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Frühlingserwachen der Frösche und Kröten
von Robert HOFRICHTER
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Die Natur ruht auf den ersten Blick noch im Winterschlaf.
Eine dicke Schneeschicht bedeckt Felder, Wiesen und Tümpel (Ausnahme
das aktuelle Jahr ;-) ).
Irgendwo im Verborgenen laufen aber die Vorbereitungen
für ein großartiges Naturschauspiel. Durch innere und äußere
Reize gesteuerte Mechanismen führen bei vielen Amphibienarten zur gesteigerten
Hormonabgabe.
In kurzer Zeit schon werden sie sich auf den Weg begeben und
massenweise an den Tümpeln erscheinen: Eine wahre “Explosion“ des Lebens
bereitet sich vor, ein wahrlich explosives Frühlingserwachen.
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Warum Explosivlaicher?
Zusammen mit der Erdkröte (Bufo bufo), gehört der Grasfrosch (Rana temporaria) wohl zu den bekanntesten, vielerorts
häufigsten und am weitesten verbreiteten Froschlurchen Europas. Als
"Explosivlaicher" sind diese Arten durch ihre zeitig im Frühjahr einsetzende,
massenhafte Migration zum Laichgewässer bekannt. Innerhalb weniger Tage
versammelt sich ein großer Teil der reproduktionsbereiten Tiere an
ihren traditionellen Gewässern. Früher nahm man an, dass die Reproduktionsstrategie
des Explosivlaichens vor allem für Arten der gemäßigten Zonen
typisch ist. Heute weiß man jedoch, dass sie sogar bei manchen Amphibienarten
der tropischen Regenwälder vorkommt. Unter den heimischen Froscharten
gehören auch die “Braunfrösche“ Moorfrosch (Rana arvalis) und Springfrosch (Rana dalmatina) dazu.
Erdkröte - Bufo bufo
Im Gegensatz zu den Explosivlaichern kann sich die Laichzeit der sogenannten
“prolonged breeder“, so jene der Kreuzkröte (Bufo calamita), über Monate hinziehen. Kreuzkrötenmännchen
besitzen eine große, kehlständige Schallblase und ihre öfters
in Chören ertönenden Rufe sind dann bis zu zwei Kilometer weit
zu hören.
Springrosch - Rana Dalmatina
Das Ablaichen der “Explosivlaicher“ erfolgt hingegen in wenigen Tagen und
wenn man das Treiben der Tiere länger beobachtet, wird einem diese Bezeichnung
klar: Es kocht und brodelt in den seichten Bereichen der Gewässerufer.
Ein unglaubliches Durcheinander, in dem sich unzählige Männchen
ein laichbereites Weibchen suchen. Das ist keine leichte Aufgabe, denn Weibchen
sind an den Gewässern fast immer in der Unterzahl. Bei den Grasfröschen
ist das Missverhältnis nicht so markant, in der Regel kommen auf ein
Weibchen zwei Männchen. Das Gedränge bei den Erdkrötenmännchen
wird aber verständlich, wenn man das Geschlechterverhältnis erfährt:
Unter Umständen kann nur jedes vierte, fünfte oder sogar sechste
Männchen ein laichbereites Weibchen bekommen. Ein zusätzliches
Problem: Sehr viele Weibchen kommen bereits verpaart am Gewässer an.
Sie tragen das kleinere Männchen “huckepack“ auf dem Rücken und
werden von diesem in der Achselgegend umklammert. Das Verhalten der Männchen
ist in dieser Zeit überwiegend vom Klammerreflex (einfach erklärt
bedeutet es: alles umklammern, was in die Nähe kommt) geprägt.
Schwimmendes Erdkrötenmännchen von unten gesehen
Kein lautes Froschkonzert
Die Reproduktionsstrategie der Explosivlaicher basiert auf dem plötzlichen,
synchronen Versammeln einer hohen Individuenzahl am Laichgewässer. Das
akustische Anlocken der Geschlechtspartner durch ein weit hörbares,
lautes Froschkonzert, wie es beispielsweise für unsere Laubfrösche
charakteristisch ist, spielt bei Grasfröschen und Erdkröten keine
wichtige Rolle. Grasfroschmännchen besitzen nur kleine, innere Schallblasen
und ihre Rufe sind nicht weit hörbar. Trotzdem, an sonnigen, warmen
Tagen ertönen unmittelbar am Gewässerrand leise Grasfroschchöre,
deren genauer Ursprung kaum zu lokalisieren ist. Auch Erdkrötenmännchen
geben Rufe von sich, allerdings hört man am Höhepunkt des Laichgeschehens
kaum Paarungsrufe, sondern fast ausschließlich die so genannten Befreiungsrufe.
