Sanfte Riesen in Gefahr

 Geschrieben von Dr. Robert Hofrichter

DER WALHAI (Rhincodon typus)

von Robert Hofrichter, Franziska Anderle und Kathrin Herzer

  • Chondrichthyes (Knorpelfische)
  • Neoselachii (Haie und Rochen)
  • Galea (Echte Haie, ca. 270 Arten; die andere evolutive Linie sind die Squalea, Stachelhaie und Rochen)
  • Ordnung Orectolobiformes (= Ammenhaiartige, 7 Familien)
  • Familie Rhincodontidae (= Walhaie, nur 1 Art)

Walhai - bei diesem Wort bekommt fast jeder Taucher große Augen. Begegnungen mit dem größten Fisch der Erde werden zwar für Taucher immer häufiger, weil spezielle Reiseangebote die Beobachtung dieser friedlichen Riesen möglich machen und wir durch genauere Erkenntnisse seiner Lebensweise genauere Voraussagen über den Aufenthaltsort von Walhaien machen können. Doch der Schein trügt, denn zugleich werden Walhaie immer seltener – und immer kleiner. Grund genug, sich mit diesem Riesen zu beschäftigen. In seinem Namen ist sowohl seine Verwandtschaft (er ist ein Hai) als auch seine Ernährungsweise (er ernährt sich wie die großen Bartenwale filtrierend, nicht nur von Plankton, sondern auch von größeren Organismen und Fischen) enthalten.

Einige Daten und Fakten

Der Walhai ist der größte Fisch der Welt, mit etwa zwei Metern Abstand „dicht“ gefolgt vom Riesenhai (Cetorhinus maximus), der in etwa 12 m Länge erreicht! Doch wie so oft – bei der Größe wird gern übertrieben (trifft auf alle Haie zu – und nicht nur diese). Die beim Walhai oft auftauchende Größenangabe von 18 Metern ist sicher eine Übertreibung (allerdings kann man nicht ausschließen, dass es früher, bevor der Mensch das Weltmeer so intensiv geplündert hat, mehr große Exemplare gegeben hat). Zuverlässige Angaben aus seriösen Quellen über sicher vermessene Exemplare sprechen von etwa 14 Metern, aber das ist immer noch sehr viel!

Sehr auffallend bei diesen Tieren ist das sehr breite, horizontale Maul, das – anders als bei typischen Haien – nicht unterhalb der Schnauze (unterständig) auf der Bauchseite (ventral) liegt, sondern sich genau am vorderen Ende (endständig) befindet. Dies steht in Zusammenhang mit der Ernährung, ebenso wie die großen Kiemenspalten. Ebenso typisch ist die eckige Kopfform bei ausgewachsenen Exemplaren, was ebenfalls mit dem Maul und der Ernährungsweise zusammenhängt. Die allermeisten Haie haben eine eher zugespitzte oder zumindest abgerundete Kopfform.

Die Grundfärbung ist grau, bläulich oder bräunlich, mit vertikalen, hellen Streifen und weißen Punkten bzw. Tupfen, die über den gesamten Körper verteilt sind. Die Bedeutung dieser charakteristischen Musterung ist nicht definitiv geklärt, denn eine Tarnung hat ein Fisch dieser Größe wohl kaum nötig.

Der Walhai besitzt zwei Rückenflossen und eine Analflosse sowie fünf Kiemenspalten (das trifft auf die allermeisten Haiarten zu – mit nur wenigen Ausnahmen: In der Gruppe der Kammzähnerhaie (Hexanchiformes) kommen drei Arten mit sechs oder sieben Kiemenspalten vor (Gattungen Hexanchus, Notorhynchus und Heptranchias).

Realistische Aussagen über den weltweiten Bestand sind praktisch unmöglich! Sicher ist nur, dass die Walhaie ebenfalls dem barbarischen Brauch des Finnings zum Opfer fallen, dass sie einem immer stärkeren Raubbau unterliegen, immer seltener werden und vom Aussterben bedroht sind.

Walhaibegegnung auf den Malediven
Oktober 2003
Ein Aussenriff im Süd-Ari-Atoll auf den Malediven.

