Bei dem Wrack in diesem Bericht handelt es sich um die Überreste
eines Schiffs im Roten Meer, daß eigentlich besser unter dem Namen
Sarah
H bekannt ist.
Wie öfters in diesem Gewässer handelt es sich um ein sehr
altes Wrack, bei dessen Wiederentdeckung man keinen Namen parat hatte und
auch die Fischer vor Ort sich wegen der langen inzwischen vergangenen Zeit
nicht mehr an den Namen erinnern konnten. So dachten sich also nach dem
Auffinden ein paar Leute einen Namen aus. Dieser wurde in der Folgezeit
immer wieder übernommen,so daß heute das Wrack eher unter dem
schon oe. Namen Sarah H bekannt ist. Angeblich soll das so gelaufen
sein,daß einer der Finder das Wrack nach dem Namen seiner Frau benannt
hat. Ich nehme mal an,daß diese ihm daraufhin ein Ding verpaßt
hat- denn welche Frau findet es schon schmeichelhaft, wenn man ein Wrack
nach ihr benennt :-) Autsch!
Zwei,drei Jahre nach der Taufe auf diesen Ausweichnamen wurde dann
das Wrack ordentlich identifiziert.Es handelte sich um die S.S. Kingston.
Bei diesem 1.449t-Schiff handelte es sich um einen Schiffstyp der dem
der S.S.Carnatic oder auch S.S. Dunraven nicht unähnlich
ist: Ein Segelschiff mit zwei Masten und einer einfachen 12-Zylinder -
Dampfmaschine. Genauer gesagt handelte es sich bei der S.S. Kingston
um eine Brigantine mit Eisenrumpf und einer Schiffsschraube.
Die knapp 78m lange und ca.10m breite S.S. Kingston lief am
16. Februar 1871 in Sunderland bei der Oswald Shipbuilding Company als
Frachtschiff vom Stapel und war maximal 11 Knoten schnell.
Lange Zeit fuhr die S.S.Kingston ohne Zwischenfälle die
sieben Meere der Welt. Annähernd zehn Jahre nach ihrem Stapellauf
liegt die S.S. Kingston in ihrem Heimathafen London, als sie mit
einer Ladung Kohle für die Kohlenstation in Aden befrachtet wird.Hiermit
sticht sie dann unter dem Kommando von Kapitän Cousins am 20. Januar
1881 in See. Die Reise durch das Mittelmeer und den Suez-Kanal dauert genau
einen Monat.Am 20.Februar 1881 werden in Suez die Anker gehoben und der
Weg nach Aden fortgesetzt. Die nun vor dem Schiff liegende Seestrecke ist
eine der schwierigsten der Welt.Viele Wracks zieren die Riffe des Roten Meeres. Eingedenk dieser Tatsache läßt sich es der Kapitän
nicht nehmen weite Teile dieser Strecke selbst am Ruder zu stehen und alles
zu überwachen. Nachdem man nun nach fast zwei Tagen rastlosen Wachens
fast das offene Rote Meer erreicht hat und die Straße von Suez mit
ihren gefährlichen Gewässern annähernd hinter einem liegen,gönnt
sich Kapitän Cousins endlich Ruhe und übergibt das Ruder seinem
ersten Maat.
Aber schon kurze Zeit später wird der Kapitän aus der Koje
gerissen! In den frühen Morgenstunden des 22. Februars 1881 läuft
die S.S. Kingston mit voller Wucht vierkant auf das Riff bei Shag
Rock auf! Kapitän Cousins ist zwar sofort wieder auf der Brücke,
aber das nützt alles nichts....
Nach zwei Tagen Kampf gegen die immer wieder stattfindenden schweren
Wassereinbrüche und fehlschlagender Lecksicherungsmaßnahmen
sinkt die S.S. Kingston immer tiefer.Trotzdem kämpft man in
der Hoffnung weiter,daß bald Hilfe kommen möge.Doch es ist vergebens.Plötzlich
sinkt das Heck endgültig in die Tiefe (von heute knapp 17m) und alles
was noch von dem Schiff sichtbar bleibt sind die Mastspitzen. Ironischerweise
kommt keine zwei Stunden später Hilfe: Kapitän Cousins und seine
Mannschaft wird ohne Verletzungen oder Verluste an Menschenleben von den
Masten abgeklaubt und gerettet.
Taucht man heute am Wrack muß man realisieren,daß meist
eine nicht unbeachtliche Strömung vorhanden ist.Ein Grund am Heck
-dem tiefsten Wrackteil mit ca. 17m-den Tauchgang zu beginnen und sich
Schraube und Ruder anzuschauen. Die Hecksektion ist noch am besten erhalten.Von
hier kann man dann zB. entlang der Reeling in Richtung Schiffsmitte bzw.
weiter hoch in Richtung Bug tauchen.
Da das Wrack ja mit voller Gewalt mit dem Bug auflief,ist von diesem
so gut wie nichts mehr vorhanden.Auch der mittlere Schiffsteil ist nur
noch ein Gewusel von bewachsenen Metallplatten und eigentlich schon fast
nicht mehr als Schiffsteil erkennbar.
Einzig erkennbar sind hier noch einige charakteristische Dinge wzB.
ein Kessel der Maschinenanlage. Generell gesagt steht das Wrack relativ
gerade,evtl. mit einer leichten Seitenneigung am Riff.Zieht man die Strömung
in Betracht ist es wohl auch der Ladung zu danken,daß das Wrack sich
in dieser Position hält.Ähnlich wie bei der S.S. Carnatic
sind auch hier die Decksplanken aus Holz weggegammelt und nur noch die
Metallstreben erhalten,auf denen das Deck auf zwei Ebenen auflag und befestigt
war.
Charakteristischerweise halten diese Metallstreben aber immer noch die
Ersatzschraube,die anscheinend zur schnelleren Reparaturmöglichkeit
am Oberdeck mitgenommen wurde.An der Riffseite neben dem Wrack liegen dann
neben dem üblichen Schrott noch ein wenig erahnbar die umgestürzten
Überreste der Masten und des Schornsteins.
Besondere Anmerkung verdient hier eine etwas üppigere Flora und
Fauna als wie sie an anderen Stellen im Sinai zu finden ist.Möglicherweise
wegen der Tatsache,daß hier seltener getaucht wird,konnte sich an
dieser Stelle eine große und weitgezogene Population von Hartkorallenarten
halten als anderswo.Das gleiche trifft auf die bunte Vielfalt von Riffischen
zu,die hier gleichsam wie die Tänzer im bunten karibischen Karneval
von Kingston hier sich ihr munteres Stelldichein geben. Diese verlocken,
den Tauchgang dann am Riff fortzusetzen und sich das alles genau anzuschauen
und ggfs. auch mitzumachen.
GPS-Positon:
27°46´58’´N/33°52´55’`E
Vorsicht: Von Gerät zu Gerät gibt es
bei der Ermittlung der GPS-Daten immer Unterschiede.Bei Annäherung
an das Riff ist entsprechende Vorsicht zu beobachten und weniger die GPS-Anzeige
zu betrachten als vielmehr die tatsächliche Nähe zum Riff zu
überwachen!!!!!!!
Die Photos stammen allesamt von Ulrich Mößlang. Er hat sie uns über seine schöne Seite www.moesslang.net
zur Verfügung gestellt.Herzlichen Dank!!!
Tauchplatzkarten in Hülle und Fülle - aus der ganzen Welt gibt es auf unserer Kartenseite. Hier sind viele in- und ausländische Tauchplätze verzeichnet, und mit unseren Karten kann man sich prima auf den Tauchgang vorbereiten.
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