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Onlinemagazin - 74. Ausgabe - 20 Jahre Camel Dive Club! - Tauchen am Süd- Sinai mit dem CDC




 Geschrieben von Harry

Nur Party? Es wäre einfach viel zu schade, an den Sinai zu kommen, ohne zu Tauchen!

Die lokalen Tauchausfahrten des CDC starten praktischerweise von der Jetty in der südlichen Na´ama Bay. Die Fahrt in den Hafen von Sharm el-Sheikh mit dem Bus entfällt somit meist. In etwa fünf Minuten ist man zu Fuß am Schiff. Ausrüstung und Flaschenschleppen wie bei meinem ersten Besuch hier vor 10 Jahren? Keineswegs! Der Taucher von heute muss nur mehr sich selbst aufs Boot hieven. Den Rest erledigt die Crew. Die Taucher von heute sind ja im Gegensatz zu den Froschmännern von gestern wirklich verwöhnte und umsorgte Weicheier! ;-))

Die Boote werden gechartert, wobei auch hier auf Qualität geachtet wird. Erste Hilfe Ausrüstung und eine 50 Liter Flasche Sauerstoff sind natürlich mit an Bord.
Erwähnenswert ist auch das ausführliche Briefung an Bord und die jedes Mal wieder detailreich und liebevoll mit der Hand gezeichneten Tauchplatzskizzen.

Ras Mohammed: Shark Bay - Jolanda Reef

Weichkorallen
Farbenfrohe Weichkorallen
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Ras Mohammed war einst der wohl berühmteste Tauchplatz der Welt. Aber auch nach Jahrzehnten ist dies immer noch ein einfach erstklassiger Tauchplatz! Vergleichbares findet man nicht so schnell.

Eine senkrechte Steilwand, die von der Oberfläche bis in mehrere Hundert Meter Tiefe abfällt. Schweben pur sowie Fauna und Flora vom Feinsten! Jeder Meter - nein Zentimeter - der Wand eröffnet dem Beobachter neue Einblicke in das Unterwasserleben. Aber auch der Blick ins Blaue oder nach oben an die Oberfläche lohnt! Kaum eine Minute vergeht, an der nicht irgendein Hochseebewohner ins Blickfeld kommt! Jagende Makrelen, Thunfische, Barrakudas, und vieles mehr. Tipp: Einfach viel Schauen und nicht nur stur der Wand entlang flosseln und "Strecke machen"!

Die auch aus Dokumentarfilmen berühmten riesigen Fischschwärme finden sich hier jedes Jahr im Hochsommer ein. Im Winter sind nur kleinere Gruppen zu sehen, die den Taucher aber trotzdem faszinieren.



Napoleon
Napoleon am Jolanda Reef

Nach einem Sattel gelangt man weiter zum Jolanda Reef, das nach einen Schiff benannt wurde, das 1981 hier auf Grund lief, bis 1986 am Riff hing, um dann endgültig in eine Tiefe von 200 Metern zu verschwinden. Übrig blieben fast nur Ladungsreste der Jolanda: Badewannen und vor allem unzählige Kloschüsseln Marke "Ideal Standard", die schon für so manches witzige Fotomotiv samt Taucher drauf sorgten. Am Riff leben auch mindestens drei Napolenfische, von denen zumindest der ältere regelmäßig mit gekochten Eiern angefüttert wurde und vielleicht auch noch wird. Hier narrte ein (fremder) Tauchguide den Fisch mit einem Tischtennisball. Es ist sehr traurig, dass sich einfache Verhaltensweisen gegenüber den Meeresbewohnern noch immer nicht bei allen Tauchern herumgesprochen haben. Besonders entäuschend ist es, wenn sich Tauchguides entsprechend gedankenlos verhalten!

Ras Ghazlani

Ein "Englischer Garten" mit schönen Korallenformationen etwas nördlich des Ras Mohammed Nationalparks. Dieser Tauchplatz ist wegen seiner Nähe zu den beliebten Top-Tauchplätzen in südlich Richtung weniger betaucht. Fauna und Flora können aber durchaus mit diesen mithalten und bieten sich als schöner Tauchgang nach dem Nationalpark an.
Warum "Englischer Garten"? Wer hier taucht, hat den Eindruck, in einem der gepflegten Gärten bei Englands Schlössern und Herrenhäusern, die von vielen Besuchern bewundert werden, zu tauchen.

