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Onlinemagazin - 75. Ausgabe - Sanfte Riesen in Gefahr - Walhaie - Familienalbum




 Geschrieben von Dr. Robert Hofrichter

Aus dem Familienalbum

Die Verwandtschaft des Walhais überrascht und zeigt, wie verworren die Wege der Evolution sind. Denn die Orectolobiformes – jene Ordnung, zu der man Walhaie zählt und die sich durch zwei Rückenflossen ohne Stacheln, sehr markante Nasengruben und in der Regel durch ein großes Spiraculum (Spritzloch) hinter dem Auge auszeichnen (mit Ausnahme des Walhais) – setzt sich fast ausschließlich aus bodenlebenden Haiarten zusammen. Man denke nur an Wobbegongs (Orectolobidae), die Zebrahaie (Stegostomatidae) oder die Tauchern gut bekannten Ammenhaie (Ginglymostomatidae). Bei genauerem Hinsehen meint man in der Tat eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Walhaien und Amenhaien zu erkennen. Vielleicht liegt es daran, dass auch Ammenhaie ein nahezu endständiges Maul haben, im Gegensatz zu den allermeisten „typischen“ Haien mit ihrem deutlich unterständigen Maul. Doch so klar endständig – also genau an der Kopfspitze - wie beim Walhai ist das Maul kaum bei einer zweiten Haiart – eine Anpassung an die filtrierende Lebensweise. Allerdings ist Vorsicht geboten: Filtrieren bedeutet nicht automatisch nur Plankton fressen, dazu kommen wir später).

Der Walhai ist der pelagische Wanderer unter einer weitgehend benthischen Verwandtschaft. Pelagisch ist gleichbedeutend mit einer Lebensweise im Freiwasser, ein ozeanischer Fisch sozusagen, benthisch hingegen bedeutet Bodenbewohner – Arten, die am Gewässergrund leben.

Der aufmerksame Beobachter wird schnell bemerken, dass bei den großen, Plankton fressenden Rochen, genau dasselbe passiert ist. Das bei Rochen sonst deutlich auf der Bauchseite liegende Maul hat sich bei diesen frei schwimmenden Hochseeformen nach vorne – verlagert und verbreitert (man denke nur an Mantas).

Doch zurück zur Verwandtschaft: Weiter weniger bekannte Familien unter den Orectolobiformes sind die Blindhaie (Brachaeluridae), die Halsbandteppichhaie (Parascylliidae), die Langschwanzteppichhaie (Hemiscylliidae).
Die eigentliche Familie der Walhaie, die Rhincodontidae, ist als eine der wenigen Haifamilien monotypisch, wie der Zoologe es nennt. Das bedeutet, dass nur eine einzige Gattung und innerhalb dieser nur eine Art eine eigene Gruppe (z.B. Familie) bildet.
Dass innerhalb der (Ordnung) Orectolobiformes das Spiraculum ausgerechnet beim Walhai weitgehend reduziert ist, ist kein Zufall. Bei bodenlebenden Haien dient dieses besondere „Loch“, diese Verbindung zwischen Außenmedium und Rachenraum hinter dem Auge, als zusätzliches „Atmungsorgan“ also eigentlich eine Kiemenöffnung (genau das sind diese Spiracula auch stammesgeschichtlich: Reste von ehemaligen Kiemenspalten bzw. Kiementaschen, die als Erbe der Evolution erhalten geblieben sind.). Frisches Atemwasser kann über diese Öffnung zusätzlich zum Maul angesaugt werden (wie es bei den Rochen gut zu sehen ist, bei denen dieses Spiraculum besonders groß ist). Bei Weißen Haien etwa kann man oft beobachten, wie nach einem Angriff auf Robben, bei dem der Hai Luft verschluckt hat, diese als kleine Luftblasen aus einem kaum sichtbaren kleinen Loch hinter dem Auge ausperlt. Bei pelagischen Haien mit einer filtrierenden Lebensweise, einem riesigen Maul und Kiemenspalten gewaltiger Dimensionen, wie dem Walhai, können hingegen die Spritzlöcher weitgehend oder ganz reduziert werden.



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20.07.2008 13:30 Taucher Online : 183
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