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 Geschrieben von Sven Gust

Norwegen in Bildern 2006

von Sven Gust

Impression Norwegen


Bereits im letzten Jahr (Online-Magazin Nr. 61) habe ich eine kleine Auswahl der Fotos, die bei meinen Tauchgängen entlang der norwegischen Küste 2005 entstanden waren, ausgewählt und kurz beschrieben wie und wo genau ich sie gemacht habe. Ich habe durchweg sehr freundliche und positive Rückmeldungen bekommen, konnte einigen Norwegeninteressierten Ratschläge zur Planung ihrer eigenen Touren geben und mich mit einigen anderen Tauchern, die bereits die Fjorde und Küste Norwegens erkundet haben austauschen – kurz gesagt: Genug Motivation, auch in diesem Jahr einige Beispiele von dem zu zeigen, was ich bei meinen Touren fotografieren konnte!

Hinweis: Die folgenden Bilder sind per Klick vergrösserbar!


Kuckuckslippfisch oder Blauer 

Lippfisch Kuckuckslippfisch oder Blauer 

Lippfisch Kuckuckslippfisch oder Blauer 

Lippfisch


Gleich am Anfang möchte ich einige Worte zu einem der, meiner Meinung nach, interessantesten Motive schreiben. Der Kuckuckslippfisch, oder Blauer Lippfisch (norw. Blåstål), ist ein ungewöhnlicher Fisch in verschiedener Hinsicht. Als erstes natürlich heben sich die prächtig gefärbten Männchen deutlich von den allermeisten anderen Fischen der nördlichen Atlantikregion ab und sind wahre Hingucker für den Taucher.

Aber das ist es noch lange nicht allein, was für mich den Fisch als Motiv so interessant macht! Sondern vielmehr die Herausforderung, die relativ scheuen Fische abzulichten. Man muss zuerst einige Dinge wissen, wie z.B. das die Fische reviertreu sind, das ein Männchen einen kleinen Harem der unscheinbareren Weibchen um sich scharrt und dass die Fische charakterlich durchaus unterschiedlich sind - von ängstlich bis neugierig. Dass der Kuckuckslippfisch in der Lage ist, sein Geschlecht zu wandeln ist nur am Rande interessant, falls man zufällig einmal einen der Fische entdeckt, welcher farblich weder eindeutig als Männchen, noch als Weibchen zuzuordnen ist!

Zu den Fotos: Die beiden Bilder des männlichen Fisches entstanden bei einem Tauchgang, den ich gezielt diesem Fisch widmete. Zuerst suchte ich dazu einen eher neugierigen Lippfisch, beobachtet welche Abmessungen sein Revier hatte und platzierte mich dann genau in der Mitte. Hier verbrachte ich dann fast 40 Minuten und wartete immer wieder darauf, dass der „Hausherr“ sich seinerseits näherte, um zu inspizieren, was für eine komische Gestalt da wohl in seinem Vorgarten sitze und einfach nicht weggehe. Anfänglich hätte es enorm geholfen, wenn ich ein Kreislaufgerät verwendet hätte, da die Ausatemgeräusche allgemein die Fische ängstigen. Die Gewöhnung fand aber rasch statt und so entstand eine ganze Serie schöner Fotos. Nebenbei kam es zu lustigen Szenen, als sich ein weiblicher Lippfisch scheinbar zu sehr für meine blauen Trockentauchhandschuhe interessierte, was den eifersüchtigen und irritieren Platzhirsch etwas aus dem Konzept brachte!
Zweifellos wird der Blaue Lippfisch weiterhin ganz weit oben auf meiner Motivwunschliste stehen – zwar nicht selten, aber selten einfach zu fotografieren.


Sternrochen Nagelrochen


Immerhin elf verschiedene Rochenarten gibt es entlang der norwegischen Küste. Leider sind die meisten für Taucher weniger von Interesse, da sie zu tief leben und/oder teilweise auch sehr selten sind. Zwei Arten kann man allerdings häufiger beobachten: Den Sternrochen und den Nagelrochen. Man muss spezielle Stellen kennen, an denen sich die Rochen aufhalten, ansonsten begegnet man ihnen eher sehr selten und zufällig. Ich habe bisher in vielen Jahren und bei hunderten von Tauchgängen erst zwei Rochen gesehen, bis wir dann im Sommer 2006 zufällig einen solchen Tauchplatz fanden!
Bei jedem Tauchgang hier konnte ich Nagelrochen beobachten, manchmal gleich mehrere in Tiefen vom 8 bis etwa 30 Meter auf hellem Sandgrund. Viele der Fische waren über einen Meter lang und ließen Taucher dicht an sich heran, bevor sie elegant „davonsegelten“.


