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Beziehung zum Menschen
Der Walhai verhält sich dem Menschen gegenüber – trotz seiner
Größe – völlig friedlich. Tausende Taucher und Schnorchler
jährlich können sich davon persönlich überzeugen. Ihr
Verhalten ist durch langsames Schwimmen auf der Suche nach Nahrung an der
Oberfläche geprägt. Diese Verhaltensweise wurde den Walhaien in
den letzten Jahren stark zum Verhängnis, denn sie konnten dadurch leicht
in großen Zahlen abgeschlachtet werden. Entsprechend wurde für
Walhaie auch ein Markt erschlossen. Einmal mehr ist es das abstoßende
"Finning", das auch diese Tiere erreichte. In Taiwan existiert ein riesiger
Absatz für diese Haiart, welche dort unter dem Namen "Tofuhai" angeboten
wird. Verschiedene Maßnahmen, diese Tiere zu schützen, sind nun
im Gange und konnten in einigen Ländern bereits mit Erfolg durchgeführt
werden. (Ausführliche Infos: www.uni-mainz.de )
Eine Studie des WWF Philippinen und der Silliman Universität untersuchte
1997 den Fang und Handel mit Walhaien auf den Philippinen. Die Studie zeigte,
dass 1993 nur sechs Dorfgemeinschaften Walhaie gefangen und mit ihnen Handel
getrieben haben. 1997 wurden schon von 17 Dörfern Walhaie gefangen.
Während 1993 jährlich pro Dorf etwa 26 Walhaie gefangen wurden,
waren es 1997 nur noch 11, die an Land gezogen werden konnten (das sind rund
190 Tiere pro Jahr). Der Rückgang zeigt, dass die Menge der Walhaie
in den Gewässern um die Philippinen nicht für 17 Dörfer ausreicht
und die Walhai-Populationen die Verluste nicht schnell genug durch Jungtiere
kompensieren können. Die Walhaie werden klassisch überfischt.
Hauptgrund dafür, dass sich der Walhaifang auf den Philippinen seit
1993 derart verbreitet hat, war das zunehmende Interesse an Walhaifleisch
und die dadurch stark gestiegenen Preise. Lokale Regierungsstellen haben
nun reagiert und ein Fang- und Handelsverbot für Walhaie erlassen. Da
der Schutz nicht alleine durch ein Fangverbot bewirkt werden kann, wurde
gleichzeitig ein Programm entwickelt, das den Ökotourismus mit dieser
Haiart fördern sollte.
Im Januar 1998 sammelten sich vor Donsol (Sorsogon, südliches Luzon,
Philippinen) einige Walhaie. Sofort versuchte die lokale Tourismusstelle,
diese Region als Tourismusattraktion zu erschließen. Medienberichte
führten dazu, dass Touristen sich dieses Naturschauspiel ansehen wollten,
und die Bevölkerung schien davon zu profitieren. Doch die Walhaie lockten
auch Fischer an. Um legale Maßnahmen gegen die Fischerei in den Gewässern
treffen zu können, setzte die Regierung von Donsol anfangs März
1998 ein Gesetz in Kraft, das die Walhaie in kommunalen Gewässern schützen
sollte. Doch trotz dieses Gesetzes wurden 7 Walhaie getötet. Dies löste
national einen Alarm aus. Ende März wurde ein nationaler Beschluss,
die "Fishery Administrative Order 193", zum Schutz von Walhaien und den ebenfalls
befischten Mantarochen gefasst.
Ökotourismus auf den Philippinen ist eine Alternative zur Fischerei
und sollte unter allen Umständen verstärkt werden. Erste Resultate
für die Jahre 1998 und 1999 sind vielversprechend.
Neue Erkenntnisse über das Verhalten von Riesenhaien (Cetorhinus
maximus)
Von Igor Ruza (RSEC, Basel)
Bisher war bekannt, dass die filtrierenden, sich von Plankton ernährenden
Riesenhaie (Cetorhinus maximus) einen typischen Tag-Nacht Rhythmus im Tauchverhalten
aufweisen. Im Morgengrauen tauchen sie in größere Tiefen, aus denen
sie in der Abenddämmerung wieder bis knapp unter die Oberfläche
zurückkehren. Der Schlüsselfaktor, der dieses Verhalten auslöst,
ist die Vertikalwanderung des Zooplanktons. Diese Vertikalwanderung ist schon
an und für sich ein interessantes und ökologisch wichtiges Thema
in der Meeresbiologie. Man nimmt an, dass der Hauptgrund die Fraßvermeidung
ist. Diese Hypothese beruht darauf, dass sich Fraßfeinde des Zooplanktons
optisch orientieren und daher in größeren Tiefen ihre Beute wegen
des Lichtmangels weniger gut entdecken können. In der Abenddämmerung
kehren die Organismen des Zooplanktons zurück an die Oberfläche,
wo sie im Schutze der Dunkelheit selber zu Räubern werden oder sich von
Phytoplankton ernähren. Die Riesenhaie, dessen Nahrung solches Zooplankton
ist, haben sich an dieses Wanderverhalten angepasst.
