© 2001 Oliver Meise
- Keine Gewährleistung -
Bei dem Wrack der MS Chrisoula K
handelt es sich um ein bei der Werft Orenstein-Koppel
und Lübecker Maschinenbaugesellschaft AG in Lübeck mit der Baunummer
467 als Stückgutfrachter
auf Kiel gelegtes, 106,45m
langes und 14,8m breites Schiff
das als Volldecker 3.807 BRT groß war.Bei
dem Entwurf handelte es sich um einen bewährten Schiffstyp von dem
neben dem Typschiff MS Ludolf Oldendorff schon zwei weitere Schiffe
-die MS Flottbek und die MS Rodenbek- existierten.Zur fortschrittlichen
Ausrüstung dieses Schiffstyps gehörte neben der schon üblichen
DEBEG-Funkstation eine CO2-Feuerlöschanlage, elektrische Ventilation,ein
Kreiselkompaß,Radar und eine Selbststeueranlage. In Häfen ohne
Krananlagen konnten die an beiden Masten angebrachten zwölf Ladebäume
als Be- und Entladegeschirr für die beiden vorderen, wie auch den
hinteren Laderaum dienen.
Die
2-Takt-Neunzylinder-MAN-Dieselmaschine
vom Typ G 9 Z 52/90 mit Westfalia-Separatoren hatte
2.700 PSe bei 136 U/Min und verlieh dem Schiff
eine Maximalgeschwindigkeit von 13,5 Knoten.Der
Erstbesitzer dieses Frachters war die Reederei
E.L. Oldendorff
& Co. GmbH in Lübeck-Travemünde.
Anläßlich
des Stapellaufs am 16. Dezember 1953 wurde das bisher namenlose Schiff
auf den Namen: "MS
Dora Oldendorff"
getauft.
Photo © 1954
Reederei
Egon Oldendorff
Nach der Beendigung der Ausrüstung begann
es dann am 27. Februar 1954 seine Probefahrt
die
es zunächst noch flußabwärts durch das Eis führte.
Photo © 1954
Reederei
Egon Oldendorff
Noch am gleichen Tage wurden aber auch die Seetests
durchgeführt.
Photo © 1954
Reederei
Egon Oldendorff
Beide Tests wurden zur allseitigen Zufriedenheit
durchgeführt, so daß die MS Dora Oldendorff von nun an
mit Fracht bepackt ihr Leben auf See beginnen konnte.Nach einigen Jahren
wurde -wahrscheinlich anläßlich eines Verkaufs- die MS Dora
Oldendorff in MS Anna B umbenannt. Im Jahre 1979 erfolgte ein
erneuter Eignerwechsel.Die Reederei Clarion Marine Co. SA bei Piräus
in Griechenland erwarb den Frachter und taufte ihn
um auf den Namen MS Chrisoula K.
Am 30. August 1981 ereilte den Frachter aber
das Schicksal: Mit einer Ladung italienischer Bodenfliesen aus Granit von
Gallipoli in der Türkei nach Dschiddah laufend lief er im Shab Abu
Nuhas in Ägypten auf ein Riff!
Ursache des Untergangs soll, wie so oft an dieser Stelle des Roten
Meers, nachlässige Navigation gewesen sein. Nachdem es aufgelaufen
war,wurde es nach einiger Zeit von der Crew aufgegeben,da die Chancen für
eine wirtschaftliche Bergung immer mehr schwanden.Die Crew wurde dann abgeborgen
von dem RoRo-Containerschiff Gala de Mar. Mit der Zeit nagten immer
mehr die Kräfte des Meeres an dem Schiff.Bald ragten nur noch Bug
und Masten aus dem Wasser bis dann nach fünf Jahren auch diese versanken.
So kommt es,daß das Wrack dieses Schiffes heute an der nordöstlichen
Ecke des Shaab Abu Nuhas und ein wenig östlich von Umm Usk in einer
durchschnittlichen Tiefe von 18m liegt. Das flachste Wrackteil -der Bug-
findet sich hier schon auf 12m Tiefe am Riff.
Photo © 1996
Udo
Kefrig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin
Dieser Wrackteil ist der am meisten zerstörte. Im vorderen Rumpfdrittel
kann man noch einen senkrechten Riß sehen. Hier war beim Aufprall
die statisch schwächste Stelle an der sich der Rumpf leicht abgeknickt
hat. Insgesamt hat das vordere Rumpfteil eine leichte Neigung nach Steuerbord.Kommt
man weiter weg vom Bug, nehmen die Zeichen der Zerstörung ab und es
bieten sich Gelegenheiten für Wrackpenetrationen.Das Wrack liegt so
auf dem steil abfallenden Riff,daß das Heck in Richtung Süden
zeigt.Die Maximaltiefe am Wrack beträgt am Heck 25m.
Photo © 1996
Udo
Kefrig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin
Hier am Achterschiff beträgt die Neigung nach Steuerbord gegen
30°. Bei einer durchschnittlichen Sicht von ca. 20m bieten sich hier
schöne Ansichten -speziell am frei in das Wasser ragenden Ruder und
der großen freiliegenden vierblättrigen Schraube.