HMT Aston Villa Weisse Anemone vor HMT Aston 

Villa Minensuchboot 468


Alteisen als Zeuge einer düsteren Zeit. Sowohl Deutsche, als auch Alliierte verloren zahlreiche Schiffe und Flugzeuge entlang der norwegischen Küste im Zweiten Weltkrieg. Links zeigt ein Foto den intakten Bug des britischen U-Jägers HMT Aston Villa im Namsfjorden. Der bewaffnete Trawler wurde von deutschen Bombern, zusammen mit anderen britischen und französischen Schiffen, im April/Mai 1940 versenkt. Die meisten Wracks liegen leider in zu großer Tiefe bzw. sind bisher nicht lokalisiert. Zwei Kriegsschiffe lassen sich allerdings betauchen und im April konnten wir zudem ein weiteres Wrack lokalisieren, welches hiermit im Zusammenhang steht: Eine alte Fähre, welche als Bergungsschiff nach dem Krieg genutzt wurde, um von den britischen Wracks noch brauchbare Dinge zu heben. Aus ungeklärter Ursache sank jedoch die Fähre bei ihrer Arbeit und die Bergungsarbeiten wurden eingestellt.
In der Mitte ein Foto einer weißen Anemone vor den Trümmern des zerbombten Hecks der "Aston Villa". Links im Bild sieht man eine rote Stachelseegurke.
Rechts ein Foto vom flachen Heck des deutschen Minensuchboots 468, welches auf eine deutsche Seemine lief, als es einen Konvoi geleitete. Das Wrack liegt in 25 bis 35 Metern Tiefe und ist, bei oft beeindruckenden Sichtweiten und großem Fischreichtum ein erstklassiges Tauchziel. Details wie die vielen Wasserbomben, ein großes Geschütz, das Steuerrad, die beiden gewaltigen Schiffsschrauben, die intakten Bullaugen, usw. machen es besonders spannend, das Wrack zu untersuchen und man wird auch nach vielen Tauchgängen immer wieder etwas neues entdecken können!


Seespinne, Norwegen Taschenkrebs, Norwegen


In Norwegen ist es, mit wenigen Einschränkungen, Tauchern erlaubt Muscheln, Krebse (ausgenommen Hummer) und Fische von ihren Tauchgängen im Meer für den Verzehr mitzubringen. Was in Deutschland sicherlich guter Stoff für aufgebrachte Diskussionen ist, wird von fast jedem norwegischen Tauchverein gerne genutzt, um auf Touren und Treffen Grillabende zu veranstalten. Wie auch immer man dazu stehen mag, so muss man doch ehrlich anerkennen, das es umweltverträglicheren Fang wohl nicht gibt!
Links ein Taucher mit einer großen Seespinne, kaum zu glauben das es sich hierbei nur um die kleine Verwandte der Kamtschatka-Krabbe handelt, die man in Nordnorwegen sehen kann.
Rechts ein Taschenkrebs. In Südnorwegen wird ihnen mit Körben fast überall nachgestellt, in Mittelnorwegen gibt es sie noch sehr zahlreich. Das Fleisch der Scheren ist, meiner Meinung nach, durchaus mit dem des Hummers vergleichbar.


Zirrenkrake, Eledone cirrhosa Zirrenkrake, Eledone cirrhosa


Entlang der norwegischen Küste begegnen Taucher nicht sehr häufig dem Zirrenkraken (Eledone cirrhosa). Das liegt zum einen am seltenen Vorkommen, zum anderen aber auch an der perfekten Tarnung und der geringeren Größe, als bei vielen südlicheren Arten. Diese Fotos dürften deshalb eher eine Rarität darstellen, auch wenn das Motiv den meisten Tauchern sicherlich aus dem Mittelmeer bekannt vorkommen dürfte. Diese kleinere Art ist jedoch nur im Nordostatlantik beheimatet und fehlt südlicher.
Zu der ungewöhnlichen Begegnung kam es auch unter ungewöhnlichen Umständen, als ich nach einem Tauchgang an einem Wrack im Namsfjord während der Deko, bzw. dem Aufstieg einen Nagelrochen verfolgte und filmte. Der Rochen segelte in etwa 10 Metern Tiefe über den Sandgrund und scheuchte dabei den Oktopus auf. Natürlich verlagerte sich meine Interesse umgehend von dem Fisch zu dem Kopffüßer und ich schaffte es noch einige Aufnahmen zu machen, bevor leider der Akku der Fotokamera dieser seltenen Gelegenheit ein Ende setzte.