Britische Forscher haben nun herausgefunden, dass Riesenhaie diesen "normalen"
Tagesrhythmus verändern und sich an spezielle Schutzmaßnahmen des
Zooplanktons anpassen können. Dr. David Sims und seine Mitarbeiter haben
das Tauchverhalten von vier Riesenhaien genau untersucht. Zwei davon in den
seichten Gewässern des Ärmelkanals und zwei jenseits der Schelfkante
in tieferen Gewässern südwestlich von Irland und in seichten Gewässern
der Clyde Sea, westlich von Schottland. Die Haie wurden mit speziellen "Pop-up
tags" markiert, welche während eines programmierten Zeitrahmens Wassertiefe,
Temperatur und Lichtstärke speicherten. Nach Ablauf dieser Zeit lösen
sich die Pop-up Marker automatisch von den Haien los und driften auf der
Meeresoberfläche, bis das Team sie mit Hilfe von Satelliten Empfängern
orten und einsammeln kann.
Das Team konnte zeigen, dass die Riesenhaie im tiefen offenen Atlantik und
in der Clyde Sea dem bisher bekannten Verhaltensmuster folgten. In der Morgendämmerung
verfolgten sie das Zooplankton, vorwiegend Ruderfußkrebschen aus der
Gattung Calanus, in Tiefen von 80 bis 120 Meter, und in der Abenddämmerung
kehrten sie, wieder dem Zooplankton folgend, zurück zu einer Tiefe von
0 bis 20 Metern. Im Ärmelkanal jedoch haben die Riesenhaie diesen Rhythmus
umgekehrt. Tagsüber befanden sie sich an der Oberfläche in einer
Tiefe von 0 bis 10 Meter und nachts wanderten sie in Tiefen von bis zu 60
Metern.
Die Resultate weisen darauf hin, dass sich die Riesenhaie an die veränderte
Verhaltensweise des Zooplanktons anpassen können. Organismen des Zooplanktons
entwickeln verschiedenste Verhaltensweisen, um sich vor Fraßfeinden
zu schützen. Eine davon ist die oben erwähnte Flucht tagsüber
in dunklere Tiefen. Doch auch Räuber (z.B. Fischlarven und Pfeilwürmer)
können sich an diese Muster anpassen, so dass das Plankton diese Verhaltensweise
einfach umkehrt. Mit akustischen Methoden (Sonar-Messungen) konnte das Team
rund um Sims zeigen, dass im Ärmelkanal das Zooplankton eine solche Umkehrung
ihres Wanderverhaltens durchgeführt hat. Auch andere Faktoren wie Wassertemperatur
oder der markante Tidenhub in dieser Region könnten bei diesem Verhaltensmuster
eine Rolle spielen. Ihre Studie zeigt auch, dass diese Vorgehensweise aber
kein Schutz vor den Riesenhaien ist, die sich somit als "schlauer" erweisen,
als bisher angenommen wurde.
Neben den neuen Erkenntnissen über das Tauchverhalten von Riesenhaien
führen die Resultate dieser Studie auch zu wichtigen Hinweisen für
die Überwachung von Populationsgrößen solcher Tiere. Da Riesenhaie
und auch Walhaie (Rhincodon typus) nur gezählt und kontrolliert
werden können, wenn sie sich unmittelbar unter der Meeresoberfläche
befinden, spielt das Tauchverhalten eine sehr große Rolle in der Bestandesaufnahme.
"Dadurch, dass sich bereits innerhalb einer Population die individuellen Tauchmuster
so stark unterscheiden können, ist es möglich dass bisherige Schätzungen
von Populationsgrößen um ein Zehnfaches zu klein oder aber auch
zu groß sein könnten.", so die Autoren.
Quelle:
David W. Sims, Emily J. Southall, Geraint A. Tarling, Julian D. Metcalfe
(2005) Blackwell Publishing, Ltd.
Habitat-specific normal and reverse diel vertical migration in the plankton-feeding
basking shark
Journal of Animal Ecology 2005 74, 755-761
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