Photo © 1996
Udo
Kefrig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin
Eine weitere Möglichkeit des betauchens des Wracks ist das Eindringen
durch die Fenster der Brücke (Achtung: Nur für entsprechend ausgebildete
Taucher mit entsprechender Ausrüstung!!).Von hier kann man auch in
den Maschinenraum gelangen.Die Maschinen befinden sich in erstaunlich gutem
Zustand.Schaltpulte,Kessel,
Leitungen
und ein Reservekolben für die
Maschine bieten sich hier dem Auge des Tauchers feil.Vom
Maschinenraum kann man weiter in die Schiffswerkstatt tauchen.
Blickfang sind hier die Ständerbohrmaschine,die Werkbänke, sowie
die Kabel und Drehbänke.

Photos © 1996
Udo
Kefrig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin
In der letzten Zeit mehren sich aber die Anzeichen, daß mehr und
mehr durch die Brandung Teile des Rumpfes und der Schiffsbestandteile zusammenfallen
und die Stabilität nachläßt.
Photo © 1996
Udo
Kefrig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin
So soll auch der Schacht, der bisher den
Zugang zum Maschinenraum ermöglichte,
nunmehr
fast völlig durch derartige Teile versperrt sein.Lediglich
zwei oder drei kleinere Öffnungen sind noch vorhanden.So gesehen kommt
nur noch (wenn überhaupt) ein betauchen für
erfahrene Taucher mit spezieller Ausbildung in Frage.
Steht einem der Sinn eher nach harmloseren Außentauchgängen,
kann man gemütlich die bewachsenen Masten oder Ladebäume anschauen.
Photo © 1996
Udo
Kefrig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin
Alternativ kann man auch die Laderäume besuchen.Die
MS
Chrisoula K besaß insgesamt drei Laderäume.So
zB. den mit interessant anzuschauenden Gasflaschen
befrachteten Laderaum im Vorschiff in dem
auch mit Korallen bewachsene Plastikrollen herumliegen die einst der Laderaumabdeckung
dienen sollten.
Photo © 1996
Udo
Kefrig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin
Außerdem einen mit italienischen Bodenfliesen
aus Granit beladenen Frachtraum mittschiffs und einen ebenso mit jenen
Bodenfliesen gefüllten Frachtraum im Achterschiff.
Photo © 1996
Udo
Kefrig
Entnommen aus: Unterwasser - Das Tauchmagazin
Die beiden letzteren waren nochmal einmal unterteilt,so daß es
eigentlich mittschiffs und achtern jeweils zwei kleine Laderäume gab.
Da
die Fliesen bereits kurz nach dem Kontakt mit Salzwasser verdorben waren,
wurden sie nicht abgeborgen und liegen noch heute teils zerbrochen,größtenteils
aber noch in den ursprünglichen Paketen herum. Besonders gut und leicht
bieten diese sich dem Auge des Betrachter in der Achterschiffsektion dar
-dort wo der Schiffsrumpf verdreht wurde und die Ladung verrutschte.Am
Riff kann man neben dem Wrack bei einem Tauchgang außen am Wrack
entlang bzw. an der ruhigen östlichen Riffseite die übliche Riffstruktur
mit Klüften, Schluchten und kleinen Höhlen sehen.Hier leben die
üblichen Arten wzB. Barsche,Drückerfische, gelegentlich Barakudas
und Haie.
Diese Stellen sollten nicht betaucht werden bei schlechtem Wetter oder
starker Strömung. Beides ist hier möglich.In solchen Fällen
wird das Wrack jedoch garnicht erst angefahren.In der Regel soll aber hier
nur eine schwache bis mäßige Strömung herrschen. Hinzu
kommt,daß es sich empfiehlt in den Vormittagsstunden hier zu tauchen,da
in dieser Zeit die Sonne am steilen Riff am höchsten steht und der
Lichteinfallswinkel auch alles ausleuchten kann.
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GPS-Position:
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27°34`59``N/33°55`30``E
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Vorsicht: Von Gerät zu Gerät gibt es
bei der Ermittlung der GPS-Daten immer Unterschiede.Bei Annäherung
an das Riff ist entsprechende Vorsicht zu beobachten und weniger die GPS-Anzeige
zu betrachten als vielmehr die tatsächliche Nähe zum Riff zu
überwachen!!!!!!!
Für die freundliche Spende der zeitgenössischen
Medien zur MS Dora Oldendorff danke ich Herrn Bertram Sartorius
von der Reederei Egon Oldendorff
!
Apart of this I wish to express my gratitude
to Ned Middleton for his kind help with the contemporary media of MS
Dora Oldendorff!
Außerdem geht unser spezieller Dank an
das Team Udo Kefrig &
Claus-Peter Stoll für das großzügige Zuverfügungstellen
ihrer Unterwasserfotos und an den Chefredakteur des Tauchmagazins Unterwasser
Herrn Dietmar Fuchs für die freundliche Scanerlaubnis!
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