Wie ist die aktuelle Lage im Schutzgebiet? Ein Lagebericht soll euch dies aufzeigen.
Der Derawan Archipel, östlich von Borneo, ist ein noch relativ unbekanntes und wenig erschlossenes Gebiet. In wissenschaftlicher Hinsicht ist es bisher kaum erforscht. Das gilt besonders für die südlich gelegenen Inseln (Muaras Atoll und noch weiter südlich bei Mataha und Bilangbilangan).
In diesem Archipel kommen noch auf 5 Inseln Schildkröten in grosser Zahl zur Eiablage an Land. Es sind dies: Sangalaki, Belambangan (neben Sambit), Sambit, Bilangbilangan und Mataha.
Für all diese unbewohnten Inseln (auf Sangalaki gibt es nur ein kleines Tauchresort und auf Sambit leben 2 Leuchtturmwächter) wurden von der lokalen Regierung seit Jahren einem Unternehmer Konzessionen zum Sammeln von Schildkröteneiern verkauft, obwohl das nach nationalem indonesischen Recht klar verboten wäre. Der Konzessionär namens Haji Saga ist Mitglied im lokalen Parlament und hat ein erfolgreiches Baugeschäft. Das Geschäft mit den Schildkröteneiern ist für ihn nur ein Nebenerwerb. Insgesamt hat er etwa 10 seiner Mitarbeiter für das Einsammeln der Eier auf den Inseln abgestellt.
Auf Druck der Turtle Foundation, die 1999 gegründet wurde, wurde uns nach zähem Ringen zunächst erlaubt, auf der Insel Sangalaki 20% der Nester zu schützen. Die Turtle Foundation hat auf Sangalaki eine Rangerstation errichtet (einen kleineren Teil der Kosten haben WWF und eine lokale NGO mitgetragen) und eigene Ranger angestellt und ausgebildet. Per 1.1.2002 wurde Sangalaki per Dekret zur Gänze unter Schutz gestellt. Nach einigen Querelen mussten die Eiersammler Sangalaki schliesslich tatsächlich verlassen und seither schlüpfen unter den wachsamen Augen unserer Ranger wieder jede Nacht kleine Schildkröten. Pro Jahr gelangen so alleine auf Sangalaki wieder über 350'000 Schlüpflinge ins Meer.
Er hats geschafft - bis ins Meer.
Um den Schutz zu gewährleisten arbeitet die Turtle Foundation mit der nationalen Behörde für Umwelt und Wald (KSDA) zusammen, die mit Polizeigewalt ausgestattet unseren Leuten permanent mind. einen Mitarbeiter zur Seite stellt.
In jüngster Zeit hat sich ergeben, dass in diesem Gebiet so nach und nach der politische Wille zu verspüren ist, die immer noch einmalige und über weite Strecken intakte Umwelt zu schützen und langfristig zu erhalten, zumal offenbar starke Hoffnungen in Ökotourismus gesetzt werden.
Vor rund einem Jahr wurde auf der Insel Panjang ein Bewachungsposten gebaut, da dies ein bekannter Feedingground für Schildkröten ist und dort in der Vergangenheit oft den erwachsenen Schildkröten nachgestellt wurde. Die Turtle Foundation stellt für schnelle Einsätze von diesem Bewachungsposten aus ein kleines Boot und einen Mitarbeiter zur Verfügung.
Ein ähnlicher Bewachungsposten ist auf der Insel Samama geplant.
Auf dem Weg ...
Langfristig besteht seitens der Regierung die Absicht das gesamte Gebiet zu einem Marine Park zu erklären. Dies zu tun ist nicht so schwierig; viel schwieriger ist es hingegen den gesamten Parks zu überwachen.
Doch zurück zu den Schildkröten: nachdem die Turtle Foundation den Schutz von Sangalaki erreichen konnte, hat sich die Turtle Foundation zwei neue Hauptziele gesetzt: a) regelmässige Patrouillenfahren und Kontrollen von Booten, da zumehmend Boote aus anderen Regionen Indonesiens in dieses Gebiet kommen, um adulte Schildkröten zu fangen b) Schutz der verbleibenden 4 Eierinseln, auf welchen weiterhin täglich alle Eier eingesammelt werden.
Im Juni 2006 kündigte der Regierungschef überraschend an, dass er einen Schutz dieser Inseln auch begrüssen würde und die Eiersammelkonzession nicht mehr verlängern würde. Er frug die verschiedenen NGOs an, wer bereit wäre ein solches Schutzprojekt umgehend anzugehen und zu realisieren. Die Turtle Foundation war die einzige Organisation, die sich sofort dazu bereit erklärt, denn auf diesen Moment hat die Turtle Foundation schon mehrere Jahre gewartet! Der Regierungschef erteilte daraufhin KSDA das Mandat zusammen mit der Turtle Foundation den Schutz dieser 4 Inseln innert nützlicher Frist zu realisieren.
Von einem Schutz der 4 Inseln im Süden würden nicht nur die Schildkröten sondern auch viele anderen Arten profitieren. Es ist nämlich bekannt, dass in der Vergangenheit speziell im Bereich zwischen den Inseln Sambit und Bilangbilangan regelmässig "fremde" Boote in den Archipel eindringen und mit Schleppnetzen und sonstwie das Meer plündern. Haifinning und Bomben- und Dynamitfischen sind in diesem bisher völlig unkontrollierten Gebiet immer noch an der Tagesordnung.
Finning in Indonesien
Die Ausweitung des Projekts auf die 4 zusätzlichen Inseln wird die Zahl der geschützten Schildkröten pro Jahr auf über 1 Million steigen lassen, was angesichts der ernsthaften Bedrohung dieser Tierart eine enorme Zahl und ein sehr wichtiger Beitrag zur weltweiten Population ist!
Mit diesem neuen Projekt ist die Turtle Foundation aber auch vor völlig neue Problem gestellt und es wird sich weisen, ob sich der Traum der Turtle Foundation realisieren lässt. Die Turtle Foundation ist derzeit namentlich mit 3 grossen Herausforderungen konfrontiert:
1) Finanzierung des Projekts. Die Ausweitung des Projekts auf die südlichen Inseln, die wesentlich schlechter zu erreichen sind, sprengt das bisherige Budget um ein Vielfaches. Während das Projekt Sangalaki bisher vorwiegend mit Spenden von Privaten Gönnern finanziert werden könnte, ist nun die zusätzliche Unterstützung durch einen oder mehrere Corporate Sponsors dringend erforderlich.
2) Logistik. Aufgrund der abgeschiedenen Lage und dem gänzlichen Fehlen einer Infrastruktur stellen sich viele logistische Fragen. Eine Hauptaufgabe der Mission von Hilli wird sein, in dieses unbekannte Gebiet vorzustossen und die Gegebenheiten und Möglichkeiten vor Ort zu erforschen.
3) Lokaler Widerstand. Die Turtle Foundation hat bereits gehört, dass der bisherige Konzessionsinhaber Haji Saga, der lokal viel Einfluss hat, in der Bevölkerung mit verschiedenen Mitteln versucht, Stimmung gegen die Turtle Foundation zu machen. Auch der Regierungschef, der noch vor einem Monat uneingeschränkt für den Schutz der Inseln eintrat, scheint bereits einen Teilrückzieher gemacht zu haben. Hilli darf daher nicht davon ausgehen, dass sie auf ihrer Mission überall mit offenen Armen empfangen wird. Die Turtle Foundation ist gespannt, welche Hindernisse und Widerstände sie vorfinden wird.