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Planktonfresser oder nicht?
Immer wieder hört man in Dokumentarfilmen und findet selbst in seriösen
Büchern und noch häufiger im Internet die Behauptung, dass Walhaie
Planktonfresser sind. Vielleicht ist es überraschend, aber diese Behauptung
ist falsch. Zumindest ist sie ungenau und berücksichtigt elementare
meeresbiologische Erkenntnisse nicht. Plankton ist nur ein Teil der Organismenwelt
im Ozean und zwar jener, der mit der vorherrschenden Strömung treibt
und nicht in der Lage ist, wesentlich gegen die Strömung anzuschwimmen.
Plankton ist nicht gleichbedeutend mit „klein“, denn auch große Quallen
zählen dazu. Plankton ist gleichbedeutend mit „Treibendes und Schwebendes“.
Alle anderen Organismen im Wasser, die sich aus eigener Muskelkraft gegen
die Strömung behaupten können, also etwa Kalmare, Knorpel- und
Knochenfische, Meeresschildkröten oder Meeressäuger, zählen
zum so genannten Nekton. Wenn Walhaie Planktonfresser wären, würde
es bedeuten, dass sie nur Planktonorganismen fressen. Doch das trifft nicht
zu.
Walhaie sind vielmehr Filtrierer, und das ist ein großer Unterschied:
Denn der Begriff Filtrierer legt nicht fest, welche Größe die
Nahrungspartikel haben... und Walhaie fressen durchaus auch Fische bis zur
Größe von Makrelen und kleinen Tunfischen, wenn sie diese ins
Maul bekommen...
Vor kurzem zeigte eine BBC-Dokumentation hervorragende und bisher wenig bekannte
Aufnahmen von Walhaien und Sardinenschwärmen: Sardinenschwärme
versammeln sich rund um Walhaie und halten sich ständig in ihrer Nähe
auf, weil sie dort offensichtlich in Sicherheit vor verschiedenen Fressfeinden
sind, vor allem den Makrelen ... die Makrelen haben einen gewissen Respekt
vor dem Walhai und lassen den Fischschwarm in Ruhe. Erst wenn der Walhai
in tieferes Wasser abtaucht, verlieren die Sardinenschwärme ihren Schutz
und werden von den Makrelen attackiert ... Das war schon interessant genug,
doch auf einmal tauchte der Walhai wieder aus der Tiefe auf, und mit offenem
Maul schwamm er ganz gezielt mitten in den Sardinenschwarm. Diese Aufnahme
zeigte, was schon lange bekannt ist: Walhaie filtrieren aus dem Wasser alles,
was sie erwischen können, und das ist durchaus nicht nur Plankton.
Walhaie sind aktive Filtrierer, das bedeutet, dass sie Wasser aktiv einsaugen.
Ein Filtrierer muss ein Werkzeug haben, mit dem er seine Nahrunspartikel
vom Wasser trennt. Im Fall der Walhaie ist es ein Kiemenreusenapparat. In
diesen Kiemenreusen bleibt die Beute hängen und wird dann zum Rachen
befördert und verschluckt, ob kleiner oder größer, ob Plankton
oder Nekton. Dass Walhaie nur "mikroskopisch kleine Planktonorganismen"
fressen, wie es auch in dieser ansonsten wunderbaren Dokumentation hieß,
ist einfach nicht wahr, eine tief verwurzelte Falschinformation. Der aufmerksame
Taucher wird daher einen Unterschied zwischen Planktonfresser (frisst ausschließlich
Plankton) und Filtrierer machen (frisst alles, was er aus dem Wasser herausfiltern
kann).
Im Gegensatz zum Walhai ist etwa der Riesenhai (Cetorhinus maximus),
der zweite große Nicht-Raubhai, der fast so groß wird wie der
Walhai, tatsächlich ein hoch spezialisierter Planktonfresser, der mit
seinem speziell angepassten Reusenapparat fast ausschließlich und selektiv
Copepoden (Ruderfußkrebschen) aus dem Wasser filtert.
Es ist ja bemerkenswert, dass sich ausgerechnet die größten Lebewesen
im Meer oft von den kleinsten ernähren. So ist es bei Walen (Bartenwale),
bei Rochen (Mantas, Mobulas) und auch bei Haien.
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06.07.2008 00:01 Taucher Online : 91 Heute 9, ges. 27331032 Besucher
 
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