Mallorca und der bezeichnendste Kulturbaum der Mittelmeerregion
Es gibt zwei Säfte, die dem menschlichen Körper angenehm sind:
innerlich Wein und äußerlich das Öl, und beide erhält
man von Bäumen. (Plinius der Ältere).
Er ist ein Symbol der gesamten Mittelmeerregion: Der Ölbaum (Olea
europaea). Als schönster und wichtigster Kulturbaum des Mittelmeerraumes
ist er eine der wenigen Kulturpflanzen, deren Ursprung im östlichen
Mittelmeerraum durch Ausgrabungsfunde – wie auch viele Überlieferungen
und Legenden – als gesichert gilt. Seit etwa 5.000 Jahren wird der Ölbaum
als Kulturpflanze zur Ölgewinnung angepflanzt, obwohl die Frage, wo
er erst erstmals in Kultur genommen wurde, nicht völlig geklärt
ist. Vermutlich geschah es auf dem Gebiet des heutigen Syrien, Palästinas
und Israels. Von den Ostküsten der Levante trat der Baum dann seinen
Eroberungszug in Richtung Westen an: in Ägypten und vermutlich zeitgleich
auf Kreta vor 4.500 Jahren, in Griechenland vor 3.000, durch Phönizier
und Griechen in Süditalien, auf Sizilien, Sardinien vor 2.500 Jahren,
und kurz darauf auch auf den Balearen; darauf folgten die Provence, Katalonien,
Andalusien, die Algarve – so eroberte der heute so beliebte Baum nach und
nach den gesamten Mittelmeerraum.
gemischte Nutzfläche - Weidegrund und Olivenhain
Der Ölbaum ist eine Leitform mediterraner Landschaften. Er bedeckt ein
Areal von 6 Millionen Hektar und hat die Stelle einstiger Wälder eingenommen.
„Olivenhaine ersetzen die fehlenden Wälder“, pflegte der berühmte
Botaniker Martin Rikli zu sagen. Er gilt schon seit Plinius dem Älteren
als einer der wichtigsten „Grenzzieherbäume“ der Mittelmeerregion, da
sich sein Verbreitungsareal gut mit den meisten Definitionsversuchen des
mediterranen Raumes deckt - obwohl er das italienische Festland wahrscheinlich
nicht vor dem 6. Jahrhundert v. Chr. erreicht hat. Öl und Ölbaum
wurden schon früh zu Symbolen für Wohlstand und Reichtum.
Für den ostmediterranen Ursprung der Pflanze spricht die Etymologie,
die „Ur-Namen“ der Olive bzw. des Olivenbaums: Das arabische „al-zaytun“
wie das türkische „zeytin“ leiten sich vom semitischen „zait“ ab. Der
semitische Wortstamm lebt nicht nur in anderen Sprachen dieser Region wie
im Persischen und Armenischen weiter, sondern auch im spanischen „aceituna“
und im portugiesischen „azeitona“. Die Griechen nannten das Olivenöl
„elaion“ und den Baum mit Frucht „elaia“, woraus die lateinische Sprache
ihr „oleum“ und „oliva“ (Öl und Olive) abgeleitet hat. So hat dieser
Name in fast alle europäischen Sprachen Eingang gefunden.
Die Wildform, der „Oleaster“, ist ein sparriger, kleinblättriger und
verdornter Strauch der heißen Garrigue. Unzählige Kulturrassen
ermöglichen eine Kultivierung selbst in Grenzgebieten mit Winterfrösten
von –10 °C (Gardasee), obwohl das Monatsmittel des kältesten Monats
in seinem Verbreitungsgebiet allgemein bei 5 °C liegt. Die lichten, silberlaubigen
Olivenhaine mit einem meist sehr artenreichen Unterwuchs von Gräsern,
Annuellen (Mohn) und Geophyten (Gladiolus, Rosenlauch – Allium
roseum, Anemonen, Orchideen) bieten im Frühjahr einen bezaubernden
Anblick. Der Ölbaum selbst wird fast immer von einem holzzerstörenden
Pilz befallen (Polyporus fulvus), so dass häufig abenteuerliche,
halb hohle Baumgestalten entstehen, die geradezu ein Symbol für Überlebenskraft
darstellen. Alte Bäume können Durchmesser von 2–3 m erreichen;
Altersbestimmungen aus Jahresringen sind meist nicht möglich, weil nur
der äußerste Teil des Holzkörpers erhalten bleibt, aber ein
mögliches Alter von über 1.000 Jahren scheint realistisch.
