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Onlinemagazin - 75. Ausgabe - Soma Bay




 Geschrieben von Volker Grundmann

Soma Bay: Ein bisschen mehr als nur Meer

von Volker Grundmann

Soma Bay

Glitschige Vorbemerkungen

Es gibt bekanntlich Zeit- und Hobbygenossen, die wollen im Urlaub immer nur eins, nämlich tauchen, tauchen, tauchen. Am Roten Meer, da können sie das nicht nur, sie müssen es gewöhnlich sogar. Denn außer Tauchen kann man da eben" fast nix".

Für manche dieser unserer Zeitgenossen beschwört dies allerdings einen gewissen Konfliktfall herauf, sofern er nämlich mit Partner(in) reist, die/der mit dem Tauchen nun mal überhaupt nichts am Hut hat. O-Ton der dann üblichen Elegie: „Nicht schon wieder so ein Hotel in der Wüste...!

Jahrzehnte wohl hat die ägyptische Tourismusbranche das Problem negiert oder gemeint, es reiche, den nichttauchenden Teil solcher Paare mal per Bus nach Kairo zu den Mumien zu karren. Aber die Hotels wurden mehr und mehr, die Taucher sicher auch, nur nicht so schnell, wie die Bettenzahlen wuchsen. Die leerstehenden Zimmer mit nichttauchenden, dafür um so mehr saufenden Kunden aus gewissen neureichen Ländern zu füllen, schien am Ende wohl doch eher kontraproduktiv zu sein.
Und so dämmerte wohl letztlich auch in Ägypten jemanden die Idee vom diversifizierten Qualitätstourismus. Qualvoll langsam breitet sie sich entlang der öden Gestade mit den prächtigen Bettenburgen aus. Aber mittlerweile gibt es sie, die etwas weiter gefassten Angebote – und, sie haben ihren Kick. Soma Bay am Nordausgang der Bucht von Safaga, etwa 40 km südlich Hurghada, bietet so etwas. Wir haben uns den „Alternativler“ mal etwas genauer angesehen.

Trockene Fakten

Dass die Zeiten des planlosen Dahinwucherns von Urlaubsorten in Ägypten vorbei seien, wird niemand so recht behaupten, der Plätze wie Hurghada oder Sharm el Sheik in den letzen Jahren besucht hat. Man baut noch immer aufs Gradewohl, Betonskelette ragen noch allerorten in den Himmel. Mal werden sie irgendwann fertig gebaut, mal wohl nie, mal kommen notwendige infrastrukturelle Voraussetzungen viel zu spät, mal wohl für immer zu wenig – als Stichwort hier Trinkwasser in hoher Qualität und Menge, mancherorts wohl auch Elektroenergie.

Cascades Hotel - Soma 

Bay
„Les Thermes Marins des Cascades“
Frei übersetzt für des Französischen Unkundige: „Märchenschloss in der Wüste“)


Um so erstaunlicher, dass sich bereits Mitte der Neunziger ein Baukonsortium nur 40 km von Hurghada entfernt eine Alternative zu solch anarchischem Chaos zum Ziel setzte. Man will es kaum glauben, aber so etwas gibt es in Ägypten: Ganzheitliche Beplanung einer Fläche von Kleinstadtgröße, und dies unter zeitgemäßer Berücksichtigung von Umweltaspekten. Die acht bis zehn Quadratkilometer große Halbinsel Soma Bay am Nordausgang der Bucht von Safaga bot sich damals wohl für solch Projekt an, denn bis dato hatte niemand an dem grau-kahlen, wasserlosen Wüstenausläufer Interesse gefunden.

Es entstand also das Wunder eines Projekts von, man kann wohl sagen, vorbildlicher Erschließungsabfolge bei gut überlegter Raumplanung. Wie die Skizze zeigt, wurde die Halbinsel in großzügig bemessene Anlagenbereiche segmentiert, die darauf entstandenen bzw. noch im Bau befindlichen Hotels sind alle von höchst eigenständigem Baucharakter und Angebotsprofil.

Cascades Hotel - Soma 

Bay
„...wäre wohl jedes Kalifen Traum gewesen.“

Das einzige davon ohne direkten Strandzugang und zugleich Leithotel am Platze ist das „Les Thermes Marins des Cascades“, dessen umständlicher, auch noch französischer Name von seinem Personal gnadenvoll auf „Cascades“ in englischer Aussprache verkürzt wird. Seine besondere, mittige Lage rechtfertigt sich aus seiner speziellen Angebotsstruktur. Es trägt eben jene Aktivitätsbereiche, die Soma Bay auch für nichttauchende Urlauber attraktiv machen sollen. Dies ist zuvorderst eine Thalassotherapie, und nicht nur irgendeine. Die luxuriöse Großanlage, stolz als „ein in Größe, Angebot und Qualität einzigartiges Spa & Thalassotherapie-Zentrum“ apostrofiert, nimmt einen guten Teil des Hotelkomplexes ein und wurde nach dem Vorbild der Einrichtung von Saint Malo in Frankreich errichtet. Hier ist in modernsten wie traditionellen Behandlungseinrichtungen wohl alles zu erfüllen, was Anhängern dieses Jungbrunnenkults so vorschwebt – warm oder kalt beplantscht, hart oder weich massiert, mit Algen eingeschmiert, in Packungen eingeschnürt, von Druckstrahlmaschinen massakriert, am Ende in jeglicher gewünschter Duftnuance abgeölt zu werden. Lokales Märchen- und Wunschtraumkolorit kommt da nicht zu kurz: Einige der Anlagen, in die man da hineinplatscht, gleichen einem edel-luxuriösen Wassergarten Eden, insbesondere das Labyrithpoolsystem mit seinen Stromschnellen und Malströmen, sanften Warmbereichen und aufreizenden Kaltzuflüssen, ganz in kunstvoll geschnittenem Marmor, ist wohl eines Kalifen Palastes würdig. Suum cuisque, jedem das seine. Jedenfalls dürften hier die langjährigen Träume so mancher mitreisender, nichttauchender Ehefrau Wahrheit werden, am Roten Meer mal nicht nur durch kulinarische Verwöhnung nach stundenlangem Braten am Pool abgespeist zu werden, sondern selbst ein unvergessliches eigenes Urlaubs-Aktivkonzept verwirklichen zu können.

