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Onlinemagazin - 8. Ausgabe - Malcolm X`s eiserner Bruder




 Geschrieben von Oli
© 2001 Oliver Meise
-Keine Gewährleistung-

Bei diesem Wrack handelt es sich um den 1969 gebauten griechischen 2932t-Frachter Ghiannis D.
Im Laufe seines Überwasserlebens hörte das Schiff aber noch auf weitere Namen.So wird zB. angenommen,daß sie in Imbari/Japan ursprünglich als Shoyo Maru bei der Kuryshima Dock Company vom Stapel lief, 1975 dann nach einem Verkauf Marcos getauft wurde,bis sie dann zuletzt Ghiannis D genannt wurde.
Unter Tauchern wird sie gelegentlich auch Dana genannt.Dieser Name wurde von dem Namen der letzten Reederei abgeleitet der das Schiff seit 1980 gehörte: "Danae Shipping Company" aus Piräus/ Griechenland. Diese Reederei hatte als Markenzeichen allen ihren Schiffen ein großes "D" auf dem Schornstein verpaßt.Dieser Buchstabe ist heute noch gut erkennbar.

Genauso kann man heute wieder Teile des japanischen Namens am Bug lesen.

Der Schriftzug "Markos" ist aber wohl dem Rostfraß zum Opfer gefallen.Ein anderer Name -"Holzfrachter"- entstand wegen der Ladung.
Am 19. April 1984 befand sich dieses knapp 99 m lange Schiff gerade mit einer Ladung Weichhölzer und Röhren auf seinem Weg von Rijeka / Ex-Jugoslawien nach Hodeida / Jemen, als es aufgrund eines Navigationsfehlers vierkant an der Nordseite des Riffs beim Shaab Abu Nuhas auflief.Die durch die Fahrt vorhandene kinetische Energie führte beim Aufprall auf das Riif dazu, daß der Kiel vor der Brücke entzweibrach. Nicht zuletzt wegen ihrer Holzladung und weil sie teilweise auf dem Riff auflag, blieb sie noch ca. sechs Wochen über Wasser.Bergungsversuche mit Hilfe des Bergungsschleppers Salvanguard schlugen fehl.Dann brach sie endgültig in zwei Teile und sank hinunter auf den sandigen Meeresgrund in eine durchschnittliche Tiefe von ca. 25m.
Die Mannschaft wurde von einem ägyptischen Schlepper gerettet und zur Ölplattform Santa Fe gebracht. Von dort wurde sie per Helikopter zum Ras Shoke gebracht von wo aus sie dann weiter in die Heimat reiste.Während des abgleitens und späterer Einwirkungen durch das Meer ergab es sich, daß heute drei Schiffsteile vorhanden sind, die alle eine Krängung von ca. 45° nach Backbord aufweisen.Die Bugsektion liegt mit der Ankerkette an einem sanften Abhang auf ca. 10m am Riff mit einer deutlich größeren Krängung.

Hieran schließt sich dem immer tiefer gehenden Abhang das Mittelstück an.Die Laderäume hier sind stark zerstört.Als Schiffsteil eigentlich nicht wiedererkennbar ist das heute kaum mehr als eine Ansammlung von rostigen Metallplatten, Kabeln und einigen Röhren aus der Ladung.

Hinter dieser mittleren Schiffspartie schließt sich an diesem Riffabhang dann die Hecksektion und Laderäume mit maximal 27m an.

Dies ist der meistbetauchte Schiffsteil,bietet er doch zB. den Maschinenraum auf ca. 20m Tiefe oder die Besatzungsunterkünfte- zur Betrachtung an.Teile der Aubauten, vor allem die Ladebäume und Deckskräne reichen hoch hinauf, annähernd bis unter die Meeresoberfläche.


Manchmal kann man sie schon vom Tauchboot aus sehen,wenn man sich genau über dem Wrack befindet. Betaucht man den Maschinenraum mit den beiden Antriebsmotoren,so geschieht das in der Regel über die Fenster der Brücke als Zugang.



Wie in den anderen Schiffen hier am Riff,liegt das Heckteil nicht mit ebenem Kiel auf,sondern ist seitlich geneigt.


