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Onlinemagazin - 75. Ausgabe - Sanfte Riesen in Gefahr - Walhaiforschung




 Geschrieben von Dr. Robert Hofrichter

Walhaiforschung auf den Seychellen:

So groß der Fisch, so klein das Wissen über ihn

Damit sinnvolle Schutzmaßnahmen überhaupt umgesetzt werden können, muss zuerst mehr über Biologie und Verhalten einer Art bekannt werden. Wenn man nichts über die Populationsgrößen weiß, ist auch ein Überwachen der Bestände unmöglich. Gesichertes Wissen über den Walhai war bisher Mangelware. Und auch die stark erhöhte Zahl der Sichtungen ist ein rezentes Phänomen: erst 1828 durch Andrew Smith als Rhincodon typus wissenschaftlich beschrieben, hat es bis 1986 nur 320 sichere und schriftlich überlieferte Sichtungen weltweit gegeben. Nur zum Vergleich, was gezielte Studien mit modernen Mitteln zu leisten vermögen: Im Rahmen des nachfolgend beschriebenen Projekts wurden zwischen Juli und September 2005 allein rund um die Granitinseln der Seychellen 570 Walhai gesichtet!
Der breiteren Öffentlichkeit ist es nur wenig bekannt, dass die Seychellen nicht nur beträchtliche Walhaibestände aufzuweisen haben (die Kreolen nennen den großen, aber harmlosen Hai "Sagren"), sondern auch ein eigenes Whale Shark Monitoring Programm vorweisen können. Es steht unter der Leitung der Marine Conservation Society der Seychellen (eine NGO; PO Box 1299, Victoria, Mahé; www.mcss.sc, info@mcss.sc).

Mit einem Ultraleicht-Fluggerät ausgestattet, flog MCSS-Microlight-Pilot Johan Anderson in den letzten Jahren unzählige Einsätze und suchte die großen Tiere aus der Vogelperspektive. Per Funk leitete er die Information an seine Kollegen auf den Booten weiter, die daraufhin versuchten, möglichst viele Haie zu markieren. An besonders guten Tagen hatte Pilot Anderson während eines einzigen Fluges bis zu 49 Sichtungen! Auch von Booten aus und nicht zuletzt durch Taucher und Naturfreunde wird intensiv Monitoring betrieben: Zwischen Juli und September 2006 wurden 349 Walhaie gemeldet, darunter wurde bei 61 Tieren das Geschlecht bestimmt (57 Männchen, nur 4 Weibchen!!! - die Ansammlung der Walhaie vor den Seychellen geht folglich wohl mehr auf ein günstiges Nahrungsangebot zurück und weniger auf Reproduktionsverhalten).

Diese Informationen stammen aus einer Broschüre des Whale Shark Monitoring Programms und basieren auf Informationen von Jeremy Colman (CALM). Mehr Infos unter www.mcss.sc. Übrigens: Jeder kann eine Patenschaft für einen Walhai übernehmen und damit helfen, ihre Erforschung und ihren Schutz zu sichern!

Walhai

Wissenswertes

Warum ist der Walhai so stark bedroht?
Wegen der allgemein geringen Reproduktionrate und späten Geschlechtsreife, die für große Haiarten charakteristisch ist, sind diese besonders gefährdet. Sie ähneln in ihrer Reproduktionsbiologie eher den Meeressäugern als Fischen, sind sie doch überwiegend lebendgebärend.

Auch die Jungtiere des Walhais schlüpfen bereits im Mutterleib aus den Eiern (mit ca. 24 x 14 x 9 cm sehr große Eikapsel im Mutterleib) –die Weibchen legen daher keine Eier. Ihren über 60 cm langen Nachwuchs scheinen sie das ganze Jahr über zu bekommen, da Jungtiere sowohl im Winter als auch im Sommer in einzelnen Regionen gefunden werden. Da sie keine Dottersack-Plazenta besitzen, handelt es sich um eine so genannte aplazentale Viviparie. Die immer wieder gefundenen riesigen Eitaschen sind lediglich Frühgeburten.

Das Fleisch der Walhaie ist vor allem in Asien, aber auch in anderen Gebieten eine beliebte Delikatesse oder in ärmeren Gegenden zumindest eine willkommene Bereicherung des Speisezettels. Die große Nachfrage nach Walhai-Fleisch, besonders in Taiwan und Hongkong, und die Aussicht auf über 3.000 € pro erlegtem Walhai verlocken Fischer immer wieder dazu, die Meeresgiganten zu jagen. So sind sie vielerorts bereits ausgestorben oder akut davon bedroht und finden sich heute auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten wieder.

Laut FAO-Statistiken hatte der weltweite Handel mit Haifischflossen 1976 ein Volumen von 2,5 t und erbrachte 13 Millionen €, während er im Jahr 2006 bereits auf 4000 t und 1,1 Milliarden € angewachsen ist. Da allerdings ein großer Teil der Fänge von offiziellen Statistiken nicht erfasst wird, ist die tatsächliche Menge deutlich höher. Die Naturschutzorganisation WildAid (www.wildaid.org) führte vor kurzem Untersuchungen auf den Märkten Hongkongs durch und kam zu dem Ergebnis, dass das Handelsvolumen nahezu doppelt so hoch ist wie in den offiziellen Statistiken angegeben.




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