Therme im Cascades 

Thalasso


Damit aber nicht genug. Den wohl eher seltenen, aber dennoch möglichen Spezialfall des Taucher-Nichttaucher-Konflikts, den männlichen nichttauchenden, und möglicherweise auch nicht-thalassotherapierenden Partner, kann man getrost auch der Fürsorge des „Cascades“ überlassen. Ja, dieses Hotel entsprang zwar ursprünglich der grauockerfarbenen arabischer Wüste, mittlerweile ist es jedoch umgeben vom satten Grün einer weitläufigen Rasenlandschaft. Mittendrin, man will es kaum glauben, klare Süßwasserweiher. Weitere Annäherung erhellt, zu welchem Zweck sich solch sinnenprovokante Schöpfung über das hügelige Wüstenambiente wirft: Golfanlagen, und nicht nur irgendwelche, ihr Flaggschiff eine 18-Loch-Anlage für Meisterschaften mit Gary-Player-Signum. Dazu eine ganze Golf-Lernakademie, also auch „ich kann doch nicht golfen“ ist letztlich kein gültiges Argument, um den Urlaub hier zu verweigern.

Golfsport im Thalassa 

Cascades


Der laszive Umgang mit Wasser, den das Golfen und Thalasso-Plantschen nun mal darstellt, wird möglich durch eine eine großdimensionierte Wasserentsalzungsanlage, die die gesamte Hotelerie der Halbinsel in stabilem Fluss mit Wasser nach deutschem Trinkwasserstandard versorgt. Und als Abwasser fließt das flüssige Nass letztlich nicht irgendwo in die Wüste oder gar ungeklärt ins Meer. Es wird in mehreren Stufen aufbereitet und speist die zahlreichen klaren Weiher inmitten der Golfplätze. Es versteht sich schon fast von selbst, dass bei dieser gründlichen Planung das gesamte Gebiet vor dem Hotelbau nicht nur höchst solide an das Fernstraßennetz angeschlossen, sondern auch über leistungsstarke Fernleitungen energieseitig sicher gestellt sowie durch Glasfaser-Verkabelung und eine Satelliten-Anschlussstation mit der modernen Kommunikationswelt verbunden wurde.

Während das „Les Thermes Marins des Cascades“ in seinem Baustil an einen Prachtbau im englischen Kolonialstil erinnert (hier wird einem allerdings auch ziemlich britisch-unverblümt bedeutet, zum Dinner gefälligst well-dressed zu erscheinen), huldigt im Südwestbereich der Halbinsel ein ungewöhnlich eindrucksvolles „Sheraton“ der Kultur der alten Ägypter. In seiner äußeren Gestalt nahezu detailgetreu dem Anblick einer großen Tempelanlage von Luxor nachgebildet, kombinierte man man selbst sein modernes Innenleben effektvoll mit überdimensionalen Pharaonenskulpturen und andere Plastiken der großen Hochkultur. Trotz der antiken Pracht und Würde ist die Verhaltens- und Anzugsordnung hier mehr vom Freigeist des Bildungsbürgertums geprägt, das Publikum eher jung, darunter viele Taucherfamilien. Nördlich davon zollt eine Robinson-Club-Anlage einem Urlaubsverständnis, wie es speziell in Deutschland populär ist, Tribut. Publikum, Geist und natürlich auch Anzugsordnung entsprechend den bekannten Esoterien dieses Klubs – um Gottes Willen nicht versehentlich in die Massen-Yoga-Seance platzen.

Sheraton Soma Bay
Das Sheraton in Alt-Ägyptischem Stil (Click für Nachtaufnahme)

Als vierter Komplex ist, noch etwas nördlicher an der Innenbucht, ein Hyatt Regency in Form eines Kalifenpalast-Ensembles aus Tausendundeiner Nacht, mit Runddächern, filigranhaften Türmchen Ornamentfenstern im Entstehen begriffen. All diese Hotels liegen direkt am feinen, breiten Natur-Sandstrand des geschützten, zum Festland hin weisenden Bereiches der Halbinsel. Das Wasser ist hier weit hinein flach und ideal zum Baden für Familien mit Kleinkindern. Nördlich davon, noch mehr im Schutze der Bucht, befindet sich dann die Marina für die Ausflugsboote der Hotels und der Tauchbasen. Letztes Hotelvorhaben (die anderen Anlagen sind als Wohnanlagen geplant) ist eine Lodge speziell für Taucher, am südlich-vorgeschobensten Punkt der Halbinsel platziert, mit privilegierten Direktzugang zum Außenriff über eine 400 m lange Seebrücke. Bei unserem Besuch stand der Rohbau, möglicherweise ist die Unterkunft jetzt schon bereit zur Aufnahme ihres speziellen Klientels.

Die Hotels sind natürlich angebotsmäßig miteinander vernetzt, wer im „Cascades“ logiert, kann abends auch im „Sheraton“ essen und umgekehrt, bzw. wer in den anderen Hotels wohnt, kann natürlich auch die Thalasso-Badeeinrichtungen nutzen oder golfen. Ein permanenter, kostenloser Shuttle-Service zwischen allen Hotels gewährleistet, dass dies verlässlich und mit minimalstem Zeitaufwand möglich ist.

