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Onlinemagazin - 75. Ausgabe - Sanfte Riesen in Gefahr - Walhai und Mensch




 Geschrieben von Dr. Robert Hofrichter

Beziehung zum Menschen

Der Walhai verhält sich dem Menschen gegenüber – trotz seiner Größe – völlig friedlich. Tausende Taucher und Schnorchler jährlich können sich davon persönlich überzeugen. Ihr Verhalten ist durch langsames Schwimmen auf der Suche nach Nahrung an der Oberfläche geprägt. Diese Verhaltensweise wurde den Walhaien in den letzten Jahren stark zum Verhängnis, denn sie konnten dadurch leicht in großen Zahlen abgeschlachtet werden. Entsprechend wurde für Walhaie auch ein Markt erschlossen. Einmal mehr ist es das abstoßende "Finning", das auch diese Tiere erreichte. In Taiwan existiert ein riesiger Absatz für diese Haiart, welche dort unter dem Namen "Tofuhai" angeboten wird. Verschiedene Maßnahmen, diese Tiere zu schützen, sind nun im Gange und konnten in einigen Ländern bereits mit Erfolg durchgeführt werden. (Ausführliche Infos: www.uni-mainz.de )

Eine Studie des WWF Philippinen und der Silliman Universität untersuchte 1997 den Fang und Handel mit Walhaien auf den Philippinen. Die Studie zeigte, dass 1993 nur sechs Dorfgemeinschaften Walhaie gefangen und mit ihnen Handel getrieben haben. 1997 wurden schon von 17 Dörfern Walhaie gefangen. Während 1993 jährlich pro Dorf etwa 26 Walhaie gefangen wurden, waren es 1997 nur noch 11, die an Land gezogen werden konnten (das sind rund 190 Tiere pro Jahr). Der Rückgang zeigt, dass die Menge der Walhaie in den Gewässern um die Philippinen nicht für 17 Dörfer ausreicht und die Walhai-Populationen die Verluste nicht schnell genug durch Jungtiere kompensieren können. Die Walhaie werden klassisch überfischt.
Hauptgrund dafür, dass sich der Walhaifang auf den Philippinen seit 1993 derart verbreitet hat, war das zunehmende Interesse an Walhaifleisch und die dadurch stark gestiegenen Preise. Lokale Regierungsstellen haben nun reagiert und ein Fang- und Handelsverbot für Walhaie erlassen. Da der Schutz nicht alleine durch ein Fangverbot bewirkt werden kann, wurde gleichzeitig ein Programm entwickelt, das den Ökotourismus mit dieser Haiart fördern sollte.

Im Januar 1998 sammelten sich vor Donsol (Sorsogon, südliches Luzon, Philippinen) einige Walhaie. Sofort versuchte die lokale Tourismusstelle, diese Region als Tourismusattraktion zu erschließen. Medienberichte führten dazu, dass Touristen sich dieses Naturschauspiel ansehen wollten, und die Bevölkerung schien davon zu profitieren. Doch die Walhaie lockten auch Fischer an. Um legale Maßnahmen gegen die Fischerei in den Gewässern treffen zu können, setzte die Regierung von Donsol anfangs März 1998 ein Gesetz in Kraft, das die Walhaie in kommunalen Gewässern schützen sollte. Doch trotz dieses Gesetzes wurden 7 Walhaie getötet. Dies löste national einen Alarm aus. Ende März wurde ein nationaler Beschluss, die "Fishery Administrative Order 193", zum Schutz von Walhaien und den ebenfalls befischten Mantarochen gefasst.
Ökotourismus auf den Philippinen ist eine Alternative zur Fischerei und sollte unter allen Umständen verstärkt werden. Erste Resultate für die Jahre 1998 und 1999 sind vielversprechend.

Walhai

Neue Erkenntnisse über das Verhalten von Riesenhaien (Cetorhinus maximus)

