Bereits im letzten Jahr (Online-Magazin Nr. 61) habe ich eine kleine Auswahl
der Fotos, die bei meinen Tauchgängen entlang der norwegischen Küste
2005 entstanden waren, ausgewählt und kurz beschrieben wie und wo genau ich sie gemacht habe. Ich habe durchweg sehr freundliche und positive
Rückmeldungen bekommen, konnte einigen Norwegeninteressierten Ratschläge
zur Planung ihrer eigenen Touren geben und mich mit einigen anderen Tauchern,
die bereits die Fjorde und Küste Norwegens erkundet haben austauschen
– kurz gesagt: Genug Motivation, auch in diesem Jahr einige Beispiele von dem
zu zeigen, was ich bei meinen Touren fotografieren konnte!
Hinweis:Die folgenden Bilder sind per Klick vergrösserbar!
Gleich am Anfang möchte ich einige Worte zu einem der, meiner Meinung
nach, interessantesten Motive schreiben. Der Kuckuckslippfisch, oder Blauer
Lippfisch (norw. Blåstål), ist ein ungewöhnlicher Fisch in
verschiedener Hinsicht. Als erstes natürlich heben sich die prächtig
gefärbten Männchen deutlich von den allermeisten anderen Fischen der
nördlichen Atlantikregion ab und sind wahre Hingucker für den Taucher.
Aber das ist es noch lange nicht allein, was für mich den Fisch als
Motiv so interessant macht! Sondern vielmehr die Herausforderung, die relativ
scheuen Fische abzulichten. Man muss zuerst einige Dinge wissen, wie z.B.
das die Fische reviertreu sind, das ein Männchen einen kleinen Harem
der unscheinbareren Weibchen um sich scharrt und dass die Fische charakterlich
durchaus unterschiedlich sind - von ängstlich bis neugierig. Dass der
Kuckuckslippfisch in der Lage ist, sein Geschlecht zu wandeln ist nur am Rande
interessant, falls man zufällig einmal einen der Fische entdeckt,
welcher farblich weder eindeutig als Männchen, noch als Weibchen zuzuordnen
ist!
Zu den Fotos: Die beiden Bilder des männlichen Fisches entstanden
bei einem Tauchgang, den ich gezielt diesem Fisch widmete. Zuerst suchte ich
dazu einen eher neugierigen Lippfisch, beobachtet welche Abmessungen sein
Revier hatte und platzierte mich dann genau in der Mitte. Hier verbrachte
ich dann fast 40 Minuten und wartete immer wieder darauf, dass der „Hausherr“
sich seinerseits näherte, um zu inspizieren, was für eine komische
Gestalt da wohl in seinem Vorgarten sitze und einfach nicht weggehe. Anfänglich
hätte es enorm geholfen, wenn ich ein Kreislaufgerät verwendet hätte,
da die Ausatemgeräusche allgemein die Fische ängstigen. Die Gewöhnung
fand aber rasch statt und so entstand eine ganze Serie schöner Fotos.
Nebenbei kam es zu lustigen Szenen, als sich ein weiblicher Lippfisch scheinbar zu
sehr für meine blauen Trockentauchhandschuhe interessierte, was den eifersüchtigen
und irritieren Platzhirsch etwas aus dem Konzept brachte!
Zweifellos wird der Blaue Lippfisch weiterhin ganz weit oben auf meiner Motivwunschliste
stehen – zwar nicht selten, aber selten einfach zu fotografieren.
Immerhin elf verschiedene Rochenarten gibt es entlang der norwegischen Küste.
Leider sind die meisten für Taucher weniger von Interesse, da sie zu
tief leben und/oder teilweise auch sehr selten sind. Zwei Arten kann man allerdings
häufiger beobachten: Den Sternrochen und den Nagelrochen. Man muss spezielle
Stellen kennen, an denen sich die Rochen aufhalten, ansonsten begegnet man
ihnen eher sehr selten und zufällig. Ich habe bisher in vielen Jahren
und bei hunderten von Tauchgängen erst zwei Rochen gesehen, bis wir
dann im Sommer 2006 zufällig einen solchen Tauchplatz fanden!
Bei jedem Tauchgang hier konnte ich Nagelrochen beobachten, manchmal gleich
mehrere in Tiefen vom 8 bis etwa 30 Meter auf hellem Sandgrund. Viele der
Fische waren über einen Meter lang und ließen Taucher dicht an
sich heran, bevor sie elegant „davonsegelten“.
