Kaum ein deutschsprachiger Prominenter, der auf Mallorca keine
Finca oder sonst ein Anwesen besitzt und dort schöne Wochen in der kalten Jahreszeit
verbringt. Laut der Bevölkerungserhebung aus dem Jahre 2001 waren 12.343
Deutsche mit Wohnsitz auf den Balearen offiziell gemeldet (zum Vergleich:
7.944 Briten). Inoffizielle Schätzungen sprechen jedoch von über
20.000 ansässigen Deutschen, die etwa ein Drittel aller auf den Balearen
lebenden Ausländer und rund die Hälfte der aus Europa stammenden
Zuwanderer stellen. Unter Berücksichtigung der saisonal bewohnten Zweitwohnungen
geht man sogar davon aus, dass tatsächlich etwa 60.000 Deutsche permanent
oder relativ häufig auf den Balearen leben, rund 80 Prozent davon auf
Mallorca.
Aber auch Menschen aus anderen Ländern wissen Mallorca zu schätzen,
so z.B.
Hollywoodstar Michael Douglas, der heute das einstige Anwesen von Ludwig
Salvator bewohnt. Und er hat es sich für sein vieles Geld sicher aussuchen
können, wo er Ruhe und Frieden suchen will und hätte sich nicht
ausgerechnet auf einer Ballermann-Insel niedergelassen ... Seine Ruhe sucht
er hier gegenwärtig im Durchschnitt viermal pro Jahr.
Den Herrensitz Ludwig Salvators, Son Marroiq, hoch über wildromantischen
Küstenklippen, besuchte seinerzeit Europas gesamter Adel. Heute kann
das auch der bürgerliche Inselbesucher und jeder Vierte nutzt
diese Möglichkeit. Der wilde Westen mit dem Bergdörfchen
Deià hat sich immer schon mit vielen Promis geschmückt: Charlie
Chaplin, die Schriftstellerin Anais Nin, sie wohnten hier zwischen romantischem
Kirchplatz, Windmühlen, die zu Mallorcas Wahrzeichen zählen, knorrigen
Feigenbäumen und noch knorrigeren Olivenhainen in weiß gekalkten
Häusern.
Robert Graves, ein Nachfahre des berühmten deutschen Historikers Leopold
von Ranke, hatte in seinem 1932 gebauten Heim Canelluñ (verballhorntes
Mallorquin für „abgelegenes Haus“), am Ortsausgang von Deià sein
privates Paradies gefunden. Er war 1929 mit der amerikanischen Schriftstellerin
Laura Riding vor privaten Schwierigkeiten aus England geflohen und hatte
sich auf Anraten der einflussreichen Poetin und Kritikerin Gertrude Stein
auf Mallorca niedergelassen. Hier schrieb der Autor, der sich vor allem als
Dichter empfand, seine wichtigsten Prosawerke, u.a. die Claudius-Romane,
mit deren Tantiemen er sich im damals noch „spottbilligen“ Mallorca einen
angemessenen Lebensstil und ein gastfreundliches Haus leisten konnte.
Zu seinen aufsehenerregendsten Gästen muss ohne Zweifel die Hollywood-Diva
Ava Gardner gezählt werden, die 1955 auf eine Stippvisite nach Deià
kam und seitdem als Freundin der Familie galt. Diesen anekdotenreichen Besuch
hat Graves später in seiner Geschichte „Ein Toast auf Ava Gardner“ nachgezeichnet,
die erstmals auf Deutsch in der Sammlung mit dem Titel „Geschichten aus dem
anderen Mallorca“ (1998) erschienen ist.
Aber auch Sir Alec Guinness, Sir Peter Ustinov und der junge Gabriel Garcia
Marquez ließen sich von Graves auf eine Stippvisite nach Deià
locken. Im März 1950 kam der damals erst 10jährige Stephen Hawking
mit seiner Mutter, einer Studienfreundin von Graves' zweiter Frau Beryl,
für einige Wochen auf Besuch nach Canelluñ. In Erinnerung geblieben
ist der spätere Nobelpreisträger der Graves-Familie vor allem durch
seinen exzentrischen Humor: Er warf einmal völlig überraschend
eine Stinkbombe unter das Sofa und machte dadurch den Raum für einige
Zeit unbewohnbar.
Ende der Sechziger kamen schließlich die Hippies, später Elton
John und noch später Claudia Schiffer an die stille Costa zwischen Andraitx
und Sóller … und viele mehr.
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