß gebissen. Todd hatte schon einige sehr gute Bilder geschossen und bisher, abgesehen von dem ungewollt nahen Zusammentreffen mit dem Hai, keinerlei größere Probleme gehabt. Er war sehr zufrieden, wie sich über die Tage die Qualität der Aufnahmen steigerte. Diese letzte Foto-Session sollte daher sehr produktiv sein und er erwartete auch, seine besten Bilder am letzten Tag zu machen, wie dies bei ihm meistens der Fall ist.

Sie erreichten den Tauchspot kurz vor 10 Uhr morgens, am 14. Oktober. Das Wetter war perfekt, weder Wolken noch Wind, nur Sonnenschein. Die Wasseroberfläche war spiegelglatt und ermöglichte, das Wrack in 15 m Tiefe, an dem sie die Fotos machen wollten, klar zu sehen. Todd Essik hatte geplant, sich vor dem Achterdeck zu positionieren und dort von Renata Fource, einem Model aus San Francisco und guter Freundin, Fotos zu machen, wie sie als geistergleiche Erscheinung auf dem Deck des untergegangenen Schiffes steht. Dabei sollte sie ein Abendkleid tragen, als ob sie in New York zu Sylvester an einer Society Party teilnähme.

Todd Essik - Sirene mit Haien

Todd ließ sich zusammen mit dem Tierkoordinator gegen 10 Uhr ins Wasser gleiten, um beim Wrack die Aufnahme-Session vorzubereiten. Während er die Helligkeit maß und die richtige Belichtung einstellte, kümmerte sich der Tierkoordinator um das Hai-Equipment, speziell den Köder, der dafür sorgen sollte, dass die Tiere nahe genug kamen, um so die dramatisch Fotos zu ermöglichen, die Todd vorschwebten. In der Zwischenzeit machte sich Renate fertig, indem sie das weiße Abendkleid überstreifte, das für die ersten Fotos ausgewählt war. Zu diesem Zeitpunkt bemerkte keiner, wieviel reflektierendes Gewebe in den Soff des Kleides verwoben war. Man konnte zwar erkennen, dass es etwas reflektierend wirkte, es wurde aber nicht als problematisch empfunden.

"Während ich unten am Wrack darauf wartete, dass mein Model mit dem Sicherheitstaucher hinabsteigen würde, begannen die Haie ihre Kreise zu ziehen, wie an den beiden Tagen vorher," schildert Todd seinen Eindruck zu diesem Zeitpunkt. "Alles schien normal und ich sinnierte darüber, was für ein großartiges Foto dies werden würde, sobald alles und alle an ihrem Platz wären. Aber dann veränderte sich etwas, als Renata begann, in ihrem weißen Abendkleid abzutauchen. Ich spürte einen Wandel im Verhalten der kreisenden Haie und obwohl man mich darauf vorbereitet hatte, nach solchen Zeichen Ausschau zu halten, war ich mir nicht wirklich sicher, was passierte und warum!"

"Die Erkenntnis, was geschah, kam ganz plötzlich. Das schräg durch das klare Wasser einfallende Sonnenlicht glitzerte und schimmerte auf dem reflektierenden Material von Renatas Kleid, das leuchtete, als ob es mit bunten Weihnachtslichterketten behängt sei. Die Haie wurden augenblicklich davon angezogen."

Todd Essik - Göttin mit Haien

Todd Essik schaute zum Tierkoordinator hinüber, der signalisierte, dass er das Geschehen beobachtete und dass soweit alles OK war. Vielleicht wäre dem auch so gewesen, wäre Renata schnell auf der vereinbarten Stelle auf dem Wrack gelandet. Statt dessen kam sie mitten auf Deck an und als sie und der Sicherheitstaucher sich nach vorne lehnten, rutschte sie aus und ihre Beine trieben nach oben. Etwas vor dem die Crew vom Tierkoordinator gewarnt worden waren. Dies war zwar schon einmal vorgekommen, aber durch die starke Aufmerksamkeit, die das Kleid verursachte, waren die Haie sehr nah gekommen. Plötzlich schoss einer aus der Gruppe heraus und biss blitzschnell in Renatas ausschlagenden Fuß.