Alteisen als Zeuge einer düsteren Zeit. Sowohl Deutsche, als auch Alliierte
verloren zahlreiche Schiffe und Flugzeuge entlang der norwegischen Küste
im Zweiten Weltkrieg. Links zeigt ein Foto den intakten Bug des britischen
U-Jägers HMT Aston Villa im Namsfjorden. Der bewaffnete Trawler wurde
von deutschen Bombern, zusammen mit anderen britischen und französischen
Schiffen, im April/Mai 1940 versenkt. Die meisten Wracks liegen leider in
zu großer Tiefe bzw. sind bisher nicht lokalisiert. Zwei Kriegsschiffe
lassen sich allerdings betauchen und im April konnten wir zudem ein weiteres
Wrack lokalisieren, welches hiermit im Zusammenhang steht: Eine alte Fähre,
welche als Bergungsschiff nach dem Krieg genutzt wurde, um von den britischen
Wracks noch brauchbare Dinge zu heben. Aus ungeklärter Ursache sank jedoch die Fähre
bei ihrer Arbeit und die Bergungsarbeiten wurden eingestellt.
In der Mitte ein Foto einer weißen Anemone vor den Trümmern des
zerbombten Hecks der "Aston Villa". Links im Bild sieht man eine rote Stachelseegurke.
Rechts ein Foto vom flachen Heck des deutschen Minensuchboots 468, welches
auf eine deutsche Seemine lief, als es einen Konvoi geleitete. Das Wrack liegt
in 25 bis 35 Metern Tiefe und ist, bei oft beeindruckenden Sichtweiten und
großem Fischreichtum ein erstklassiges Tauchziel. Details wie die vielen
Wasserbomben, ein großes Geschütz, das Steuerrad, die beiden gewaltigen
Schiffsschrauben, die intakten Bullaugen, usw. machen es besonders spannend, das Wrack
zu untersuchen und man wird auch nach vielen Tauchgängen immer wieder
etwas neues entdecken können!
In Norwegen ist es, mit wenigen Einschränkungen, Tauchern erlaubt Muscheln,
Krebse (ausgenommen Hummer) und Fische von ihren Tauchgängen im Meer
für den Verzehr mitzubringen. Was in Deutschland sicherlich guter Stoff
für aufgebrachte Diskussionen ist, wird von fast jedem norwegischen Tauchverein
gerne genutzt, um auf Touren und Treffen Grillabende zu veranstalten. Wie auch
immer man dazu stehen mag, so muss man doch ehrlich anerkennen, das es umweltverträglicheren
Fang wohl nicht gibt!
Links ein Taucher mit einer großen Seespinne, kaum zu glauben das es sich
hierbei nur um die kleine Verwandte der Kamtschatka-Krabbe handelt, die man
in Nordnorwegen sehen kann.
Rechts ein Taschenkrebs. In Südnorwegen wird ihnen mit Körben
fast überall nachgestellt, in Mittelnorwegen gibt es sie noch sehr zahlreich.
Das Fleisch der Scheren ist, meiner Meinung nach, durchaus mit dem des Hummers
vergleichbar.
Entlang der norwegischen Küste begegnen Taucher nicht sehr häufig
dem Zirrenkraken (Eledone cirrhosa). Das liegt zum einen am seltenen
Vorkommen, zum anderen aber auch an der perfekten Tarnung und der geringeren
Größe, als bei vielen südlicheren Arten. Diese Fotos dürften
deshalb eher eine Rarität darstellen, auch wenn das Motiv den meisten
Tauchern sicherlich aus dem Mittelmeer bekannt vorkommen dürfte. Diese
kleinere Art ist jedoch nur im Nordostatlantik beheimatet und fehlt südlicher.
Zu der ungewöhnlichen Begegnung kam es auch unter ungewöhnlichen
Umständen, als ich nach einem Tauchgang an einem Wrack im Namsfjord während
der Deko, bzw. dem Aufstieg einen Nagelrochen verfolgte und filmte. Der Rochen
segelte in etwa 10 Metern Tiefe über den Sandgrund und scheuchte dabei
den Oktopus auf. Natürlich verlagerte sich meine Interesse umgehend
von dem Fisch zu dem Kopffüßer und ich schaffte es noch einige
Aufnahmen zu machen, bevor leider der Akku der Fotokamera dieser seltenen
Gelegenheit ein Ende setzte.