Hervorzuheben, dass für das ganze Soma-Areal der Schutz des ökologisch wertvollen Außenriffs von vorn herein als Bedingung formuliert und vor allem auf Anlage von künstlichen Stränden in diesem Uferbereich verzichtet wurde. Wer hier in einer einsamen Stunde entlang wandert, kann über weite Strecken noch das Gefühl einer ursprünglichen, rauh-unwirtlichen Rotmeerküste genießen. Das Gesamtgelände ist übrigens trotz der ohnehin strengen Sicherheitsvorkehrungen um die ägyptischen Tourismusregionen noch zusätzlich durch eigenes Sicherheitssystem nach außen abgeschirmt. Wenn es bei dieser Ausbau-Selbsbeschränkung auch in Zukunft bleibt, dürfte die Dauerhaftigkeit der touristischen Leistungsqualität auf Soma Bay garantiert und ein Abgleiten in traurige Wucherungsentwicklungen, etwa wie in Hurghada, ausgeschlossen sein.

Tempelanlagen Luxor
Ausflugsmöglichkeit: Die Tempelanlagen von Luxor

Wenn zum Gesamtangebot eine Schmuddelbemerkung zu machen ist, dann betrifft sie die Offerten für außerhalb. Natürlich kann man auch von Soma Bay aus das Erbe der alten Ägypter in Kairo oder Luxor genießen. Man wird von hier zu den üblichen Buskonvois zugeführt. Bis Luxor ist die Anreisezeit mit vier Stunden vielleicht sogar erträglich zu nennen. Nach Kairo sollte man wohl besser fliegen. In jedem Falle meinten die meisten Probanden, dieses Angebote seien die einzigen lohnenden. Für Astronomie-Fans mag noch der Ausflug zur Sternenbeobachtung ins Sgebel-Gebirge von Interesse sein. Die Jeep-Safaris mit Beduinenbesuch hingegen wurden fast einhellig mit Einschätzungen wie „Old-Shatterhand-Show“ bedacht, ein Flair von Ursprünglichkeit ging den Reservats-Beduinen wohl ab. Überdies wird Schwangeren und Leuten mit Rückenproblemen von diesem Jeep-Kracher recht begründet abgeraten. Am meisten klemmen sollte man sich wahrscheinlich einen Besuch per Taxi im 15 km entfernten Safaga. Falls man sich doch darauf einlässt, dann mit der sicheren Gewissheit starten, vom Taxifahrer in einer weitgehend uninteressanten, ziemlich schmuddeligen Stadt mit Hundertpro genau in die eisern-herzliche Umarmung von dessen Onkel gedrückt zu werden. Der ist natürlich zufällig Besitzer irgendeines Ramsch-Shops für wahlweise Silbertand, „garantiert einzigartig-echte“ Papyrus-Malereien oder traditionelle Beduinen-Kleidung. Und dessem verzweifelten Verkaufstrieb irgendwie zu entflüchten, das ist wohl die Kunst, auf die sich die meisten Touristen dann doch nicht verstehen... Sicherheitshalber noch der Hinweis, man braucht auch für eine solche Shopping-Tour keine ägyptischen Pfund zu tauschen, es kann alles in Euro abgewickelt werden.

Nasse Gründe

Soma Bay - Tauchen


Aber lassen wir nun ab von unserer Begeisterung für das Umfeld und kommen wir zu dem, was letztlich doch unser Ding an sich ist. Die Halbinsel bildet, leicht nach Süden gekrümmt, faktisch die nördliche Außenbegrenzung der Großbucht von Safaga. Zunächst ist wohl seit langem Allgemeinwissen, dass das Seerevier im Bereich der Safaga-Bucht ganz bestimmt eine tauchreisewürdige Sache ist. TUI apostrofiert es gar „als das Tauchparadies schlechthin“. Dieser Superlativ wird wohl mittlerweile, nachdem die Karawane der exzellenten Tauchplätze weit nach Süden gezogen ist, anfechtbar sein, aber das Revier ist nach wie vor Erste Klasse. Besagtes Außenriff an der Ostseite von Soma Bay gehört schon zu dessen Attraktionen. Noch mehr aber bestechen die zahlreichen Korallenbänke im mittleren und südlichen Vorfeld der Bucht, noch weitgehend intakte Biotope von hohem Schauwert. Mehr im Flachbereich liegende, breitentwickelte „Tobias“ und Gamuls“ bieten Diversität im Landschaftsanblick, ihre außen gelegenen Brüder neben besonders reichem Bewuchs den Thrill des jähen, kompromisslosen Absturzes in die Tiefe. Die meisten der Riffe sind gut voneinander unterscheidbar, hinterlassen aufgrund dessen beim Besuch jeweils unikalen Eindruck. An dem einen sind bei sanfter Landschaft wuchtig-überdimensional verwachsene Hirnkorallen bildprägend, auf anderen Riffen Filigranes, etwa riesige Tischkorallen oder auch schön bunte, fürs Rote Meer ungewöhnlich üppig wachsende Weichkorallenansammlungen. Der Besatz mit Fischen und anderen „Bewegungstieren“ (denn Korallen sind ja bekanntlich auch Tiere) ist durchweg gut, es sind viele besonders hübsche und interessante, auch seltenere Arten – Schildkröten, Barrakudas - dabei, wenn auch ausgesprochene Großfische kaum auftauchen.

