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Hallo ..,
Nach der unangenehmen, und fast schon bedrohlichen Begegnung mit dem
Bürgermeister und Eiersammlerboß auf der Insel Derawan ging
es gestern Nachmittag nach Sangalaki - der Insel, für die wir inzwischen
einen 100%-igen Schutzstatus erreicht haben. Nach einer guten Stunde Bootsfahrt
kamen wir dort an. Immer wieder rührt es uns, wenn wir die frischen
Schlüpflinge der Meeresschildkröten (Hatchlings) am Strand rumwuseln
sehen. Da kann man sich wirklich nicht beherrschen und muß doch die
eine oder andere einfach mal in die Hand nehmen. Wie ein aufgezogenes Spielzeug
rudern sie dann mit ihren kleinen Flippern in der Luft. Noch vor 6 Jahren
krabbelte hier keine einzige junge Meeresschildkröte herum, da ja
die Nester ausnahmslos geplündert wurden. Die Eierhändlerfamilie
aus Derawan machte einen satten Gewinn mit den als Delikatesse geschätzten
Turtle-Eiern.
Hilli und die Turtles
Mit Beginn der Nacht gingen wir mit den Leuten unserer Station dann
auf Patrouille. Das wird nicht nur zum Schutz des Strandes der kleinen
Insel durchgeführt. Die Rundgänge dienen auch dem Erfassen wichtiger
Daten und der Umbettung (Translocation) von Nestern, die von den Mutter-Schildkröten
zu nah an der Flutlinie gebaut wurden.
Es ist erstaunlich, wie Ahang und seine Mitarbeiter die Nester finden,
auch wenn sie von den Turtles bereits zugebuddelt worden sind. Mit Metallstäben
. ganz nach Art der Nestplünderer . haben sie im Nu die Eierkammer
lokalisiert.
Nestsuche
Eine Turtle aus nächster Nähe beim Eierlegen zu beobachten,
erfordert bestimmte Verhaltensregeln. Erst wenn sie die Grube mit der eigentlichen
Eierkammer vollständig ausgehoben und mit der Eiablage begonnen hat,
darf man sich ihr nähern. Ansonsten würde sie sich womöglich
gestört fühlen und sich wieder ins Meer zurückschleppen.
Seepocken an der Unterseite des Panzers.
Schildkröte beim Zuschaufeln des Geleges.
Werden Tiere beim Nisten angetroffen, so werden sie auch vermessen und
auf die berüchtigten, parasitären Seepocken untersucht. Sie können
an allen Körperteilen haften und sich sogar durch den Rückenpanzer
bohren. Mit der Zeit entstehen bei einigen Tieren üble Wucherungen,
die im schlimmsten Fall das Ende für die Turtle bedeuten können.
Bei diesen nächtlichen Einsätzen, bewundern wir immer wieder
den Einsatzwillen unserer Leute vor Ort und ihre tiefe Zuneigung zu den
Tieren, für deren Überleben sie sich ja durch ihre Arbeit
einsetzen.
Es war eine anstrengende Nacht auch für das Fernsehteam des Bayerischen
Rundfunks, das auf Schritt die Patrouille dokumentiert hat. Kurz vor der
Rückfahrt nach Nabucco machten wir noch eine etwas traurige Entdeckung:
es war schon hellichter Tag . und ein Mitarbeiter der Station bettete gerade
ein letztes Nest um. Weniger Meter neben ihm lag eine erwachsene Turtle
im Sand, der offenbar schwer was fehlte. Sie rührte sich nicht
vom Fleck und machte auch keine Anstalten, ein Nest zu bauen. Äußerlich
war ihr nichts anzumerken, aber dieses Verhalten war sehr besorgniserregend.
Wir entschieden, die Schildkröte besser wieder ins Meer zurückzuschieben,
als sie in der sengenden Sonne am Strand liegen zu lassen. Tatsächlich
schwamm sie dann auch davon.
Gesundheitscheck
Zurück ins Meer
Ziemlich geschafft fuhren wir durch schweren Seegang zurück nach
Nabucco, wo wir uns erstmal gepflegt ausschlafen konnten. Inzwischen war
auch Christian Redinger, unser Unterwasserkameramann aus Wien eingetroffen.
Er wird morgen mit dabei sein, wenn wir zu den Inseln vorstoßen wollen,
die endlich geschützt werden müssen. KSDA, die Naturschutzbehörde
und Partner unseres Programms hier, wird mit ihrem Patrouillenboot mitkommen.
Sicher ist sicher. Denn dort werden wir auf die Leute des Eierdealers treffen,
der uns vor zwei Tagen von der Insel Derawan gejagt hat.
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