Renata hatte Glück im Unglück - der Hai riss nicht an ihrem Fuß oder schüttelte ihn, sondern biss einfach zu und ließ sofort wieder los. "Es geschah alles so plötzlich und außerhalb unserer Sicht", erinnert sich Todd, "dass keiner, bis auf Renata selber natürlich, merkte, was eigentlich passiert war." Sofort nachdem der Hai sie losgelassen hatte, schwamm sie in Richtung Oberfläche, gefolgt von ihrem Sicherheitstaucher und dann Todd und dem Tierkoordinator.

Todd Essik - Göttin mit Haien

"Als ich die Blutwolke im Wasser bei ihrem Fuß sah," erläutert Todd, "dachte ich zuerst, sie hätte sich ihren Fuß an einer scharfen Kante des Wracks geschnitten. Als ich an der Oberfläche ankam, war sie schon an Deck und ihr Fuß wurde behandelt. Ich fragte, was geschehen sei und mein Assistent berichtete mir, dass Renata von einem Hai gebissen worden war. Mein Herz stockte für einen Moment. Die Personen, die sich um Renata kümmerten versicherten mir sofort, dass sie lediglich kleinere Bissverletzungen davon getragen habe. Dies war natürlich immer noch ein furchtbarer Schock, aber unter diesen Umständen natürlich eine gute Nachricht."

Renata war schnell wieder stabilisiert und als es dann deutlich wurde, dass sie nicht mehr in Gefahr war, einen Schock zu erleiden, konnten alle wieder etwas aufatmen. Auch Renata, den Fuß bandagiert, war wieder ruhig und erklärte, sie könne den Nachmittag abwarten, ehe sie sich richtig untersuchen lässt und ermunterte das Team, mit den Aufnahmen fortzufahren. Todd fragte die Crew, was sie meinten. Der Konsens war, dass sie sich in nur geringer Gefahr befand und dass man weiter machen könne, wenn sie es wolle. Man würde sie ständig im Auge behalten und, falls notwendig, sofort die Foto-Session abbrechen und zum Festland zurück fahren.

"Renata arbeitet seit sechs Jahren mit mir und weiß von der Zeit und den Kosten, die in jedem unserer Foto-Shootings stecken", stellt Todd die Überlegung, weiterzumachen dar. "Sie weiß auch, dass unser letzter Tag im Regelfall die besten Aufnahmen lieferte. Sie war mir zuliebe unglaublich stark und weil sie wusste, wie wichtig diese Aufnahme-Session war, denn wir hatten im März ein mehr als unproduktives Foto-Shooting in der Dominicanischen Republik gehabt. Wir waren dort gewesen, um mit Buckelwalen zu Fotographieren und es stellte sich als die schwierigste und unproduktivste Aufnahme-Session überhaupt heraus. Ich denke, Renata wollte keine Wiederholung davon erleben"

Tod Essik - UnterwasserkunstFotographie

"Also blieben wir und arbeiteten ein paar Stunden weiter. Ich schoss an diesem letzten Tag einige wirklich unglaubliche Aufnahmen und kann nur sagen, dass ich die besten Modelle und die besten Crew in diesem Geschäft habe. Wobei es mir eigentlich schwer fällt, sie als Modelle und Crew zu bezeichnen, denn eigentlich sind sie meine Familie und besten Freunde. Ohne ihr stetiges Engagement für meine Arbeit und meinen Wunsch Unterwasser künstlerische Fotographien zu erschaffen, wäre ich nicht in der Lage, auch nur eine der Arbeiten die meinen Namen tragen, zu produzieren!"





Todd Essik
Todd Essik

Über Todd Essik

Todd Gary Essik wuchs in Chicago auf und verbrachte fast jeden Sommer mit seiner Familie in Südflorida. Schon in frühen Jahren wuchs seine Liebe zum Meer. Nach der High School zog Todd nach Florida und studierte an einer Kunstschule. Im letzten Semester spezialisierte sich Todd auf die Fotografie.

Während der nachfolgenden Karriere als Fotojournalist verbrachte Todd immer mehr Zeit mit der Taucherei und entwickelte ein Faible für die Unterwasserfotografie, speziell auf eine besondere Art der UW-Aktfotografie

Todd verbindet seit einigen Jahren eine tiefe Freundschaft mit dem Taucher.Net. Er selber sagt, "I'm a long time friend to Taucher.Net which has been a strong supporter of me and my Fotographic works and projects through the years".



© 2006 - Todd Essik & Redaktion; Übersetzung von Andreas Nowotny
Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung von Todd Essik, © 2006



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