Salem Express
Salem Express

In Hinblick auf Wracks stellte die Unglücksfähre „Salem Express“ bisher den einsamen Renner im Revier. Extrem tauchfreundlich in 30 m auf ebenem Grund und nicht weit von den Basenhäfen liegend, hebt sich ihr heller Rumpf bereits bei der Anfahrt deutlich von der Wasserfarbe ab. Die so tragische und das Tauchen an ihr lange Zeit kontrovers machende Unglücksgeschichte der Fähre fällt langsam dem Versinken ins Historische anheim, das Meer macht das Wrack mehr und mehr zu seinem Bestandteil. Direkte Sachverweise auf das entsetzliche Massensterben beim Untergang, Koffer, Kleidungsstücke, sind mittlerweile nur bei sehr genauem Hinschauen noch augenscheinlich, ja, müssen wohl um des Thrills wegen in ihrer Emotionalwirkung bei den Taucheinweisungen bereits übertrieben werden - die Pietät ist kaum mehr noch als eine geheuchelte Pflichtübung als Bestandteil des Geschäfts. Der Nachteil der extrem guten Zugänglichkeit des Wracks soll allerdings nicht verhehlt werden. Nicht selten sind der Taucher am Wrack so viele, dass man, leicht überspitzt, Mühe hat, das Wrack vor lauter Tauchern noch zu sehen.

Salem Express Salem Express
„Salem Express: Bloß nicht hingucken ...
...aber man sieht das Wrack vor lauter Tauchern sowieso kaum.“


2005 wurde jedoch das einsam-einzige Dasein der „Salem Express“ als Wrackattraktion im Bereich der Safaga-Bucht beendet. Aus ähnlicher Unglücksursache gesellte sich ihr eine zweite Fähre hinzu, die Al Khafain. Zum Glück verlor hierbei nur ein Mensch das Leben. Das Schiff liegt zwar ebenfalls in taucherfreundlicher Tiefe, aber am äußeren Rand des Buchtplateaus und dort nicht stabil. Es besteht die reale Gefahr, dass es unberechenbar plötzlich in unzugängliche Bereiche abrutscht und folglich gibt es eigentlich eine offizielle Empfehlung, es nicht zu betauchen. Der Thrill akuter Gefahr bewirkt natürlich genau gegenteiliges Verhalten. Und so wird aus dem virtuellen Verbot eine geschäftliche Chance und das Wrack von mittlerweile fast allen Basen der Region – natürlich auch von den beiden auf Soma Bay - hinter vorgehaltener Hand eben doch schon als Whisperattraktion angeboten.

Soma Bay Soma Bay Soma Bay
Impressionen aus der Soma Bay (Click zum Vergrössern)

Die Dauer der Anfahrten bei bei allen Tagestouren im Safaga-Bereich beträgt bis höchstens 80 Minuten, allerdings muss man wie überall am Roten Meer mit Hochseeeinwirkungen rechnen, d.h., manchmal kann es ganz schön schauklig werden auf dem Kahn.

Safaga bzw. Soma Bay ist natürlich auch ein Ort, der relativ gesehen, den Brothers sehr nahe liegt. Wer dieses Super-Highlight also nicht wie üblich auf einem ausgeprägtem Safari-Dampfer angehen will, hat von hier die Möglichkeit, als Intermezzo zum landgestützten Tauchen eine Direktanreise mittels einer Zwei-Tage-Tour einzuschieben. Langfristige Voranmeldung und Einpassung des Urlaubs in die Fahrtentermine sind allerdings erforderlich, denn diese gibt es bei beiden Basen nur wenige Male im Jahr.

Flutschende Leistungen

Emperor Divers

Was nun für Taucher bei einem Urlaub auf Soma Bay organisatorisch interessant wird, ist die Konstellation des Tauchbasenangebots. Denn zur hiesigen Strategie sinnfälliger Bebauungsbeschränkung und augenfälliger Leistungsqualität gehört auch, dass, um mal in den Fußballjargon zu verfallen, derzeit hier nur zwei Mannschaften zum Spielen zugelassen sind. Und, noch interessanter, dass der Soma-Bay-Tauchurlauber weit komfortabler die Wahl zwischen den beiden hat, als anderswo. Normal ist in Ägypten bekanntlich, dass man mit der Wahl seines Hotels in der Regel schon auf die zugehörige Basis festgelegt ist und der Versuch des Ausbrechens aus diesem Zwang in Ungelegenheiten des Hinkommens zu einer anderen Basis erstickt. Der schon beschriebene permanente und kostenlose Shuttle-Service rund um alle Hotels auf Soma Bay gewährleistet hier, dass man von jedem der Hotels beide Basen bequem und zuverlässig in höchstens zehn Minuten Fahrtzeit erreicht. Das gestattet nicht nur einen Direktvergleich der Leistungen beider, macht diesen auch lohnenswert, wenn nicht zur Pflicht. Ein Kunde, der die Wahl hat, braucht auch eine Orientierung dafür. Übrigens, und der Verlauf dieser Recherche beweist dies, man kann sogar problemlos mit beiden Basen tauchen, selbst im Wechsel, der Nachteil ist am ehesten ein finanzieller, weil die günstigsten Rabattpakete damit vielleicht nicht zusammen kommen.

Bei den beiden handelt es sich einerseits um eine britisch geführte hotelunabhängige, einen Ableger der an sechs Rotmeer-Orten vertretenen „Emperor Divers“, sowie andererseits um eine zum Robinson-Club gehörige, und damit vorrangig deutsch-orientierte. Schauen wir uns also beide Basen einmal im Direktvergleich an, ja, lassen wir sie mit ihrem Leistungsangebot durchaus mal gegeneinander antreten.