Links ein Röhrenwurm. Den meisten Tauchern, die im Kattegat, Skagerrak,
oder entlang der norwegischen Küste an Wracks getaucht haben, sollten
diese zerbrechlichen Tiere bekannt sein. Sie treten oft zu tausenden auf engem
Raum auf, wenn die Bedingungen günstig sind. Zumeist in dunklen Fjorden
mit Schlammgrund. Sie sind schwierig zu fotografieren, da sie den prächtigen
Fächer blitzschnell einziehen, wenn man ihnen zu nahe kommt.
Das Foto entstand in etwa 20 Metern Tiefe im Namsfjord an dem Wrack des
weiter oben erwähnten Bergungsfahrzeuges, welches wir im April 2006
wiederentdeckt haben.
Rechts eine große weiße Anemone an einem meiner „Haustauchplätze“.
In etwa 35 Metern Tiefe ragt diese weiße Schönheit allein im schwarzen
Wasser auf, auf einem kleinen Plateau an einer grauen Steilwand. Sie hat ihre
maximale Größe wohl schon vor einigen Jahren erreicht und verändert
sich nicht mehr, seit ich hier tauche. Wie alt sie wohl sein mag kann ich
nur raten.
Wracktauchen und Recherche am lebendigen Beispiel: Das norwegische Minensuchboot
der SAUDA-Klasse M-315 „Ogna“ tat seinen Dienst von 1955 bis 1995 und wurde
dann, zusammen mit einigen identischen Minensuchern, ausgemustert. Einer Gruppe
gelang es dabei, eines der Schiffe zu kaufen, vor der Verschrottung zu bewahren
und zu einem Museumsschiff umzubauen. M-314 „Alta“ kann heute im Hafen von
Oslo, direkt vor der Festung, besichtigt werden. Auf dem Wrack fehlen natürlich
die meisten Details, die man auf dem Museumsschiff sehen kann. Aber wann hat
man schon die Möglichkeit, nach einem Wracktauchgang ein identisches Schiff
im Originalzustand zu besichtigen?
Die Crew, welche M-314 heute betreut, wusste übrigens nichts davon,
das es noch ein Wrack von diesem Typ gibt und war der Überzeugung, dass
nach 1995 alle komplett zerlegt und abgewrackt wurden.
Das Wrack ist zwar nicht sehr reich an Details, steht aber imposant in 30
Metern Tiefe und ragt 15 Meter auf. Man kann in Brücke und Innenräume
tauchen und der Bewuchs von Röhrenwürmern, Anemonen und Seescheiden
ist teilweise recht üppig.
Links: Wrackfotografie aus ungewöhnlicher Perspektive! Dieses Foto
habe ich im Sommer 2006 am Wrack des Küstenmotorschiffs HAMO aufgenommen.
An diesem schönen Wrack habe ich schon einige Tauchgänge gemacht
und alles ausreichend erkundet. Somit verwende ich nun manchen Tauchgang dazu,
spannende und ungewöhnliche Motive zu finden. In diesem Beispiel habe
ich einen Schwarm Köhler über dem Vorschiff aus dem Laderaum heraus
aufgenommen. Da ich mich nicht recht zwischen der Originalfarbe (kräftiges
Grün) und einer Version in Schwarz/Weiß entscheiden konnte, habe
ich die Farbe stark reduziert. Das Bild strahl so mehr Ruhe aus, wie ich finde.
Rechts ein Beispielfoto für eine Kombination aus Planung, Geduld und
etwas Glück. Den roten Sonnenstern habe ich an dieser Stelle platziert.
Ich wollte ihn mit dem Blitz ausleuchten und dabei auch die Schlucht und die
Laminarien im Hintergrund später auf dem Foto erkennen können. Leider
hatte ich noch nicht die idealen Einstellungen gefunden, als der kleine Dorsch
dicht vor mir durch das Bild schwamm. Sicherlich kein spektakuläres Foto,
aber doch eine schöne Erinnerung daran, wie es doch immer wieder kleine
Zufälle sind, die zu schönen Fotos und interessanten Taucherlebnissen
führen.