Olivenbaumholz, ein hartes und gut polierbares Holz
Gut durchlüftete, poröse und wasserdurchlässige Kalkböden
ohne Staunässe, ideale 700 mm Niederschlag, möglichst kein Winterfrost
und eine Sommertemperatur von 30 – 35 °C sind die günstigsten Bedingungen
für den Olivenanbau. Die Blütezeit des Ölbaums ist April bis
Juni, die Ernte beginnt Mitte November und kann sich bis in den Februar hinziehen.
Die Früchte haben inzwischen je nach Sorte eine dunkelviolette bis fast
schwarze Farbe angenommen und ihren höchsten Ölgehalt erreicht.
Die schonendste, zugleich auch teuerste und aufwendigste Art der Ernte ist
das Pflücken mit der Hand; meist werden die Früchte mit Stangen,
in heutiger Zeit auch mit Vibrationsmaschinen vom Baum geschlagen und in
ausgebreiteten Netzen bzw. mit Tüchern aufgefangen. 30 – 50 kg Oliven
pro Baum ist ein Durchschnittswert, in Ausnahmefällen werden sogar 100
– 200 kg erreicht. Die besten Erntejahre liegen zwischen dem 25. und 100.
Lebensjahr des Ölbaumes. Der Ölgehalt der Früchte beträgt
ca. 15 – 40 Prozent, für einen Liter Öl benötigt man je nach
Sorte und Klima zwischen 3 und 7 kg Oliven.
Dieses Öl gehört zu den aromatischsten und gleichzeitig zu den
gesündesten aller Speiseöle. Heute werden auch andere Vorzüge
hervorgehoben, so der hohe Gehalt an Vitamin E, an essenziellen Fettsäuren
und weiteren pharmakologisch wirksamen Substanzen mit antioxidativer Wirkung.
Allerdings behaupten neuerdings böse Zungen (und das tut jedem Liebhaber
des Mittelmeeres weh), dass die Verherrlichung des Olivenöls anderen
Ölsorten gegenüber lediglich eine kluge Verkaufsstrategie der EU
oder zumindest einiger EU-Länder ist (wohl der größten Produzenten)
…
So wie es einen Butterberg gibt, soll es auch einen Olivenölsee geben.
Einfacher gesagt: Es gibt eine Überproduktion und die Agrarpolitik der
EU treibt auf der Subventionsebene bekanntlich öfters seltsame Blüten.
Wie auch immer: Literweise Olivenöl trinken allein hat vermutlich noch
niemanden das Leben verlängert und es gibt auch andere Öle, die
mindestens so gesund sind. Es ist wohl eher die Kombination aus Gelassenheit,
mäßigem Rotweinkonsum (das hört der mediterrane Liebhaber
gern …) und den allgemeinen Ernährungsgewohnheiten, die der Gesundheit
der Mittelmeerbewohner förderlich sind.
Olivenhaine findet man überall auf Mallorca
Rund 10 Prozent der Olivenproduktion – in Spanien werden jährlich etwa
3,4 Millionen Tonnen geerntet – verarbeitet man zu Speiseoliven. Die rohen
Früchte werden mit Lauge behandelt, um ihnen die Bitterstoffe zu entziehen,
dann werden sie in Salzlake oder Olivenöl eingelegt. Der größte
Teil der Ernte wird zu Öl verarbeitet. Die erste, kalte Pressung ergibt
das Jungfernöl, ein Speiseöl höchster Qualität. Ihm folgt
ein warmes, etwas stärkeres und schließlich ein heißes,
starkes Pressen; dessen Produkt kann nicht mehr für Speisezwecke genutzt
werden, sondern wird als Baumöl verwendet.
2005 ist die Olivenölproduktion auf Mallorca um 60 Prozent auf mehr
als 40.000 Liter gestiegen. Diese Zahl bezieht sich nur auf die Olivenölproduktion
unter dem Zertifikat Denominacion de Origen. Ein Grund für die Steigerung
war die neue Ölpresse in Estellencs. Die Erzeugervereinigung führte
den Anstieg zum einen auf gestiegen Exporte in Länder wie Japan zurück,
zum anderen nehmen auch mehr lokale Supermärkte mallorquinische Produktionen
in ihr Sortiment auf. In den nächsten sechs Jahren soll die Jahresproduktion
auf 200.000 Liter gesteigert werden.
Die knorrigen Stämme der Olivenbäume – jeder Baum ist ein einzigartiges
Individuum – liefern ein seit der Antike geschätztes, hartes und gut
polierbares Holz.
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