„Emperor Divers“:

Margret von den Emperor Divers
Die Basis hat ihre Hotelunabhängigkeit zur Tugend erhoben und sich direkt an der Südspitze von Soma Bay, nahe dem Sheraton-Hotel, in einem eigenen Gebäudekomplex platziert. Unmittelbar daneben wird zur Zeit das neue Taucherhotel gebaut. Die bereits erwähnte, von der Südspitze abgehende, vierhundert Meter hinaus reichende Seebrücke gestattet Kunden dieser Basis ohne Bootsbenutzung Zugang zu dem recht attraktiven Außenriff. Bei organisierten Tauchgängen hier muss man zumindest die Gerätschaften nicht transportieren, dies tut das Basispersonal mit Elektrokarren. Allerdings kann man sich hier auch zum Individualtauchgang mit Partner anmelden, spart dann etliches an Kosten, muss aber mit der Ausrüstung doch etwas unter der ägyptischen Sonne „wandern gehen“.


Die Baulichkeiten der Basis sind solide, großzügig und zweckmäßig eingerichtet. Der Auf- und Abrödel-Bereich wäre aber besser überdacht, man muss vieles in der prallen Sonne tun. Die Reinigungsbecken entsprechen dem Üblichen. Sensitives, Kameras usw., kann an Wasserhähnen nachgespült werden. Für die sichere Aufbewahrung bzw. Trocknung der Nassdinge über Nacht ist gesorgt, auch Schließfächer für die teureren Gegenstände sind vorhanden.

Die Ausfahrten zu den Riffs starten von der Marina am Nordende des Innenbuchtbereichs, dort hin wird man mit einem Transportbus in etwas fünf Minuten vershuttelt. Die Basis verfügt über zwei der am Roten Meer üblichen, hochseetauglichen Tauch-Yachten, bei längeren Ausfahrten natürlich mit der Ägypten-notorischen Essensversorgung an Hühnerkeulen, Boulettensticks und einiger Garnierung. Trinkwasser muss gesondert bezahlt werden. Dreimal pro Woche gibt es Tagesfahrten mit mehreren Tauchgängen. Der Rest sind jeweils Ein-Tauchgang-Fahrten vor- und nachmittags. Man kann an diesen Tagen also bei Bedarf Zeit für den Partner oder die Familie disponieren– oder für Thalasso und Golfen. Getaucht wird mit Alu-Flaschen einheitlicher Größe, wohl 12 Liter, die werden für engagierte Fotografen im Dauerstress manchmal etwas knapp.

Emperor Divers

Interessant, fast überraschend, hier die Zusammensetzung des Basis-Teams. Als Chef erwartet man bei einer britischen Basis natürlich einen Engländer, hier ist es gar eine Engländerin (Margret, siehe Bild oben). Auch fünf der acht Beschäftigten sind Frauen, die meisten davon schon mehr- oder gar langjährig bei den „Emperor Divers“ Divers“ beschäftigt. Die Atmosphäre wirkte dennoch keineswegs feministisch, wenngleich die Tatsache, dass hier Frauen das Sagen haben, auf keine Weise vertuscht wurde. (Frauliche?) Sorgfalt im Detail fiel schon beim ersten Blick auf das Info-Brett auf, das mit Übersichtlichkeit, ja mit verspielter Ästhetik geordnet und geradezu mit Eifer aktuell gehalten wurde. Vor allem, man findet hier eine Tauchzielplanung für jeweils zwei Wochen im Voraus, mit deren Hilfe man seine übrigen Urlaubsvorhaben oder –verpflichtungen gut eintakten kann. Der Plan ist, vorbehaltlich extrem schlechten Wetters, Gesetz. Überdies kann man daran nachvollziehen, dass die Basis berechenbar regelmäßig alle wesentlichen Riffs und ebenso zuverlässig die „Salem Express“ anläuft und es entsteht nicht der Eindruck, dass man sich aus Kosten- oder anderen Gründen vor ferneren Tauchplätzen drückt.

In der Arbeitsweise der Truppe fiel dann eine überdurchschnittliche Leistungshomogenität und subtile Gemeinschaftlichkeit im Auftreten ins Auge, vermittelt auch über die Zurücknahme der eigene Persönlichkeit bis fast zu einem Grade, dass man von Uniformität sprechen konnte. Ob dies nun femininer Zweckmäßigkeitserkenntnis oder einer von der übergeordneten Company festgelegten Corporate Identity geschuldet war, dürfte belangslos sein. Es schien jedoch, dass dank dieses Stils alle Abläufe überdurchschnittlich kompetent und reibungslos geregelt wurden. Da außerdem alles unaufgeregt, in unaufdringlich-diskreter Umsorgung der Kunden passierte, entstand am Ende natürlich ein ausgeprägter Eindruck von effektiver Team- und Clockworkarbeit auf dieser Basis.

Emperor Divers

Hinter den Kulissen, das konnte der aufmerksame Beobachter durchaus mitkriegen, wenn er sich mal in Büronähe postierte, lief gleichzeitig ein Film von ebenso gemeinschaftlichem Monitoring und Verantwortungswahrnehmung. Wenn der Diveguide oder Tauchkunden die Gruppe wechselten, gab es routinemäßig interne „Übergabe“-Besprechungen, bei denen die Erfahrungen mit den einzelnen Teilnehmern, ihren Tauchfähigkeiten und ihrem Gruppenverhalten analysiert und damit an den übernehmenden Kollegen weitervermittelt wurden.

