Impfen - warum?
von Jessica Brühl
Infektionskrankheiten werden häufig unterschätzt. Aber nicht
nur in Ländern der dritten Welt, sondern auch in den Industrienationen
sterben jährlich Tausende von Menschen daran. Obwohl man in den Nachrichten
immer wieder von Fällen hört, in denen Urlauber ungeschützt
in Gelbfieber-, Hepatitis- oder Malariaregionen fliegen und anschließend
teilweise tödliche Infektionen als "Souvenir" mit nach Hause bringen,
hat die Impfbereitschaft stark nachgelassen.
Obwohl Krankenkassen und Ärzte immer wieder
dazu aufrufen, sind viele nicht einmal gegen Tetanus, also Wundstarrkrampf,
geimpft, obwohl der Virus auch bei uns stark verbreitet ist und die Erkrankung
nicht selten tödlich endet.
Offenbar mangelt es noch immer an Aufklärung,
denn viele Menschen vergessen schlicht, dass Impfungen nicht ewig schützen
und nach einem festgelegten Impfschema aufgefrischt werden müssen.
Laut Aussage der Bundesärztekammer haben in Deutschland etwa 20% der
Kinder und sogar 50% der Erwachsenen einen mangelhaften Impfschutz. Die
Ignoranz ist gerade bei Fernreisen ein großes Problem: "Warum sollte
es ausgerechnet mich erwischen?" Wenn der Fernreisende dann doch darüber
nachdenkt, ist es meistens zu spät - mind. vier Wochen vor Reiseantritt,
besser jedoch ein halbes Jahr vorher sollte man einen Blick in seinen Impfpass
werfen und sich einen Impfplan aufstellen lassen. Diesen erhält man
bei den Tropenmedizinischen Instituten, beim Hausarzt, beim Gesundheitsamt
und bei fast allen Apotheken. Gerade letztere werben Kunden mit diesem
kostenlosen Service.
Ein weiterer Grund, warum Urlauber häufig auf
Impfungen verzichten, sind die Kosten. Denn bis auf die Standardimpfungen
gegen Krankheiten, mit denen man sich in Deutschland infizieren kann (Tetanus,
Polio, Diphtherie, FSME, Grippe), sind alle Impfungen selbst zu bezahlen.
Je nach Reiseziel können dafür einige hundert Mark anfallen.
Viele Menschen fürchten zudem Nebenwirkungen,
wie die der Chemoprophylaxe gegen Malaria. Trotzdem sollte
sich jeder überlegen, ob diese kleinen Unannehmlichkeiten nicht das
Risiko aufwiegen, eine schwere Erkrankung durchzumachen oder gar daran
zu sterben.
Was soll geimpft werden?
Grundsätzlich sollte jeder Mensch gegen Tetanus, Polio (Kinderlähmung
- diese Erkrankung ist gerade wieder auf dem Vormarsch), und Diphtherie geimpft
sein. Wer in einem besonderen Risikoberuf arbeitet, wo Umgang mit vielen
Menschen üblich ist, sollte sich zudem gegen Grippe und Hepatitis B (zahlt der
Arbeitgeber, wenn ein Infektionsrisiko besteht) impfen lassen. In Regionen,
wo die Frühsommer-Meningoencephalitis (Hirnhautentzündung) von
Zecken übertragen wird (z. B. Bayern, Skandinavien) sollte man sich
gegen FSME schützen.
Im Urlaub existieren je nach Region unterschiedliche
Empfehlungen. Diese Liste dient nur als Anhaltspunkt, sie sollte
auf jeden Fall mit dem Hausarzt besprochen werden, denn Impfempfehlungen
können wechseln. So ist zum Beispiel eine Malariaprophylaxe für
einige Gebiete der Dominikanischen Republik erst seit dem Frühjahr 2000
angeraten! Die o. g. Standardimpfungen sind das absolute Mindestmaß,
und gerade Aktivurlauber, zu denen auch Taucher gehören, sollten sich
darum bemühen !
Nachfolgend einige Empfehlungen für Tauchers
liebste Urlaubsziele:
Wichtig: Die Gelbfieberimpfung ist nur für
wenige Länder zwingend vorgeschrieben, wenn der Tourist aus Europa
einreist. Viele Länder, besonders in Afrika, Südamerika und dem
Nahen Osten (auch Ägypten und die Malediven) schreiben allerdings eine
Gelbfieberimpfung vor, wenn die Einreise über ein gelbfieberinfiziertes
Drittland erfolgt oder man sich dort vor nicht allzu langer Zeit aufgehalten
hat! Auskünfte, welche Länder dies fordern, erteilt das Gesundheitsamt.
Als gelbfieberinfiziert gelten:
Äquatorial-Guinea, Äthiopien, Angola, Belize,
Benin, Bolivien, Burkina Faso, Brasilien, Burundi, Costa Rica, Ecuador, Elfenbeinküste,
Französisch Guyana, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-Bissau, Kamerun,
Kenia, Kolumbien, Kongo, Liberia, Mali, Niger, Nigeria, Panama, Peru, Ruanda,
Sambia, São Tomé & Príncipe, Senegal, Sierra Leone,
Somalia, Sudan, Surinam, Tansania, Togo, Trinidad & Tobago, Tschad, Uganda,
Venezuela sowie das gesamte Zentralafrika.
Malaria-Prophylaxe in folgenden Ländern nur
eingeschränkt erforderlich:
- Ägypten: nur für Reisen ins
Hinterland und El Faiyum (von Juli bis Oktober)
- Dominikanische Republik: nur im Grenzgebiet
zu Haiti
- Mauritius: nur in ländlichen Gebieten
- Mexiko: überall, außer Yukatan
- Südafrika: bei Reisen ins Hinterland
und in den Krüger-Nationalpark
- Vereinigte Arab. Emirate: nördliche
Emirate und ländl. Gebiete
- Frei: Abu Dhabi, Dubai, Sharjah, Umm
al Qaiwain, Amja
Länderauswahl
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zum individuellen Impfplan:
Legende:
L: gilt für Langzeit-/Individualtouristen/Reisen
in ländliche Gebiete und über längere Zeit
**: Vergleiche Angaben bei der Erläuterung der
Erkrankung JBE
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© 2001 - Jessica Brühl