Manchen Taucher bringt es ganz schön durcheinander,wenn er einer Treppe nach unten folgt, in Wirklichkeit aber nach oben schwimmt oder umgekehrt.Also Vorsicht,sonst bringt einen der eigene Gleichgewichtssinn um !
Hat man sich also nach unten in den Maschinenraum durchgewuselt,öffnet sich ein großer Raum mit einem Wust von Stiegen,Wendeltreppen,Rohrgewirr,Steuerständen und Steigen.


Dies ist das Reich von einer Vielzahl von Kleinfischen,aber auch der gefährlichen Rotfeuerfische. Im Maschinenraum gibt es an der Decke eine größere Lufttasche.
HIER NICHT AUFTAUCHEN!! An der Wasseroberfläche dieser Lufttasche schwimmt eine Ölschicht. Nicht besonders schön für die Atemregler....
Vom Maschinenraum aus gelangt man zu den Kabinen,den Toiletten,dem achteren Ruderstand und auch in eine Werkstatt.

Im Maschinenraum selbst kann man aber auch die unteren Bereiche ergründen.Hierbei stößt man auf die zwei 6-Zylinder Dieselmaschinen der Akasaka Tekkosho KK -Gesllschaft aus Yaizu, Japan.
Sie verliehen früher dem Schiff mit ihren 3.000 BHP eine Maximalgeschwindigkeit von 12 Knoten.

Hier bietet sich aber unter den Decksplatten,den Hauptmotoren mit ihren obenliegenden Kolbenstangen und rostigen Rohren, Kesseln und Generatoren dem Auge des Betrachters nichts weiter als Dunkelheit und einige weitere Fische dar.
Auf dem Meeresboden rund um das Heck liegen dann noch einige der Holzbalken aus der Ladung herum. Schaut man am Wrack nach oben,so sind reizvolle Gegenlichtfotografien mit den Ladebrücken und-kränen auf dem Oberdeck möglich. Am Heck kann man nur noch eine der beiden Schrauben aus dem Sand ragen sehen.

Mittlerweile hat natürlich auch die Natur Einzug auf dem Schiffswrack gehalten.In seinen inneren Räumen halten sich gerne Skorpionfische wie auch Rotfeuerfische auf.Vorsicht also beim betauchen der Innenräume! Neben den "üblichen Verdächtigen" aus der Fischwelt treiben sich hier auch der ein oder andere fette Barsch herum wie auch die M.v.D. (Muräne vom Dienst) , einige Krokodilfische oder auch Adlerrochen und Haie.Neben diesen Vertretern von Mutter Natur wurde auch der Schiffskörper mittlerweile zur Heimstatt so einiger Hart- wie auch vielfarbiger Weichkorallenarten.
Auch an diesem Wrack kann man mit Nitrox 36 auf einen Tauchgang von mehr als 30 min kommen, ohne daß Dekozeiten notwendig würden.
Die Fahrten zu der Untergangsstelle ist wie die Fahrt zur S.S.Carnatic (das abgebrochene Vorschiff der Ghiannis D liegt annähernd in Sichtweite vom Heck der S.S. Carnatic) und den anderen hier im Shaab Abu Nuhas liegenden Wracks wetterabhängig.Diese Stellen sollten nicht betaucht werden bei schlechtem Wetter oder starker Strömung. Beides ist hier möglich.In solchen Fällen wird das Wrack jedoch garnicht erst angefahren.In der Regel soll aber hier nur eine schwache bis mäßige Strömung herrschen.Hinzu kommt,daß es sich empfiehlt in den Vormittagsstunden hier zu tauchen,da in dieser Zeit die Sonne am steilen Riff am höchsten steht und der Lichteinfallswinkel auch alles ausleuchten kann.
 

GPS-Positon:
27°34`55``N/33°55`39``E

Vorsicht: Von Gerät zu Gerät gibt es bei der Ermittlung der GPS-Daten immer Unterschiede.Bei Annäherung an das Riff ist entsprechende Vorsicht zu beobachten und weniger die GPS-Anzeige zu betrachten als vielmehr die tatsächliche Nähe zum Riff zu überwachen!!!!!!!

Die Photos stammen allesamt von Ulrich Mößlang. Er hat sie uns über seine schöne Seite www.moesslang.net zur Verfügung gestellt.Herzlichen Dank!!!


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