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Wie ist die aktuelle Lage im Schutzgebiet? Ein Lagebericht soll euch dies aufzeigen.


Hallo!

Gestern konnten wir kein Tagebuch schicken, weil wir fernab jeglicher Internetverbindung auf der Insel Belambangan uebernachtet haben. Wir haben es also tatsaechlich geschafft, zu zwei der vier Inseln zu fahren, auf denen wir in kuerze neue Schutzprogramme einrichten wollen!


Mit der KSDA untwegs

Nach den Problemen der letzten Tage und den Widerstaenden der Eiersammler-Bosse waren wir ueberrascht, dass wir auf der ersten Insel - der Leuchtturminsel Sambit - durchaus freundlich empfangen wurden. Vielleicht haben dazu u.a. das offizielle Patrouillenboot des KSDA (Naturschutzbehoerde) sowie ein Polizist, der uns begleitet hat, beigetragen.


Der Leutturm..


auf Sambit.

Die beiden Eiersammler, die auf dieser winzigen Insel stationiert sind, gaben uns bereitwillig Auskunft und demonstrierten uns ihre "Schutzmassnahmen": in einen mit Brettern abgegrenzten Bereich graben sie angeblich alle Eier ein, die in der Vornacht gelegt wurden; jedes Nest wird mit einem Stoeckchen markiert. Nach Meinung unseres Projektmitarbeiters Ahang war der Sand an den entsprechenden Stellen jedoch ziemlich hart, so dass bezweifelt werden darf, ob hier wirklich Eier vergraben wurden. Immerhin hat sich auch auf diesen abgelegenen Inseln inzwischen herumgesprochen, dass das Eiersammeln illegal ist und dass man etwas haben muss, was man eventuell hereinschneienden Besuchern vorfuehren kann.


Sind hier wirklich Eier im Sand?

Da Sambit sehr klein ist und rundum heftig von Stranderosion angegriffen wird, ist die Zahl der Schildkroeten hier vergleichsweise gering. Von der Vornacht konnten wir nur eine frische
Turtle-Spur ausmachen.

Anders auf der Nachbarinsel Belambangan: beim ersten Rundgang stiessen wir sofort auf einen Strand, auf dem es von Turtle-Spuren nur so wimmelte. Es sah aus wie ein Autobahnkreuz im Ruhrgebiet!

Die Insel hat in etwa die Ausmasse von Sangalaki, und recht aehnlich wie auf Belambangan sah es auch dort aus, bevor wir mit unserem Schutzprogramm beginnen konnten: die Eiersammler hausten unter unhygienischen Bedingungen in einem Lager aus Bretterhuetten, dass ein wenig an ein Piratenlager erinnert.

Auch auf Belambangan waren die Eiersammeler indes sehr freundlich und gaben uns freimuetig Antwort auf alle Fragen. Hier entstehen zur Zeit etwa 4-5 Nester pro Nacht - immer noch deutlich weniger als auf Sangalaki. Die vielen turtle-Spuren erklaeren sich z.T. dadurch, dass es hier seit 3 Monaten keinen Tropfen mehr geregnet hat und dadurch der Sand extrem trocken ist. Die Schildkroeten moegen das nicht gern, weil das Ausheben des Nestes sehr muehsam wird, wenn der Sand immer wieder zurueckrieselt. So kommen sie immer wieder an Land, graben ein wenig und verlassen die Insel unverrichteter Dinge wieder.

Auf Belambangan geht die Demonstration der sogenannten Schutzmassmahnen noch etwas weiter: offensichtlich werden zumindest nicht alle Eier in den Handel gegeben, denn es gibt ein schmuddeliges Holzbecken, in dem eine Schar von Schluepflingen herumwuselt, die hier zu Vorfuehrzwecken gefangengehalten wird.


Vorführbecken

Angeblich werden sie hier aufgezogen, bis sie gross genug sind, um nicht gleich gefressen zu werden, aber unter diesen Bedingungen wird wohl kaum eine turtle lange ueberleben!

Ohne Umschweife erklaeren die Eiersammler, dass sie allerdings nur einen kleinen Teil der Eier ausbrueten lassen; den Loewenanteil laesst ihr Chef nach wie vor nach Derawan abholen.


Eine Tüte voll Eier.

Wieder einmal denken wir darueber nach, ob eine Zusammenarbeit mit den Eiersammlern innerhalb eines richtigen Schutzprojektes moeglich waere. Lieber waere uns, wen wir ihnen anstelle ihres wenig beneidenswerten Arbeitsplatzes nach entsprechender Schulung Weiterbeschaeftigung unter verbesserten Bedingungen anbieten koennten; die Frage ist nur, ob man ihnen vertrauen kann ...

Viele Gruesse von den Schildkroeten-Inseln, Eberhard und Hilli

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13.10.2008 05:13 Taucher Online : 47
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