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Onlinemagazin - 76. Ausgabe - Mallorca - Ein Winter auf Mallorca




 Geschrieben von Claudia, Herbert und Robert

Unterwegs mit George Sand und Frédéric Chopin

Die drei berühmtesten Ärzte der ganzen Insel haben mich untersucht; der eine beschnupperte, was ich ausspuckte, der zweite klopfte dort, von wo ich spuckte, der dritte befühlte und horchte, wie ich spuckte. Der eine sagte, ich sei krepiert, der zweite meinte, dass ich krepiere, der dritte, dass ich krepieren werde.
(Gern zitierter Brief Chopins vom 3. Dezember 1838 über die ärztliche Kunst der Mallorquiner. Er ist möglicherweise weniger boshaft gemeint denn vielmehr Zeugnis seiner Selbstironie, derer Chopin sich oft bediente, um mit seiner chronischen Erkrankung fertig zu werden.)

Eigentlich war die Reise als Familienurlaub geplant. Die Schriftstellerin Lucile Aurore Dupin – besser bekannt unter ihrem Pseudonym George Sand – wollte ihrem rheumakranken Sohn den nasskalten Winter in Paris ersparen. Mit von der Partie war der Komponist Frédéric Chopin.

Doch der „Winter auf Mallorca“ war für das Liebepaar nicht ganz so erholsam, wie George Sand es sich gewünscht hätte. Die Temperaturen sanken merklich, die mallorquinischen Häuser waren kalt und klamm, Chopin nörgelte Tag und Nacht. Gleichwohl komponierte er in dieser Zeit hier auf Mallorca seine weltberühmte Préludes. Drei Jahre nach der Reise erschien dann der Bericht George Sands, der einen Einblick in die Entstehungsgeschichte von Chopins Musik und nicht zuletzt in den Alltag der Insel liefert.

Über 250.000 Besucher besichtigen angeblich Jahr für Jahr die Kartause von Valldemossa. Nicht, weil es sich bei diesem ehemaligen Kloster um ein so grandioses Bauwerk handelt, sondern in erster Linie, weil im Winter 1838/39 der Komponist Chopin und die französische Schriftstellerin Sand dort zwei Monate einer tragisch-romantischen und gleichzeitig skandalösen Beziehung verbrachten. Der Nachwelt erhalten blieben die Umstände und Einzelheiten dieses privilegierten Aufenthaltes dank des von Madame Sand später veröffentlichten Buches „Ein Winter auf Mallorca“. Dieser literarische Reisebericht, der zugleich eine kritisch verzerrte (was die Mallorquiner angeht) wie bewundernde (soweit es Landschaft und Klima betrifft) Beschreibung der Insel ist, wurde – dem Tourismus sei Dank – zum Bestseller in allen wichtigen europäischen Sprachen.

Der in fast allen Reiseführern und Veröffentlichungen zu Mallorca wie selbstverständlich benutzte Begriff Kartause (spanisch: Cartuja, mallorquín: Cartoixa) wird den wenigsten etwas sagen. Laut Lexikon handelt es sich um „Ansammlungen kleiner Häuser mit Einzelzellen“, deren Name sich vom asketischen Kartäuser-Mönchsorden herleitet. Dieser, wie alle anderen Orden auch, war bei der spanischen Obrigkeit einige Jahre vor der Ankunft Chopins in die Ungnade der Säkularisierung gefallen und hatte das Kloster in Valldemossa durch Enteignung verloren. Die geräumigen Zellen der „Kartause“, wurden daher weltlichen Zwecken zugeführt. George Sand und Chopin, die von der Verfügbarkeit der Räume gehört hatten, mieteten sich im November 1838 dort ein und zogen bald ganz nach Valldemosa. Bis dahin hatten sie überwiegend ein Haus in Establiments (ca. 4 km nördlich Palma) bewohnt, das sie nach Tuberkulose-Anfällen Chopins wegen der Ansteckungsfurcht des Eigentümers verlassen mussten.

Die sich verschlimmernde Krankheit führte letztlich zum vorzeitigen Abbruch des Mallorca-Aufenthaltes und damit zur anrührenden Tragik über dem Geschick der prominenten Liebenden, von der die Tourismusbranche noch heute zehrt. Ohne Chopin und George Sand ließe sich Valldemossa nicht halb so gut vermarkten.

Die Suche nach einer angemessenen Unterkunft war offenbar lange Zeit in Palma ein Problem. Herrscht heutzutage eher ein Überangebot an Hotels und Pensionen aller Kategorien, mussten George Sand und Frederic Chopin im November 1838 noch feststellen, dass dort keine Herberge für Reisende existierte: „In einem Gebiet, das den großen Zivilisationen Europas so nahe lag, gab es keine einzige Unterkunft. ... das verstanden wir nicht.“ Und so war das prominente Paar auf die Gastfreundschaft der Palmeser angewiesen, die offensichtlich nicht dem entsprach, was Monsieur und Madame erwartet hatten: „In Palma ist es nötig, zwanzig wichtigen Persönlichkeiten empfohlen und angekündigt worden zu sein und einige Monate zu warten, um nicht im Freien schlafen zu müssen.“ Dazu kam es dann aber nicht, denn man wies ihnen schließlich doch noch ein Quartier zu, allerdings zur geringen Zufriedenheit: „Alles, was man für uns tun konnte, bestand darin, uns zwei kleine möblierte, besser gesagt, unmöblierte Zimmer zu verschaffen, an einem seltsamen Ort ... mit einem Feldbett ... wie ein Schieferstein, einem Baststuhl und Pfeffer und Knoblauch als Lebensmittel.



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