Fächerkorallen bei Ras Ghazlani
Schöne Fächerkorallen bei Ras Ghazlani

Aber kein fleißiger und kreativer Gärtner sorgt hier für all diese abwechslungsreichen und wunderbaren Farben und Gestaltgebungen. Die Natur in Form unzähliger Generationen winziger Korallenpolypen erschuf in Epochen diese wunderbare Vielfalt an Formen und Gestalten.
Seine Bewohner, Untermieter und Besucher aus dem Meer scheinen sich hier durchaus wohl zu fühlen:
Ein Zitterrochen schien uns seine Reich zeigen zu wollen und führte uns ein Weilchen, während ich versuchte ihn zu fotografieren, ohne ihn zu stören.

Tiran - Thomas Reef

Ein sensationeller Tauchgang an einer bezaubernden Riffwand mit hervorragender Sicht!
Etwa eine Bootsstunde nordöstlich der Na'ama Bay reichen die vier Riffe von Tiran bis an die Wasseroberfläche. Thomas Reef ist das kleinste der vier Riffe und kann bei guten Bedingungen theoretisch in einem Tauchgang umrundet werde. Empfehlenswerter ist es aber, sich auch hier auf die Fauna und Flora zu konzentrieren, die sich in den oftmals heftigen Strömungen prächtig entwickelte. Der Tauchplatz bietet sich optimal dafür an, einen tollen Drift-Tauchgang zu machen. Auch besteht hier an den Riffen von Tiran die Chance Großfisch zu sehen - Haie eingeschlossen!
Besonders schön ist das Riff in den sonnendurchfluteten oberen 5 bis 10 Metern. Aber nicht nur die großen Meeresbewohner sind hier zu erwarten - die Faszination liegt wie so oft im Kleinen:

In einer Fächerkoralle zeigt mir mein Dive Guide Bianca den Fisch, den ich seit Jahren vergebens suchte, den Langnasenbüschelbarsch (salopp: LaNaBüBa). Jetzt ist mir auch klar, warum dieses kleine Miststück von einem Fisch schon so manchen Fotografen in der Wahnsinn trieb. Kaum glaubt man sich nahe genug an den kleinen Kerl heran gepirscht zu haben und er fast richtig im Bild ist - schwupp - plötzlich sitzt er auf der anderen Seite der Koralle und das Spiel kann wieder von vorne beginnen...

Langnasenbüschelbarsch
Dann doch vor die Linse geschwommen: der Langnasenbüschelbarsch

Kleiner Trost: Die Frau von meinem italienischen Kollegen Marco Daturi von www.scubaportal.it machte aus dem Handgelenk um die Koralle herum ein super Foto von so einem kleinen Langnasenbüschelbarsch. Marco umkreiste derweil die Fächerkoralle, um den "LaNaBüBa" mit seiner d-SLR samt Blitzen endlich aufs Bild zu bekommen, was mit viel Geduld dann auch gelang.

Ras Nasrani

Dieser Tauchspot befindet sich etwa eine dreiviertel Bootsstunde nördlich der Na'ama Bay. Nasrani (Nazrani) leitet sich vom arabischen für "Kap (Ras) der Christen" (Nazaräer) ab. Die Frage nach dem Ursprung dieses Namens konnte bislang aber nicht zufriedenstellend beantwortet werden.
Der Tauchplatz befindet sich an einer ins Meer ragenden Landzunge, die von einem Saumriff umgeben ist. Ras Nasrani zählt zu den Klassikern am Sinai und ist so, wie man am Bild hier im ersten Kapitel sieht, seit Jahrzehnten einer der bekanntesten Tauchplätzen am Sinai, die auch von Land aus betaucht werden können.

Das Riff fällt hier die ersten zehn Meter steiler ab und geht dann in einen Riffabhang über. Schöne Fächerkorallen laden zur näheren Begutachtung ein und zwischen den Korallenformationen tauchen plötzlich immer wieder Hochseejäger wie Stachelmakrelen oder Thunfische auf, um im Riff zu jagen oder um eine Putzerstation zu besuchen.

Early Morning Dive Anemone City - Shark Bay - Jolanda Reef

Ich kann meinem Guide Bianca nur dankbar sein, dass sie mich zu diesem Tauchgang am Morgen überzeugte. Wir trennten uns von der Gruppe am Anemone Reef und warten etwas in der Strömung bzw. "wir lassen sie einfach mal von uns davontümpeln", dachen wir. Aber der Rest unserer Gruppe nahm ohnehin einen anderen Weg um das Riff und so tauchten wir fast 40 Minuten vollkommen alleine.

Ras Mohammed
Im unglaublichen Blau des Ras Mohammed
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Direkt durch das unglaubliche Blau im Freiwassers des 800 m drop-offs zur Shark Bay. Rumherum Blau. Oben Hellblau. Nach unten dunklere Blautöne.
The Big Blue...