Unsere Freundin Florence springt ins Wasser, um nach Walhaien zu suchen. Doch sie verliert ihre Maske und sieht den Walhai im Meer voller Luftblasen gar nicht. Fotograf Robert hat diesen Augenblick mit der Kamera eingefangen, bei dem der Walhai direkt unter der ambitionierten Beobachterin durchschwimmt, ohne dass es diese merkt… 15 Minuten lang begleiteten wir schließlich dieses Riesenkind (“nur” maximal fünf Meter lang und damit ein juveniles Tier). Wir waren glücklich und zugleich besorgt, denn uns war es wohl bewusst, dass es auf dieser Welt zu viele skrupellose Menschen gibt, denen es um den augenblicklichen Profit geht und denen Schlagworte wie “Artenschutz” völlig gleichgültig sind.

Der Mensch liebt Sensationen. Oft sind es rekordverdächtige Größen und Leistungen, die es ihm angetan haben. Das größte, das kleinste, das schnellste, das langlebigste Tier… die höchste Steigerung einer Möglichkeit fesselt immer unsere Aufmerksamkeit. Rekorde faszinieren uns. Diese triviale Erkenntnis macht sich auch die Werbung zunutze, wen sie etwa für Duplo den Slogan kreiert: Die wahrscheinlich längste Praline der Welt.
Taucher sind auch nur Menschen und in dieser Hinsicht sicher keine Ausnahme. Die Rekorde der Unterwasserwelt fesseln sie. Dass dabei der größte Fisch eine besondere Rolle spielt, überrascht kaum. Und dass dieser größte Fisch noch dazu ein Hai ist, macht den Riesen umso interessanter. Dass der große Hai schließlich auch noch ein friedlicher und harmloser Riese ist – kein Raubfisch, sondern ein Filtrierer, dem man sich bis auf einige Zentimeter nähern kann, ohne dass er uns seine Aufmerksamkeit schenkt – macht dieses Tier geradezu sensationell. Und seine Gewohnheit erst, zu bestimmten Zeiten an bestimmten Stellen des Weltmeeres in großer Zahl aufzutauchen, wodurch seine Auffindung und Beobachtung wesentlich erleichtert wird, macht ihn für Taucher, Schnorchler und alle Liebhaber des Meeres zu einer der größten „Geschenken“ der Natur.

Der Riese weckt mit Recht unsere Neugierde: Wo und wie lebt er genau, offensichtlich wandert er im Ozean hin und her – einem reichlichen Nahrungsangebot hinterher, doch woher er kommt und wohin er schwimmt, bleibt unklar. Und wie orientiert er sich dabei? Wie ist das soziale Leben der Walhaie untereinander, wo paaren sie sich, wo bringen die Weibchen ihre Jungen zur Welt ...und vieles mehr. Oft überrascht es uns bei genauerem Hinsehen, dass wir eigentlich fast nichts wissen. Der Riese ist doch so auffällig, nicht zu übersehen. Und doch relativiert sich das in den Weiten des Ozeans.
Außer, dass es den Riesenfisch gibt (immer wieder hört man die These, dass Haie keine Fische sind, aber das darf man nicht so ernst nehmen...), wusste die Welt über ihn lange Zeit herzlich wenig... Erst die modernste Technik und ihr Einsatz bei Projekten der letzten Jahrzehnte ermöglichen uns allmählich Einblicke in das Leben der Walhaie. Dennoch gilt nach wie vor, dass wir über ihn fast nichts wissen – und das, obwohl heute viele Menschen die Möglichkeit haben, sie tauchend oder schnorchelnd zu erleben. Doch das sind nur Momentaufnahmen, Sekunden in ihrem Leben – meistens in Zeiten, wo sie sich aufgrund des erhöhten Nahrungsangebots an bestimmten Stellen aufhalten.


Walhai












Nützliche Links:

http://www.flmnh.ufl.edu/fish/Gallery/Descript/Whaleshark/whaleshark.html

http://www.vistaverde.de/news/Natur/0406/18_walhai.php

http://www.uni-mainz.de/



© 2007 - Robert Hofrichter, Franziska Anderle und Kathrin Herzer




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