Röhrenwurm große weisse Anemone


Links ein Röhrenwurm. Den meisten Tauchern, die im Kattegat, Skagerrak, oder entlang der norwegischen Küste an Wracks getaucht haben, sollten diese zerbrechlichen Tiere bekannt sein. Sie treten oft zu tausenden auf engem Raum auf, wenn die Bedingungen günstig sind. Zumeist in dunklen Fjorden mit Schlammgrund. Sie sind schwierig zu fotografieren, da sie den prächtigen Fächer blitzschnell einziehen, wenn man ihnen zu nahe kommt.
Das Foto entstand in etwa 20 Metern Tiefe im Namsfjord an dem Wrack des weiter oben erwähnten Bergungsfahrzeuges, welches wir im April 2006 wiederentdeckt haben.
Rechts eine große weiße Anemone an einem meiner „Haustauchplätze“. In etwa 35 Metern Tiefe ragt diese weiße Schönheit allein im schwarzen Wasser auf, auf einem kleinen Plateau an einer grauen Steilwand. Sie hat ihre maximale Größe wohl schon vor einigen Jahren erreicht und verändert sich nicht mehr, seit ich hier tauche. Wie alt sie wohl sein mag kann ich nur raten.


Norwegisches Minensuchboot der SAUDA

-Klasse M-315 - Ogna Norwegisches Minensuchboot der SAUDA

-Klasse M-315 - Ogna


Wracktauchen und Recherche am lebendigen Beispiel: Das norwegische Minensuchboot der SAUDA-Klasse M-315 „Ogna“ tat seinen Dienst von 1955 bis 1995 und wurde dann, zusammen mit einigen identischen Minensuchern, ausgemustert. Einer Gruppe gelang es dabei, eines der Schiffe zu kaufen, vor der Verschrottung zu bewahren und zu einem Museumsschiff umzubauen. M-314 „Alta“ kann heute im Hafen von Oslo, direkt vor der Festung, besichtigt werden. Auf dem Wrack fehlen natürlich die meisten Details, die man auf dem Museumsschiff sehen kann. Aber wann hat man schon die Möglichkeit, nach einem Wracktauchgang ein identisches Schiff im Originalzustand zu besichtigen?
Die Crew, welche M-314 heute betreut, wusste übrigens nichts davon, das es noch ein Wrack von diesem Typ gibt und war der Überzeugung, dass nach 1995 alle komplett zerlegt und abgewrackt wurden.
Das Wrack ist zwar nicht sehr reich an Details, steht aber imposant in 30 Metern Tiefe und ragt 15 Meter auf. Man kann in Brücke und Innenräume tauchen und der Bewuchs von Röhrenwürmern, Anemonen und Seescheiden ist teilweise recht üppig.


Küstenmotorschiff 

HAMO roter Seestern am Wrack der HAMO


Links: Wrackfotografie aus ungewöhnlicher Perspektive! Dieses Foto habe ich im Sommer 2006 am Wrack des Küstenmotorschiffs HAMO aufgenommen. An diesem schönen Wrack habe ich schon einige Tauchgänge gemacht und alles ausreichend erkundet. Somit verwende ich nun manchen Tauchgang dazu, spannende und ungewöhnliche Motive zu finden. In diesem Beispiel habe ich einen Schwarm Köhler über dem Vorschiff aus dem Laderaum heraus aufgenommen. Da ich mich nicht recht zwischen der Originalfarbe (kräftiges Grün) und einer Version in Schwarz/Weiß entscheiden konnte, habe ich die Farbe stark reduziert. Das Bild strahl so mehr Ruhe aus, wie ich finde.
Rechts ein Beispielfoto für eine Kombination aus Planung, Geduld und etwas Glück. Den roten Sonnenstern habe ich an dieser Stelle platziert. Ich wollte ihn mit dem Blitz ausleuchten und dabei auch die Schlucht und die Laminarien im Hintergrund später auf dem Foto erkennen können. Leider hatte ich noch nicht die idealen Einstellungen gefunden, als der kleine Dorsch dicht vor mir durch das Bild schwamm. Sicherlich kein spektakuläres Foto, aber doch eine schöne Erinnerung daran, wie es doch immer wieder kleine Zufälle sind, die zu schönen Fotos und interessanten Taucherlebnissen führen.