Nur eine Gruppe großer Barrakudas begleitete uns. Nur unsere Luftblasen. Kein anderer Taucher. Keine kreischende Schraubengeräuschen von Tauchbooten. Stille. Blau. Einkehren in sich selbst - Meditation. Fliegen. Nein - Schweben! Spontan beginne ich "Sailing" von Rod Steward zu summen. "I am flying, I am flying, like a bird..."

Das Riff wird nach einigen Minuten wieder schemenhaft sichtbar. Dann ein Paar Schnapper. Stachelmakrelen ziehen vorbei.

Ein geistiges Innehalten. Schräg einfallende Lichtstrahlen aus Osten. Einfach nur schön! Über den Sattel zum Jolanda Reef. Immer noch unglaubliche Ruhe und Entspanntheit. Du bist ein Partikel ... Du bist ein Partikel in der Zeit ...

Erst hier - begegnen uns wieder Taucher aus unserer Gruppe. Dies ist einer meiner schönsten Tauchgänge in den letzten 13 Jahren. Einer, den ich verinnerlicht habe. Einer der ganz wenigen. Hier habe wieder das entdeckt, das ich am Tauchen vermisste, ja schon fast verloren hatte!

Ladungsreste der Jolanda
Zurück in der Wirklichkeit: Ladungsreste der Jolanda

Wrack Dunraven - Beacon Rock

Heck der Dunraven
Heck der Dunraven
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Dieses kombinierte Dampf-/Segelschiff lief vor 130 Jahren, 1876 hier auf das Shaab Machmud auf. Beim Versuch, es vom Riff freizubekommen lief es endgültig leck und sank. Über das 1977 vom bekannten israelischen Taucher Howard Rosenstein wieder entdeckte Wrack kann man hier viel Interessantes nachlesen.

Das Wrack liegt heute kieloben in einer Tiefe von 15 bis 29 Metern fast parallel zum Riff. Taucht man vom Riff aus ab, entdeckt man erst die stark zerstörte Bugpartie, auf die eine riesige Lücke folgt, die wohl den Untergang verursachte. Taucht man am insgesamt etwa 85 Meter langen Rumpf weiter, gelangt man zum Heck mit dem Ruderblatt und der einst vierblättrigen Schiffsschraube. Das verlorene Blatt der Schiffsschraube liegt übrigens gleich neben dem Wrack.

Am Heck findet man am Meersboden eine Öffnung, durch die man das Wrack bequem penetrieren kann. Haben sich die Augen ans Dunkel gewöhnt, erkennt man rasch das riesige Innere des Schiffes. Die Holzinnereien sind weitestgehend verschwunden. Übrig blieb nur der Stahlrumpf des Schiffes. Durch Bullaugen und viele größere und kleinere Öffnungen fällt viel Licht ins Wrack. Eine Lampe schadet aber trotzdem nicht, um das Wrack erforschen zu können! Mitten im Wrack befindet sich noch immer der mächtige Dampfkessel, der fast die gesamte Breite des Innenraums einnimmt. Nach etwa 50 Metern gelangt man wieder durch die große Öffnung bequem aus dem Wrack.

Süsslippenschwarm
Süsslippenschwarm in der Dunraven

Aber auch im kleineren Bugbereich gibt es noch ein interessantes betauchbares Stückchen Wrack. Mit so vielen neuen Eindrücken gesättigt taucht man am Riff bequem aus. Die Korallen sind hier nicht so überragend, aber es gibt wohl kaum einen besseren Platz in der Umgebung um Steinfische zu suchen! Unter den Tauchguides gibt es regelrechte Wettbewerbe, wer die meisten hier findet!



Visum Information

Es gibt das - wenig bekannte - "Sinai-Only" Visum, das nichts kostet und man bei der Einreise erhalten kann. Ideal beispielsweise für Dahab. Das Gratis-Visum erlaubt allerdings NICHT den Ras Mohammed Nationalpark, die Dunraven oder die Thistlegorm zu besuchen (bei diesen Touren ist der Pass mitzunehmen!)
Also besser die 15 Dollar für das reguläre Visum bei der Einreise investieren und nicht am falschen Platz sparen! Das (kostenpflichtige) Visum ist übrigens bei vielen Pauschalreisen im Preis inbegriffen!




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© Text und UW-Bilder 2006 by Harald Mathä
© restliche Bilder by Harald Mathä, Camel Dive Club und dessen beauftragten Fotografen (mit freundlicher Genehmigung)



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