Von Igor Ruza (RSEC, Basel)
Bisher war bekannt, dass die filtrierenden, sich von Plankton ernährenden Riesenhaie (Cetorhinus maximus) einen typischen Tag-Nacht Rhythmus im Tauchverhalten aufweisen. Im Morgengrauen tauchen sie in größere Tiefen, aus denen sie in der Abenddämmerung wieder bis knapp unter die Oberfläche zurückkehren. Der Schlüsselfaktor, der dieses Verhalten auslöst, ist die Vertikalwanderung des Zooplanktons. Diese Vertikalwanderung ist schon an und für sich ein interessantes und ökologisch wichtiges Thema in der Meeresbiologie. Man nimmt an, dass der Hauptgrund die Fraßvermeidung ist. Diese Hypothese beruht darauf, dass sich Fraßfeinde des Zooplanktons optisch orientieren und daher in größeren Tiefen ihre Beute wegen des Lichtmangels weniger gut entdecken können. In der Abenddämmerung kehren die Organismen des Zooplanktons zurück an die Oberfläche, wo sie im Schutze der Dunkelheit selber zu Räubern werden oder sich von Phytoplankton ernähren. Die Riesenhaie, dessen Nahrung solches Zooplankton ist, haben sich an dieses Wanderverhalten angepasst.
Britische Forscher haben nun herausgefunden, dass Riesenhaie diesen "normalen" Tagesrhythmus verändern und sich an spezielle Schutzmaßnahmen des Zooplanktons anpassen können. Dr. David Sims und seine Mitarbeiter haben das Tauchverhalten von vier Riesenhaien genau untersucht. Zwei davon in den seichten Gewässern des Ärmelkanals und zwei jenseits der Schelfkante in tieferen Gewässern südwestlich von Irland und in seichten Gewässern der Clyde Sea, westlich von Schottland. Die Haie wurden mit speziellen "Pop-up tags" markiert, welche während eines programmierten Zeitrahmens Wassertiefe, Temperatur und Lichtstärke speicherten. Nach Ablauf dieser Zeit lösen sich die Pop-up Marker automatisch von den Haien los und driften auf der Meeresoberfläche, bis das Team sie mit Hilfe von Satelliten Empfängern orten und einsammeln kann.

Das Team konnte zeigen, dass die Riesenhaie im tiefen offenen Atlantik und in der Clyde Sea dem bisher bekannten Verhaltensmuster folgten. In der Morgendämmerung verfolgten sie das Zooplankton, vorwiegend Ruderfußkrebschen aus der Gattung Calanus, in Tiefen von 80 bis 120 Meter, und in der Abenddämmerung kehrten sie, wieder dem Zooplankton folgend, zurück zu einer Tiefe von 0 bis 20 Metern. Im Ärmelkanal jedoch haben die Riesenhaie diesen Rhythmus umgekehrt. Tagsüber befanden sie sich an der Oberfläche in einer Tiefe von 0 bis 10 Meter und nachts wanderten sie in Tiefen von bis zu 60 Metern.

Die Resultate weisen darauf hin, dass sich die Riesenhaie an die veränderte Verhaltensweise des Zooplanktons anpassen können. Organismen des Zooplanktons entwickeln verschiedenste Verhaltensweisen, um sich vor Fraßfeinden zu schützen. Eine davon ist die oben erwähnte Flucht tagsüber in dunklere Tiefen. Doch auch Räuber (z.B. Fischlarven und Pfeilwürmer) können sich an diese Muster anpassen, so dass das Plankton diese Verhaltensweise einfach umkehrt. Mit akustischen Methoden (Sonar-Messungen) konnte das Team rund um Sims zeigen, dass im Ärmelkanal das Zooplankton eine solche Umkehrung ihres Wanderverhaltens durchgeführt hat. Auch andere Faktoren wie Wassertemperatur oder der markante Tidenhub in dieser Region könnten bei diesem Verhaltensmuster eine Rolle spielen. Ihre Studie zeigt auch, dass diese Vorgehensweise aber kein Schutz vor den Riesenhaien ist, die sich somit als "schlauer" erweisen, als bisher angenommen wurde.
Neben den neuen Erkenntnissen über das Tauchverhalten von Riesenhaien führen die Resultate dieser Studie auch zu wichtigen Hinweisen für die Überwachung von Populationsgrößen solcher Tiere. Da Riesenhaie und auch Walhaie (Rhincodon typus) nur gezählt und kontrolliert werden können, wenn sie sich unmittelbar unter der Meeresoberfläche befinden, spielt das Tauchverhalten eine sehr große Rolle in der Bestandesaufnahme. "Dadurch, dass sich bereits innerhalb einer Population die individuellen Tauchmuster so stark unterscheiden können, ist es möglich dass bisherige Schätzungen von Populationsgrößen um ein Zehnfaches zu klein oder aber auch zu groß sein könnten.", so die Autoren.

Quelle:
David W. Sims, Emily J. Southall, Geraint A. Tarling, Julian D. Metcalfe (2005) Blackwell Publishing, Ltd.
Habitat-specific normal and reverse diel vertical migration in the plankton-feeding basking shark
Journal of Animal Ecology 2005 74, 755-761





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