Köhlerschwarm, 

Norwegen Kelpwald Norwegen


Zwei besonders beeindruckende Highlights die man entlang der norwegischen Küste sehen und erleben kann: Links ein Köhlerschwarm im April in einem kleinen Hafen. Beeindruckend zu erleben, wie die Fische immer wieder verschiedene Muster schwimmen, mal wild durcheinander, dann träge nach Plankton schnappen und plötzlich wieder, wie auf ein stummes Kommando geordnet und zielstrebig, blitzschnell, in eine Richtung. Ich kann ganze Tauchgänge damit verbringen, einfach bewegungslos auf dem Sandgrund zu knien und dieses Schauspiel zu beobachten.
Rechts sind die typischen drei bis vier Meter hohen Kelppflanzen zu sehen, wie sie an vielen exponierten Stellen entlang der mittelnorwegischen Küste im flachen Wasser zu finden sind. Einen Tauchgang in diesem Unterwasserdschungel sollte man unbedingt erlebt haben. Besonders imposant sind hierbei schmale Schluchten, die es ermöglichen, unter den Pflanzen entlang zu schwimmen. Bei Sonne, guter Sicht und leichtem Wellengang wird es mit Sicherheit ein Tauchgang, an den man sich noch lange erinnern wird!


Seewolf Seehase


Zwei Fotos aus dem kalten Wasser des Nordostatlantiks im April 2006. Links ein Seewolf – vielleicht der markanteste Fisch Norwegens. Ihm zu begegnen ist ebenfalls etwas Glückssache, da sich die Fische meistens in Felsspalten, Höhlen und Wracks verbergen. Im Frühjahr und Winter kann man allerdings manchmal auch mehrere bei einem Tauchgang finden, wenn man entsprechende Plätze kennt. Die Fische sehen gefährlich aus, sind aber absolut friedlich, wenn man sie nicht zu stark bedrängt. Sie wählen gewöhnlich immer die Flucht, jedoch sollte man nicht vergessen, zu was ihr mächtiges Gebiss fähig ist!
Rechts ein gerade geschlüpfter, winziger Seehase. Viele Taucher kennen die friedlichen und plumpen Fische aus der Ostsee. Die Männchen bewachen im Frühjahr den Laich, welcher an Wracks, Steinen, oder Hafenanlagen angeheftet wird. Es ist möglich, sich ihnen dann dicht zu nähern, was jedoch einige Taucher leider auch übertreiben und den Fischen dann zu viel Stress bereiten.
Diese Miniaturausführung habe ich im April im flachen Wasser auf einem Kelpblatt entdeckt. Ihn zu fotografieren kostete etwas Mühe, da sich das Fischlein ständig in Bewegung befand und scheinbar nicht fotografiert werden wollte.


Buschträger od. 

Dornenbutterfisch Rotbarsch


Links: Ein echter Heimlichtuer ist der Buschträger, oder auch Dornenbutterfisch. Er ist weit verbreitet und kommt eigentlich recht häufig vor. Durch seine versteckte Lebensweise bekommen die meisten Taucher in der Nord- und Ostsee und dem Nordatlantik diesen Fisch wohl eher selten zu Gesicht. Sieht man ihn dann, so hat man meistens keine Kamera griffbereit. So kommt es, das ich ebenfalls nicht besonders viele Fotos von diesem Fisch im Archiv habe und mich über das recht gelungene Porträt gefreut habe.
Der Rotbarsch ist das schon leichter zu fotografieren, auch wenn die Fische meistens unter Felsen verschwinden, wenn man ihnen zu nahe kommt. Es gibt Tauchplätze, an denen man die Fische in Schwärmen sehen kann, manchmal aber auch nur vereinzelt. Dieses Foto habe ich in einem Fjord gemacht.


roter Seestern kleiner Rotbarsch


Der Rote Sonnenstern ist nicht gerade selten anzutreffen und immer wieder ein schöner Anblick. Allerdings handelt es sich bei ihm auch um einen gefährlichen Jäger, der andere Seesterne jagt und frisst.
Ein Foto, aufgenommen an einem meiner Lieblingstauchplätze in Mittelnorwegen. Hier fällt eine Schlucht von etwa 10 Metern Tiefe ins Bodenlose ab und bietet immer wieder neue Überraschungen, sowie eine beeindruckende Unterwasserlandschaft.
Der kleine Rotbarsch landet selten auf dem Teller, anders als sein größerer Verwandter aus der Tiefsee. Die Fische sind oft recht zutraulich und lassen Taucher dicht an sich heran, so wie auch dieses Exemplar. Diese Art gibt es sowohl vor der Küste, als auch in den Fjorden regelmäßig in Tiefen ab etwa 15 oder 20 Metern zu sehen. Manchmal sogar noch flacher.

© 2006 - Sven Gust - www.tauchprojekt.de



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