Natürlich musste auch hier jeder Diveguide selbst die Fäden in seiner Gruppe straff in der Hand behalten und notfalls auf einen Kunden, der sich wie ein Wildschwein durch die Korallen wühlt, erzieherisch einwirken. Interessant zu studieren, und wohl für so manchen Diveguide von anderen Basen ein Lehrstück, die Art, wie man es tat. Nachdrücklich schon, aber trotz deutlicher Kritik freundlich, so wenig persönlich angreifend wie möglich, konfrontative, verletzende Direktheit im Vorwurf vermeidend. Eine subtile artistische Meisterleistung in psychologischer Feinfühligkeit, die letztlich selbst dem daneben getretenen Tauchgast den Eindruck ließ, in seiner Persönlichkeit respektiert zu werden, also trotzdem noch König Kunde zu sein. Übrigens schien es für solche Fälle eine erprobte Routine zu geben, denn man agierte jeweils zu zweit, in einer Art Moderationsstil, was den Geschmack des Persönlichen oder gar Attakierenden noch stärker aus dem Vorgang heraus nahm.

Emperor Divers Briefing

Unter den langjährigen weiblichen Diveguides fanden sich übrigens mehrere bemerkenswerte Biografien, wenn man einmal davon absieht, dass es wohl immer eine Leistung ist, sich in Ägypten als Frau langfristig in einer Quasi-Männerrolle durchzusetzen. Margret zum Beispiel, darf man für solche Berufsverhältnisse mit Verlaub schon als ältere Dame ansprechen, aber gerade ihr Stil prägte wohl auf besondere Weise die Corporate Identity der Basis. Da ihre Eltern irgendwann in Ägypten Wohnsitz nahmen, wuchs sie hier auf, wurde Kindergärtnerin, arbeitete danach lange Jahre für die WHO, verbrachte ihr gesamtes Leben hier. In ihren beruflichen Positionen hat sie wohl pädagogisches Talent, Blick für innere Unsicherheiten und Schwächen, besonderes Vermögen im Umgang mit unterschiedlichen Charakteren und Konflikten erlangt. Als ihr Mann vorzeitig verstarb, entschloss sie sich noch mit 47 Jahren aus einer Laune des Augenblicks heraus, das Tauchen zu erlernen. In kurzer Zeit erklomm sie dann die Leiter der Ausbilder-Ausbildung und macht den Job auf unterschiedlichen Basen nun schon im zehnten Jahr. Wohl nie nachlassend in ihrer diskret-bescheidenen Aufmerksamkeit, ihrer sicheren Führung der Dinge an Bord, aber eben auch in einer beständigen, verbindlichen Freundlichkeit und Ruhe, die ausstrahlt, und die man sich als Taucher einfach so wünscht.

Soma Bay

Insgesamt werden wohl die meisten Kunden auf dieser Basis die Arbeitsweise und Atmosphäre hier als sehr wohltuend und deren Auszeichnung mit PADIs goldener Palme als gerechtfertigt empfunden haben. Die Umgangssprache war natürlich Englisch, aber die zwei deutschen Frauen vom Personal saßen strategisch so platziert – die eine im zentralen Annahmebüro, die andere als Diveguide - dass man die wesentlichen Belange, etwa Anmeldung und erste Einpassungsfragen, in Deutsch geregelt bekommen konnte. Die Preise dieser Basis lagen zwar etwas über dem ägyptischen Durchschnitt, dafür brauchte man sich aber nicht im Voraus auf Pakete zu verpflichten, die Rabatte wurden am Schluss errechnet.

„Robinson“-Tauchbasis

Robinson Basis Soma Bay

Als hotelzugehörig hatte diese Basis naturgemäß weit vorn im Robinson-Club-Gelände, direkt am Strand, ihr Domizil. Auch wenn die Anfahrt per Bus von den anderen Hotels genau so gut klappte wie die zu den „„Emperor Divers“, am Ende musste man sein mehr oder minder großes Tauchpäckchen also noch gute 300 m durch die Anlage schleppen. Dies natürlich nicht täglich, denn auch hier gab es solide, großzügig und zweckmäßig eingerichtete Baulichkeiten, Hilfs- und Lagereinrichtungen für die Taucherbelange, die denen der „Emperor Divers“ Divers nicht nachstanden (und hier sogar Schatten beim Anrödeln boten). Die Anfahrtszeit zur Marina war infolge der nahen Lage noch kürzer, Bootsausstattungen und Bordservice gestalteten sich ähnlich. Man tauchte hier mit Stahlflaschen. Angenehm für einen selbst, aber wohl auch für die Tauchgruppe, war, dass man die Flaschengröße nach individuellem Luftbedarf ausdrücklich wählen konnte. Recht anständig ist man bei „Robinson“ mit dem teuren Gut Trinkwasser dran. Das ist unter der Hand am Ende auch für nicht-Klubgäste all-inclusive zu haben. Auch den Preisvorteil mag mancher erwähnenswert finden, „Robinson“ war im Paket tatsächlich deutlich preiswerter als die „Emperor Divers“. Im Nachteil sind hingegen bei den „Robinsons“ die Individualtaucher. Zwar wird auch hier für solche eine riffähnliche Formation angeboten, aber diese bietet auf Grund ihrer Innenbuchtlage nicht so viel wie das attraktive Außenriff vorn.