Zwei besonders beeindruckende Highlights die man entlang der norwegischen
Küste sehen und erleben kann: Links ein Köhlerschwarm im April in
einem kleinen Hafen. Beeindruckend zu erleben, wie die Fische immer wieder
verschiedene Muster schwimmen, mal wild durcheinander, dann träge nach
Plankton schnappen und plötzlich wieder, wie auf ein stummes Kommando
geordnet und zielstrebig, blitzschnell, in eine Richtung. Ich kann ganze Tauchgänge
damit verbringen, einfach bewegungslos auf dem Sandgrund zu knien und dieses
Schauspiel zu beobachten.
Rechts sind die typischen drei bis vier Meter hohen Kelppflanzen zu sehen,
wie sie an vielen exponierten Stellen entlang der mittelnorwegischen Küste
im flachen Wasser zu finden sind. Einen Tauchgang in diesem Unterwasserdschungel
sollte man unbedingt erlebt haben. Besonders imposant sind hierbei schmale
Schluchten, die es ermöglichen, unter den Pflanzen entlang zu schwimmen.
Bei Sonne, guter Sicht und leichtem Wellengang wird es mit Sicherheit ein
Tauchgang, an den man sich noch lange erinnern wird!
Zwei Fotos aus dem kalten Wasser des Nordostatlantiks im April 2006. Links
ein Seewolf – vielleicht der markanteste Fisch Norwegens. Ihm zu begegnen
ist ebenfalls etwas Glückssache, da sich die Fische meistens in Felsspalten,
Höhlen und Wracks verbergen. Im Frühjahr und Winter kann man allerdings
manchmal auch mehrere bei einem Tauchgang finden, wenn man entsprechende Plätze
kennt. Die Fische sehen gefährlich aus, sind aber absolut friedlich,
wenn man sie nicht zu stark bedrängt. Sie wählen gewöhnlich
immer die Flucht, jedoch sollte man nicht vergessen, zu was ihr mächtiges
Gebiss fähig ist!
Rechts ein gerade geschlüpfter, winziger Seehase. Viele Taucher kennen
die friedlichen und plumpen Fische aus der Ostsee. Die Männchen bewachen
im Frühjahr den Laich, welcher an Wracks, Steinen, oder Hafenanlagen
angeheftet wird. Es ist möglich, sich ihnen dann dicht zu nähern,
was jedoch einige Taucher leider auch übertreiben und den Fischen dann zu
viel Stress bereiten.
Diese Miniaturausführung habe ich im April im flachen Wasser auf einem
Kelpblatt entdeckt. Ihn zu fotografieren kostete etwas Mühe, da sich
das Fischlein ständig in Bewegung befand und scheinbar nicht fotografiert
werden wollte.
Links: Ein echter Heimlichtuer ist der Buschträger, oder auch Dornenbutterfisch.
Er ist weit verbreitet und kommt eigentlich recht häufig vor. Durch seine
versteckte Lebensweise bekommen die meisten Taucher in der Nord- und Ostsee
und dem Nordatlantik diesen Fisch wohl eher selten zu Gesicht. Sieht man
ihn dann, so hat man meistens keine Kamera griffbereit. So kommt es, das ich
ebenfalls nicht besonders viele Fotos von diesem Fisch im Archiv habe und mich
über das recht gelungene Porträt gefreut habe.
Der Rotbarsch ist das schon leichter zu fotografieren, auch wenn die Fische
meistens unter Felsen verschwinden, wenn man ihnen zu nahe kommt. Es gibt Tauchplätze,
an denen man die Fische in Schwärmen sehen kann, manchmal aber auch
nur vereinzelt. Dieses Foto habe ich in einem Fjord gemacht.
Der Rote Sonnenstern ist nicht gerade selten anzutreffen und immer wieder
ein schöner Anblick. Allerdings handelt es sich bei ihm auch um einen
gefährlichen Jäger, der andere Seesterne jagt und frisst.
Ein Foto, aufgenommen an einem meiner Lieblingstauchplätze in Mittelnorwegen.
Hier fällt eine Schlucht von etwa 10 Metern Tiefe ins Bodenlose ab und
bietet immer wieder neue Überraschungen, sowie eine beeindruckende Unterwasserlandschaft.
Der kleine Rotbarsch landet selten auf dem Teller, anders als sein größerer
Verwandter aus der Tiefsee. Die Fische sind oft recht zutraulich und lassen
Taucher dicht an sich heran, so wie auch dieses Exemplar. Diese Art gibt es
sowohl vor der Küste, als auch in den Fjorden regelmäßig in
Tiefen ab etwa 15 oder 20 Metern zu sehen. Manchmal sogar noch flacher.
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