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Onlinemagazin - 75. Ausgabe - Sanfte Riesen in Gefahr - Walhaie - Planktonfresser?




 Geschrieben von Dr. Robert Hofrichter

Planktonfresser oder nicht?

Immer wieder hört man in Dokumentarfilmen und findet selbst in seriösen Büchern und noch häufiger im Internet die Behauptung, dass Walhaie Planktonfresser sind. Vielleicht ist es überraschend, aber diese Behauptung ist falsch. Zumindest ist sie ungenau und berücksichtigt elementare meeresbiologische Erkenntnisse nicht. Plankton ist nur ein Teil der Organismenwelt im Ozean und zwar jener, der mit der vorherrschenden Strömung treibt und nicht in der Lage ist, wesentlich gegen die Strömung anzuschwimmen. Plankton ist nicht gleichbedeutend mit „klein“, denn auch große Quallen zählen dazu. Plankton ist gleichbedeutend mit „Treibendes und Schwebendes“. Alle anderen Organismen im Wasser, die sich aus eigener Muskelkraft gegen die Strömung behaupten können, also etwa Kalmare, Knorpel- und Knochenfische, Meeresschildkröten oder Meeressäuger, zählen zum so genannten Nekton. Wenn Walhaie Planktonfresser wären, würde es bedeuten, dass sie nur Planktonorganismen fressen. Doch das trifft nicht zu.

Walhai


Walhaie sind vielmehr Filtrierer, und das ist ein großer Unterschied: Denn der Begriff Filtrierer legt nicht fest, welche Größe die Nahrungspartikel haben... und Walhaie fressen durchaus auch Fische bis zur Größe von Makrelen und kleinen Tunfischen, wenn sie diese ins Maul bekommen...

Vor kurzem zeigte eine BBC-Dokumentation hervorragende und bisher wenig bekannte Aufnahmen von Walhaien und Sardinenschwärmen: Sardinenschwärme versammeln sich rund um Walhaie und halten sich ständig in ihrer Nähe auf, weil sie dort offensichtlich in Sicherheit vor verschiedenen Fressfeinden sind, vor allem den Makrelen ... die Makrelen haben einen gewissen Respekt vor dem Walhai und lassen den Fischschwarm in Ruhe. Erst wenn der Walhai in tieferes Wasser abtaucht, verlieren die Sardinenschwärme ihren Schutz und werden von den Makrelen attackiert ... Das war schon interessant genug, doch auf einmal tauchte der Walhai wieder aus der Tiefe auf, und mit offenem Maul schwamm er ganz gezielt mitten in den Sardinenschwarm. Diese Aufnahme zeigte, was schon lange bekannt ist: Walhaie filtrieren aus dem Wasser alles, was sie erwischen können, und das ist durchaus nicht nur Plankton.
Walhaie sind aktive Filtrierer, das bedeutet, dass sie Wasser aktiv einsaugen. Ein Filtrierer muss ein Werkzeug haben, mit dem er seine Nahrunspartikel vom Wasser trennt. Im Fall der Walhaie ist es ein Kiemenreusenapparat. In diesen Kiemenreusen bleibt die Beute hängen und wird dann zum Rachen befördert und verschluckt, ob kleiner oder größer, ob Plankton oder Nekton. Dass Walhaie nur "mikroskopisch kleine Planktonorganismen" fressen, wie es auch in dieser ansonsten wunderbaren Dokumentation hieß, ist einfach nicht wahr, eine tief verwurzelte Falschinformation. Der aufmerksame Taucher wird daher einen Unterschied zwischen Planktonfresser (frisst ausschließlich Plankton) und Filtrierer machen (frisst alles, was er aus dem Wasser herausfiltern kann).

Im Gegensatz zum Walhai ist etwa der Riesenhai (Cetorhinus maximus), der zweite große Nicht-Raubhai, der fast so groß wird wie der Walhai, tatsächlich ein hoch spezialisierter Planktonfresser, der mit seinem speziell angepassten Reusenapparat fast ausschließlich und selektiv Copepoden (Ruderfußkrebschen) aus dem Wasser filtert.
Es ist ja bemerkenswert, dass sich ausgerechnet die größten Lebewesen im Meer oft von den kleinsten ernähren. So ist es bei Walen (Bartenwale), bei Rochen (Mantas, Mobulas) und auch bei Haien.




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