Robinson Club Tauchbasis 

Soma Bay

Als erster wesentlicherer Unterschied zu den „Emperor Divers“ Divers fiel hier die Tauchgangsplanung ins Auge. Einen festliegenden Rythmus der Ganztages- und Einzelfahrten im Wochenverlauf gab es auch bei „Robinson“, hier noch zusätzlich das Angebot einer Ausfahrt vor Tagesanbruch, falls sich genügend Interessenten melden. Den Sonnenaufgang unter Wasser zu erleben, soll wohl besonders reizvoll sein (als Langschäfer haben wir von einem Probierversuch Abstand genommen). Wer Kluburlaube und speziell jene bei „Robinson“ kennt, weiß, dass die so ihre Eigenheiten haben. Dieser Klub ist auf alle Fälle, man mag darüber wahlweise erleichtert sein oder stöhnen, ziemlich deutsch. Manches wird hier doch auf hauseigene Art und Weise zum Palaverangebot gemacht, und in solch Gepflogenheiten muss sich wohl auch die Tauchbasis einfügen. Folglich gibt es keinen klaren Tauchzielplan über mehrere Tage, das aktuelle Ziel wird oft erst mit der Teilnehmergruppe ausdebakelt. So etwas funktioniert, mag sogar von Vorteil sein, wenn sich die ausgewogen urteilenden Kenner der Reviere rechtzeitig zu Wort melden und überlegte Vorschläge unterbreiten. Daneben geht es, wenn das jüngsten Hüpferlein, gerade den OWD abgelegt, vorschnell und imperativ jenes eine Riff in die Debatte wirft, dass es doch so schön fand – wohl weil es noch keine besseren besucht hatte. Wenn die Abgeklärten in der Truppe dann noch zu viel bürgerlichen Anstand besitzen, um zu protestieren - wer mag schon im Urlaub den Geschmack von Dissens oder gar Konfrontation - dann fährt man eben schon mal wiederholt ein Riff an, von dem die Mehrheit der Teilnehmer eigentlich sicher ist, dass es ein öderes im Archipel vor Safaga nicht gibt. Etliche unrepräsentativ befragte Leute meinten folglich gegen ihr Urlaubsende doch, sie hätten sich im Verlaufe des Hierseins andere Riffe zu sehen gewünscht und das planerisch eher organisieren können, wenn es eine feststehende Vorab-Zielplanung gegeben hätte. Einige klagten gar lauthals, aufgrund dieser Unberechenbarkeit den Renner der Region, die „Salem Express“, überhaupt nicht gesehen zu haben.

Robinson Basis Soma Bay

Auf dem Boot galt bei den „Robinsons“ recht dogmatisch das Prinzip, während der Anfahrt zum Riff keine Gerätschaftenvorbereitung zu treffen. Dafür, so die Zusicherung seitens der Diveguides, würde es nach dem Ankern beim Anrödeln auch kein Drücken auf Tempo geben. Einige begrüßten dies, weil sie meinten, dass dies für sie ein Mehr an urlaubsmäßiger Entspannung bedeutete. Andere hätten sich, vielleicht zum Beispiel wegen ihres etwas zu eng gwordenen Anzugs oder eines Regler-Doppelpacks, lieber doch schon einige Zeit vorher mit den Tücken ihrer Ausrüstungsobjekte beschäftigt. Zur Ehre der „Robinsons“ sei gesagt, dass die Zusicherung, nicht auf Tempo zu drücken, tatsächlich eingehalten wurde. Trotzdem, es bleibt einem ein wenig Hektik nicht erspart, wenn man sieht, dass die anderen schon fix und fertig aufgerödelt auf einen warten müssen – und das dies nicht notwendig gewesen wäre, wenn einem nicht das vorbereitende Fummeln an der Reglerkonfiguration strikt untersagt worden wäre.
Die Klubbasis beschäftigte fünfzehn Guides, wohl zwölf davon Deutsche, auch hier mehrere Frauen darunter. Der Spagat zwischen der Förderung indivdueller Bedürfnisentäußerung und kollektivem Klub-Korsett, der wohl nicht nur bei „Robinson“ für Kluburlaub charakteristisch ist, muss sich zwangsläufig auch irgendwie im Verhalten der Tauchbasismannschaft niederschlagen. Diese durfte sich also etwas individueller darstellen, vielleicht sogar etwas robinsonhaft-poppig. Damit aber, im Vergleich zu den „Emperor Divers“, auch merklich kontrastierender im Verhalten und im Leistungsangebot der einzelnen Diveguides. Solch Versuchung, Darstellungsräume für die eigene Persönlichkeit auszuloten, bringt natürlich immer die Gefahr, dass im Bild der Gesamtteams der geschlossene Duktus verloren geht, ja Verspannungen auftreten. Zugegeben, exhibitionistische Töne seitens der Diveguides herrschten auch hier nicht vor, aber sie waren da. Ins Schnippische, ins Schulmeister- wenn nicht Feldwebelhafte. Klartext: Du bist nur Kunde, ich der Boss, bitte akzeptiere das! Und solche Entäußerungen hier vielleicht sogar stärker von femininer als von maskuliner Seite.