Mit diesen signalisiert ein versehentlich geklammertes Männchen, dass
es kein laichbereites Weibchen ist und ein Irrtum vorliegt. Die eigentlichen
Paarungsrufe ertönen seltener, vor allem nach der Hauptlaichzeit; sie
werden von den im Gewässer verbliebenen Männchen ausgestoßen,
die bisher kein laichbereites Weibchen gefunden haben. Ihre Chance auf einen
Reproduktionserfolg ist für dieses Jahr aber bereits vorbei, denn die
Weibchen haben nach dem Ablaichen das Gewässer längst wieder verlassen.
Eine Besonderheit der Laichwanderung bei Erdkröten ist, dass sie diese
oft bereits im Herbst antreten. Durch den Einbruch der Kälte müssen
sie die Wanderung jedoch unterbrechen und sich frostsicher verstecken. Sobald
die richtige Zeit im Frühjahr gekommen ist, wird die Laichwanderung
fortgesetzt und innerhalb kurzer Zeit abgeschlossen.
Grasfrösche (Rana temporaria in Aktion)
Die Partnerwahl
Nur in Einzelfällen kommt es bereits am Überwinterungsplatz zur
Umklammerung des Weibchens. Normalerweise verpaaren sich die Tiere aber erst
am Weg zum Laichgewässer oder im Laichgewässer selbst. Die Verpaarungen
erfolgen unselektiv und zufällig; bemerkenswert ist jedoch die Rolle
der Farben bei der Partnerwahl der Grasfrösche. Bei Attrappenversuchen
wurde festgestellt, dass Grasfroschmännchen besonders auf Gegenstände
roter Farbe reagieren und diese bevorzugen. Blaue Gegenstände wirken
dagegen auf Grasfroschmännchen abschreckend. Die Versuche zeigen, dass
das Farbensehen im Sexualverhalten der Grasfrösche eine wichtige Rolle
spielt und dem entspricht auch der Tatsache eines sexuellen Dichromatismus
in der Laichzeit: die Männchen sind oft bläulich gefärbt,
besonders an der Kehle, die Weibchen eher gelblich, rötlich und bräunlich.
Auch die Größe spielt dabei eine Rolle: Besonders bis zu 15 cm
große Gegenstände werden geklammert. Irrtümlich geklammerte
Männchen wehren sich mit einem Befreiungsruf und durch bestimmte Bewegungen.
Der Klammerreflex ist so stark, dass manchmal auch Fische, Kadaver, Pflanzen
und andere kuriose Gegenstände geklammert werden. Das kommt vor allem
bei Erdkrötenmännchen vor.
Ein Grasfroschweibchen legt in der Regel einen einzelnen Laichballen ab.
Die Anzahl der Eier bewegt sich etwa zwischen 700 und 3000, wobei eine positive
Korrelation zwischen Eizahlen und Körpergröße festgestellt
werden konnte. Große Erdkrötenweibchen bringen es sogar auf 4000
bis 8000 Eier, die in bis zu 5 Meter langen Laichschnüren um Äste
und die Unterwasservegetation gewickelt sind.
Partnerwahl ist abgeschlossen... (Bufo bufo)
Laichplatzuntreue hilft den Populationen
Grasfrösche und Erdkröten sind allgemein laichplatztreu. Sie wandern
alljährlich zum selben Laichgewässer, das gleichzeitig ihr “Geburtsgewässer“
ist. Wie sie dieses finden und sich bei ihren nächtlichen Laichwanderungen
orientieren, wird immer noch diskutiert. Sicher ist, dass sie dabei auf die
Kombination verschiedener Sinneswahrnehmungen zurückgreifen, nämlich
auf visuelle, olfaktorische, magnetische und akustische Reize. Möglicherweise
spielen aber auch noch weitere, für uns schwer nachvollziehbare Faktoren
eine Rolle.
Wasserfrosch (Rana esculenta)
Ein kleinerer Teil der Populationen laicht auch in anderen Gewässern.
Obwohl nur verhältnismäßig wenige, haben für die Bestände
gerade diese Tiere eine enorme Bedeutung: Sie sorgen für den genetischen
Austausch zwischen benachbarten Populationen oder Teilpopulationen und für
die Ausbreitung der Art und Erschließung neuer Lebensräume und
Gewässer.
© Text + Fotos: Dr. Robert HOFRICHTER
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14.05.2008 03:52 Taucher Online : 38 Heute 776, ges. 26262590 Besucher
 
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