Optische Tauchbrille oder Kontaktlinsen?

 Geschrieben von Uli
Von Uli Mößlang (c) 2001

Viele Taucher sind der Meinung, durch die Vergrößerungswirkung des Wassers (n=1.33) könne eine Korrektur einer leichten Fehlsichtigkeit vernachlässigt werden. Das ist aber ein Trugschluss. Gerade unter Wasser ist es wichtig, bestimmte Dinge rechtzeitig zu erkennen, damit sich ein unscheinbares Felsstück am Rande einer Höhle oder eine Koralle am Eingang eines Wracks nicht zu spät als Steinfisch entpuppt.

Durch meine Messungen und eigene Erfahrungen bin ich zu folgendem Ergebnis gekommen:

Individuelle Brillengläser

Die einfachste und unkomplizierteste Lösung für die Versorgung eines Fehlsichtigen ist die auskorrigierte Tauchbrille. Sie ist leicht zu handhaben, unempfindlich und kann für fast alle Stärkenkombinationen gefertigt werden. Auch Nahsichtteile für das Ablesen der Instrumente sind in den notwendigen Stärken möglich. Fertigt und klebt der Augenoptiker die Tauchbrille selbst in seiner Werkstatt und ist er außerdem noch ein versierter Taucher, sind Sie in besten Händen.

Weiche Contactlinsen

Bei einem Tauchanfänger, der noch stark mit sich selbst und seiner Ausrüstung beschäftigt ist, kann es bei Freiwassertauchgängen zu größeren Problemen kommen. Ist er bereits länger Contactlinsenträger, sollten seine ersten Übungen mit der Maske und dem Verhalten der Contactlinsen unter Wasser in einem Schwimmbad erfolgen. Zu beachten ist auch, dass Meerwasser aufgrund seines Salzgehaltes Probleme bereiten kann: Durch die Speicherung von Salzwasser in den Contactlinsen kommt es zu erhöhter Tränensekretion.

Am unproblematischsten haben sich Eintageslinsen herausgestellt. Sie sind aber leider nicht in allen Stärken erhältlich. Mit Monatslinsen können auch astigmatische (Cilinder- oder Stabsichtigkeits-) Probleme behoben werden. Der Preis für verlorene Contactlinsen hält sich in Grenzen. Es sollten immer mehrere Reserve-Contactlinsen im Handgepäck mitgeführt werden, speziell auf Tauchsafaris. Aus meiner Sicht ist es nicht optimal, wenn sich ein Brillenträger nur für den Tauchurlaub für Contactlinsen entscheidet, denn dann fehlt ihm einfach die Erfahrung im Umgang damit.

Problematisch ist die Versorgung mit einer Nahstärke durch Contactlinsen. Solche Linsen sind sehr teuer, das Nahblickfeld ist nicht stabil und sehr klein. Bei einer Korrektur für die Ferne  werden obendrein trotzdem Nahsichtteile in der Maske zum Ablesen der Instrumente gebraucht.

Absolut notwendig ist es, den Buddy auf das Tragen von Contactlinsen und die Probleme bei einem eventuellen Maskenverlust hinzuweisen sowie Verhaltensregeln abzusprechen.

Die Sondercontactlinse von Rainer Holland für einen Apnoe-Tieftauchrekord mit ca. 250 dpt ist als Ausnahme anzusehen. Die Linse ist wesentlich größer als eine normale Contactlinse und wurde vom Optiker vor dem Rekord mit einer Speziallösung eingesetzt. Sofort nach dem Tauchgang musste sie wieder entfernt werden. Für einen normalen Tauchgang mit Pressluft ist sie nicht geeignet und wird auch nicht angeboten. Sicher ist sie als Bereicherung für Apnoe-Rekordtauchgänge anzusehen, da der Luftraum in der Maske entfällt.

Harte Contactlinsen

Harte Contactlinsen sind für den Tauchsport mit Sicherheit sehr ungünstig. Der Verlust einer Linse ist teuer und geschieht schnell.

Fertiggläser

Sie sind die am wenigsten geeignete Korrektion einer Fehlsichtigkeit. Beim Benutzen industriell vorgefertigter Gläser, die nur in bestimmten sphärischen Stärken ohne Berücksichtigung des individuellen Augenabstandes hergestellt werden, kann es zu optischen Verschiebungen kommen. Diese lösen Kopfschmerzen, vorübergehende Beeinträchtigungen des Sehvermögens, z. B. Schielen, und Übelkeit aus. Zusätzlich ist zu beachten, dass ein Händler, der optische Fertiggläser vertreibt und einsetzt, der erweiterten Haftung nach dem Medizinproduktengesetz unterliegt. Dabei ist er dafür weder ausgebildet noch berechtigt, noch besitzt er den nötigen Versicherungsschutz.

Laserbehandlung der Augen

Wenn man den Werbe-Anzeigen für die refraktive Chirurgie glauben darf, ist das Lasern besonders für Taucher zu empfehlen. Lässt sich tatsächlich ein Sporttaucher sein gesundes Organ chirurgisch verändern, so sollte er unbedingt auf einer schriftlichen Garantie bestehen, die folgende Fragen beantwortet:

1.Brauche ich wirklich mein Leben lang keine Sehhilfe mehr?
2.Wann kann ich nach dem Eingriff wieder tauchen?
3.Ist die abgetragene Hornhaut auch unter Druck problemlos und voll belastbar?
4.Verändert sich die Sehleistung unter Druck?
5.Behindert mich die Operation auch nach Jahren nicht, so dass ich meinen Lieblingssport weiterhin ungetrübt ausüben kann?
6.Können Probleme bei Nachttauchgängen durch Reflexionen oder Streulicht auftreten?
7.Wie viele Taucher wurden operiert, und welche verlässlichen Langzeitstudien gibt es?

Die Laserbehandlung ist schon für das alltägliche Leben mit Risiken behaftet; das Risiko gerade für den Taucher ist meiner Meinung nach noch sehr viel größer.

Info hierzu : Ein Augenarzt hat einen Patienten nachdrücklich zu informieren , dass die lediglich aus kosmetischen Gründen gewünschte Hyperopiekorrektur unter Einsatz eines Excimer-Lasers mit der Gefahr einer beträchtlichen Schädigung der intakten Hornhautstruktur verbunden ist. Dies hat das OLG Düsseldorf mit Urteil vom 11.11.99 (B U 184/98) festgestellt und den behandelten Augenarzt zu einer Schmerzensgeldzahlung von 40000 DM verurteilt.


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