Robinson Basis Soma Bay

Die Verspannungen im Auftrittsbild setzen sich dann auch in recht deutlicher Unterschiedlichkeit der Leistungen der Diveguides fort. Da war Wolfgang, vielleicht per glücklichem Zufall, vielleicht auch gut vorbedacht, oft zum Diveguide für Einführungstauchgänge bestimmt. Der Mann ist zu Hause Sportangebotsprofi, führt ein Fitness-Center und genehmigt sich nur regelmäßig längere Aus-Zeiten, um als Diveguide zu arbeiten. Kritisch-verantwortungsvoller Umgang mit Sportkunden daher sein ureigenes Berufsmetier: Was muss ich wem zutrauen, allein zu schaffen? Wer braucht welche Unterstützung? Kann ich die beiden da zum Schnorcheln am Riff wirklich allein losziehen lassen? Am Ende wurden wir Zeugen eines Krisenmanagements Erster Klasse. Ein Ehepaar hatte wohl länger nicht getaucht, die Frau war vielleicht auch früher nie richtig mit der Materie zu Rande gekommen. Heute lief ihr wohl buchstäblich alles verquer, der Anzug zu eng, das Blei zu viel, in der Maske Wasser und aus dem Regler sowieso zu wenig Luft. Kaum abgetaucht, schoss sie durch bis auf den Vier-Meter-Grund und entwickelte dort sichtlich Anzeichen von Panik. Das hektische Gestikulieren ihres Gatten um sie herum erwies sich deutlich als wenig hilfreich. Es schien, da wäre nicht viel zu retten, gleich würde sie unhaltbar nach oben treten, vielleicht verunfallen, die Gruppe vermutlich zum Abbruch des Tauchgangs verdammen. Aber Wolfgang hatte die beiden von Beginn an fest in seinem Visier, schaffte es tatsächlich, die fast Vollpanische zu beruhigen und den aussichtslos erscheinenden Fall in den Griff zu kriegen. Nach kurzer Zeit normalisierte sich ihr Geblubber, die Panik wich aus dem Gesicht, bald fasste sie Mut gar, von zwei Stücken Blei befreit und von Wolfgangs Hand geführt, statt zum Boot zurück ein Stück unsicher vorwärts zu flösseln. Am Ende war sie mit dem Element und ihrer Ausrüstung soweit im Reinen, dass sie den gesamten Tauchgang nicht nur irgendwie durchstehen konnte. Da sie am Anfang zuviel Luft durchgejagt hatte, fehlte ihr diese natürlich irgendwann, die Gruppe hätte vorzeitig umkehren müssen. Aber, das Wunder ihrer Anpassung wurde augenscheinlich. Sie akzeptierte den von Wolfgang gereichten Oktopus und setzte den Tauchgang von ihm untergehakt damit fort, als wäre sie nie nahe einer Panik gewesen. Ja, dieser Wolfgang stand in seinem Führungsvermögen der Margret von den „Emperor Divers“ keinesfalls nach.

Robinson Basis Soma Bay

Allerdings sahen wir uns nur wenige Tage später mit einer rechten Antithese solch vollkommener Befähigung konfrontiert. Einer der jüngeren Diveguides ließ bereits an Bord eine besondere Hingezogenheit zu einer jungen Tauchelevin erkennen, die diese wohl auch huldvoll erwiderte. Solch Zustand seligen Entschwindens in blumige Glückswelten ist wohl per se nicht gerade eine gute Basis für Verantwortungswahrnehmung. Der vom Liebesrausch Geschlagene wurde fataler Weise (vielleicht muss man gar sagen, fahrlässiger Weise) auch noch zur Führung jener Gruppe berufen, der die favorisierte Dame angehörte. Und fühlte nun wohl die unabweisliche Verpflichtung, jener Angebeteten die ganze weite Unterwasserwelt zu Flossen legen zu müssen. Er trieb die Gruppe im Ehrgeiz, etwas Besonders zu finden, geraume Zeit förmlich von einem „Erg“ zum anderen. Es dauerte lange, zu lange, bis ihm endlich die Idee kam, sich einmal um die Luftreserven zu kümmern. Gemessen an deren kärglichem Zustand hätte die Gruppe eingentlich schon längst wieder nahe des Ausgangspunkts sein müssen. Allein, die Richtung dorthin war dem Guten in seinem glücklichen Eifer sichtlich verloren gegangen, und einen Kompass besaß er nicht. Nur aufzutauchen und eben bis zum Boot schwimmen zu müssen, wäre ein zu glimpfliches Ende der Story gewesen. Denn pikanter Weise zeigte sich an der Oberfläche, dass jene junge Elevin bar jeglicher Kenntnis war, wie man eine Weste mit dem Mund aufbläst, wenn die Flasche leer ist. Sie wusste auch nicht um die hilfreiche Rolle eines Schnorchels in derartigen Situationen und besaß folglich keinen solchen, dafür aber offenkundig zu viel Blei am Körper. Da dies alles höchst ungute Voraussetzungen waren, um dem nun auch noch aufkommenden Wellengang zu trotzen, zog es unserer jetzt recht bedeppert-hastig um sich blickender Diveguide vor, Hilfezeichen in Richtung des Bootes zu senden. Die wurden dort zum Glück auch sofort verstanden, man eilte, volle Kraft voraus, herbei zu unserer Erlösung. Erstaunlicherweise klappte dann wenigsten das Anhängen aller Gruppenmitglieder an das ihnen zufliegende Driftseil perfekt. Nur die junge Elevin beklagte sich am Ende doch bitterlich: Beim Festhalten an diesem rauhen Seil habe sie sich ihre schönen langen Fingernägel abgerissen.

Robinson Club Tauchbasis 

Soma Bay

Nun kommen solch kleine Pannen, wie alle öfters reisenden Taucher wissen, auf den Basen der Welt überall und täglich vor. Sie ergeben natürlich Verpflichtung, sie anzumerken, der Anflug einer gewissen Häme mag dabei unvermeidbar mitschwingen. Der Gesamteindruck blieb dennoch auch bei den Robinsons der eines grundsätzlich soliden Tauchbetriebs innerhalb des Normalen. Deshalb wollen wir am Ende doch keine Bewertung in Fußballkategorien abgeben, sondern sagen gänzlich ohne Pathos, die eine Basis ist guter Durchschnitt, die andere noch einen Tick besser. Empfehlen kann man beide, und es bleibt dem einzelnen Leser überlassen, für wie bedeutungsvoll er bestimmte Beobachtungen hält.


© 2007 - Volker Grundmann
Fotonachweis: Volker Grundmann, Teile der hotelbezogenen Aufnahmen wurden durch das Hotel „Les Cascades“ zur Verfügung gestellt.



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